Untersuchungsergebnisse zu Straßenstationen Südrätiens

Für jeden Südtiroler ist einsichtig, dass Sublavio / Sublabio / Sublavione / Sublabione nichts anderes als "unter Lajen" bedeutet (Lajen / Laione ladinisch), also unterhalb des Ortes in ca. 1.100 m Höhe. Ob das Waidbruck ist oder Kollmann, bleibt offen.


Das argumentum ad populum ist kein Argument. Für zumindest einen Südtiroler, und zwar einen, der sich sehr eingehend mit den Südtiroler Ortsnamen beschäftigt hat, ist das wohl gar nicht "einsichtig". In seinem Buch Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte (Band 1, Bozen 1991, S. 208f) zieht er einen Zusammenhang mit Sublavione nicht einmal in Erwägung, sondern geht vom Erstbeleg Legian aus, was auf ein praedium Legianu(m) bzw. Lagianu(m) zurückzuführen sei. Vgl. dazu die Ausführungen des Romanisten Guntram A. Plangg: https://www.istladin.net/web/pdf/MondoLadino/ml2011.pdf
 
Wann war dieses Klimaoptimum aus Deiner Sicht genau, wie stark fiel es aus und wo lässt sich nachlesen, dass hierzu ein Forschungskonsens besteht?
Forschungskonsens ist vielleicht ein bisschen viel verlangt. Darüber, ob Klima in der politischen Geschichte der Kaiserzeit eine Rolle gespielt hat, gibt es sicher keinen Konsens. Aber ich weiß nicht, ob es namhafte Wissenschaftler gibt, die bestreiten, dass sich das Klima in Europa nach oder ab dem zweiten Jahrhundert nach Christus bis ins Frühe Mittelalter hinein langsam abgekühlt hat.
 
Deshalb sah ich es bisher nicht als meine Aufgabe hier auf den Epfach-Abodiacum-Komplex sprachwissenschaftlich etc. näher einzugehen, weil das in einem solchen Fall mindestens zwei Tage Recherche in Anspruch nehmen würde.

Das ist natürlich der Offenbarungseid, sprachwissenschaftlich völlig unbeleckt zu sein.

Da hier das zum Hauptthema wurde und mir vorwirft, ich könnte die "gesicherte" sprachwissenschaftliche Verbindung Epfach-Abodiacum nicht widerlegen, habe ich eine Ausnahme gemacht und mit über 30 speziellen Fragestellungen an ein KI-Werkzeug, die Internetrecherche in über drei Stunden erledigen können.

Wobei die KI hier offensichtlich mit keiner sprachwissenschaftlichen Fragestellung behelligt wurde. Was die KI bei den vorgegebenen Fragestellungen ausgespuckt hat, ist denn auch geballter Unsinn. Die "Verbindung" zwischen dem Namen Epimachus und der eingegebenen Form Eptaticus besteht hauptsächlich aus zwei identischen Anfangs- und zwei identischen Endbuchstaben, das ist sprachwissenschaftlich von gleicher Relevanz wie die "Verbindung" zwischen Horatius und Hofbräuhaus.

Dafür müssten jedoch mehrere lautliche Veränderungen erklärt werden:
  • der Verlust von Abo-,
Die wurden oben schon erklärt, ich kann das gern bei wirklichem Bedarf ausführlicher tun, aber das hier soll ja kein Thread zur romanischen und germanischen Sprachgeschichte werden. Ich gehe nur exemplarisch auf den ersten "Einwand" ein: Das a- ist nicht "verloren", sondern - wie von @El Quijote bereits erläutert - zum e- umgelautet, das ist eine völlig regelmäßige Erscheinung (wer zwei Tage lang wirklich recherchiert, wird hundert Beispiele dafür auftreiben können); das -b- ist auch nicht "verloren", sondern steckt im -pf- (Stichwort: althochdeutsche Lautverschiebung), lediglich das -o- ist geschwunden, wobei ich auch schon darauf hingewiesen habe, dass es ursprünglich ein -u- war, das sich im Rahmen der romanischen Senkung (kann man auch recherchieren und Beispiele finden) abgeschliffen hat. Der Schwund unbetonter Vokale ist schließlich absolut kein besonders erklärungsbedürftiges Phänomen, wir haben ihn z. B. in rätoromanisch nebla 'Nebel' oder spanisch niebla (von lat. nebula)...
 
