1453 – Der Krieg vor dem Fall von Konstantinopel

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Barbarelli, 20. Juni 2005.

  1. Barbarelli

    Barbarelli Neues Mitglied

    Wenn es um das Ende von Konstantinopel geht, dann ist die Literatur reich gesät. Doch wie sieht es mit den Kampfhandlungen vor dem Beginn der Belagerung aus? Diese werden, wenn überhaupt, nur in Kurzform abgehandelt. Dabei kann man in Kurzform folgendes erfahren: Bereits zum Ende des Jahres 1452 gab es erste Einfälle in die Pelophonnes, die dort byzantinische Truppen binden sollten. Am Anfang des Jahres 1453 befahl dann der Sultan, Mehmed II., die byzantinischen Besitzungen in Thrakien anzugreifen. Schnell fielen die Gebiete in osmanische Hand und wurden geplündert. Nur wenige Städte leisteten Widerstand. Viel mehr, mit Ausnahme einiger weniger Protagonisten und Städtenamen, wird meist nicht genannt. Gibt es über diese Zeit eigentlich genauere Informationen, z.B. zu welchen bewaffneten Auseinandersetzungen es genau kam und mit welchen Truppenstärken sich die Kontrahenten gegenüberstanden? Welche Gefechte sind überliefert und gab es überhaupt welche, bei denen die Byzantiner noch mal einen Sieg davontrugen?
     
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  2. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    Die Byzantinischen Soldaten in Konstantinopel machten etwa 5.000 Mann aus.Dazu kamen noch 700 Genuesische Bogenschützen Verstärkung in die Stadt.Auf der Seiten der Türken waren ungefähr 200.000 soldaten,darunter auch sehr sehr viele Christen die zum plündern kamen.Schätzungsweise die hälfte der Armee Mehmeds waren Christen oder konvertierte.Zu den Kampfhandlungen werd ich dir mal ne sehr gute Quelle zitieren,aus dem Buch des J.W.Norwich über Byzanz:
     
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  3. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    Kampfhandlungen fanden vor 1453 zwar statt,jedoch war das Ungleichgewicht viel zu groß.Die Städte die Byzanz in Thrakien hielt,waren nicht zu halten...die Befestigungen hatten kaum Soldaten.Die meißten Soldaten standen an den Mauern von Konstantinopel.Lediglich in der Peloponnes fanden Kampfhandlungen statt,die spährlichen Truppen der byzantiner (höchstens 4000-5000 Mann) konnten der Osmanischen Überzahl jedoch kaum Wiederstand leisten.Nach der Schlacht von Nikopolis,1444,griffen die Osmanen die Peloponnes an,und siegten auch dort.Berichte über die Kampfhandlungen sind gering.Die Zeitgenossen beschränkten sich auf die Ereignisse von 1453,da diese den untergang besiegelten.Alles andere in den 4-5 Jahren zuvor,waren lediglich kleinere Scharmützel,wo Byzanz zur Gegenwehr nicht mehr in der Lage war.
    Eigentlich kann man sagen,dass der letzte Krieg,der diesen Namen verdient,zwischen Byzantinern und Osmanen,im Jahre 1329,in Kleinasien,vor den Mauern des belagerten Nikäa, ausgetragen wurde.In dieser Schlacht gab es sowas wie eine Pattsituation,jedoch war Byzanz durch die gleich darauf folgenden Bürgerkriege (bis 1354 glaub ich, Johannes Palaiologos gegen Johannes Kantakuzenos )dermassen geschwächt,dass weiterer Wiederstand nicht möglich war.Man benutzte die Osmanen sogar als Söldner im Bürgrekrieg.Auf diese Weise fassten sie zum ersten Mal Fuß auf den Balkan. Die Kampfhandlungen beschrängten sich nunmehr in Kleinasien auf die Belagerung,Aushungerung und Einnahme aller Festungen und befestigten Städte der Byzantiner ,und ab 1371 in Thrakien und Griechenland.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Juni 2005
  4. Barbarelli

    Barbarelli Neues Mitglied

    Hatte es ja befürchtet, dass es für die Zeit, die dem unmittelbarem Fall von Konstantinopel voranging kaum Material gibt. Habe ja auch nichts gefunden. Ich hatte ein wenig gehofft, dass es vielleicht etwas Ausführlicheres von einem der byzantinischen Geschichtsschreiber geben könnte, aber die haben sich dann wohl auch eher mit dem Finale auseinandergesetzt. Trotzdem Danke für die Antwort.
     
