Geschichte Afrikas

Tenger

Neues Mitglied
Hallo,

Ich interessiere mich zur Zeit für die Geschichte Afrikas. Es ist leider fast immer so, dass Afrika immer sowas wie der "verfaulte Apfel am Baum" gesehen wird, was ich extrem schade finde. Obwohl sich dort auch schon lange vieles verbessert hat, werden viele diese Sichtweise nicht los. In der Schule lernt man leider auch nie etwas über die Geschichte Afrikas (außer vllt über das alte Ägypten wenn man Glück hat). Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mir den entsprechenden Artikel vor Kurzem auf Wikipedia durchgelesen. Mir kam der Eindruck, dass Afrika ca. oberhalb des Äquators sich bis zur Verschleppung vieler Afrikaner nach Amerika gut entwickelt hat und auch mit Europa und (West)Asien gut mithalten konnte. Auch die Expansion der Araber und die Ausbreitung des Islam scheint Nord- und Westafrika gut gekommen zu sein (zumindest den Reichen, die zum Islam konvertiert sind). Im Artikel wurden allgemein Reiche wie Aksum, Songhai, Mali, Ghana und Ägypten gennant, die durch ihren Handel mit Europa über das Mittelmeer und Westasien über dem Landweg Afrika zu einem wettbewerbsfähigen Kontinent machte. Jetzt kommen da bei mir fragen auf:

1. Wieso konnte sich Afrika unterhalb des Äquators nicht so gut wie der Norden entwicklen? Gab es keine diplomatischen Beziehungen oder Handel zum Norden Afrikas, wo der Handel nach Europa weitergeleitet werden könnte oder vllt über Seeweg zur arabischen Halbinsel oder Persien? Gab es dort keine nennenswerten Reiche?

2. Ich meine mal gelesen zu haben, dass Milizen und/oder Soldaten der Könige damals aktiv beim Sklavenfang und Abtransport nach Amerika geholfen haben. Stimmt dies? Hatte das Fehlen so vieler Menschen eine (große) Auswirkung für Handel, Wirtschaft und die Gesellschaft der Reiche, als plötzlich so viele Menschen weg waren?

3. War es anknüpfend auf die 2. Frage, später leichter für die Kolonialmächte Afrika zu kolonisieren? Hatte Afrika denn überhaupt keine Chance sich gegen die Besatzungen zur Wehr zu setzen? Fehlte es an Waffen oder war Afrika "zu friedlich" um sich gewaltsam zu wehren?

Das waren erstmal die Fragen die ich im Kopf hatte. Vllt fallen mit später weitere ein.

LG Tenger

PS: Ich habe diesen Beitrag auf dem Handy getippt. Könnte sein, dass paar Buchstaben an falscher Stelle sind :)
 
Ich greife nur mal zwei Aspekte raus:

1. Wieso konnte sich Afrika unterhalb des Äquators nicht so gut wie der Norden entwicklen? Gab es keine diplomatischen Beziehungen oder Handel zum Norden Afrikas, wo der Handel nach Europa weitergeleitet werden könnte oder vllt über Seeweg zur arabischen Halbinsel oder Persien? Gab es dort keine nennenswerten Reiche?

Oh doch, die gab es. Es war (ist?) allerdings durchaus ideologisch geprägt, ob man bereit ist, die Existenz dieser Reiche wahrzunehmen oder nicht. Die Sichtweise des subäquatorialen Afrika insgesamt als kaum entwickelt, rückständig etc ermöglichte die Argumentation, daß das Eingreifen Europas nötig sei, um Kultura, Zivilisation und Christentum zu bringen.

2. Ich meine mal gelesen zu haben, dass Milizen und/oder Soldaten der Könige damals aktiv beim Sklavenfang und Abtransport nach Amerika geholfen haben. Stimmt dies? Hatte das Fehlen so vieler Menschen eine (große) Auswirkung für Handel, Wirtschaft und die Gesellschaft der Reiche, als plötzlich so viele Menschen weg waren?

Die Reiche konkurrierten einerseits durchaus miteinander. Zum zweiten war der afrikanische Begriff der Sklaverei nicht deckungsgleich mit dem europäischen. Zum dritten wurde von europäischer Seite natürlich auch Druck ausgeübt (so à la: Entweder du beschaffst Sklaven von deinen Nachbarn, oder wir nehmen euch hier alle hops bzw mit...). Auch der Zugang zu europäischen Gütern und Waffen erzeugte einen gewissen Druck, Sklaven zu beschaffen. Sowie nicht zuletzt das Wissen: Wenn ich/wir nicht mitmachen, fragen sie unsere Nachbarn und dann fallen die über uns her...

Das Fehlen so vieler Menschen: Die sind ja nicht alle auf einmal weg. Sondern es fand ein beständigr Aderlaß statt und das über Jahrhunderte. Als Handelsware begehrt waren ja auch gerade junge, kräftige Menschen, durchaus auch innerhalb ihrer Kultur gut ausgebildet. Die Gesamtzahlen der Deportierten läßt sich nur schätzen - sowie auch die Verlustzahlen derer, die den Abtransport nicht überlebten und entweder an verübten Grausamkeiten oder Krankheiten verstarben.
Durch den Verlust gezielter Bevölkerungsgruppen gehen auch Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Wissen verloren, weil tradierte Überlieferungsketten unterbrochen werden. Dadurch kommt es insgesamt zu ökonomischen und sozialen Rückschritten - die sich (siehe oben) aber wiederum wunderbar als Argument mißbrauchen lassen.

