Aussterbende Wörter - vergessene Wörter

Und mit welchem Argument soll man von einem sich heute gebildet nennenden Menschen weniger (Sprach-)Kenntnisse verlangen, als z.B. 1700-1850?

M. E. kann man keine Sprachkenntnisse verlangen. Wenn z. B. ein Mathematiker oder Chemiker ums Verrecken kein Englisch kann, tut das seinen Mathematikkenntnissen keinen Abbruch.

M. E. ist aber Bildung auch eine Frage der Offenheit. Noch nie hat man sich durch Abgrenzung vor jemand anderem hervorgetan; wer der Meinung ist, dass seine Meinung etwas zählt, der sollte darauf achten, sich verständlich machen zu können – dazu zählt die jeweilige Fachsprache genauso wie eine oder mehrere Weltsprachen.

Nb. Italienisch hat bei uns in DE einen Mords-Siegeszug angetreten, durch seinen Status als Urlaubsland und durch die Pizzerien bzw. Gastarbeiter/Mitbürger ital. Abstammung. Offenheit mal wieder: offene Grenzen, offene Herzen, offene Münder (Pizza 'rein). Bei entspr. Offenheit gegenüber China erwarte ich ähnliche Resultate.
 
Und mit welchem Argument soll man von einem sich heute gebildet nennenden Menschen weniger (Sprach-)Kenntnisse verlangen, als z.B. 1700-1850 auch im Ausland?

In England z.B. gehörten um 1775 Französisch, Italienisch und sogar Deutsch zu den modernen Sprachen, deren Beherrschung man von einer gebildeten Dame erwartete, und die jungen Gentlemen machten ihre Grand(e) Tour, also ihre Bildungsreise auf dem letzten Schritt ins "Erwachsenen-Leben" über Frankreich, Schweiz, Italien und Deutschland.
Genauso wie umgekehrt viele Deutsche England, Frankreich und Italien bereisten, wobei entsprechende Sprachkenntnisse natürlich von Vorteil waren.

Hast du absolut recht mit. Ist schade das alles auf Englisch fokussiert werden. Ich selber beherrsche 2 Fremdsprachen und eine ALt-Sprache. Wäre schön, wenn die Menschen in Deutschland und anderswo mehr Sprachen beherrschen würden.

Scheint mir aber absolut nicht der Fall zu sein, sondern sehe eher eine Entwicklung zu einem globalen Standard-Englisch.
 
Fisimatenten – Wikipedia
Traurig, dass andere hier für dich gucken müssen - lesen musst du aber selbst.

Traurig, daß du mir hier vorschnell Nichtwissen unterstellst! Ich kannte die Bedeutung; hatte allerdings auf möglichst viele verschiedene Interpretationen gehofft.

Allerdings bin ich bei so einer urschwäbischen Redensart gar nicht auf die Idee gekommen, in Wikipedia nachzuschauen, ob es dort hinterlegt ist :rotwerd:

Dumm gelaufen, sorry
 
Dass die Leute das so aussprechen, mag ja noch gehen. Ich habe jedoch einmal das Wort "Pandang" in einer Zeitschrift gefunden. Und das sollte "partu" kein Witz sein. :devil:

Wieso denn? Das sind bei uns seit 2bis300 Jahren schon Lehnwörter, längst keine Fremdworte mehr.
Und Ihr Berliner mit euerm Baseng und Eurem Kuseng müsst eh still sein.

OT:
Bei uns gibt es einen Felsen, dessen Besteigung seit Menschengedenken zu den Mutproben gehört, die jeder 10jährige abzuliefern hat. Folglich trägt der Felsen im Volksmund den Namen "Courage-Felsen" demnach auf schwäbisch "Kurasche-Felsen"
In den 60ern hat die Stadtverwaltung markante Punkte in der Umgebung der Stadt von städtischen Arbeitern beschriften lassen.
Prangte an dem bewussten Felsen, schwarz auf weißem Grund:
Gurage-Felsen
zur Freude aller Lausbuben und kritischen Bürger die schon immer wissen, dass "auf dem Rathaus" lauter Halbdeppen sitzen.
 
Naja, Urschwäbisch? Auf diese Idee wäre nicht mal @Repo gekommen. In Berlin, überhaupt im Nordosten, gibt es das Wort seit Generationen.
Wenn man darunter versteht, dass diese Wörter voll in den alltäglichen Sprachgebrauch - nicht nur der gebüldeten Kreise - integriert waren, kann man es schon so sagen. Man hatte eine Kommode, die vor der Lambris stand, und Unvorsichtige fuhren in den Chausseegraben.
 
Prangte an dem bewussten Felsen, schwarz auf weißem Grund:
Gurage-Felsen
zur Freude aller Lausbuben und kritischen Bürger die schon immer wissen, dass "auf dem Rathaus" lauter Halbdeppen sitzen.
Und als Nicht-Eingeweihte würde ich mich verwundert fragen, was das äthiopische Volk der Gurage in Schwaben verloren hat. :D
 
Auch schon lange in den schwäbischen Sprachgebrauch eingegliedert - und damit urschwäbisch - ist das heute leider nur noch selten zu hörende Bottschamperle :grübel:
 
Heute im Büro hat dieses Wort in einem Schreiben vom Nachlaßgericht bei mir einen echten Lachanfall ausgelöst: Die Eltern von XX sind vorverstorben.......
Es handelt sich jedoch nicht um ein ausgestorbenes Wort sondern um ein juristisches Fachwort aus dem Erbrecht. Ich hatte es noch nie gehört und finde "vorverstorben" treffend und köstlich.
 
