Aufsetzen des Pyramidions

aDuke

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Hat jemand von Euch jemals von irgendeiner der Baumethoden eine Beschreibung oder Darstellung dieses Vorgangs gesehen?
Nein? Ich auch nicht.
Und ich kann Euch sogar sagen, woran das liegt: die können das nämlich gar nicht. Außer Aliens, Titanen, Telekinese und Magie natürlich ;)

Die einzigen mir bekannten Methoden dafür sind
  1. Die gerade Rampe. Aber die scheidet natürlich aus mehreren anderen Gründen aus.
  2. Die Spiralrampe hat eine kleine Restchance, wenn man die Parameter (Rampenbreite, Steigung, Größe des Pyramidions) sehr aggressiv setzt.
  3. Die 'line method' (meine). Problemlos.
Ich habe allerdings vor 20-25 Jahren mal einen Artikel in den Göttinger Miszellen gelesen, der unabhängig von allen Baumethoden nur diesen Vorgang beschrieben hat und die verwendete Methode entweder als 'beste' oder sogar 'einzige' bezeichnet hat. Und diese Methode hatte sehr viel Ähnlichkeit mit meiner :)

Blöderweise finde ich diesen Artikel ums Verrecken nicht wieder. Ja, die Miszellen sind online und searchable, aber irgendwie sind mir die keywords ausgegangen. Vielleicht habt Ihr da ja mehr Glück. Für einen link zu dem Artikel wäre ich jedenfalls ewig dankbar.
 
Im Kindergarten hätten meine Spielkameraden mir eine umfassende (hölzerne, in der Form einer abgeflachten Pyramide) Verschalung auf den obersten Steinreihen vorgeschlagen, mit einer Umlenkrolle auf der Gegenseite, Gegengewicht, und Umlenkrolle auf der Hebeseite.

So ähnlich wie mein Hama-Baukran.
 
Umlenkrolle geht leider nicht in der 4.Dynastie, da springen die Archäologen im Sechseck ...

Verschalung/Plattform für die Arbeiter: klar, brauchen wir.

Das mit den Umlenkrollen plus Gegengewicht kriege ich jetzt allerdings nicht visualisiert !?!

Aber eine Darstellung des Vorgangs hast Du noch nirgends gesehen, richtig?
 
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so
Bildschirmfoto 2026-02-24 um 14.09.11.png
 
… ist zu definitiv.

Bei der Errichtung von Pyramiden ist nichts sicher, alles unklar und umstritten, von der Nivellierung der Grundfläche über die Vermessung (auch der Winkel) bis zum Transport der Steine nach oben. Das gilt natürlich auch für das Pyramidion.
 
"Nun können die Arbeiter das Pyramidion von den Kufen hebeln. Die Steinmetze bearbeiten und glätten die Flächen."

Wirklich? Der beste Steinmetz krabbelt hoch und liefert in luftiger Höhe sein Meisterstück ab?

Das einzige mir bekannte erhaltene Pyramidion ist das
Pyramidion des Pharao Amenemhett III. In Dashur:
Und das, wenn auch wohl nie aufgesetzt, ist perfekt ausgearbeitet und hätte nur vorsichtig aufgesetzt werden müssen.

(Es gibt doch noch andere Pyramidenspitzen, mea culpa)
 
Wow! Das ist schon verdammt nah an der Lösung! Warum habe ich das noch nie gesehen und warum ist das nicht längst vorherrschende Lehrmeinung? Vermutlich, weil da noch (mindestens) ein gravierender Fehler drin steckt (den man allerdings mit 5 Minuten Nachdenken beheben kann):
So bekommt man das Pyramidion nämlich nicht oder nur mit größter Anstrengung über die Kante. Und wenn doch, dann knallt es mit großer Wucht auf die Plattform (und nimmt wahrscheinlich Schaden).