Diese langanhaltende Gesamtsituation bewirkte die Verheerung des Kontinents.

Nicht zuletzt auch koloniale Praktiken, die für die Verbreitung bzw Schaffung von Epidemien sorgten: So wurden Zwangsarbeiter aus ihrer angestammten Region in andere Regionen verbracht und nahmen 'selbstverständlich' ihre Bakterien etc mit, die in ihrer Heimat endemisch waren. Auf diese Weise eroberten die Seuchen neue Verbreitungsgebiete (das ist zb bei der Schlafkrankheit so gelaufen, aber auch bei anderen Seuchen). Dies in bereits reduzierten Bevölkerungen, deren jüngsten, widerstandsfähigsten, kräftigsten Teil man schon außer Landes geschafft hatte.

PS: Ich habe diesen Beitrag auf dem Handy getippt. Könnte sein, dass paar Buchstaben an falscher Stelle sind :)
Da sind wir ganz radikal: wenn wir Tippfehler finden, behalten wir die einfach ... :D Und willkommen an Bord.
 
In der Schule lernt man leider auch nie etwas über die Geschichte Afrikas (außer vllt über das alte Ägypten wenn man Glück hat).
Ägypten ist eigentlich Standard für den Geschichtsunterricht der unteren Klassen. Natürlich das pharaonische Ägypten, was auch wieder zu einem schiefen Ägyptenbild führt.

Auch die Expansion der Araber und die Ausbreitung des Islam scheint Nord- und Westafrika gut gekommen zu sein (zumindest den Reichen, die zum Islam konvertiert sind).
Das kann man weder pauschal in die eine noch in die andere Richtung sagen. Ist ja nicht so, als hätten die Muslime keine Afrikaner versklavt oder als hätte es eine Pax Islamica gegeben. Wobei ich Nordafrika eher zum mediterranen Raum zählen würde als zu Afrika, auch wenn's natürlich geographisch auf diesem Kontinent liegt und paradoxerweise Afrika seinen Namen von dem Gebiet rund um Tunesien hat, Africa bzw. später Ifriqiyya.

2. Ich meine mal gelesen zu haben, dass Milizen und/oder Soldaten der Könige damals aktiv beim Sklavenfang und Abtransport nach Amerika geholfen haben. Stimmt dies?
Ja, das stimmt. Wir haben die Neigung, unbewusst rassistische Denkmuster der Kolonialzeit(en) zu übernehmen, indem wir quasi die Europäer als Agenten (nicht im Sinne von Agent sondern von Agens) sehen und die Schwarzen als Opfer oder allenfalls Komplizen. Dabei haben die Europäer letztlich auch schwelende Konflikte zwischen unterschiedlichen Machtblöcken genutzt, also etwa Waffen gegen Kriegsgefangene getauscht. Wenn also König A gegen König B kämpfte, konnte er auf europäische Waffenhilfe setzen und die Europäer auf Kriegsgefangene als Gegenleistung. Es war ein Geschäft und ist in der jüngeren Vergangenheit auch manchmal genutzt worden, um die europäische Beteiligung am Sklavenhandel zu bagatellisieren. Selten zwar, aber...

3. War es anknüpfend auf die 2. Frage, später leichter für die Kolonialmächte Afrika zu kolonisieren? Hatte Afrika denn überhaupt keine Chance sich gegen die Besatzungen zur Wehr zu setzen? Fehlte es an Waffen oder war Afrika "zu friedlich" um sich gewaltsam zu wehren?
Du meinst, um das mal zu überspitzen, der "edle Wilde" wurde von der weißen Kriegsmaschinerie überrollt?
 
Hier muss ich bei mir selber reingrätschen.
Wir haben die Neigung, unbewusst rassistische Denkmuster der Kolonialzeit(en) zu übernehmen, indem wir quasi die Europäer als Agenten (nicht im Sinne von Agent sondern von Agens) sehen...
Das waren sie natürlich auch. Ich korrigiere mich also: Wir haben die Neigung, die Europäer in dieser Beziehung als ausschließliche Agenten zu sehen.
 
Hallo zusammen. Danke für die Antworten :)

Zum zweiten war der afrikanische Begriff der Sklaverei nicht deckungsgleich mit dem europäischen
Was genau bedeutet dies?

Als Handelsware begehrt waren ja auch gerade junge, kräftige Menschen, durchaus auch innerhalb ihrer Kultur gut ausgebildet.
Aber dies würde ja dann bedeuten, dass dort Arbeitskräfte und/oder Soldaten fehlten, wenn vorallem junge Menschen bevorzugt waren. Das würde ja dann schon der Wirtschaft des jeweiligen Reiches schaden

Das kann man weder pauschal in die eine noch in die andere Richtung sagen. Ist ja nicht so, als hätten die Muslime keine Afrikaner versklavt oder als hätte es eine Pax Islamica gegeben.
Ja das stimmt. Es gab natürlich auch unter den Arabern Sklavenhandel. Laut Wikipedia Artikel heißt es jedoch, dass durch die Islamisierung große Handelszentren entsanden sind, die durch Steuern auf Gold, Reichtum und kulturellem Glanz erlangt haben. Hört sich in erster Linie gut an. Oder gab es da einen Haken?