Aber hier geht es ja nicht um Hessen, sondern um den Alpen- und Voralpenraum. Die nahezu identischen Luftliniendistanzen zwischen Augsburg, Aventicum und Altinum (je sehr genau 225 m.p. oder 3 Meridiangrad) sowie zwischen Carnuntum, Augsburg und Altinum (je sehr genau 300 m.p. oder 4 Meridiangrad) allein sind meiner Ansicht nach erklärungsbedürftig.

Wir haben dies in diesem Forum ad nauseam durchkonjugiert. Es gibt kaum etwas, was weniger erklärungsbedürftig ist als die Tatsache, dass von Milliarden theoretisch möglicher Luftliniendistanzen, die man auf der Karte messen kann, immer mal wieder einige identisch oder nahezu identisch sind.

Kleines Beispiel aus dem Jahr 2018:
Dass es von einem Ort A zu einem Ort B genausoweit ist wie zu einem Ort C, ist keine "Anomalie".

Ich habe gerade zufällig nach Tiergärten in Mecklenburg-Vorpommern gesucht und "entdeckt", dass es vom Heimattierpark Greifswald bis zum Tierpark Neustrelitz genauso weit ist wie zum Rostocker Zoo, nämlich 84 km (10 + 10 + 9 + 9 Leugen).
 
Köbler, Gerhard, Geschichtliches Ortslexikon Deutschlands, 2011ff., online abrufbar.
Bavarikon, online Ortsdaten abrufbar
Oder ein Standard-Werk: von Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen (2006), kann gegoogelt werden.

Überall das gleiche Ergebnis....und @El Quijote hatte bereits bemerkt:



Diese Position Deines Beitrages nimmt, soweit ich sehe, sonst niemand auf 'wissenschaftlicher' Seite ein. Die erste 'urkundliche' Erwähnung 1160? Dies wiederum ist nur auf der Website von Denklingen zu finden....ich dachte ;):


Im Standardwerk von Reitzenstein hingegen nicht. Da heißt es:

"Der Siedlungsname ist 1104 (Kopie des 19. Jh.) als Thengelingen, 1175 als Denchilingen, 1297 als Denclingen und 1316 als Denklingen bezeugt."

Zu jedem Beleg gibt Reitzenstein eine Quellenangabe. Falls jemand die Belege nachprüfen will, reiche ich die Quellenangaben gerne nach.
 
"Der Siedlungsname ist 1104 (Kopie des 19. Jh.) als Thengelingen, 1175 als Denchilingen, 1297 als Denclingen und 1316 als Denklingen bezeugt."
Ausgangspunkt meinerseits war die Position des Users, auf die auch @El Quijote wie auch ich geantwortet hatte:
Das Ergebnis in Kurzform
Epfach wurde bis um 1200 urkundlich "Denchelingen" genannt.
Das trifft nicht zu, soweit sichtbar, siehe auch Reitzenstein, S. 72.
 
