Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube!

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Hamilkar, 14. Juni 2004.

  1. Hamilkar

    Hamilkar Neues Mitglied

    Halloallemiteinander,

    ich habe eben den lateinischen Satz "Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube!" gefunden. Dahinter steht die Übersetzung "Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate!"

    Kann mir jemand etwas über die Herkunft und den Ursprung dieses Satzes sagen?
    Ich weiß, dass die österreichischen Monarchen nach diesem Motto verfuhren, aber woher stammt der Satz?
    Da unter uns ein paar Österreicher weihlen, können die mir doch bestimmt helfen, oder?

    Danke
    Hamilkar
     
  2. Schini

    Schini Neues Mitglied

    imperium-romanum.com sagt:

    Zitat: Bella gerant alii! Tu, felix Austria, nube! (Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus.)
    Bedeutung: Kriege mögen andere führen ! Du, glückliches Österreich, heirate ! (Denn Reiche, die anderen Mars gibt, gibt dir Venus.)
    Herkunft: fälschlich König Matthias I. Corvinus (1443-1490) zugeschrieben stammt das Zitat vermutlich aus der Zeit Maximilians I. (1508-1519) und spielt auf seine Heiratspolitik an.
    Anmerkung: Das Zitat ist angelehnt an einen Vers von Ovid: Bella gerant alii, Protesilaus amet.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Friedrich III veranlasste 1477, dass sein Sohn Maximilian I die Tochter Karl des Kühnen, Maria von Burgund heiratete. Nach dem Tod Karls bekam Maximilian die Niederlande und die Habsburger stiegen zum Haus Österreich und Burgund auf.

    Zitat aus wikipedia.org:

    "a e i o u sind die fünf Vokale des lateinischen Alphabets.

    A.E.I.O.U. ist ein habsburgischer Wahlspruch, den Kaiser Friedrich III. (1415-1493) als Signatur auf Gebäude und Gegenstände prägen ließ. Es existieren etliche Interpretationen dieser Signatur:

    Austria est imperio optime unita
    Austria erit in orbe ultima
    Austria est imperare orbi universo
    Alles Erdreich ist Österreich untertan
    Aller Ehren ist Österreich voll (v = u), etc.
    Eugen Rosenstock-Huessy (1888-1973) bot 1951 die Lesart: Austria Europae Imago, Onus, Unio * Österreich als Europas Ebenbild, Belastung und Zwang zur Einigung.

    Das vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur betriebene Kulturinformationssystem über Österreich bekam in Anlehung an den Wahlspruch den Namen
    Annotierbares Elektronisches Interaktives Oesterreichisches Universal-Informationssystem."


    Mehr unter:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._(HRR)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_I._(HRR)
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wahrscheinlich ist die Zuschreibung noch jünger, bezieht sich aber natürlich auf Maximilians Heiratspolitik, sowohl, was seine eigene Heirat 1477 mit Maria von Burgund angeht, als auch die seiner Kinder mit den beiden ältesten Kindern der Katholischen Könige Ferdinand und Isabella (Reyes Católicos, RRCC). Und wiederum seiner Enkel mit weiteren Herrscherhäusern von Portugal bis Polen. Aber dieser Spruch verschleiert natürlich auch einen Großteil der Wahrheit, denn das Bella gerannt alii - andere führen Kriege stimmt mit der historischen Wirklichkeit eben nicht überein. Die Hochzeit seiner Kinder Margarethe und Philipp mit Juan und Juana von Spanien (ja, die RRCC waren offenbar nicht sehr kreativ in der Namensgebung ihrer beiden Erstgeborenen) kann durchaus als gegen Frankreich gerichteter Schritt gesehen werden, mit dem Maximilian sowohl am Rhein als auch in Italien Konflikte hatte. Durch seine eigene Heirat mit María von Burgund eine Generation zuvor, was ihm die Niederlande (heute ungefähr Belgien und Niederlande) als Erbe einbrachte, wurden die Konflikte mit Frankreich nicht geringer. Will sagen: Die Heiraten waren keine Alternative zum Krieg sondern boten im Gegenteil neue Kriegsanlässe und auf der übertragenden Ebene, wie auch auf der der physischen Geographie, gemischt mit Stahl und Pulverdampf, neue Konfliktfelder.
     