Link dazu

Du meinst, um das mal zu überspitzen, der "edle Wilde" wurde von der weißen Kriegsmaschinerie überrollt?
Es fehlten ja wie von Ingeborg erwähnt an jungen und kräftigen Menschen, die überwiegend nach Amerika abtransportiert wurden. Dadurch könnte ich mir vorstellen, dass es den Reichen an jungen Soldaten gefehlt hat, sodass die Europäer zahlenmäßig in der Überzahl waren. An moderne Waffen kamen sie ja wie oben erwähnt durch Handel. Mit "friedlich" meinte ich, dass die Afrikaner evtl. wie die Ureinwohner Amerikas größtenteils friedlich auf die Europäer zugingen und nicht ahnten was passieren wird oder passieren könnte.


Mit fällt da noch eine Frage ein. Undzwar habe ich mir eine Doku von Terra X mit dem Titel "Das Jahr 500" angesehen. Dort hieß es, dass der Süden Afrikas keine Entwicklung benötigt hätte, da die Menschen dort hervorragend mit und von der Natur leben konnten. Dies hinterließ bei mir den Eindruck, dass es laut der Doku dort keine Reiche und auch keine Entwicklung gab. Dass kann ich mir jedoch nicht so richtig vorstellen, jetzt wo ihr auch sagt, dass es auch im südlichen Afrika Reiche gab. Was ist an der Aussage in der Doku dran?

LG Tenger
 
Ja das stimmt. Es gab natürlich auch unter den Arabern Sklavenhandel. Laut Wikipedia Artikel heißt es jedoch, dass durch die Islamisierung große Handelszentren entsanden sind, die durch Steuern auf Gold, Reichtum und kulturellem Glanz erlangt haben. Hört sich in erster Linie gut an. Oder gab es da einen Haken?
Was in dem Artikel steht, ist nicht falsch, aber eben etwas unterkomplex dargestellt.

Es fehlten ja wie von Ingeborg erwähnt an jungen und kräftigen Menschen, die überwiegend nach Amerika abtransportiert wurden. Dadurch könnte ich mir vorstellen, dass es den Reichen an jungen Soldaten gefehlt hat, sodass die Europäer zahlenmäßig in der Überzahl waren. An moderne Waffen kamen sie ja wie oben erwähnt durch Handel.
Dass die Europäer (in Afrika) den Afrikanern zahlenmäßig überlegen gewesen sein sollen, ist unwahrscheinlich, auch wenn es regional zu heftigen Entvölkerungen gekommen sein mag. Und dass mit den Waffen solltest du nicht überbewerten.

Mit "friedlich" meinte ich, dass die Afrikaner evtl. wie die Ureinwohner Amerikas größtenteils friedlich auf die Europäer zugingen und nicht ahnten was passieren wird oder passieren könnte.
Mit dem "edlen Wilden" wollte ich dich natürlich ein wenig provozieren, aber das ist hier ist eigentlich schon das Bild des elden Wilden. Der fast nackte Afrikaner, der in seinem paradiesischen Dasein vom räuberischen und hinterhältigen Europäer gestört wird. Wie man auf andere zugeht, ist eine Frage von persönlichem Naturell/Charakter, Kultur/Erziehung und positiver oder negativer Erfahrung. Da wirken viele Dinge auf das Individuum oder die Gruppe. Zumal es "den Afrikaner" ja gar nicht gibt. Wir reden hier über tausende verschiedener Ethnien mit unterschiedlichen Kulturen.

Doku von Terra X mit dem Titel "Das Jahr 500" angesehen. Dort hieß es, dass der Süden Afrikas keine Entwicklung benötigt hätte, da die Menschen dort hervorragend mit und von der Natur leben konnten. Dies hinterließ bei mir den Eindruck, dass es laut der Doku dort keine Reiche und auch keine Entwicklung gab. Dass kann ich mir jedoch nicht so richtig vorstellen, jetzt wo ihr auch sagt, dass es auch im südlichen Afrika Reiche gab. Was ist an der Aussage in der Doku dran?
Im südlichen Afrika befindet sich die mittelalterliche Stadt, die heute unter dem Namen Groß-Simbabwe bekannt ist. Der Bau dieser Stadt erfordete Verwaltung etc., als ein (proto-)staatliches Gebilde. Das heißt aber nicht, dass alles Territorium in Afrika irgendwie politisch beherrscht war oder dass jeder Afrikaner - zur Erinnerung: wir reden hier über tausende verschiedener Ethnien - einem "Reich" angehörte. Es gab solche proto-staatlichen Gebilde, genauso wie steinzeitliche Jäger- und Sammlerkulturen oder auch nomadisch viehwirschaftende Kulturen, sesshaft viehwirtschaftende Kulturen, sesshaft ackerbauende Kulturen, arabisch-berberisch akkulturisierte Kulturen im Sudan, Niger oder Senegal...
 