Nochmal Epfach, welches angeblich bis um 1200 'Denchelingen' genannt wurde:


THOMAS M. KRÜGER, Die Augsburger Bischöfe vor 1152. Bischof Wikterp von Epfach (2023). Reihe Germania Sacra. Biographische Einzelstudien. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

S. 2: […] Sicher ist, dass sich in der etwa 60 km südlich von Augsburg an einer Lechbrücke und Kreuzung zweier Römerstraßen gelegenen Ortschaft Epfach das ursprüngliche Grab Bischof Wikterps befand. Dies belegt die um 1130 von Paul von Bernried verfasste Vita beatae Herlucae. […]​
​
S. 4: […] Die Magnusvita bezeichnet Wikterp an dieser Stelle zwar als episcopus sanctae augustae vindelicensis ecclesiae, berichtet aber auch im weiteren Verlauf von keinem Aufenthalt Wikterps an seinem angeblichen Bischofssitz. Gerade wegen der durchsichtigen Darstellungsabsicht, für das Bistum Augsburg Tradition und für seine Bischöfe Autorität zu verleihen, weist der rein nominelle Augsburg-Bezug im Vergleich zu konkreten Epfach-Bezügen darauf hin, dass letztere zum historischen Kern der Erzählung gehören. Der nominelle Augsburg-Bezug erklärt sich dagegen aus der Perspektive der Verfasserzeit um 900. […]​
 
Wer oder was ist die "norddeutsche Redaktion" und welchen Sinn haben "geographische Anpassungen"? Ich würde ja ganz gerne was dazu nachlesen.
Inwiefern eine "norddeutsche Redaktion" (von Heldenmären) Auskunft über römische Straßenverläufe der Kaiserzeit geben kann, ist mir auch unklar.
In den HE und TS werden Kriegszüge oder entsprechende Bewegungen thematisiert, die u.a. auch römische Heerstraßen verwenden. Deshalb können mitunter informelle Spuren darin zu finden sein.

Zur nordeutschen Redaktion:
Im letzten Abschnitt der Thidrekssaga (Heimes und Thidreks Ende) gibt sich Heime im Kloster Wadincusan (Wedinghausen in Westfalen) seltsamerweise als Ludwig aus. Es könnte hier um die abschließende Signatur des Skriptors der Thidrekssaga darstellen. Ludwig war zu dieser Zeit ein bekannter Skriptor dieses Klosters. Es wurde im 12. Jh. gegründet, auf Veranlassung des Kölner Erzbischofs Reinald von Dassel und Herzog Heinrich des Löwen. Diese Gechichte wiederum ähnelt der frühmittelalterlichen Klostergründung von Wilten/Veldidena (Innsbruck), die auf einen Riese=Krieger(adel) namens Heymo/Heimo zurückgeführt wird. Auch diese muss nach Norden zu den Kölner Erzbischöfen gelangt sein und dort in die Heime-Klostergeschichte von Wadincusan verwoben worden. Ein Krieger Heime hätte sich nicht so ohne weiteres so weit nach Norden begeben, nur um am Ende in ein Kloster einzutreten. Wilten wäre damals schon deutlich besser ausgestattet gewesen. Die HE und TS beinhaltet lauter derartiger Spuren und Hinweise. Man muss sie nur historisch-topographisch entschlüsseln können. Damit ist auch dieses Thema (zu einer Nebenbemerkung) für mich hier abgeschlossen.​
 
Zuletzt bearbeitet:
Da muss ich doch nochmals nachfragen. In einem sehr anerkannten Werk aus jüngster Zeit (der "Römischen Geschichte" von Michael Sommer) wird beispielsweise keine Klimaverschlechterung als Begründung für die Veränderungen der römischen Welt zur Spätantike hin herangezogen.
"keine Klimaverschlechterung..." würde ich bestreiten. Es gibt natürlich mehrere Faktoren.
Ich habe einzelne Autoren gefunden, die von einer "Römischen Warmzeit" oder einem "Römischen Klimaoptimum" sprechen, den Effekt aber manchmal dennoch für wenig bedeutend halten. Zudem sind - wie ich es bereits in Erinnerung hatte - die vorgeschlagenen Daten extrem unterschiedlich. Mal beginnt die Warmzeit schon im 5. oder 4. Jh. v. Chr., mal erst ein Jahrhundert vor der Zeitenwende. Auch das Ende dieses (mutmaßlichen) Optimums schwankt zwischen der späten julisch-claudischen Dynastie und 500 n. Chr., also bereits dem Übergang der Spätantike zum Frühmittelalter.