Ein noch in der ersten Hälfte des 20. Jh., auch in der Wissenschaft ,für homosexuelle Männer gbräuchlicher Ausdruck, "Urninge" existiert heute auch nicht mehr.
 
ich bin mir nicht sicher, ob hier der richtige Ort für meine Frage ist. Auf die schnelle habe ich aber nichts geeigneteres gefunden.

Irgendwann hieß es nicht mehr Fremdenführer oder Fremdenpension, sondern Gästeführer und Gästepension. (Wird es irgendwann auch eine "Gästelegion" geben? :rofl:)

Ab wann hat sich in etwa der Blickwinkel geändert?

Wenn ich im Netz suche, laufen die beiden Begriffe parallel
 
ich bin mir nicht sicher, ob hier der richtige Ort für meine Frage ist. Auf die schnelle habe ich aber nichts geeigneteres gefunden.

Irgendwann hieß es nicht mehr Fremdenführer oder Fremdenpension, sondern Gästeführer und Gästepension. (Wird es irgendwann auch eine "Gästelegion" geben? :rofl:)

Ab wann hat sich in etwa der Blickwinkel geändert?

Wenn ich im Netz suche, laufen die beiden Begriffe parallel

Ich kenne die Begriffe aktiv eigentlich nur mit Fremden- vorneweg. Gäste- klingt aber netter. Man ist ja auch eher fremden- als gästefeindlich. Aber da mach ich gerade ein ganz neues Fass (oder eine Büchse der Pandora) auf, was ich hiermit ganz schnell wieder schließe. :still:
 
ja, Fremdenfeindlichkeit möchte ich aussen vor lassen. "Gästefeindlichkeit" würde sich auch nicht besser anhören. Feindlich ist feindlich.

Es heißt auch immer mehr Gästezimmer, statt Fremdenzimmer. Ich interessiere mich einfach für die Wandlung der Begriffe.
 
Hierbei kann man froh sein, dass die Anglizismen uns aus dem Dilemma helfen.
Man kann bei Fremdenverkehr, den Fremdenzimmern und den Fremdenverkehrsverbänden nicht einfach das "Fremd" gegen "Gast/Gäste" tauschen, weil der Begriff Gast umgangssprachlich schon belegt ist, durch einen bestimmten oder persönlich bekannten oder eingeladenen Gast.
Ein Gästezimmer hat man in der privaten Wohnung und bietet es nicht über den Fremdenverkehrsverein den Touristen an.
In Tourismusorten ist der Begriffswandel noch am ehesten möglich. Da liest man manchmal Schilder am Straßenrand "Gästezimmer frei", in der Regel heißt es einfach "Zimmer frei".
 
Also bei uns gibt es kein "Fremdenverkehrsbüro" sondern eine "Stadtinformation", keine Fremdenzimmer sondern Gästezimmer. Ich bin auch keine Fremdenführerin sondern eine Gästeführerin, oder neudeutsch - Tourist-Guide.
Im allgemeinen mögen es die Teilnehmer meiner Führungen auch lieber, wenn ich sie mit "Liebe Gäste...." als mit "Liebe Fremde...." anrede :pfeif:
Wer will schon "fremd" sein, dann doch lieber Gast, oder? Tourist ist übrigens auch schon ziemlich negativ besetzt, daher verwende ich es bei meiner Tätigkeit nicht.

OT: Im Grunde geht es bei Führungen immer mehr darum, den Teilnehmern ein "rundum-wohlfühl-und-sorglos-Paket" zu präsentieren. Für viele Teilnehmer ist mittlerweile der Informationsgehalt einer Führung im Stellenwert weit hinter das Entertainment gerutscht.
Tja, so ist das Leben :D

Liebe Grüße
KeineAhnung
 
Also bei uns gibt es kein "Fremdenverkehrsbüro" sondern eine "Stadtinformation",

Aktuell stattfindende Sprachentwicklung ist schon spannend.
In meinem Kopf ist das die "Touri-Info", einen Ort, den ich in jeder fremden Stadt möglichst als erstes ansteuere.
Ich weiß gar nicht mehr, was offiziell jeweils über der Eingangstür des Ladens steht oder früher stand. :fs:


keine Fremdenzimmer sondern Gästezimmer. Ich bin auch keine Fremdenführerin sondern eine Gästeführerin, oder neudeutsch - Tourist-Guide.
Im allgemeinen mögen es die Teilnehmer meiner Führungen auch lieber, wenn ich sie mit "Liebe Gäste...." als mit "Liebe Fremde...." anrede :pfeif:
Wer will schon "fremd" sein, dann doch lieber Gast, oder? Tourist ist übrigens auch schon ziemlich negativ besetzt, daher verwende ich es bei meiner Tätigkeit nicht.

Deinen Gästen schaust du persönlich in die Augen.
Mag sein, das mein Verständnis von Gast genauso alt ist wie ich und mit mir ausstirbt.
Was sagen denn Jüngere zum Inhalt von Gast?
Ist Gast etwa die bessere Umschreibung für Touri/Tourist, dessen negative Besetzung ich genauso sehe.
Wir hätten dann eine sprachliche Entwicklung vom 1. Fremden 2. Touristen 3. Gast??? :grübel:
 
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