Aber dies würde ja dann bedeuten, dass dort Arbeitskräfte und/oder Soldaten fehlten, wenn vorallem junge Menschen bevorzugt waren. Das würde ja dann schon der Wirtschaft des jeweiligen Reiches schaden
Das Fehlen von Arbeitskräften und/odr Soldaten ist ja nur ein kleiner Teil der Auswirkungen:
Ganz banal stehen die deportierten (oder im Zuge der Deportation getöteten) Menschen ja auch nicht mehr für die Reproduktion zur Verfügung. Falls sie bereits Kinder hatten, wurden diese teils bei der Gefangennahme getötet, vor allem, wenn sie für längere Märsche zum Veerladeplatz noch zu klein waren. Oder sie kamen in die Obhut der Großeltern, die vielleicht bald starben und wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten nicht mehr lehren konnten. Die Entwicklung von Kunst und Handwerk litt ebenfalls unter dem Sklavenhandel.
Ein weiterer Aspekt war auch die Landnahme durch europäische Eroberer, die in vielen Fällen brachliegende Landflächen kurzerhand enteigneten. Dies verkleinerte die für die Ernährung der afrikanischen Bevölkerung zur Verfügung stehende Landfläche. Da Brachenwirtschaft nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich war, laugten die Böden aus, woraus schlechtere Ernten bzw Hungersnöte folgten.
Addieren mußt du ebenfalls die zunehmende Rechtlosigkeit der afrikanischen Bevölkerung unter kolonialer Herrschaft und die damit verbundene Unsicherheit der Lebensbedingungen (wenn dir jederzeit das Land unterm Ar...m enteignet werden kann, oder die Familie in die Sklaverei oder Fronarbeit gezwungen, wenn drastische Strafen für kleinste Vergehen drohen, ist das nicht das Klima, das ökonomischen etc Unternehergeist fördert, mal sarkastisch formuliert). Ebenfalls addieren sich psychische Folgen der Kolonisierung, wenn den ausgebeuteten Menschen verdeutlicht wird, daß man sie aufgrund der Hautfarbe und Abstammung für minderwertig hält.

Wenn du alle diese Aspekte zusammenrührst, ergibt sich eine allgemeine soziale und ökonomische Verschlechterung, die auch nicht aufgefangen werden kann, weil sich die Rahmenbedingungen weiterhin verschlechtern.
Ich würde da auch gar nicht 'edle Wilde' mit fortschrittlichen Europäern kontrastieren. Beides stimmt nicht. Skrupelloser im Vorgehen und in der Mißachtung afrikanischer Rechte waren die Europäer schon. Jedoch handelte es sich bei den afrikanischen Gesellschaften nicht um Horden edler oder weniger edler Wilder - dies ist ein Fremdbild, das ideologischen Prämissen unterliegt und einen Zweck erfüllen soll. Dabei ging bzw geht es schlicht darum, die Kolonisierung zu rechtfertigen und sogar als 'gute Tat' umzumünzen.

Undzwar habe ich mir eine Doku von Terra X mit dem Titel "Das Jahr 500" angesehen. Dort hieß es, dass der Süden Afrikas keine Entwicklung benötigt hätte, da die Menschen dort hervorragend mit und von der Natur leben konnten. Dies hinterließ bei mir den Eindruck, dass es laut der Doku dort keine Reiche und auch keine Entwicklung gab. Dass kann ich mir jedoch nicht so richtig vorstellen, jetzt wo ihr auch sagt, dass es auch im südlichen Afrika Reiche gab. Was ist an der Aussage in der Doku dran?
Nun ja, da ist die genannte Jahreszahl schon seeehr wichtig. Die ursprüngliche Bevölkerung im südlichen Afrika waren die verschiedenen Ethnien der Kung und San (früher auch 'Buschleute' genannt), bei deren Kultur es sich wohl um die älteste bis heute tradierte menschliche Kultur handelt. Diese ist sehr an das Überleben in und mit der Natur angepasst und auf Jagen und Sammeln ausgerichtet.
Mit und von der Natur leben kann/konnten Menschen aber nicht nur im Süden Afrikas, von daher wäre die Einschätzung, die die Doku nach deiner Aussage gibt, arrogant und rassistisch.

Es kam erst später (deutlich nach dem Jahr 500) zu einer Einwanderung bantusprachiger Ethnien ins südliche Afrika und damit auch zur Ausbildung politischer Einheiten bzw von Reichen. So nicht nur in Simbabwe, das aber eines der frühesten Beispiele ist, sondern auch in Angola, auf dessen heutigem Staatsgebiet mehrere Reiche existierten. Aber auch in der heutigen Republik Südafrika hatten zb Zulu, Sotho, Xhosa Königreiche gebildet (die Xhosa assimilierten dabei Kung/San kulturell und sprachlich - die Xhosa-Sprache nahm deren Klicklaute an --- gutes Hörbeispiel: das Lied 'Pata Pata' von Miriam Makeba). Die einwandernden Ethnien brachten auch andere Wirtschaftsformen (Viehwirtschaft, Feldbau) mit.