Das sind doch keine statistischen Details?
Im Grunde ja. Es kommt auf die Messmethoden an... wie/was man misst, wo man misst…. und wie die Daten insgesamt ausgewertet werden. Die Ergebnisse sind entsprechend heterogen, regional unterschiedlich. Beispielweise dürfte In Süditalien diese Warmzeit länger angedauert haben, als im Norden, bzw. vielleicht ist dort anschließend keine derart gravierende Verschlechterung eingetreten/festzustellen.
Wir können es aber möglicherweise andersherum machen. Da es sich hier ja nicht um Dein geheimzuhaltendes Forschungsprojekt handelt, könntest Du vielleicht einfach die Quellen und die Rahmendaten nennen, die Du für plausibel hältst. Wann war dieses Klimaoptimum aus Deiner Sicht genau, wie stark fiel es aus und wo lässt sich nachlesen, dass hierzu ein Forschungskonsens besteht?
Folgende einführende Literatur in diese Problematik: Schönwiese 1979, 75-84; Ljungqvist 2010, 339-351; Harper 2020, 35-36. Vor einigen Jahren fand ich aktuellere Forschungsergebnisse im Internet. Entscheidend für meine Untersuchungen ist aber nicht wann da und dort das Klimaoptimum war, sondern ob und wann Überschwemmungskatastrophen in meinem Untersuchungsbereich feststellbar sind. Im regionalen Hauptuntersuchungsraum lässt sich eine entsprechende Klimaverschlechterung ab etwa 270-280 bestätigen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die stärkste Ausdehnung des Imperiums ins Klimaoptimum fällt und anschließend ein allmählicher Rückzug und Verfall eintritt. Hätten die Römer mit der Expansion erst ab 300 begonnen (z.B. den Alpenfeldzug), wäre es bestimmt nicht zu einer derartigen Ausdehnung gekommen.
In einem zweiten Schritt ließe sich dann vielleicht prüfen, ob man damit wirklich jährliche Überschwemmungen an einem bestimmten Abschnitt der Etsch im 3. Jh. nachweisen kann.
Es geht hier nicht um die jährlichen Überschwemmungen, sondern um einige signifikante Überschwemmungskatastrophen nach etwa 270. Ich stellte in diesem Zusammenhang fest, dass es solche gegeben haben muss, die von der klass. Archäologie etc. bislang ignoriert wurden.
 
Die wurden oben schon erklärt, ich kann das gern bei wirklichem Bedarf ausführlicher tun, aber das hier soll ja kein Thread zur romanischen und germanischen Sprachgeschichte werden. Ich gehe nur exemplarisch auf den ersten "Einwand" ein: Das a- ist nicht "verloren", sondern - wie von @El Quijote bereits erläutert - zum e- umgelautet, das ist eine völlig regelmäßige Erscheinung (wer zwei Tage lang wirklich recherchiert, wird hundert Beispiele dafür auftreiben können); das -b- ist auch nicht "verloren", sondern steckt im -pf- (Stichwort: althochdeutsche Lautverschiebung), lediglich das -o- ist geschwunden, wobei ich auch schon darauf hingewiesen habe, dass es ursprünglich ein -u- war, das sich im Rahmen der romanischen Senkung (kann man auch recherchieren und Beispiele finden) abgeschliffen hat. Der Schwund unbetonter Vokale ist schließlich absolut kein besonders erklärungsbedürftiges Phänomen, wir haben ihn z. B. in rätoromanisch nebla 'Nebel' oder spanisch niebla (von lat. nebula)...
Wie oben bereits erläutert, müsste es sich dann im Falle der Abodiacum-Eptaticus-Epfach-Entwicklung um ein sprachwissenschaftliches Wunder bei der Christianisierung handeln. Wenn man der seltsamen Umwandlung folgen würde, hätte hier innerhalb drei Jahrhunderte ein Dreh zwischen keltisch-römischen Besitzernamen und griech.-christl. Kult stattgefunden. Als ob der keltische Vorbesitzer sich einen Namen aussuchte, der mit dem Jahrhunderte später auftauchenden christlichen Kultbegriff auch irgendwie sprachwissenschaftlich konform gehen musste. In vielen anderen Stationsnamen wurden die vorrömisch-keltischen Namen normal weiter getragen: Veldidena/Wilten, Matreia/Matrei, Vipiteno/Wipptal, Endidae/Enn… Die direkte und eigenständige griechisch-christliche Herleitung aus éptá-kis (sieben-mal, NT) erscheint mir für Epfach ohne Umweg über den keltischen Besitzernamen nachvollziehbarer. Letztere Hypothese tauchte erst ab 1830 über ein potentielles Missverständnis auf.
 