Wenn ich einen Stein/Schlitten die Flanke hochziehe, ist alles gut.
near1.png


Wenn sich aber der Stein der Kante nähert, wird der Winkel des Zugseils immer ungünstiger:

near2.png


Und bei Erreichen der Kante geht weniger als die Hälfte der Zugkraft in die Aufwärtsbewegung:
near3.png


Die Lösung für dieses Problem sieht so aus:
naer11.png


Und dann klappt es auch mit der weichen Landung nach Überwinden der Kante:
near8.png


Das und mehr gibt es übrigens im YT-Kanal @WeBuildAPyramid Episode 5. Wird am kommenden Sonntag veröffentlicht.
 
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Die obige Darstellung gilt für den normalen Steintransport. Für das Pyramidion müssen wir das etwas modifizieren:

Das Zugseil wird auf Höhe des Schwerpunkts des Steins angebracht:
v.png


Das Hochziehen erfolgt ganz normal:
pull1.png


Und wenn wir den Umlenkpunkt genau über der Mitte platziert haben, landet der Stein exakt da, wo wir ihn haben wollen :)

pull2.png


Dann hochhebeln, Seile weg, Schlitten weg, Mörtel drunter, absenken, fertig :)

Das kommt allerdings erst in Episode 12 Anfang Juni. Interessierten mit google account gewähre ich aber auf Wunsch early access.
 
Das ist nichts Neues, dafür brauchst Du kein Video, denn das ist in allen Überlegungen zum Pyramidenbau schon immer der Dreh-und Angelpunkt gewesen, nämlich der Dreh-und Angelpunkt:

Selbst bei der Aufrichtung der Steine in Stonehenge oder den Menhiren war das den Menschen der Frühzeit bekannt.

Und auch wir, wenn wir gleich aufstehen, nutzen unsere Kniescheibe als Hypomochlion.

Und die Kinder im Sandkasten erklären es uns wenn sie uns ihren Bagger oder Baukran vorstellen.
 
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"Nun können die Arbeiter das Pyramidion von den Kufen hebeln. Die Steinmetze bearbeiten und glätten die Flächen."

Wirklich? Der beste Steinmetz krabbelt hoch und liefert in luftiger Höhe sein Meisterstück ab?
Das halte auch ich für ein Gerücht. Jegliche Steinbearbeitung, die nicht zwingend auf der Pyramide stattfinden musste, werden sie in der 'staging area' zwischen dem Steinbruch und der Pyramide erledigt haben. Allein schon, um nicht tausende Tonnen überflüssiges Gestein erst auf die Pyramide hochzuziehen, dann wegzukloppen und den Schutt wieder runterzutransportieren.

Beim Pyramidion kommt noch erschwerend hinzu, dass es manchen Quellen zufolge sogar mit Elerium beschichtet war. Diesen Vorgang wird man ganz bestimmt nicht da oben gemacht haben.
 
UNTERBERGER, Eckart: Die Tricks der Pyramidenbauer. Innsbruck 2008.
Was schreibt denn Unterberger über die Zugmannschaft? Das würde mich brennend interessieren.

(ich habe versucht, das ePaper bei YUMPU herunterzuladen, aber die Seite ist etwas buggy :( Jedenfalls hat es mit der Registrierung noch nicht geklappt)
 
Das einzige mir bekannte erhaltene Pyramidion ist das
Pyramidion des Pharao Amenemhett III. In Dashur:
Die hier im Thread gezeigten Graphiken erwecken ja zum Teil den Eindruck (wenn auch vermutlich unabsichtlich), dass das Pyramidion im Verhältnis zur Pyramide eine signifikante Größe hätte.

Das in dem Wikipedia-Artikel gezeigt Pyramidion der Schwarzen Pyramide und auch die anderen gezeigten Pyramidions sind eigentlich relativ kleine Steine. Sicher immer noch nicht trivial, die an die Spitze der Pyramide zu bringen, aber im Vergleich zu anderen Herausforderungen beim Bau der Pyramiden mit Sicherheit nicht die größte Hürde.