Also, auf das Jahr 500 bezogen stimmt die Aussage, daß es (noch) keine Reiche im südlichen Afrika gab. So übern Daumen ab 1200-1500 stimmt sie nicht mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Tenger, eine Anmerkung .
Schaut man sich Afrika auf dem Globus an, dann sieht man einen Kontinent.
Tatsächlich aber sind es zwei, einer im Norden und einer im Süden.
Abgetrennt sind diese durch die dazwischen liegende Sahara (ich hab die als junger Mann mal mit dem Auto durchquert, das ist eine wirklich große Strecke durch das Nichts.).
Das ist kein geringeres Hindernis als etwa ein Meer.
Daher war der südliche Kulturraum auch kleiner und isolierter als der nördliche.
 
Vielen Dank für die Antworten. Wirklich sehr informativ. Vor allem Groß-Simbabwe hat mich fasziniert. Sowas kennt der Laie aus Afrika gar nicht.

Es kam erst später (deutlich nach dem Jahr 500) zu einer Einwanderung bantusprachiger Ethnien ins südliche Afrika und damit auch zur Ausbildung politischer Einheiten bzw von Reichen.

Wo war denn das Siedlungsgebiet der bantusprachigen Ethnien bevor sie gen Süden gewandert sind? Und was war der Grund dafür, dass sie gewandert sind?

Schaut man sich Afrika auf dem Globus an, dann sieht man einen Kontinent.
Tatsächlich aber sind es zwei, einer im Norden und einer im Süden.
Abgetrennt sind diese durch die dazwischen liegende Sahara (ich hab die als junger Mann mal mit dem Auto durchquert, das ist eine wirklich große Strecke durch das Nichts.).
Das ist kein geringeres Hindernis als etwa ein Meer.
Daher war der südliche Kulturraum auch kleiner und isolierter als der nördliche.

Aber trotz des großen Hindernisses müsste ja Kontakt zum Norden bestehen? Gibt es dazu keinerlei Informationen?
 
Aber trotz des großen Hindernisses müsste ja Kontakt zum Norden bestehen? Gibt es dazu keinerlei Informationen?
Also auf dem Landweg kann da nicht viel stattgefunden haben. Es gibt nur ganz wenige und sehr schmale Routen, die allesamt gefährlich sind und daher eine hohe Spezialisierung für eine Überwindung der Strecke erfordern. Da ist kaum jemand unterwegs und die wenigen sind durchaus eigen.
Bleibt der Seeweg entlang der Küsten.
So wie ich es verstehe ist die Westküste für Segelschiffe problematisch (andere Schiffe hatte man ja erstmal nicht).
Die Ostküste war besser vernetzt mit dem "Norden" der eigentlich der Osten war.

Die nordafrikanische Küste des Mittelmeers dagegen ist über lange Zeiten einem Europäischen Raum zuzurechnen.
Eratosthenes, den wir der griechischen Kultur zuordnen, war Nord-Afrikaner und befand sich als solcher im Zentrum einer Gelehrsamkeit die wir heute für eine Wurzel unseres Selbstverständnisses nehmen.
 
Also auf dem Landweg kann da nicht viel stattgefunden haben.

MS458_Timbuktu_Schild_Zagora.jpg

Die Ortskenntnisse der phönizischen Dolmetscher sprechen dagegen.
 
Dieses Thema rufe ich nochmal auf wegen eines recht jungen Buches von Howard W. French: »Afrika und die Entstehung der modernen Welt : Eine Globalgeschichte« (Klett-Cotta 2023). Ziel des Autors ist es, dem Kontinent seinen »prominenten Platz in unserer gängigen Erzählung der Moderne zurückzugeben«. Er erinnert:
»Nicht Europas Sehnsucht nach engeren Verbindungen mit Asien, wie so viele von uns in der Schule gelernt haben, stieß anfänglich das Zeitalter der Entdeckungen an, sondern vielmehr der jahrhundertealte Wunsch des Kontinents, Handelsbeziehungen zu sagenhaft reichen Schwarzen Gesellschaften zu knüpfen, die sich irgendwo im Herzen des »dunkelsten« Westafrika verbargen. Die berühmtesten Seefahrer der Iberischen Halbinsel sammelten ihre Erfahrungen nicht, während sie nach einem Seeweg nach Asien suchten, sondern vielmehr beim Erforschen der Küste Westafrikas.«​

Nachdem die Seewege nach Indien und China (wieder)entdeckt worden waren, in beiden Richtungen, fiel Afrika (mit Ausnahme des vom Osmanischen Reich beherrschten Nordafrikas) großenteils der Vergessenheit anheim – gemäß dem Hegelschen Diktum, dass der (subsaharische) Kontinent »keine Geschichte« habe.
Das war keine Einzelmeinung; French schreibt »von zahllosen Beispielen in einem jahrhundertealten Prozess der Schmälerung, Trivialisierung und Löschung von Afrikanern und Menschen afrikanischer Abstammung aus der Erzählung von der modernen Welt«.

