Anklage gegen ehem. Stalinanhänger?

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von iamNex, 20. November 2009.

  1. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Als wir im Geschichtsunterricht letzens über Stalins Machtübernahme sprachen, dachte ich mir, dass es doch sicher noch lebende Stalin-Funktionäre/Anhänger geben muss (bzw. in den 90gern), die an den Maßnahmen der Stalinistischen Säuberung beteilgt gewesen sind, bzw. diese mitorganisiert haben.

    Wieso wurden solche dann nach dem Ende der UdsSR nie angeklagt?
    Das Ausmaß wäre doch sogar ein Fall für ein internationales Tribunal gewesen, sowie es nach den Nazis passiert ist, und jetzt mit den restlichen Roten Khmern verfahren wird.

    Klar, Russland bzw. die ehemal. Sovjetunion sitzt/saß im UN-Sicherheitsrat.
    Aber kann das als Begründung gelten, systematischen Massenmord verjähren zu lassen?
    Wieso wurden die an der Säuberung beteiligten Stalin-Anhänger nie angeklagt?
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    An wen hättest du da denn konkret gedacht? Die Funktionsträger und Mittäter ließ doch schon Stalin selbst meist liquidieren.
     
  3. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Das würde mich jetzt auch interessieren.
    Oder meinst du jetzt all die kleinen Totschläger und Denunzianten?
    Wie hätte das den vor sich gehen sollen?
    Hat das überhaupt schon irgendwo irgendwann schon mal 100%ig geklappt?
     
  4. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Nein.
    Viele Involvierte wie zb Jeschow sind ja liquidiert worden, richtig.
    Aber ohne dass ich jetzt Namen wissen würde, gibt es doch sicher noch Funktionäre bzw. Leute die an der Organisation, bzw. an der Durchführung beteilgit waren, oder?

    Das meinte ich.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Die Stalinistischen Säuberungen liefen in den 30er Jahren. Unwahrscheinlich, dass es noch lebende Verantwortliche gibt.
     
  6. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Der Prozess gegen John Demjanjuk ging doch auch erst dieses Jahr los.
    Außerdem war meine Frage ja auch: Wieso ist das nicht gleich 1991 nach dem Ende der UdsSR passiert?
     
  7. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Was hatte dieser Mann mit stalinistischen Säuberungen bzw. Verbrechen zu tun?
    Oder meinst du jetzt, das wenn man ihn jetzt verurteilt, man auch alle stalinistischen Straftäter richten müßte? An der Verurteilung Demjanjuks hatten aber viele Staaten ein Interesse.
    Welche Staaten, ausserhalb der ehemaligen Sowjetunion, fordern die Verurteilung bestimmter stalinistischer Verbrecher?
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2009
  8. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Darauf bezog sich der Demjanjuk-Vergleich.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Schau Dir mal dies an:
    Beria hat evt. sogar Stalin umgebracht.

    So sehr viele haben die diversen Säuberungen und Machtwechsel nicht überlebt.
    Das Jahr 1991 hat mit dem Stalinismus dann auch nicht mehr so viel zu tun. Stalin starb ja 1953, 38 Jahre vorher. Viel Zeit für viele Genickschüsse.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2009
  10. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Stalin starb daran, das alle aus seiner nächsten Umgebung Angst hatten ihm zu helfen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ganz genau. Vor allem weil alle nachfolgenden Machtinhaber (alles keine "lupenreinen Demokraten) ja auch nicht gerade an einer öffentlichen Aufklärung und Verurteilung interessiert waren.
    Da ist eine "Spurenbeseitigung" wohl eher in ihrem Sinne gewesen.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ja, die Akten die Chrustschows Beteiligung betrafen sind wohl 1954 vernichtet worden.
    Deutschland direkt betreffend: Margarete Buber-Neumann hat Zeit ihres Lebens darauf bestanden, dass Herbert Wehner in die Säuberungen als Zuträger verwickelt gewesen wäre, und ihren Mann Heinz Neumann auf dem Gewissen hätte.
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Die Entsstalinisierung in der Sowjetunion ging mal gerade zwei Jahre, von 1954-1956. Wenn überhaupt.
    Angefangen mit der Geheimrede von Chrustschow im Februar 1956, folgte bereits im Herbst 1956 die Post-Stalinisierung mit dem Niederschlagen des Poznaner Aufstand in Polen und dem ungarischen Volksaufstand. Post-Stalinisten wie der Ungar Janos Kadar und der gemäßigte Pole Wladislaw Gomulka übernahmen die Führungen in ihren Staaten, es kehrte wieder stalinistische "Ruhe" ein.
    Chrustschow ist nicht erst mit dem Tode Stalins ein mächtiger Mann in der Sowjetunion und der zweitwichtigsten Sowjetrepublik, Ukraine, geworden. Und Anti-Stalinist schon gleich gar nicht.
    Posener Aufstand (1956) ? Wikipedia
    Polnischer Oktober ? Wikipedia
    1958 wurde der ungarische Ministerpräsident Imre Nagy hingerichtet.
    "Ich bitte nicht um Gnade."
     
  13. ak_2107

    ak_2107 Gast


    Der "Posner Aufstand" kann schlecht als "Post - Stalinisierungs Beispiel"
    für die Entwicklung in Polen genannt werden. Die Proteste in Posen
    hatten in Juni 1956 stattgefunden. Als Zeitpunkt des Durchbruchs im Prozeß der "Entstalinisierung" Polens wird Oktober 1956 angenommen, als es zu einer radikalen Wende in der Politik polnischer Kommunisten kam.

