Alexanders erstes Kommando

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Markus1907, 22. September 2011.

  1. Markus1907

    Markus1907 Neues Mitglied

    Hallo Leute,

    ich bin auf der Suche nach Quellen über den Schlachtverlauf bei Chaironaia im Jahre 338 v. Chr. Vor Allem suche ich Informationen über Alexanders erstes Kommando als Genaral der Kavallerie. Wikipedia gibt da nicht viel her.
     
  2. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Hast du bereits bei Livius.org nachgesehen? Dort findet man meist zu wichtigen Geschehnissen auch die Quellenangaben. Ansonsten ist der neue Pauly zu empfehlen.
     
  3. Markus1907

    Markus1907 Neues Mitglied

    Super. Vielen Dank. Ich denke jedoch, dass ich mich für die kostengünstigere Variante entscheiden werde. :)
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die anscheinend ausführlichste Schlachtschilderung findest Du bei Diodor 16,85-86. Eine weitere wichtige Quelle ist Plutarchs Alexander-Biographie. Kurze Notizen gibt es auch bei Iustinus 9,3, Polyainos 4,2 und Frontinus (Strategemata 2,1), allerdings wird bei diesen drei Autoren Alexanders Beteiligung gar nicht erwähnt.

    Die Schlacht von Chaironeia war übrigens nicht Alexanders erstes Kommando. Schon davor schlug er, während sein Vater gegen Byzantion Krieg führte, einen Aufstand der Maider in Thrakien nieder. Er erstürmte ihre Hauptstadt, verschleppte die Bevölkerung und gründete eine neue Stadt, die er Alexandropolis nannte. Nachzulesen ist das in Plutarchs Alexander-Biographie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. September 2011
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  5. Markus1907

    Markus1907 Neues Mitglied

    Vielen Dank für die Quellen. Das ist ein wirklich hochinteressanter Hinweis, den Du mir im zweiten Teil Deiner Antwort gibst. Das war mir noch nicht bekannt. Dem sollte ich mal nachgehen. Hmm. Wenn ich das richtig lese, war dieser Aufstand ca. 341 v.Chr. Alexander war damit also 15 Jahre alt. Das ist ja wirklich sehr erstaunlich. Wenn ich also den Faden weiterspinne, dann muss Phillip II sehr viel von Alexanders militärischen Fähigkeiten gehalten haben. Er hätte ihn ja sonst nicht mit so einem wichtigen Kommando betraut. Wenn also Phillip II davon überzeugt war, in Alexander einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben, warum war er dann bereit seinen letzten Sohn aus der Ehe mit Kleopatra als Thronfolger einzusetzen? Nur weil Dieser reiner Makedone war? Sollte Alexander also nur ein "Übergangskönig" werden, wie sein Vater zuvor auch?
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Philipps II. Feldzug gegen Byzanz war 340/339, somit war Alexander 16 oder 17, als er seinen Feldzug gegen die Maider führte. Philipp hatte ihn wohl auch gar nicht so direkt mit dem Feldzug betraut, sondern er hatte ihn als Regent in Makedonien zurückgelassen, und in dieser Eigenschaft kümmerte sich Alexander dann um den Aufstand.
    Wieso nimmst Du an, dass Philipp II. Alexander enterben wollte? Alexander selbst hatte Gegner, und Attalos, der Onkel von Kleopatra Eurydike, wollte natürlich seinen Enkel zum Thronfolger gemacht sehen, aber Philipp II. äußerte sich anscheinend nicht in diese Richtung.
    Wir können in Philipp II. nicht hineinsehen, und ein Tagebuch haben wir von ihm auch nicht, also können wir leider nur spekulieren, was er gedacht hat. Wir sollten wohl auch nicht vergessen, dass auch Monarchen nur Menschen sind: In der Ehe Philipps mit Olympias stand es nicht zum besten, und Alexander war ihr Sohn. Mag sein, dass er schon der Mutter wegen einen Groll gegen ihn hatte. Bei der Hochzeitsfeier von Philipp und Kleopatra Eurydike gab es dann auch einen heftigen Streit zwischen Alexander und Attalos, bei dem Attalos Alexander verspottete und ihm als Sohn einer Ausländerin die Legitimität absprach. Eigentlich hätte sich Philipp dadurch auch beleidigt fühlen müssen, denn seine eigene Mutter war auch Ausländerin (daher kann Philipp Alexander auch nicht gut einen "Makel der Geburt" angelastet haben), aber so weit dachte er in dem Moment wohl nicht und stellte sich stattdessen auf Attalos' Seite, woraufhin Alexander ihn auch noch beleidigte. Dann gingen Alexander und Olympias ins Exil, aber Alexander wurde nach sechs Monaten zurückgeholt. Zumindest zu diesem Zeitpunkt wird Philipp Alexander also wohl wieder als seinen Nachfolger gesehen haben. Er lehnte es dann auch ab, dass Alexander die Tochter des Satrapen von Karien heiratete, weil sie für ihn nicht gut genug sei. Das zeigt wohl auch, dass Philipp in Alexander den künftigen König sah. Natürlich wäre es gut möglich gewesen, dass er seine Meinung geändert hätte, wenn Karanos groß genug gewesen wäre, aber zumindest vorerst sah er wohl Alexander als Erben. Dass er ihn nur als "Übergangskönig" sah, glaube ich auch nicht, denn wie hätte er das durchsetzen sollen? Ihm selbst war es auch gelungen, Amyntas IV. dauerhaft zu verdrängen, also wie hätte er dafür sorgen wollen, dass Alexander später Platz für Karanos macht? Dafür war Philipp II. wohl zu realistisch. Wenn er wirklich Karanos zum Nachfolger machen wollen hätte, hätte er Alexander ausschalten und Attalos als Regenten für Karanos bestimmen müssen, was er aber nicht tat. Im Gegenteil, er hatte Attalos mit Parmenion bereits nach Kleinasien vorgeschickt, er sollte ihn also anscheinend beim Perserfeldzug begleiten, während Alexander vielleicht zuhause bleiben sollte - bei Stiefmutter und Stiefbruder.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2011
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  7. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Zur Anmerkung. Die Existenz des angeblichen Halbbruders Karanos ist sehr spekulativ. Er wird einzig bei Iustinus (9, 2) genannt, wie er auf Befehl Alexanders getötet worden sei. Bei anderen Autoren wird Europa als einziges Kind der Kleopatra genannt, die beide von Olympias beseitigt wurden.