Was über 300 Jahre gleichblieb, war der Handel mit schwarzen Sklaven als ausschlaggebender Faktor für die Wirtschaft in den amerikanischen Kolonien und den sie beherrschenden europäischen Mächten (siehe oben #2).

Ist diese krasse Art von Rassismus inzwischen überwunden? Man möchte es glauben, auch im Interesse der 2.500.000.000 Menschen, die 2050 nach UN-Prognosen in Afrika leben werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
»(...) Die berühmtesten Seefahrer der Iberischen Halbinsel sammelten ihre Erfahrungen nicht, während sie nach einem Seeweg nach Asien suchten, sondern vielmehr beim Erforschen der Küste Westafrikas.«
Naja, die Westküste Afrikas ist Teil des Seeweges von Portugal nach Asien...

Nachdem die Seewege nach Indien und China (wieder)entdeckt worden waren, in beiden Richtungen, fiel Afrika (mit Ausnahme des vom Osmanischen Reich beherrschten Nordafrikas) großenteils der Vergessenheit anheim – gemäß dem Hegelschen Diktum, dass der (subsaharische) Kontinent »keine Geschichte« habe.
Das war keine Einzelmeinung; French schreibt »von zahllosen Beispielen in einem jahrhundertealten Prozess der Schmälerung, Trivialisierung und Löschung von Afrikanern und Menschen afrikanischer Abstammung aus der Erzählung von der modernen Welt«.
Das Interessante an Afrika, und der Grund für die von Europäern zugeschriebene Geschichtslosigkeit, ist mE eine tiefe Kränkung: Die europäischen Eroberer/Kolonisatoren konnten in Afrika nicht das machen, was sie in Amerika so erfolgreich vorgelegt hatten, und dann in Indien ua Teilen Asiens wiederholten. Das Innere Afrikas blieb Europäern lange Zeit verschlossen, trotz der Geschichten über sagenhaft reiche Königreiche dort, die ja auch ein reale Grundlage hatten, und sicher Begehrlichkeiten weckten. Eine Machtausdehnung über Stützpunkte an der Küste hinaus blieb aus verschiedenen Gründen bis weit ins 19. Jh. hinein erfolglos.

Natürlich haben Europäer durch Handel (auch mit Menschen) versucht, aus dem unerreichbaren Inneren des Kontinents herauszuhole, was sich herausholen ließ, mit allen furchtbaren Folgen von Sklaverei und Sklavenhandel. Aber dass ihnen selbst große Teile des Kontinents verschlossen blieben hatte mE einen großen Einfluss auf das Desinteresse und die Unwissenheit gegenüber Afrika, neben dem tatsächlichen Informationsmangel aus "erster Hand" aka von Europäern; denn dass der Blick auf die Welt damals überwiegend rassistisch war, und einheimische Informationsquellen entsprechend als unglaubwürdig betrachtet wurden, ist kaum zu bestreiten...
 
Naja, die Westküste Afrikas ist Teil des Seeweges von Portugal nach Asien...


Das Interessante an Afrika, und der Grund für die von Europäern zugeschriebene Geschichtslosigkeit, ist mE eine tiefe Kränkung: Die europäischen Eroberer/Kolonisatoren konnten in Afrika nicht das machen, was sie in Amerika so erfolgreich vorgelegt hatten, und dann in Indien ua Teilen Asiens wiederholten. Das Innere Afrikas blieb Europäern lange Zeit verschlossen, trotz der Geschichten über sagenhaft reiche Königreiche dort, die ja auch ein reale Grundlage hatten, und sicher Begehrlichkeiten weckten. Eine Machtausdehnung über Stützpunkte an der Küste hinaus blieb aus verschiedenen Gründen bis weit ins 19. Jh. hinein erfolglos.

Natürlich haben Europäer durch Handel (auch mit Menschen) versucht, aus dem unerreichbaren Inneren des Kontinents herauszuhole, was sich herausholen ließ, mit allen furchtbaren Folgen von Sklaverei und Sklavenhandel. Aber dass ihnen selbst große Teile des Kontinents verschlossen blieben hatte mE einen großen Einfluss auf das Desinteresse und die Unwissenheit gegenüber Afrika, neben dem tatsächlichen Informationsmangel aus "erster Hand" aka von Europäern; denn dass der Blick auf die Welt damals überwiegend rassistisch war, und einheimische Informationsquellen entsprechend als unglaubwürdig betrachtet wurden, ist kaum zu bestreiten...

Ich würde doch sehr stark in Frage stellen, dass die Europäer in den Amerikas machen konnten, was sie wollten. Die "Erfolge" von Konquistadoren wie Hernan Cortez oder Franzisko Pizarro die mit einer Handvoll von Abenteurern Mexiko und Peru eroberten, waren sicher spektakulär. Zweifellos besaßen die Europäer eine waffentechnische Überlegenheit, Feuerwaffen, Pferde und Kampfhunde waren zuvor in Mexiko und Peru unbekannt, verschafften den Konquistadoren auch psychologisch einen enormen Vorteil. Bei der Eroberung Lateinamerikas spielten aber auch Krankheiten eine Rolle, die den Eroberern lange vorausgingen.