  5. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    In Ostrogorskys Buch über Byzanz fand ich nur folgendes:
    "Im Jahr 1444 ergriff der Despotes Konstantin (späterer Kaiser) die Offensive.Schon seit 1443 gebot er über den wichtigsten Teil der Peloponnes,mit dem Mittelpunkt im Mystra ( Gebiet um Sparta).Sein erstes Werk war die Wiedererrichtung der durch die Türken im Jahre 1423 zerstörten Examilion Mauer am Isthmos.Dann drang er mit seinen Truppen in mittelgriechenland vor und besetzte Athen und Theben.Der Herzog Nerio II Acciajuoli,bisher den Türken tributär,mußte die oberhocheit des Despoten von Mistra anerkennen und sich ihm zur Tributzahlung verpflichten.
    Konstantin setze auch nach der Katastrophe der Kreuzritter in Varna (1444) seine Feldzüge in Griechenland fort.Er erschien in Böotien und breitete seine Herrschaft über die Phokis und das weitere Griechenland bis zum Pindos aus.In letzter Stunde schien auf althellenischem Boden ein neues Griechenland zu entstehen,als Erbe des absterbenden Byzanz.Doch traf den kühnen Despoten bald die Rache des Siegers von Varna.mit einem großem Heer (60-70.000) brach Murad II im Jahre 1446 in Griechenland ein und durchzog im Siegeszug die mittelgriechischen Länder.Erst an der Examilionsmauer konnte ihm der byzantinische Despotes stärkeren Wiederstand leisten.Doch seine Truppen waren nicht ausreichend (8-10.000 Mann höchstens).Das türkische Kanonefeuer zerstörte auch dieses Hindernis.Am 10 Dezember war das Examilion erstürmt,und der Kampf entschieden.Die türken fielen nach ihrem sieg in die Peloponnes ein,und verwüsteten die Griechischen Städte und Dörfer und führten 60.000 Gefangene fort."
    Man kann also sagen,das die einzigen Kampfhandlungen,die einen solchen Namen verdienen,zwischen 1444 und 1446 stattfanden,in der Peloponnes.Gegen die zahlenmäßige Übermacht und die Kanonen der Türken hatte Konstantin jedoch kaum eine realistische Chance.
     
  6. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Hatte man denn in Thrakien überhaupt noch Besitzungen?

    Soviel ich weiß (u.a. aus dem Putzger) hatten sie nur noch ein ganz klein wenig Hinterland von Konstantinopel. Immerhin war Edirne/Adrianopel in Thrakien schon seit 1366 osmanische Hauptstadt. Siehe hier:
    http://www.euratlas.com/time/sea1400.htm

    Die paar Kleinstädte vor Konstantinopel konnte man ohne Truppen eh nicht verteidigen. Die werden ohne größere Kampfhandlungen übergeben worden sein. Auf byzantinischer Seite konnte man sich nur auf die Verteidigung Konstantinopels beschränken, dies hatte wenigstens noch ansatzweise Aussicht auf Erfolg.
     
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  7. Barbarelli

    Barbarelli Neues Mitglied

    Also Steven Runciman nennt die folgende Städte und Marktflecken: Anchialos, Byzoz und Mesembria ergaben sich sofort und Perinthos und Selymbria versuchten zumindest sich zu verteidigen. Oberbefehlshaber der Osmanen war übrigens Dayi Karadscha Bey.
     
  8. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    Die Städte und Gebiete Thrakiens waren durch die ständigen Überfälle der Türken sowie der davor fast 35 Jahre andauernden Bürgerkriege derart verarmt und verwüstet,daß an eine gegenwehr kaum zu denken war.Auch siedelten sich nach 1366 viele Türken in Thrakien an.Die Osmanen siedelten einen großen Teil er griechischen Beevölkerung zwangsweise in Anatolien um.Eine Stadt die damals im Sturm genommen wurde,mußte die traditionellen 3 Plünderungstage über sich ergehen lassen.Eine Stadt die sich ergab,wurde gut behandelt.Auch das spielte eine Rolle.
     
  9. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Selymbria ist von den genannten Städten glaube ich auch die größte gewesen, die anderen sagen mir jetzt erst mal gar nichts.

    Selymbria liegt 50-60 km vor Konstantinopel am Marmarameer an der Via Egnatia, deren Anfang die Byzantiner bis kurz vor Ende noch kontrollierten.
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Anchialos liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Konstantinopel am Schwarzen Meer und ist auch unter dem Namen "Acheloos" bekannt.
     