    Aber auch eine Schwester hätte für Alexander bedrohlich werden können, besonders dann wenn es sich um eine "Vollmakedonin" gehandelt hat. Sein eigener Sohn Alexander IV. Aigos wurde ja von den Diadochen gar nicht ernsthaft anerkannt, als Sohn einer Asiatin. Stattdessen rückten die Frauen des Königshauses ins Blickfeld, als Heiratswahre zur Herrschaftslegitimation.

    Attalos hätte also über seine Großnichte Europa sehr wohl Alexander verdrängen können, besonders wenn Philipp II. noch lange genug gelebt hätte um sie mit einem hohen makedonischen Adligen, oder gar mit dem Sohn des Amyntas IV.(!) verheiraten zu können. Die Attalos-Fraktion hätte damit Alexander am Hof faktisch isoliert. Der frühe Tod Philipps verhinderte dies und weil Antipater geistesgegenwärtig genug war um zu begreifen das der Thron nicht einem Säugling übergeben werden konnte proklamierte er noch im Theater von Aigai Alexander zum König. Das war faktisch zugleich das Todesurteil für Attalos, denn bei einem Thronwechsel im antiken Makedonien mussten unliebsame Rivalen, besonders wenn diese wie Attalos und Alexander hasserfüllt zerstritten waren, beseitigt werden.
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Bei Iustinus 9,2 finde ich nichts darüber. In 9,7 schreibt er aber, dass Alexander in seinem Bruder von seiner Stiefmutter einen Rivalen um den Thron gesehen habe. Wenn nicht ein Sohn von Kleopatra Eurydike gemeint ist, dann müsste wohl Arrhidaios gemeint sein, aber der war der Sohn einer Tänzerin Philinna aus Larissa und somit wohl kaum ein Rivale, außerdem hätte man Philinna wohl nicht als Stiefmutter bezeichnet, damit ist wohl doch Kleopatra Eurydike gemeint. In 11,2 wird Karanos dann namentlich als Thronrivale und Sohn der Stiefmutter genannt und dass Alexander seine Ermordung angeordnet habe.
    Fraglich ist, wie man Satyros (überliefert bei Athenaios) zu verstehen hat: Er erwähnt nur, dass Kleopatra eine Tochter Europa geboren hat. Das kann, muss man aber nicht so verstehen, dass die Tochter das einzige Kind aus dieser Ehe war.
    Diodor (17,2) schreibt nur, dass Kleopatra wenige Tage vor Philipps Tod ein Kind geboren habe. Daraus geht aber auch nicht hervor, ob das das einzige Kind war.
    Welche "anderen Autoren" meinst Du? Bei Curtius Rufus fehlen leider die ersten beiden Bücher, und Plutarch schreibt gar nichts über Kinder.