Die norddeutsche Redaktion ist nach dem Ende der vorletzten Warmzeit auf Eis gelegt und derzeit nicht erreichbar...

Dennoch hast Du in einem Punkt recht:
Ja, es gab hier katastrophale Überschwemmugen.
Es geht hier nicht um die jährlichen Überschwemmungen, sondern um einige signifikante Überschwemmungskatastrophen nach etwa 270. Ich stellte in diesem Zusammenhang fest, dass es solche gegeben haben muss, die von der klass. Archäologie etc. bislang ignoriert wurden
Diese Katastrophen erfolgen entlang der oberen Etsch regelmäßig, und sie sind von der "klass. Archäologie etc." nicht im geringsten ignoriert worden, werden auch in Funddokumentationen so genau wie möglich dargestellt.

Der Meilenstein von Rabland, der Dianaaltar von Partschins, die berühmten Menhire von Algund sind durch Wildbäche zerstört, versetzt und verschüttet worden, durch erneute Wildbäche Jshrhunderte später wieder freigelegt.

Albrecht Dürer musste auch bei seiner Italienreise vom Klösterle aus den Weg über die Berge nach Trient nehmen, weil das Etschtal an der Salurner Klause katastrophal überschwemmt war.
 
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Diese Katastrophen erfolgen entlang der oberen Etsch regelmäßig, und sie sind von der "klass. Archäologie etc." nicht im geringsten ignoriert worden, werden auch in Funddokumentationen so genau wie möglich dargestellt.
Vielleicht vereinzelt dargestellt, - sie lassen sich aber nicht in logischen Schlussfolgerungen feststellen. Andernfalls hätte die Strecke an der östlichen Talseite als verloren registriert werden müssen. Dies würde jedoch die offizielle Theorie von Pons Drusi an der östlichen Talseite widerlegen.
 
Wie oben bereits erläutert, müsste es sich dann im Falle der Abodiacum-Eptaticus-Epfach-Entwicklung um ein sprachwissenschaftliches Wunder bei der Christianisierung handeln. Wenn man der seltsamen Umwandlung folgen würde, hätte hier innerhalb drei Jahrhunderte ein Dreh zwischen keltisch-römischen Besitzernamen und griech.-christl. Kult stattgefunden. Als ob der keltische Vorbesitzer sich einen Namen aussuchte, der mit dem Jahrhunderte später auftauchenden christlichen Kultbegriff auch irgendwie sprachwissenschaftlich konform gehen musste. In vielen anderen Stationsnamen wurden die vorrömisch-keltischen Namen normal weiter getragen: Veldidena/Wilten, Matreia/Matrei, Vipiteno/Wipptal, Endidae/Enn… Die direkte und eigenständige griechisch-christliche Herleitung aus éptá-kis (sieben-mal, NT) erscheint mir für Epfach ohne Umweg über den keltischen Besitzernamen nachvollziehbarer. Letztere Hypothese tauchte erst ab 1830 über ein potentielles Missverständnis auf.