Hernan Cortez hat Mexiko aber nicht allein mit überlegener Waffentechnologie erobert, sondern es spielten dabei auch indianische Verbündete wie wie die Tlaccallaner eine bedeutende Rolle.

In Nordamerika konnten die Franzosen, Briten Niederländer sicher nicht machen was sie wollten. Sie waren auf Bündnisse und Konföderationen mit indianischen Verbündeten angewiesen. Die Pilgerväter hätten vermutlich nicht die ersten beiden Winter überlebt ohne die Unterstützung der Wampanoag. Ihr Sachem King Philipp, der die Kolonie Massachusetts in arge Bredouille brachte, war lange Zeit ihr Verbündeter, war durch Charles II. geehrt worden mit einer Medaille. Im Pelzhandel lief nicht viel ohne die mächtige Liga der 5, später 6 Nationen der Irokesen.

Die wussten, was ein Biber wert ist. Die haben sich auch keine Glasperlen andrehen lassen.

Über Flitzebogen und Skalpiermesser waren die Nations Nordamerika schnell hinaus. Selbst die mächtige Irokesenliga musste das im 17. Jahrhundert feststellen. Die Susquehannock waren mehrfach Ziel von Angriffen. Als die Irokesen mal wieder anrückten, staunten sie nicht schlecht, als sie auf ein System von Schanzen und Befestigungen stießen, die sich ihre Nachbarn bei den Europäern abgeguckt hatten.

Die Franzosen hatten ein riesiges Gebiet, das von Kanada bis zum Golf von Mexiko reichte. Am Vorabend des Franzosen- und Indianerkriegs lebten aber kaum 150.000 Franzosen in Nordamerika. Frankreich war mehr noch als die Briten auf Bündnisse mit Indianern angewiesen.

Sicher, im 19. Jahrhundert auch im 18. waren rassistische Auffassungen weit verbreitet, es galt der Grundsatz, dass sich die Welt außerhalb eines bestimmten Breitengrads sozusagen noch im wilden Urzustand befand und dort eben Piraterie und Menschenhandel erlaubt waren.

Es wurde im 19. Jahrhundert Rassenlehren entwickelt, es war aber auch das Zeitalter, in dem Abbolitionismus zu einer bedeutenden Strömung wurde. Leute wie William Wilberforce und Thomas Clarkson fanden Beachtung, durchaus aber auch schwarze Abolitionisten wie Aewuiano und Frederik Douglass.

Das war auch das Zeitalter, in der die Ethnologie entwickelt wurde. Berichte von Rohlfs, Livingstone oder auch Emin Pascha schrieben ausführlich über Sprachen, Sitten und Gebräuche, Rechtswesen von afrikanischen Stämmen. Die Bücher von Henry Morton Stanley waren sehr erfolgreich, nicht nur in GB und den USA, sondern auch in D. Theodor Fontane musste jedenfalls Stanleys Bericht über die Livingstone Expedition und auch Durch den Schwarzen Erdteil gelesen haben und erwähnt einige Male den Warlord Mirambo. Es wurden geographische Gesellschaften gegründet, und deutsche Forscher wie Heinrich Barth und Gerhard Rohlfs haben die Sahara erforscht, und das stieß durchaus auf großes Interesse der Öffentlichkeit, noch bevor Deutschland selbst Kolonialmacht wurde.

Die Berichte von Mungo Parks, David Livingstone über den Sklavenhandel erregten großes Interesse. Der Einflussbereich der Europäer beschränkte sich bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Küstensäume, das Innere Afrikas war vielfach noch Terra inkognita, das Geheimnis der Nilquellen, der Verlauf des Kongo noch nicht erforscht.

Es muss aber natürlich auch eine Expedition finanziert werden. Es war sicher nicht jedermanns Sache mit Hunderten von Trägern und Askari aufzubrechen wie Stanley, der sich notfalls auch den Weg freischoss. Es hatte sicher auch nicht jeder den finanziellen Spielraum wie Stanley, dessen Chef Gordon Bennett ihm unbgrenzte Mittel zur Verfügung stellte, wenn er nur Livingstone fand. Aber auch eine kleinere Expedition brauchte Geldgeber, Risiken und Gefahren, Kosten-Nutzen Erwägungen waren zu bedenken. Tropenkrankheiten wie Malaria, Schlafkrankheit und Gelbfieber forderten einen hohen Tribut. Mungo Parks, David Livingstone, Heinrich Barth und Emin Pascha sind in Afrika gestorben. Stanley und Rohlfs haben die Strapazen und Gefahren einen hohen gesundheitlichen Tribut abgefordert. Rohlfs hat sicher Abenteuerlust getrieben. Er hatte mit Ach und Krach das Medizinstudium absolviert, war in der Fremdenlegion und bereiste als wandernder Arzt die Sahara, er sprach fließend Arabisch, verdingte sich als zeitweise als Kameltreiber, und das alles ohne sichere Aussicht dafür die verdiente Anerkennung als Wissenschaftler zu bekommen.