    Das sehe ich nicht so. Immerhin versuchten die Diadochen ihn in ihre Gewalt zu bekommen, um den Anspruch erheben zu können, in seinem Namen zu regieren. Schließlich schnappten sich ihn Antipatros und Kassandros. Sogar Herakles, Alexanders unehelicher Sohn von der Perserin Barsine, war für Polyperchon als Marionette gut genug, um sich zu legitimieren.

    Hatte der nicht nur eine Tochter?

    Aber klar, hätte Philipp II. noch länger gelebt, hätte es für Alexander tatsächlich brenzlig werden können. Vielleicht hätte irgendwann auch Attalos selbst dafür gesorgt, dass seine Verwandten die einzig lebenden Erben wären ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2011
  9. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Stimmt, ich meinte 11,2 und ja Philipp III., ich vergeß immer das er ein Halbbruder Alexanders war.

    Iustinus ist der einzige Autor der diesen Sohn Karanos nennt. Eben bei allen anderen Alexander-Autoren wie Arrian oder Aristobulos wird er nicht erwähnt.

    Satyros schreib später, dass Karanos lediglich die Wunschvorstellung des Attalos auf einen männlichen Erben seiner Nichte war, der Alexander verdrängen könnte. (=Athenaios 13.557d)

    Waldemar Heckel: Who's who in the age of Alexander the Great (2006); siehe Caranus[1]

    Die gesamte königliche Familie wurde von allen Diadochen als Legitimationsgrundlage herangezogen. Die Familie wurde nur solange anerkannt, wie die Diadochen untereinander noch ein Konsens zur Erhaltung des Alexanderreichs verband. Also eigentlich nur bis zur Konferenz von Triparadeisos und dem Tod Antipaters 320/319 v. Chr. Als dieser Konsens mit dem Diadochenfrieden 311 v. Chr. faktisch aufgehoben wurde, war auch die königliche Familie nicht mehr von nöten. Kassander beseitigte Alexander IV. und dessen Mutter.
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das kann ich aus dieser Stelle beim besten Willen nicht herauslesen. Dort steht doch nur, dass Philipp Kleopatra, die Schwester des Hippostratos und Nichte des Attalos, geheiratet habe. Bei der Hochzeit habe Attalos gesagt: "Nun mögen legitime Könige geboren werden, keine Bastarde!", woraufhin es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Alexander und Attalos gekommen sei. Daraus geht doch nur hervor, dass sich Attalos bei der Hochzeit einen männlichen Erben wünschte, nicht aber, dass es (später) nie einen männlichen Erben gegeben habe. Allenfalls kann man die nächste Stelle, nämlich dass Olympias danach zu den Molossern und Alexander zu den Illyriern geflohen seien und Kleopatra dem Philipp eine Tochter namens Europa geboren habe, so interpretieren, dass Europa das einzige Kind war.
    Wenn man jedoch Satyros mit Diodor, der erwähnte, dass Kleopatra wenige Tage vor Philipps Tod ein Kind geboren habe, kombiniert, dann könnte man diese Stellen mE auch so interpretieren, dass Kleopatra die Europa geboren habe, während Alexander im Exil war (was freilich voraussetzen würde, dass Philipp und Kleopatra schon vor der Hochzeit Sex hatten, da Alexanders Exil nur 6 Monate dauerte), und wenige Tage vor Philipps Tod dann noch ein Kind, den Karanos. Ich gebe aber zu, meine Spekulation ist arg gewagt. Ebenso könnte es sich auch bei dem Diodor-Kind um die Tochter handeln, wobei aber aus Diodor wiederum nicht hervorgeht, dass das wenige-Tage-vor-dem-Tod-Kind das einzige gewesen sei.

    Eine Nichterwähnung bedeutet aber keine Nichtexistenz. Diodor z. B. macht keine näheren Angaben zu dem Kind, das kurz vor Philipps Tod geboren wurde. Eine Stelle, die klipp und klar sagen würde, dass aus der Ehe nur eine Tochter hervorging, ist mir nicht untergekommen.
    Hast Du eine nähere Stellenangabe zu Aristobulos? Was steht denn an der Stelle, auf die Du Dich beziehst, genau?
    Arrians Werk beginnt doch erst mit Philipps Tod und macht zu den Umständen der Thronbesteigung nur sehr knappe Angaben. Von Philipps anderen Kindern steht dort überhaupt nichts, auch nicht von der Tochter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Oktober 2011

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