Begrenzende Faktoren für die Bauzeit der Cheops-Pyramide?

Du musst dabei auch in Hinterkopf behalten, dass die Nilflut ein (hoffentlich) jährlich wiederkehrendes Ereignis war. Die werden über die Jahrhunderte gelernt haben, sich damit zu arrangieren.
Weil es ein widerkehrendes, einigermaßen kalkulierbares Ereignis war, gehe ich davon aus, dass man es beim Wassergebundenen Transport berücksichtig hat.

Der Nil wird dabei übrigens nicht besonders viel höher, sondern extrem viel breiter, da das Land ziemlich platt ist. Sowas wie Schwimmstege helfen da nicht sonderlich.
Die Frage ist, wie sind solche extrem schweren Blöcke überhaupt transportiert worden? Ich habe zum Thema Obelisken irgendwo mal eine Darstellung gesehen, bei der die Dinger nicht auf ein Schiff verladen, sondern zwischen mehreren Schiffen fixiert und dann mehr oder weniger durchs Wasser geschleppt wurde.
Ich weiß nicht, wie historisch das ist, aber die Methode erscheint mir bei sehr großen Blöcken jedenfalls insofern sinnvoll, dass man zum einen den Auftrieb mehrerer Wasserfahrzeuge zum Transport hätte nutzen können und zum anderen, das Problem mit dem Auf- und Abladen nicht so immens gewesen wäre, denn bei einem zig Tonnen schweren Block, bräuchte man ja nicht nur Stege, die ein solches Gewicht überhaupt tragen können, was für sich genommen schon einer Herausforderung wäre, sondern dann müssten die dafür genutzten Wasserfahrzeuge natürlich beim Ein- und Ausladen von Gegengewichten Stabilisiert werden, damit sie beim Vorgang nicht einfach umkippen, wenn das Gewicht auf eine Seite verlagert wird.

Wenn wir mal für den Moment davon ausgehen, dass so große Blöcke eher durchs Wasser geschleppt, als auf einem einzigen Schiff transportiert wurden, würde ich zwei Möglichkeiten sehen:



1. Tatsächlich die Überschwemmungsperiode nutzen um die Blöcke direkt über die Zone, die die bei normalem Wasserstand den Uferbereich bildet einfach drüber zu schippern.
Das hätte den großen Charme, dass man sich über das Entladen kene großen Gedanken hätte machen müssen. Einfach über die überfluteten Flächen entlang des Flusses drüberschippern, so weit es eben geht, die Blöcke dann da irgendwo in einer entsprechend markierten Zone ins Wasser werfen/bzw. die Vertäuung lösen und sie einfach absinken lassen und abwarten, bis der Wasserstand wieder sinkt, der Fluss in sein Bett zurückkehrt und die Steinblöcke freiliegen.
Tücke wäre dabei, dass Manövrieren in flachem überschwemmten Gebiet nicht umbedingt einfach sein dürfte und das von @ELQ schon angesprochene Problem mit dem Treibgut.
Wobei ich mir hier die Frage stelle, ob letzteres tatsächlich ein so großes Problem war, denn gefährliches Treibgut in Flüssen ist ja meist Holz, während aber Ägypten ja gerade nicht für seine üppigen Baumbestände bekannt ist.
Deswegen kann ich schwer einschätzen ob das Problem dem in europäischen oder anderen Flüssen in stärker bewaldeten Gebieten vergleichbar ist.

2. Rampen

Man legt bei Niedrigwasser irgendwo eine große in den Fluss führende Rampe mit mehreren Zwischenpodesten für verschiedene Wasserstände an, auf denen man einen entsprechenden Schlitten unterhalb der Wasserlinie platzieren kann.
Die Vorrichtung müsste dann so aussehen, dass der Block mehr oder weniger direkt auf den Schlitten geschleppt und darauf abgesetzt wird. Dann wäre er mit entsprechenden Seilen zu fixieren und könnte rausgezogen werden.
Das würde bei einem solchen Gewicht aber sehr viel Manpower und idealerweise eigentlich Zugtiere erfordern.
Und bei so einem Gewicht wäre wirklich jeder Meter, der eingespart wird von Vorteil, auch mit Blick darauf, dass der Block nicht vom Schlitten rutscht und der Schlitten nicht ausbricht.
Gegen letzteres könnte man in eine Rampe natürlich Führungen einmeißeln.
 
sondern zwischen mehreren Schiffen fixiert und dann mehr oder weniger durchs Wasser geschleppt wurde.
Gar nicht so dämlich! :):) Gefällt mir ...
Man umgeht so nicht nur die Kentergefahr beim Verladen, sondern nutzt auch noch den Auftrieb des Steins! Bei einem spezifischen Gewicht von Granit um die 3t/m³ spart man also rund ein Drittel. Einfach ein paar Baumstämme quer über beide Decks legen, vertäuen und dann ein paar Schlaufen unter dem Stein durchziehen. Und schon haben wir quasi einen temporären Katamaran.

Ich meine sogar, diese Technik schon bei heutigen Schwertransporten zu Wasser gesehen zu haben. Eben weil sie sehr effizient ist.

sehr viel Manpower
Davon haben wir reichlich auf der Baustelle. Wenn 30 Mann einen 2,5t Stein eine Rampe hochziehen können, brauchen wir für den größten Stein (ca. 72t) knapp 900 Leute. Wichtig ist nur, dass der Weg gerade ist, denn dieses Riesengespann kann nicht um die Kurve ziehen.

Schwieriger wird es in Assuan. Ich habe aber neulich in einem TED-Video gehört, dass der Architekt gleich nach Dienstantritt 500 Arbeiter nach Assuan abkommandiert haben soll. Das klingt für mich etwas danach, dass dieser Vorgang von den ägyptischen Buchhaltern dokumentiert wurde. Kennt jemand da die Quelle?

Und 8000t Granit bei einem Durchschnittsgewicht von 40t(?) macht 200 Steine. Das wäre doch eine willkommene Abwechselung im Steinbruch-Alltag ;)
 
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