Man kann sich natürlich trotzdem überlegen, wie die Ägypter das gemacht haben. Aber irgendeinen Anlass, hier über Aliens zu spekulieren wie im OP (auch wenn @aDuke die These der Aliens nicht selbst vertritt), bietet das noch weniger als der übrige Bau der Pyramiden.
 
sind eigentlich relativ kleine Steine
Ich gehe von 1,5 x 1,5 m aus. Das ist dann mit ca. 1,7 t (limestone, 2,1 t bei Granit) sogar deutlich leichter als der Durchschnittsstein, aber auch deutlich sperriger.
Es würde auch keinen Sinn machen, da einen bombastischen Stein draufzusetzen. Kann von unten eh keiner erkennen...

Und ja, bei der ersten Grafik von Unterberger habe ich auch erst mal gezuckt ;)
 
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Das Pyramidion von Dashur hat Maße mit einer Kantenlänge a von 1,85 m, einer Höhe h von 1,40 m, der Winkel der Gesamtpyramide betrug 57°.

Für das Volumen des Pyramidion gilt:
V = 1/3 a² × h = 1/3 × (1,85 m)² x 1,40 m = 1,5971 m³.

Die Dichte von Granit liegt zwischen 2,50 g/cm³ und 2,70 g/cm³.

Das Gewicht bzw. die Masse beträgt also 1,5971 x 2,50 = 3.9971 kg bis 1,5971 x 2,70 = 4.3124 kg.

Wie in Wikipedia aufgeführt, diente die umlaufende Schräge bzw. Anfasung am unteren Rand des Pyramidions zur Aufnahme in eine vorbereitete Nut der Pyramide, damit zugleich zur passgenauen Ausrichtung.



Es würde auch keinen Sinn machen, da einen bombastischen Stein draufzusetzen. Kann von unten eh keiner erkennen...
Da irrst Du Dich. Mich hat das geschliffene Pyramidion schon als Schüler fasziniert.

Bei Sonnenaufgang, wenn der Lichtstrahl zuerst die spiegelnde Spitze trifft, ist die Wirkung gigantisch, selbst die Reisenden an der schon beschädigten großen Pyramide in Gizeh haben über Jahrhunderte davon berichtet.

Für die Menschen damals war es ein Zeichen des Lebens und des Umlaufs der Sonne.

Wenn aber, was ich nicht wusste, die Bezeichnung der Pyramidenstadt sagt:

Sechem Amenemhet
(Sechem Amen em het)​
Sḫm Jmn m ḥ3.t​
Amenemhet (Amun ist an der Spitze) ist mächtig,​
dann ist die Bedeutung des Pyramidions noch größer: Gleichzeitig Ausdruck der Größe des Gottes wie auch des Selbstverständnis des Pharao.
 
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Das Gewicht bzw. die Masse beträgt also 1,5971 x 2,50 = 3.9971 kg bis 1,5971 x 2,70 = 4.3124 kg.
Kein Problem. Mit einem einzelnen Zugseil können wir bis etwa 9 t auf die Spitze ziehen. Mit 1-2 weiteren Seilen kommen wir auf etwa 20 t. Darüber wird es allerdings kritisch, weil wir da oben nicht die gleiche Technik wie für den 72 t Granitblock der Grabkammer anwenden können.

Mit "bombastisch" meinte ich "beeindruckt durch schiere Größe". Und die kannst Du vom Fuß der Pyramide nicht einschätzen, weil Du flach über die Pyramidenseite schaust und obendrein keinen Vergleichsmaßstab da oben hast (etwa einen stehenden Menschen). Als ob Du eine Straße entlang schaust und sagen sollst, wie breit der Zebrastreifen in 180 m Entfernung ist. Keine Chance!

"bombastisch" i.S.v. "reicht verziert": gerne, auch wenn diese Verzierungen nach dem Aufsetzen nie wieder jemand zu Gesicht bekommt. Das hat dann wohl kulturell-religiöse Gründe.
 
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