Bilder die mehr bedeuten

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Isabella, 9. Oktober 2006.

  1. Isabella

    Isabella Neues Mitglied

    Vorwort: eigentlich wollte ich über Behrühmte Narren schreiben... (Deswegen der etwas unpassende Einstieg).
    Stanczyk (Stanislaw Gaska von altpol. Gaska(Gense) geb. um 1480 gest. um 1560) war der Hofnarr von Alexander Jagiellonczyk (1461-1506; König Polens 1501; Litauischer Großfürst 1492; Verheiratet mit der Tochter von Iwan III. von Moskau, Helena), Zygmunt I. (dem Alten; dt. Sigismund; 1467-1548; König und Litauischer Großfürst 1506, Verheiratet mit der Tochter des Herzogs von Mailand, Bona) und Zygmunt II. August (1520-1576; König 1529; Litauischer Großfürst 1522, sohn des Zygmunt I.). Über genaue Angaben zu seiner Person verfügen wir nicht. Er soll aus einer adeligen Familie stammen (Hm... adeliger Narr?:grübel:). Er soll berühmt für seine scharfe Zunge und gnadenlose Kritik an den jeweiligen Herrschern und deren politischen Entscheidungen gewesen sein. Stanczyk wurde oftmals in der polnischen Literatur zitiert (zbs. von Jan Kochanowski, Mikolaj Rej oder Wladyslaw Wyspianski). Allerdings gibt es die Vermutung, dass die Zitate von den Schriftstellern erfunden worden sind um eigene Meinungen zu vertreten. Einer der berühmtesten Künstler Polens, Jan Matejko, wurde im Alter von 21 Jahren durch ein Gemälde (Stanczyk w czasie balu na dworze królowej Bony wobec straconego Smolenska von 1862), das den o.g. Narren darstellt, sehr bekannt und geschätzt. Das Gemälde zeigt den Narren, wie er mit gesenktem Kopf, mit unter der Brust gefalteten Händen und einer sorgenvollen, nachdenklichen Miene in einem Stuhl sitzt. Auf dem Tisch neben ihm, liegt ein Rapport mit dem Datum 1514 drauf, der über den Verlust von Smolensk berichtet. Matejko hat dem Narren absichtlich sein eigenes Gesicht gegeben, um dadurch deutlich zu machen, wie ähnlich das Schicksal eines Narren und das eines Künstlers ist. Die sollen alle belustigen und Wahrheiten erzählen, aber keiner nimmt sie ernst. Sie sind einsam. 1944 wurde das Gemälde in die Sowjetunion überführt und erst 1956 haben die Polen es zurückgekriegt. Stanczyk ist zu einem Symbol gewachsen. Er wurde für die Polen zum Schirmherr der politischen Weitsichtigkeit, Scharfsinnigkeit und Klugheit. Das Gemälde befindet sich in dem Nationalem Museum in Warschau.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Oktober 2006
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ...interessant :) ..aber willst du uns nicht das Bild zum Verständnis hier mal hereinstellen ? Klar ist mir auch nicht, von wem nun das von dir gemeinte Bild eigentlich gemalt worden ist :grübel:
     
  3. Isabella

    Isabella Neues Mitglied

  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ein Beweis dafür, dass Historienmalerei, die vielgeschmähte, auch sehr spannend sein kann.
    Das Problem für sie erscheint mir heute, dass sie in Geschichtsbüchern zu der jeweils dargestellten Epoche eigentlich nichts mehr, auch in meinen Augen, verloren haben. Höchstens kommen sie in Sachbüchern wie Biographien nur noch in einem Kapitel zur Überhöhung oder Verklärung der hist. Person, die behandelt wird, vor. Da kann nicht die Menge an Historienbildern publiziert werden...:grübel:
    Vielleicht gibt es zu der Problematik schon einen Thread, ich hatte nicht gesucht, entschuldigt bitte.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich finde die Portraits von Octavio Ocampo faszinierend. Der schafft es Portraits so geschickt zu komponieren, dass sie eine Geschichte erzählen - sofern der Rezipient die Geschichte ansatzweise kennt.

    Einige Beispiele:
    Jesus
    John Lennon
    Lupe
    Mona Lisa
    Marilyn Monroe
    Ein mexikanischer General

    Von künstlerisch höherem Wert ist sicher Eduardo Arroyo, der Dalí als Hofnarren malte und die "Vier Dikatoren" als Zyklus veröffentlichte. Aber seine Art mit Portraits Geschichten zu erzählen, ähnelt doch der Ocampos.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn Ihr Euch mal dieses Bild anschaut, Stefan Batory bei Pskowo, dann seht Ihr sicherlich auch diesen seltsamen, beinahe indianisch wirkenden Federschmuck an den polnischen Rüstungen. Wozu war der gut? Wie ist der entstanden?

    Edit: leider funktioniert die Direktverlinkung auf das Bild nicht, Ihr müsst unter Jan Matejo auf das dritte Bild klicken.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Oktober 2006
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der "Jesus" erinnert mich eher an ein Premiummitglied hier im Forum, wenn mir nur einfallen würde, welches.
    Haben wir hier jemand, der Ähnlichkeit mit Jesus aufweist oder sich zumindest für Jesus hält?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  9. Isabella

    Isabella Neues Mitglied

    Das Federschmuck so weit ich weiß, ist typisch für die polnischen Husaren. Ich hoffe, das dieser Hinweis dir helfen wird.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Aber welchen Zweck hatte er?
     
  11. Isabella

    Isabella Neues Mitglied

    Ein Zitat aus Wikipedia (Stichwort: Husaren)
    Weitere Infos kannst du bei Wikipedia finden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Oktober 2006
  12. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Mich erinnerten die Werke des Octavio Ocampo eher an einen Moderator hier im Forum, nur nicht so vegetarisch.
    Und die polnischen Flügelhusaren - meiner Treu, da hat doch jemand das Wort ala zu wörtlich genommen.

    Hübsch übrigens, wie wir mit den Bildern von Ocampo und Matejko zwei völlig unterschiedliche Möglichkeiten sehen, mit Symbolen zu arbeiten: eine Schichtung mit ein oder zwei Metaebenen bei deutlicher Präsenz des "Vordergründigen" beim Historienmaler des 19. Jhs; eine schon fast rebusartige Collage beim Nicht-ganz-Surrealisten des 20.
     
  13. Isabella

    Isabella Neues Mitglied

    Hab nicht verstanden was du damit meinst...(muss ich jetzt rot werden?)
     
  14. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Musst du nicht – ala heißt lat. Flügel, ist aber auch die Bezeichnung für eine Reiterabteilung (vermutlich, weil die immer an den Flügeln der Aufstellung postiert wurde).
    Tut mir leid für das Klugscheißen.
     

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