  11. Balduin IV.

    Balduin IV. Neues Mitglied

    Im Allgemeinen scheiterte es nicht an einer schlechten Verteidigung...es war auch nicht die Kanone des deutsch-böhmen Urban (Ingenieur) die schlussendlich die vollständigen untergang Byzanz einleiteten - Einzig eine offen Tür in einem Turm der Mauer (nach einem Ausfall nicht geschlossen) ließen die Stadt fallen....
    Die Überlebenschancen waren wirklich gering...doch wäre ein Stadtstaat Byzanz eine liebe Attraktion in heutiger Zeit *gg* =)!!!
     
  12. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied


    Das stimmt nicht ganz. http://en.wikipedia.org/wiki/Pomorie
    Es ist interessant, dass die Stadt zwei bulgarische Namen hatte: die Stadt wurde zuerst im 9. Jahrhundert mir dem bulgarischen Namen Tutchon umbenannt. Der Name war nämlich Protobulgarisch (ostiranischer Herkunft). Später wurde der Stadt einen neuen bulgarischen Namen gegeben, diesmal slawisch – Pomorie.
     
  13. hyokkose

    hyokkose Gast


    Laut Link war der Name Tuthom.

    Dafür, daß der Name ostiranischer Herkunft sei, finde ich keinen Hinweis.

    Oder wolltest Du nur einmal mehr Deine bis Überdruß wiederholte, jedoch nie beweiskräftig belegte These von der iranischen Herkunft des Protobulgarischen aufwärmen?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. November 2006
  14. Kiprian

    Kiprian Neues Mitglied

    Es ist richtig - “Tuthom”. Vielen Dank für die Bemerkung.

    Wo möchtest Du dafür einen Beweis finden? In diesem Link geht es um Anhialos, Tutchom, Pomorie.

    Die These (danke nochmals aber es ist nicht MEINE These) über die OSTiranischen Herkunft der Protobulgaren habe ich schon dargestellt.Wer sich vom Thema wirklich interessiert und Beweise finden wollte hat sie schon gefunden.

    Es tut mir leid, dass Du Überdruß bekommen hast. Wirklich. Es ist so traurig.

    Vielleicht, es lohn sich die Diskussion über die Herkunft der Protobulgaren ausführlicher fortzusetzen aber mit Teilnehmer, die keinen Überdruß haben.
     
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Lange vor der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 setzte sich das Osmanische Reich in Südosteuropa fest. Wenn der Eröffner dieses Threads beklagt, dass darüber nur wenig berichtet wird, so liegt das an den bruchstückhaften und zeitlich auseinanderliegenden Annexionen. Spektakuläre Schlachten fanden nicht statt, sodass das allmähliche Vordringen der Türken geringere Aufmerksamkeit fand.

    Bereits 1352 wurde mit Tzympe am Marmarameer die erste Festung auf dem Balkan eingenommen, und der Sohn Sultan Orhans, Prinz Suleyman, eroberte die thrakischen Ortschaften Bolayir, Malkara und Ipsala. Nach der Einnahme von Gallipoli im Jahr 1354 fand 1361 die Eroberung von Adrianopel (Edirne) statt. Das osmanische Vordringen ging weiter über Serrhes, Monastir und Ohrid und im Jahr 1385 war die albanische Küste erreicht. 1387 fiel Thessalonike in osmanische Hand, während die Könige von Bulgarien und Serbien Ende des 14. Jh. osmanische Vasallenstaaten wurden. Ein Aufstand der Serben und Bosnier wurde 1389 in der Schlacht von Kosovo polje (Amselfeld) niedergeschlagen. Auch ein von König Siegmund mit Rittern aus Westeuropa unternommerner Kreuzzug scheiterte 1396 vor Nikopolis,

    Griechenland besetzten die Türken kurz nach der Eroberung Konstantinopels. So fiel Epirus 1468/79 in osmanische Hand, Morea - d.h. der Peloponnes - 1460, Euböa 1470/79, zahlreiche Inseln der Ägäis etwa zur gleichen Zeit (z.B. Thasos, Lemnos, Lesbos usw.). Athen wurde 1456 türkisch.während das venezianische Hzm. Naxos, Samos, Rhodos usw. erst Mitte des 16. Jh. ans Osmanische Reich fielen.
     
  16. hyokkose

    hyokkose Gast

    Gerne, wenn Du inzwischen Argumente für Deine These gefunden hast.

    Die jeweils letzten Beiträge, die ich an Dich gerichtet habe, hast Du in allen vier Themen unbeantwortet gelassen, vielleicht aus Überdruß?

    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=180547&postcount=13
    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=160116&postcount=24
    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=188827&postcount=37
    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=182726&postcount=44 (bei diesem Beitrag ging es allerdings um die Chasaren, der letzte Beitrag mit einer Frage zu den Protubulgaren war hier, die hast Du auch nicht beantwortet)
     

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