Dauerte die Varusschlacht nur einen Tag?

Wenn du davon ausgehst, dass Varus im Wald ein Lager aufschlägt, dann findest du das nur bei Cassius Dio.
Publius Quinctilius Varus brach im Spätsommer des Jahres 9 n. Chr. von seinem Sommerlageran der Weser auf.
Der römische Offizier Arminius teilte dem Varus auf dem Marsch eine Information über einen lokalen Aufstand mit.
Varus änderte daraufhin die geplante Route, um die vermeintliche Rebellion niederzuschlagen.

Achtung!
Ich gehe nicht davon aus, das Varus im Wald ein Lager aufschlägt. Das Lager von dem ich rede, ist das Lager des Aufbruchs:

Tag 1
Varus verlässt morgens das Sommerlager.
Mag sein, das Arminius dem Varus einen Weg, der noch ungünstiger als er ohnehin schon ist, weist.
In Anbetracht der schieren Masse an Legionären, Zivilisten und Beiwerk ein Desaster.
Das wäre dann der Verrat.

Arminius hat sein Ziel erreicht.
Die Marschkolonne über 10 km oder mehr auseinandergezogen.
Legionäre die keine effektiven Formationen einnehmen können.
Das ist die Falle, das ist der Hinterhalt.

Am Abend dieses Tages ist es dann vorbei!
 
Du meinst den faulen Kompromiss? Die Widersprüche zwischen den Quellen weg-ignorieren und miteinander harmonisieren?
Das bringt überhaupt nichts. Stradivari hat lediglich höchstmöglich abstrahiert und das auch als Gegensatz dargestellt. Wenn ich von einem goldenen Mittelweg spreche, ist dies Ergebnis der dargestellten Gegensätzlichkeit. Harmonisieren ist absolut nicht meine Absicht.
Wenn man so will, gewogener Durchschnitt.

@westfale ,
irgendwie Fährtenleser bin ich nicht; ich weiß nur, daß ich Zweifeln nachgehen sollte. Und wenn Du auf die Art Zweifel wecken willst, ist das im Rahmen der Varusangelegenheit absolut ok. Nur wirst Du zugeben müssen, daß einige Annahmen von Dir nicht unbedingt zustimmungsfähig sind.
 
@westfale,
welche Route hatte Varus ursprünglich geplant?Rückkehr an den Rhein oder nebenbei einen Aufstand niederschlagen und dann wieder zum Sommerlager zurück?
 
Okay, unterstellen wir also, das Prima Vari castra bei Tacitus und das "Waldlager" bei Cassius Dio wären beide, so bei bei den beiden Autoren beschrieben, historisch, keine literarische Konstruktion bei Tacitus, keine Fiktion bei Cassius Dio: kann es sich dann wirklich um dasselbe Lager handeln?
Überleg noch mal.
@Bockstein. darf ich dich noch mal hierauf hinweisen?
 
Publius Quinctilius Varus brach im Spätsommer des Jahres 9 n. Chr. von seinem Sommerlageran der Weser auf.
Der römische Offizier Arminius teilte dem Varus auf dem Marsch eine Information über einen lokalen Aufstand mit.
Varus änderte daraufhin die geplante Route, um die vermeintliche Rebellion niederzuschlagen.
Alleingut von Cassius Dio, der spätesten Quelle.

Gilt
Die hinterlassenen schriftlichen Zeugnisse betreffend:
Glaubenssache, kann man glauben aber muss man nicht glauben.
Zu grosser zeitlicher Abstand zu dem Geschehen und Schöpfung aus dem Hörensagen.
Nicht Geschichte, sondern Geschichten.
also nicht mehr?

Ich mein, man muss ja wissen, worüber wir diskutieren.

Im Übrigen auch die Quelle, die uns über die viertägige Dauer der Schlacht informiert, die du ja rundweg ablehnst.
 
Gern weise ich darauf hin, wie bisher die Örtlichkeit des Sommerlagers diskutiert wurde
Okay, du verweigerst mir die Antwort. Das ist auch eine Antwort.

Es ist verwunderlich: Du bist jetzt monatelang auf den Vexillationen des Varus herumgeritten, die von den Germanen vor oder während der Varusschlacht niedergemacht wurden. Nachdem die Römer am ersten Schlachttag schon ordentlich eines auf die Mütze bekommen haben und dementsprechend dezimiert worden sind, sind sie gezwungen, ein Lager im Wald aufzuschlagen.
Du liest den Text von Cassius Dio mit seinem "Waldlager", nachdem die bereits zuvor aufgeteilten Truppen noch mal dezimiert wurden und die Beschreibung Tacitus' von einem perfekten Dreilegionenlager (ignorieren wir, dass die Annahme, dass die drei Legionen Vollstärke gehabt hätten realitätsfremd ist < literarische Konstruktion) und bei dir kommt nicht die Spur eine kognitiven Dissonanz auf?!?

Wenn du das taciteische Drelegionenlager unbedingt als historisch "retten" willst, kann es nur VOR Beginn der Schlacht errichtet worden sein, wohingegen das "Waldlager" NACH Beginn der Schlacht errichtet wurde.
 
Soll heißen..ein 3Legionenlager kann es nie gewesen sein. Ich werde es nicht historisch retten.Danke
 
Zuletzt bearbeitet:
Soll heißen..ein 3Legionenlager kann es nie gewesen sein
Diese Frage nachdem du monatelang die Vexillationen hin und her diskutiert hast?
Was ist an literarisches Konstrukt nicht zu verstehen?


Noch mal: Das Dreilegionenlager ist kein historischer Fund, den Germanicus tatsächlich gemacht hat (was nicht ausschließt, dass er mehrere Lager von Varus aufgefunden haben mag), es ist ein literarisches Konstrukt, um den Kontrast zu verdeutlichen: Drei geschulte, disziplinierte Legionen wurden gänzlich vernichtet. Das - aus römischer Sicht - Unfassbare wird deutlich gemacht. Es ist keine einfache Niederlage, es ist eine Vernichtung, die Rom in eine schwere Krise gestürzt hat.
 
Du fragst, ob ich die literarische Konstruktion nicht verstehe?Weil ich mich nicht damit befasst habe, die Quelle wie ein Historiker zu lesen.
Ich frage mich wirklich, wer beim Lesen von Tacitus bei dieser Textstelle von etwas anderem ausgeht als von Realität.

Daß sich dahinter ein literarischer Kunstgriff verbirgt, der einem römischen Leser ob der literarisch aufbereiteten Katastrophe voll bewußt ist...dummerweise aber mir nicht.

Mag ja sein, daßich ein kognitiver Dissident bin, aber im Forum vermutlich nicht der einzige.
Wie ich schon einmal sagte:Man muß darauf kommen können.

Und: Ich habe nicht darauf geachtet, ob ich Antworten verweigere. Tut mir leid, wenn das so ausgesehen hat.
 
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