    Damals wurden die Strukturen der kommunistischen Sicherheitsorgane
    aufgelöst und dem Innenministerium untergeordnet, was mit einer
    radikalen Reduzierung ihrer Stärke verbunden war.
    Ob der Gomulka damals zu den "Stalinisten" gezählt werden kann ???
    Nach seinem Aufenthalt im Gefängniss 1951 - 1954 ???
    W?adys?aw Gomu?ka ? Wikipedia
    Kaum. Seine Person auf dem Posten des Parteichefs stellte
    für die Sowjets eine gewaltige Kröte dar, die sie äußerst ungern
    geschluckt haben.
    Ebenso der neue Verteidigungssminister - Marschall Spychalski - der fast direkt aus dem Knast auf seinen Posten kam. In diesem Zeitraum erfolgte auch der Abschied vom Rest der russischen "Berater" aus den Reihen der Armee (32 Generäle und Offiziere) und Sicherheitsorgane.
    (Die ersten wurden schon 1954/1955 abgezogen - manche, wie
    Oberst Antoni Skulbaszewski, der die Gegenspionage in der polnischen
    Armee geleitet hat und die Verantwortung für die Schauprozeße und
    stalinistische Säuberungen innerhalb der Armee trug, bzw. sein Vorgänger auf diesem Posten, Oberst Dimitrij Wozniesienskij - landeten anschliessend in den russischen Lagern im Rahmen der Abrechnung mit sog. "beriowszczizna")

    Um beim Thema zu bleiben - als Beispiel der Abrechnung mit der Zeit des
    Stalinismus kann die Person von Oberst Jozef Rozanski genannt werden.
    Rozanski leitete innerhalb des "polnischen KGB" - MBP (Ministerium
    für Öffentliche Sicherheit) die Untersuchungsabteilung. "Berühmt" ist
    er durch grausame Verhörmethoden, Folter und Sadismus geworden.
    Ende 1954 ist er entlassen und vors Gericht gestellt worden.
    Wurde anschliessend zu drei Jahren Gefängniss verurteilt.
    Nach heftigen Protesten kam es zur Wiederaufnahme des Prozesses.
    Im Sommer 1956 - nach dem "Posner Aufstand" - lautete das Urteil 14 Jahre Gefängniss. Sein Gesuch um vorzeitige Entlassung ist 1964 abelehnt
    worden.

    Was allerdings nicht bedeutet, daß generell die Hauptverantwortlichen,für die Verbrechen der stalinistischen Zeiten in Polen zur Verantwortung gezogen wurden - im Gegenteil. 1956 - 1960 hat man eher versucht
    ein Schlußstrich zu ziehen. Die Ursachen - man sägt ungern auf
    dem Ast, auf dem man sitzt.
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

  15. ak_2107

    ak_2107 Gast

    Ja. Tauweter.
    Mit unterschiedlichem Verlauf und Auswirkungen in den einzelnen
    Baracken des sozialistischen Lagers. Vom Hauptgebäude abgesehen.
    Was Polen und Abrechnung mit der Ära des Stalinismus - etwa 1948 - 1956 - angeht, kann im Bezug auf 1956 gesagt werden : "und danach
    war nix mehr wie vorher". Obwohl dort die politische - ideologische Schraube schon 1957 wieder angezogen wurde.
    Nach 1989 gab es und gibt es immer noch Versuche wie denn auch definierte "Stalinisten" zur Verantwortung zu ziehen. Es gibt sogar berufsmäßige "Abrechner" im IPN ( Insytut Pamieci Narodowej) -
    einer Kreuzung zwischen Staatsanwaltschaft und Institut für
    Geschichte der kommunistischen Gewaltherrschaft im Land an der
    Weichsel. Es gelang sogar einge senile Rentner vors Gericht zu
    stellen und für die Taten aus der Zeit vor 1956 zu verurteilen.
    Die Bilanz ist aber nicht allzu berauschend. Erstens sind die meisten
    bereits in den ewigen KGB - Gründen, zweitens viele wurden bereits
    von "Poststalinisten" zur Verantwortung gezogen und veruteilt.
    Aus den ersten Jahren nach 1956 ist nicht allzuviel abzurechnen -
    Das "Schild un Schwert" der Partei schrumpfte und wurde an
    die Kandare gelegt (ich glaube, daß mit dem Schutz der sozialistischen,
    Volksrepublik wurden damals weniger Genossinnen und Genossen
    beauftragt als das heute der Fall ist - dh. die Zahl der Schlapphütte,
    die gegenwärtig die Verfassung und demokratische Grundordnung
    der III Republik bewachen ist etwas höher oder zumindest genauso
    groß wie mitten in der kommunistischen Schreckenherrschaft -
    Anfang der 60 - er....).
    Ende der 70 - er und in den 80 - er wurde das anders - es kam zur
    rasanten Vermehrung der Tschekisten, die hier und da schon versucht
    hatten jemanden um die Ecke zu bringen.Oder so. Was auch manchmal geklappt hat. War aber nicht ganz legal. Zumindest nicht durch das System gedeckt.
    So ist es nicht verwunderlich, daß mangels Masse neben irgenwelchem
    Opa mit dem Vorwurf, die Gefangenen vor 1956 zu foltern, ein
    Offizier der polnischen Stasi auf der Anklagebank sitzt, dem vorgeworfen
    wird während des Verhörs einer oppositionellen Dame 1984 vulgäre
    Ausdrücke verwendet zu haben. Is im grunde genommen schon
    richtig. Auch ne Form der Abrechnung.
     

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