Nun, glauben musst du natürlich gar nichts.
Aber stellen wir uns mal ein paar Gegenfragen:
a) Was spricht denn gegen die Masse der marchierenden Römer? Wir reden immerhin über eine im Aufbau befindliche Provinz, die an definitiv noch nicht befriedetes Gebiet, jenseits von Weser und Elbe grenzte.
Würdest du es, angesichts der Möglichkeiten von Aufständen oder Einfall anderer Germanengruppen von außerhalb des Imperiums für sinnvoll halten, im westfälischen Hinterland des Imperiums einzelne Legionen oder noch kleinere Truppenteile herumlaufen zu lassen, wissend, dass sie dort Tage bis Wochen von jeder möglichen Verstärkung abgeschnitten wären?
Welcher militärischen Logik würde das folgen?
Nach jeder gängigen militärischen logik, sollten Kräfte nur so weit aufgefächert werden, dass man sie im Bedarfsfall schnell zusammenziehen und Überlegenheit an einem bestimmten Punkt herstellen kann.
Was bedeutete Tendenziell in großen Verbänden zu marschieren und wenn keine Parallelstraßen etc. vorhanden sind, zur Not auch in den sauren Apfel zu beißen und alles über eine Straße oder einen Weg zu schicken.
Zumal die Aufgabe der Legionäre ja nicht nur rein militärisch war, sondern zum Teil auch in der Erschließung der Gebiete lag (vorbereitung von Straßenbau, Anlage von Siedlungen, etc.)
b) Möchtest du davon ausgehen, dass die Römer die Versorgung ihrer Kavallerie/Zugtiere mit Heu dem Zufall überließen? Natürlich kann man die Reiterei auch in der Umgebung fouragieren lassen, man muss sich nur im Klaren darüber sein, dass sie, wenn man das tut in kritischen Momenten möglicherweise nicht verfügbar ist, weil gerade mit Nahrungsmittelbeschaffung beschäftigt.
Frage an dich: Würdest du 3 Legionen, samt Tross etc. also erhebliche militärische Ressourcen und Werte in der Gegend herummarschieren lassen und darauf verzichten sie durch Aufklärung zu sichern, weil du kein Heum mitnehmen willst (was keinen großen Unterschied macht, weil für die Versorgung der Legionen ohnehin der eine oder andere Wagen dabei ist, der den gesamten Zug verlangsamt)?
Oder wäre das irgendwie Sparen am falschen Ende?
c) Warum möchtest du denn nicht glauben, dass in einer relativ wasserreichen Gegend wie Norddeutschland entsprechende Mengen an Wasser vorhanden waren? Tägliche Aufnahme von Wasser wird nicht notwendig gewesen sein, für 2-3 Tage können Wasserrationen in Schläuchen/Fässern mitgeführt werden.
Zudem, wenn es, was naheliegt Herbst war, durfte in diesen Breitengerade auch schonmal mit dem einen oder anderen Regenguss gerechnet werden und der Möglichkeit Regenwasser zur Versorgung aufzufangen.
Schau dir eine Detailkarte von Norddeutschland mit allen Flüssen und größeren Bächen an, dann müsste dir eigentlich klar sein, dass Wasserversorgung in diesem Terrain kein größeres Problem war.
Die Römer haben Feldzüge in viel wasserärmeren Gegenden geführt. Roms Provinzen in Andalusien, Nordafrika, Kleinasien, der Levante etc. sind ja nicht dadurch zustande gekommen, dass die Römer sich nicht zugetraut hätten in diesen Gebieten 3 Legionen oder mehr mit Wasser zu versorgen.
d) Natürlich führen Wege irgendwo hin, und nicht ins Nirvana. Wie lang sie sind, ist freilich eine andere Frage, und ob Wenden möglich ist, hängt davon ab, ob es den Germanen gelungen ist, den Weg hinter den Römern zu blockieren, um das zu verhindern, oder aber ob Wenden deswegen keine Option war, weil am Ausgangspunkt der Route, wo immer das wäre, nicht mehr genügend Verpflegung und keine Verbindung zu den anderen Truppen am Rhein mehr bestanden hätte.
Bei der Frage, in welche Richtung jemand versucht aus einer Falle auszubrechen, wird er sich ja auch die Frage stellen müssen: "und was danach?"
Versuch in Richtung Westen/Südwesten und damit in Richtung Lippe und Rhein durchzubrechen, bot immerhin die Perspektive im Fall eines gelungenen Ausbruchs, den Rest der eigenen Streitmacht in den Schutz und die Versorgungssicherheit der Lippelager zu retten und ggf. Verstärkungen vom Rhein her heranzuziehen, um mindestens Teile auch der rechtsrheinischen Territorien verteidigen zu können und die ganze Infrastruktur da nicht aufgeben zu müssen.
Ausbruch irgendwo hin, möglicherweise in die entgegengesetzte Richtung hätte möglicherweise bedeutet, danach mitten im Feindesland zu stehen, ohne die Möglichkeit einen befestigten Platz zu erreichen, eigene Magazine zu erreichen, um die Truppen länger versorgen zu können, oder Verbindung mit den beiden noch am Rhein stehenden Legionen aufnehmen zu können.
In welche Richtung versuchst du auszubrechen/zu entkommen?