dekumatland
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Waren das nicht sozusagen die "gewohnten" Probleme in etlichen "Grenz"Provinzen, die dennoch insgesamt florierten? Soweit ich weiß, gelang es Konstantinopel, die Lage in den zurück eroberten afrikanischen Provinzen insgesamt zu stabilisieren, sie gingen erst einige Generationen später verloren, florierten aber bis dahin (und hatten eigentlich während der Vandalenzeit auch floriert).Das wird leider häufig übersehen bzw. ausgeblendet: Zuerst besiegt Belisar die Vandalen, dann geht es weiter gegen die Goten. Was inzwischen in Nordafrika geschah, interessiert nicht mehr.
Ich halte diese summarische Darstellung (den Begriff Stellungskrieg würde ich nicht verwenden) nur teilweise für zutreffend:Die Gotenkriege (535–552) entwickelten sich zu einem extrem verlustreichen Stellungskrieg mit verheerenden Plünderungen, Hungersnöten und der Zerstörung wichtiger Infrastruktur, was die oben beschriebene Verödung Italiens bedingte.
1. Italien, vornehmlich Norditalien und die nördlichen Gegenden von "Ex-Jugoslawien" waren schon sehr gezaust von den vorangegangenen Kriegen (Hunnen, Alarichs Goten, Skiren/Odoakar usw) Schon recht verheerend wirkte sich dann Theoderichs Eroberung aus. Im 5.Jh. war Nord- und Mittelitalien nicht mehr der blühende kulturelle Raum, der es zuvor gewesen war.
Ein weiteres Indiz für diesen längst begonnenen Niedergang ist in der wirtschaftlichen Unfähigkeit Westroms zu sehen, welches die Mittel, um sich militärisch halten zu können, nicht mehr aufbrachte, sondern sich mit scheinbar günstigeren Foederatentruppen zu oft den Wolf in den Schafstall holte - die Zeiten regulärer, gut ausgestatteter Legionen war im Westreich sonderbarerweise vorbei. Lediglich ein demographisch sehr kleiner Bevölkerungsteil - die senatorische Aristokratie - konnte sich noch die Illusion leisten, in ein paar großen Städten und ansonsten auf Latifundien in sicheren Gebieten "wie in einer blühenden römischen Kulturlandschaft" zu leben. Eine vollständige Wiederherstellung der blühenden Kulturlandschaft unter Theoderich halte ich für eine Übertreibung, auch wenn der Gotenkönig eine Wasserleitung erneuerte und ein prunkvolles Grabmahl bauen ließ: die Annona (Truppenversorgung/Einquartierung) fraßen die wirtschaftlichen Mittel ziemlich auf, die ostgotische kulturelle Romanitas scheint mir mehr Propaganda als Realität gewesen zu sein. Italien war längst welk geworden, die Ostgoten herrschten über keine Verhältnisse wie zur Zeit Mark Aurels oder Konstantins.
2. Die beiden (!) Gotenkriege summarisch zu betrachten, ist zu sehr vom Ende her gedacht. Zunächst war das Vorhaben sehr aussichtsreich gewesen und mit dem Sieg über Witichis 540 schien eigentlich alles in Butter - erst danach verzettelte sich alles: fränkisch-alemannische Truppen marodierten (Mailand), die Probleme an der Perserfront flammten wieder auf - eine funktionierende Verwaltung der rückeroberten Gebiete (und das war 540 nicht ganz Italien und Dalmatien und Alpenraum) wurde noch nicht sinnvoll eingerichtet, was wohl mehrere Gründe hatte (politisches Hickhack um Belisars Kompetenzen) - - zu diesem Zeitpunkt war das welk gewordene Italien noch nicht völlig unten.
Dass es so kommen würde, also die Problematik um Belisar, die störend marodierenden Franken: das konnte man zu Beginn des ersten Gotenkriegs in Konstantinopel nicht absehen! Bis 540 musste es so scheinen, als ob auch in Sachen Ostgoten alles so glänzend wie zuvor gegen die Vandalen laufen könne.
3. Waren Theoderichs und zuletzt Totilas Ostgoten demographisch so viele, sie viel größer als die einst 80.000 gezählten Vandalen Geiserichs? Dazu Herwig Wolfram:
(Wolfram "die Goten" s.279)(...) setzten sich die Ostgoten Theoderichs in Bewegung. Ihre Zahl wird auf wenigstens zwanzigtausend Krieger, das heißt auf insgesamt etwa hunderttausend Menschen geschätzt, was der Wirklichkeit wohl nahekommt.
Das Heer, mit welchem Narses im zweiten Gotenkrieg "den Stiefel von oben anzieht", wird mit 30.000 Mann als für seine Zeit sehr stark, sehr groß bezeichnet.
Demographisch sind weder die Truppen, noch die (unter Waffen stehenden) "Barbarenvölker" (exercitus gothorum etc) der Spätantike sonderlich massenhaft, was Wolfram in einem berühmt gewordenen Ausschnitt seines "das Reich und die Germanen" sehr treffend beschreibt. Aber waren die Truppen, die von Totila gegen Ende des - verheerenden - zweiten Gotenkriegs angeführt wurden, noch sonderlich ostrogotisch und wie viele waren sie? Narses Heer jedenfalls war ihnen überlegen. Was bedeutet das für unsere Fragestellung? Das längst gezauste Italien scheiterte wirtschaftlich daran, sich und diese demographischen Minoritäten (zwei verglichen mit der Gesamtbevölkerung marginale Heere) längerfristig zu unterhalten, zu ernähren usw. - Fazit: die blühende Kulturlandschaft war schon vor dem ostgotischen Einmarsch mehr als nur waidwund. Die kurze Erholungsphase unter Theoderich schaffte keine zweite Blüte.
Was mich daran immer verblüfft hat und worauf ich keine Antworten finde: warum war die Angelegenheit 540 mit der "Inhaftierung" des zuletzt tatenlos in Ravenna hockenden Ostgotenkönigs nicht in trockenen Tüchern?
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