Es mag ja sein, dass der Blick der Europäer auf Afrika von einer guten Dosis kultureller Überlegenheit, auch von rassistischen Stereotypen durchdrungen war. Hätte ein Ethnologe aus Uganda im 19. Jahrhundert Deutschland bereist, hätte er vielleicht die Bajuwaren als "Söhne des Biers" beschrieben und dem rituellen Gebrauch von Schnupftabak ein Kapitel gewidmet. Es mag sein, dass das Bild von Afrika eher ein Zerrbild als eine korrekte Abbildung der indigenen Kulturen war, dass man auch die christliche Missionierung kritisieren konnte.

Das mag sein, aber dass das Bild von Afrika völlig durch Unwissenheit und rassistische Stereotype geprägt war, geht mir dann doch etwas zu weit. Denn es spielten dabei ja auch der Reiz des Exotischen eine Rolle. Die Forschungsberichte von Leuten wie Rohlfs, Barth, Livingstone, Stanley stieß auf großes Interesse der Öffentlichkeit, schon zu einer Zeit, als Deutschlands eigene Kolonialgeschichte noch Zukunftsmusik war, es das Reich noch gar nicht gab. Deutsche Forscher wie Rohlfs, Barth, Nachtigal und Emin Pascha haben einen nicht unerheblichen Beitrag zur Geographie Afrikas geleistet, und ihre Berichte stießen auf großes Interesse. Emin Pascha gieß eigentlich Eduard Schnitzler. Er stammte aus einer jüdischen Familie, die zum Protestantismus konvertierte. Er trat in osmanische, später ägyptische Dienste und war Gouverneur der Provinz Äquatoria. Durch den Mahdi-Aufstand wurde er von der Außenwelt völlig abgeschnitten, Stanley organisierte eine Rettungs-Expedition um den verschollenen Emin Pascha zu retten. Es war fraglich, wer da wen gerettet hatte.

Berichte aus Afrika stießen doch auf großes Interesse, als D selbst Kolonialmacht wurde, gab es Tabak, Kaffee oder Kakaomarken, die mit Sammelbildchen aus den Kolonien warben. Das mag ja vielfach von Stereotypen und Klischees geprägt sein, aber das Interesse würde ich nicht unterschätzen.
Stanley
 
Ich rede nicht nur von überlgenen Waffen ua Technik.

Bei der Eroberung Lateinamerikas spielten aber auch Krankheiten eine Rolle, die den Eroberern lange vorausgingen.
Sicher. Das ist einer der Gründe, warum die Europäer das Innere Afrikas erst im späteren 19. Jh. unter Kontrolle bringen konnten. Zu dem Zeitpunkt war Amerika inkl dem Inneren des Kontinents (mit Ausnahme des Amazonas-Beckens und arktischer Gebiete) schon lange unter europäischer (bz dann amerikanischer...) Kontrolle.

Der Einflussbereich der Europäer beschränkte sich bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Küstensäume, das Innere Afrikas war vielfach noch Terra inkognita, das Geheimnis der Nilquellen, der Verlauf des Kongo noch nicht erforscht.
Eben, das Innere Afrikas war viel länger Terra inkognita als das Innere Amerikas. ME lag das nicht am Desinteresse der Europäer, sondern an ganz praktischen Gründen, die eine koloniale Eroberung Afrikas abseits von Küsten und bestimmten Gebieten unmöglich machten; eine geringere technologische Überlegenheit, und Krankheiten (sowohl fehlende, um die Afrikaner zu dezimieren, als auch vorhandene, die die Europäern und ihre Pferde gefährdeten) können hierfür die ausschlaggebenden Gründe gewesen sein.

Hätte ein Ethnologe aus Uganda im 19. Jahrhundert Deutschland bereist, hätte er vielleicht die Bajuwaren als "Söhne des Biers" beschrieben und dem rituellen Gebrauch von Schnupftabak ein Kapitel gewidmet.
Es hat zwar bis in die 1980er gedauert, aber genau der Film wurde doch unlängst im Forum vorgestellt... ;)
 
und Krankheiten (sowohl fehlende, um die Afrikaner zu dezimieren, als auch vorhandene, die die Europäern und ihre Pferde gefährdeten) können hierfür die ausschlaggebenden Gründe gewesen sein.
Die Schlafkrankheit, Malaria und Gelbfieber machten auch nicht vor Afrikanern halt, und Krankheiten wie die Syphilis erwiesen sich teils als verheerend.

Die Tsetse-Fliege dürfte tatsächlich der Hauptgrund gewesen sein, dass sich in Uganda, niemals größere Zahlen von Pflanzern und Farmern ansiedelten wie in Kenia oder Rhodesia. Pferde gingen in bestimmten Regionen im Nu ein. Die Reitpferde, die Stanley bei der Livingstone-Expedition und bei der Durchquerung Afrikas mit sich führte, gingen alle in kurzer Zeit ein. Als unverwüstlich erwiesen sich nur die mitgeführten afrikanischen Esel. An einer Stelle seines Berichts erwähnt Stanley die Esel, die anscheinend immer noch am Leben waren als die Expedition schon der Kongomündung nahe war. Da waren schon ein Großteil der Träger und Askari und alle von Stanleys weißen Begleitern tot.
 
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