Die sicher erschließbare ursprüngliche lateinische Form lautet Abudiacum, die sicher erschließbare hochmittelalterliche Form lautet (wie im heutigen Deutschen) Epfach. (Die hochmittelalterliche Schreibweise Ephach ist Epfach zu lesen.) Die Entwicklung von Abudiacum zu Epfach ist sprachgeschichtlich (lateinisch - romanisch - althochdeutsch - mittelhochdeutsch) ohne Schwierigkeiten zu erklären.

Aus der (aus einer Kopie des 10. Jahrhunderts überlieferten) Form Eptaticus ist der Ortsname Epfach leider gar nicht zu erklären, es sei denn, man nimmt einen Schreib- oder zumindest Kopistenfehler an.
Auf einen Schreibfehler würde ich jedenfalls kein Kartenhaus aus irrwitzigen Hypothesen bauen.

Nur zum weiteren Verständnis: Lehnst Du auch die Gleichsetzung von Cambodunum=Kempten ab? Da haben wir dasselbe "Problem" wie im Fall Abo-: a wird zu e, -b- wird zu -p-, der unbetonte Vokal -o- schwindet.
 
Es gibt kaum etwas, was weniger erklärungsbedürftig ist als die Tatsache, dass von Milliarden theoretisch möglicher Luftliniendistanzen, die man auf der Karte messen kann, immer mal wieder einige identisch oder nahezu identisch sind.
Mein großer Respekt vor deiner Belesenheit, aber dass du Milliarden etwa gleich alter römischer Orte kennst, vom Kaliber Altinum, Aosta, Augsburg und Carnuntum, nehme ich dir nicht ab.
 
Mein großer Respekt vor deiner Belesenheit, aber dass du Milliarden etwa gleich alter römischer Orte kennst, vom Kaliber Altinum, Aosta, Augsburg und Carnuntum, nehme ich dir nicht ab.
Ich spreche nicht von Milliarden römischer Orte. Es funktioniert mit zoologischen Gärten, mit Tankstellen, mit chinesischen Orten der Tang-Zeit, mit römischen Straßenstationen, mit Berggipfeln, mit Kombinationen aus verschiedenen Elementen. Wenn ich 1000 Orte habe, habe ich eine halbe Million möglicher Luftliniendistanzen. Ich habe mal angefangen, nach gleichen Luftliniendistanzen zwischen öffentlichen Schwimmbädern in Deutschland zu suchen und bin sofort fündig geworden, habe das Projekt dann aber eingestellt, obwohl ich bei geschätzt 18 Millionen möglicher Distanzen sicherlich eine gigantische Anzahl von Beispielen hätte liefern können.
 
Die Ableitung von Cambodunum....Kempten ist deutlich nachvollziehbarer, als die von Abudiacum zu Epfach.

Nein, sie kommt Dir bestenfalls "nachvollziehbarer" vor, weil Du Dich mit den sprachwissenschaftlichen Gegebenheiten nicht beschäftigt und die Hinweise auch nicht zur Kenntnis genommen hast. Die Umlautung von a>e ist im Fall Cambodunum-Kempten nicht ohne weiteres zu erklären, da hier das -i- fehlt.

Eher nicht. Aus Silbenvokal /a/ wird, wenn Silbenvokal /i/ folgt, leicht /e/ ("regressive i-Umlautung"). Abodiacum.
Vgl. auch Tolbiacum > Zülpich, Turiacum > Zürich, Iuliacum > Jülich > die -cum-Edung wird gregelmäßig zu -ch
[fehlendes u in Iuliacum von mir ergänzt.]


Wo sogar zwei Silben flachgefallen sind. By the way: Bei der Gleichsetzung von Vetonina mit Veldidena müssen wir von sehr gravierenden Verschreibungen ausgehen, da siehst Du kein Problem?