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  5. stefan73at

    stefan73at Mitglied

    Das Zitat wäre jedem eingefallen, denn Maria von Burgund brachte einen Reichtum mit, der das Beutegut eines Krieges obsolet machte. Wie das Leben halt so spielt hat er nach ihrem Tod "in der Fett'n und Musik" alles an die Fugger verjubelt. Weiß nicht mehr genau, war es Schloß Ambras oder Tratzberg in Tirol, da kann man das heute noch nachvollziehen. Nämlich das ausladende Bureau der Fugger und daneben ein Kämmerlein für den Maxi :)
     
  6. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Sehe ich nicht so. Es gab hauptsächlich drei Möglichkeiten um sein Herrschaftsgebiet als Fürst zu vermehren
    • militärische Eroberung
    • Heirat
    • Belehnung
    Die Belehnung fiel beim Kaiser aus, er war ja selber der Lehnsherr. Blieben also nur Krieg oder Heirat. Das Volk wird bei einem Landgewinn mittels Hochzeit dankbarer gewesen sein als bei einem Kriegszug. Ich sage bewusst dankbarer. Auch eine Hochzeit war für das Volk nicht gut, weil die Herrschaften gerne als Hochzeitsgabe ihren Untertanen für die Feierlichkeiten eine Sondersteuer auferlegten.

    Das ein Ausdehnen seiner Herrschaft zu einem Konflikt mit benachbarten Fürsten führte, ist korrekt. Aber deshalb konnte ja der Erbprinz eines Landes wohl nicht ins Kloster gesteckt werden.

    Die Franzosen vereinten ja beides: Heiraten und Krieg führen. Die Heirat der Lieselotte von der Pfalz mit dem Bruder des französischen Königs löste den Pfälzischen Erbfolgekrieg aus. Wobei vor der Hochzeit ja der französischen König es akzeptiert hatte, dass die Braut auf ihre Erbansprüche auf Kurpfalz verzichtet hatte. Als der Erbfall eintrat, war Frankreichs Gier nach Ausdehnung der Grenzen größer als das Ehrgefühl.
     
  7. stefan73at

    stefan73at Mitglied

    Oder man gründet wie Wallenstein schon recht fortschrittlich ein Münzkonsortium.

    Vielleicht kann das jemand in Latein übersetzen: "Mögen die Anderen belehnt werden oder heiraten, Hautptsache ich geb ihre Währung heraus" :)
     
  8. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich würde El Quiote zustimmen, das Österreich immer nur heiratet und andere Krieg führen, ist doch ziemlicher Unsinn, wenn wir sehen, dass zwischen Karl dem Großen und dem Ersten Weltkrieg Österreich bei fast jedem größeren Krieg dabei ist, mir fallen nur der Große Nordische Krieg und der Krimkrieg ein.
     
  9. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Karl der Große ist doch arg früh angesetzt. Die Herrschaft der Babenberger ist ja eher eine Zeit der Gefolgschaft des jeweiligen deutschen Königs / römischen Kaisers. Eine eigenständige Kriegsführung sehe ich da nicht.

    Richtig los geht es mit den Kriegen, nachdem Frankreich sich im 100-jährigen Krieg gegen England durchgesetzt hat. Seitdem sehen wir eine ständige Expansion der Franzosen. Der Aufstieg Frankreichs ist untrennbar mit dem Abstieg des HRR verbunden. Den Machtverlust im Westen und Süden gleicht man in Wien durch die Expansion nach Osten und Südosten aus. Eine Politik, die lange Zeit später dann zum Zusammenbruch der Habsburger-Herrschaft führt. 1515 bei Pavia ist man noch eine Macht, nach 1648 eher machtlos in Bezug auf Frankreichs Aufstieg.
     
  10. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Mein Fehler meinte Karl V.

    Seitdem gab es kaum einen größeren europäischen Krieg ohne Habsburger.
     
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  11. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Das es kaum nach karl V. kaum noch einen größeren Krieg ohne Habsburger gibt, ist richtig. Inwiefern diese Kriege in einer tatsächlichen Machtausweitung der österreischischen Habsburger resutlierte und darauf dann das Reich aufgebaut wurde, ist eine andere Frage.

    Eine wirklich veritable aktive Machtausweitung zu Österreichs, vor allem auch in Relation zu anderen Akteuren, zu "Österreichs" Gunsten, sehe ich, da eigentlich nur in den ersten 2 Phasen des 30-Jährigen Krieges und bei der Ausweitung des territorialen Besitzes nach Ungarn und in den Balkan hinein um 1700 herum.

    Ansonsten hat man in der Regel eigentlich entweder Verlustfrieden geschlossen oder aber einen Machtzuwachs gehabt, der gemessen am Gewinn der anderen Akteure in den größeren Konflikten nicht eben spektakulär war.

    Daneben, würde ich meinen, kann man die Heiratspolitik ja neben der Messlatte der territorialen Ausweitung durchaus auch im Hinblick als bevorzugtes Mittel der Bündnispolitik betrachten, wenn wir z.B. an die Schritte Maria Theresias denken um zu einem Ausgleich mit Frankreich zu kommen.
     
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  12. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Schon das Verteidigen des Erbes führte ja häufig zum Krieg, wobei es meistens damit endete, dass nur ein Teil des Erbes angetreten werden konnte.
     

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