1983: Strauß vermittelt den DDR-Millionenkredit

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Rodriguez, 16. Juni 2015.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das hatte ich auch vermutet.
    Doch nach der Quelle von @silesia ist das nicht so. *
    2/3 der Einfuhren aus dem NSW waren Rohstoffe/Halbfabrikate und Agrarerzeugnisse.
    ca. 15% waren Industrieanlagen, und diese konnten, wie @andreassolar zurecht anmerkt, nur veraltete Technik darstellen, sofern sie aus CoCom-Ländern kamen. Und das ähnliches muss wohl für Maschinen, Ersatzteile und Ausrüstungen (ca. 12%) gelten.
    Bei Halbzeugen, Normalien und Normteilen war das m.E. gewiss so.
    (Ich hab 1986 mein zweites Maschinenbaupraktikum bei einem großen Automobilzulieferer gemacht und da war ein "Frühlingstscheche" der Spritzgusswerkzeuge konstruierte und mir seine sehr komplexen Konstruktionen zeigte und erklärte. Und da gab es eine lange Liste der Bestellnummern von Hasco-Normalien. Sein Kommentar dazu: dafür hätten wir im Osten jeweils ein Zeichnung gemacht und es eigens angefertigt.)
    Die Arbeitsteiligkeit hatte im NSW, was den Maschinenbau betrifft, ungleich viel höhere Fortschritte erzielt.

    Es würde mich dabei die Einschätzung von @Ralf.M interessieren.


    *gleiche Zahlen hier: http://www.memo.uni-bremen.de/docs/m3208b.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Mai 2021
  2. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Nicht nur Volze 1999 via Silesia zeigt den angesprochenen Schwerpunkt der Importe, die Entwicklung thematisiert ja auch der MfS-Bericht von Januar 1982 mit seinem Rekurs auf die Anfänge bzw. Ursachen, wie oben notiert.
    Dergleichen wurde auch in den von mir angeführten SPIEGEL-Artikeln aus den 1970er zur DDR-Wirtschaft durchgängig belegt. Die Dominanz von Verbrauch und Konsum insgesamt wurde im ebenfalls schon angeführten Artikel von Cornelsen, Doris (1990), Die Wirtschaft der DDR in der Honecker-Ära, Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Berlin, Vol. 59, Iss. 1, pp. 70-79, gleichfalls gezeigt. Und die resümierende Aussage in der Bundesbank-Publikation (1999), wie oben angeführt und zitiert, war gleichfalls substanziell und zutreffend, zumal die Bundesbank-Broschüre die Schwierigkeiten der Erhebungen darstellt samt den Methoden, einigermaßen zuverlässige Zahlen zu erreichen.
     
  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Musste erstmal schauen zum Begriff „Frühlingstscheche“.

    Frühlings-Tscheche? Frühling = Anspielung auf Prager Frühling? Und ein Betrieb oder Person in der damaligen CSSSR?

    ****​

    Thema verschlissene und/oder zu ersetzendes Teil von NSW Maschinen...

    Ein sehr vielschichtiges und auch recht kompliziertes Gebiet für diejenigen die da zuständig waren. In den Betrieben i.R. waren dies die Investitionsverantwortlichen oder Hauptmechaniker.

    Wenn etwas verschlissen oder kaputt war, mal so einfach, wie es dann nach der Wende funktionierte, zum Telefonhörer greifen und beim Hersteller bestellen, oder wenn dort auf Lager gleich bekommen, konnteste in der DDR vergessen.

    Am einfachsten hatten es diejenigen die fast nur für den Westen produzierten. Die hatten m.W. einen Fonds (Materiell und Geld) worüber Ersatzteile beschafft werden konnten. Ob es da allerdings auch direkt Beziehungen gab (Betrieb - Hersteller), weiß ich nicht. M.E. hingen da auch der Außenhandel und die übergeordnete Dienststelle (z.B.VVB) dazwischen.

    Die anderen Betriebe...

    Da gabs die unterschiedlichsten Beschaffungsmethoden.

    Aber es galt erstmal die Direktive > Ablösung von NSW Importen <.

    Wenn man NSW Maschinen hatte und einen Betrieb kannte (auch Artfremd) der im Westexportgeschäft war, also einen Fond hatte und bereit war einen zu helfen (meistens nannte man dies sozialistische Hilfe), dann war alles gut.

    In dem Baukombinat wo ich tätig war tauchte allerdings so etwas nicht auf. Wir machten aber Geschäfte mit dem Kommando der Stalingrader Gardearmee (8. Armee). Wir bekamen Dieselkraftstoff und die Betonteile. Diesel war mit Kontingent belegt und die russischen Zugmaschinen die wir hatten waren reine Spritfresser.

    Wer nicht jemanden kannte der im Westexportgeschäft tätig war, war gut beraten, wenn er jemanden fand der ihn dieses Teil, diese Teile herstellte. Auch Selbstherstellung war nicht ausgeschlossen.

    Und dann ging es seinen Weg.
    Bei Bedarf wurden Zeichnungen angefertigt, Materialart ggf. Ersatzmaterial (Substitution) wurde bestimmt, Arbeitspapiere für die Fertigung usw.

    Aber wie geschrieben.
    Es galt der Grundsatz, Ablösung, d.h. eigen Produktion oder SW Import.
     
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  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke Ralf.

    Frühlingstscheche...
    nach dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings schafften es einige Tschechen in den Westen.
    Die nannten wir Frühlingstschechen. Ob der Begriff verbreitet war weiß ich nicht.
    Der besagte Mann hatte nach seinen Angaben Pamphlete unterschrieben die gegen die Regierung gerichtet waren.
     
  5. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Nochmals retour zu den Gründen der Bundesregierung, 1983 + 1984 die Bürgschaft für die beiden Kredite von BRD-Landes- und Privatbanken zugunsten der DDRRegierung zu übernehmen.

    Steiner, Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR, 2007, bemerkt wohl zu recht, die Bonner Bundesregierung befürchtete damals angesicht der drohenden Zahlungsunfähigkeit der DDR-Regierung eine politische Krise wie 1980/1981 in Polen angesicht der dortigen Verschuldung und Zahlungsunfähigkeit in Folge einer auf (West-)Kredit finanzierten Wirtschaftentwicklung und damit verbundenen Preissteigerungen & teils massiven Ungleichgewichten im Produktionssektor....Ende 1981 war auf sowjetischen Druck in Polen das Kriegsrecht verhängt worden.
     
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