Ich dachte, die gängige Gleichsetzung von Matreio mit Matrei lehnst Du auch ab, zumindest liest sich der Eingangsbeitrag so:

Dies führte zu einer Neuverortung folgender zwölf Stationen (von Süd nach Nord): Matreio, Masciaco, Scarbia, Albiano, Parthano, Ad pontes Tesseni(n)os, Abuzaco, Damasia, Escone, Urusa, Bratananio, Ad novas – mit einer durchschnittlichen Abweichung von 15 km zu den bisherigen Verortungen.




Mir würde nie einfallen "die ptolemaischen Koordinaten so weit wie möglich zu "retten"". Ptolemaios bastelte seine Geogr. aus vielen unterschiedlichen Informationen von der Ferne aus zusammen.
Darunter waren ganz sicher auch Itinerarien, also Informationen derselben Art und Qualität, aus denen die die Tabula Peutingeriana oder das Itinerarium Antonini "zusammengebastelt" wurde.
Grundsätzlich bin ich allen Versuchen gegenüber aufgeschlossen, den Leugenstein von Tongern, die Tabula Peutingeriana, das Itinerarium Antonini oder die Geographike Hyphegesis oder zumindest einen Teil davon zu "retten". Wenn die Methode daraus besteht, auf alle anderen wissenschaftlichen Methoden zu pfeifen, nur um möglichst viele "richtige Zahlen" zu erhalten, dann ist bei bei der Methode etwas faul, das lässt sich bei allen genannten Beispielen denn auch an den Ergebnissen nachweisen.


Um eine nicht ausreichend begründbare Hypothese zu "retten", erfindest Du eine weitere, durch nichts begründete Hilfshypothese.
Wie willst du das wissen ohne nähere Einblicke dazu? Mommsen glaubte beispielsweise...

Weil Deine Hilfshypothese durch nichts begründet ist. Auch auf meinen Einwand hin kam nicht einmal der Versuch einer Begründung. Vielleicht liegt hier auch irgendein Missverständnis vor. Was Mommsen im Fall Sublavione geglaubt hat und inwieweit er damit falsch lag, spielt jedenfalls nicht die geringste Rolle bei der Bewertung der offensichtlich "gerundeten" Zahlen in den römischen Itinerarien. Hier können wir einfach Ockhams Rasiermesser walten lassen, bis Fakten auf dem Tisch liegen, die tatsächlich eine neue Hypothese erforderlich machen.
 
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  • Altinum existierte bevor die Römer daran denken konnten, Carnuntum und Aventicum / Avenches römisch werden zu lassen.
  • Carnuntum liegt am Südufer der Donau, hochwassersicher, am Kreuzungspunkt schon vorgeschichtlich bedeutender Straßen. Und war schon vor den Römern namentlich als Hauptsitz der Noriker benannt.
  • Aventicum liegt ebenfalls an Straßen die schon vor den Römern bestanden, und ist auf der Strecke vom Murtensee zum Rhein.

Es gibt nicht die Möglichkeit die Städte "mal ebenso" anders anzulegen, nur weil hypothetisch die Koordinaten das vorgeben, ohne für die Römer wichtigen Aspekte wie die Nähe zu den Verkehrswegen und die Hochwassersicherheit zu achten.
 
Altinum existierte bevor die Römer daran denken konnten, Carnuntum und Aventicum / Avenches römisch werden zu lassen.

Das liegt ja in Italien. Alle anderen erwähnten Orte sind aber aus der Zeit Augustus' stammende römische Gründungen ex nihilo (wobei Carnuntum in dieser Phase zunächst nur ein provisorisches Winterlager gewesen ist).

Es gibt nicht die Möglichkeit die Städte "mal ebenso" anders anzulegen, nur weil hypothetisch die Koordinaten das vorgeben

Avenches wurde an einem eher ungünstigen Ort für eine so große Siedlung gegründet, da hätte es entlang der Straße auch andere Möglichkeiten gegeben, wie etwa Murten. Und in Augsburg hat man sich nach einem ersten Lager in Oberhausen dann in der zweiten Phase umentschieden und den Standort gewechselt.
 
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