Der "Alemannendiskurs" - von der Identitätsstiftung zum Territorialanspruch

Der Alemannendirskurs war mir (noch) bekannt, eine 'olle Kamelle' in der Hinsicht, dass die Etablierung von tatsächlichen und vermeintlichen Gegensätzen zwischen Schwaben/Württemberg und Baden erst nach der Entstehung des Großherzogtums Baden und des Königreiches Württemberg greifbar werden. Teils aus der beträchtlichen Konkurrenzsituation, teils als heimatkundliche Klammer für das mehrfach gewachsene, recht heterogene Gebiet des Großherzogtums.

Typisch aus diesen Rahmen auch die 'Entdeckung' des großen alemannischen Gebietes, mit dem sich Badener trösteten und an dem sich später 'großdeutsche' Vertreter bei ihren phantasievollen Ansprüchen bedienten.

Die neuerliche Dis. hier im Forum wirkte für mich daher etwas rückständig, wärmte olle Kamellen auf, kannte m.E. auch nicht ausreichend den Kontext.
 
Mich interessiert das Thema aus sprachlichen Gründen.
Von Gebietsforderungen weiß ich nichts.
 
[...] Das in Alamannien entstandene Konglomerat verschiedener Gruppen hat sich vermutlich frühestens im 6. Jahrhundert als politische und gesellschaftliche Einheit formiert. Unter dem Begriff "alamannisch" ist alleine schon deshalb keine ethnische Zuweisung im Sinne einer Volks- oder Stammeszugehörigkeit zu verstehen. Vielmehr wird der Begriff zum Synonym für eine zeitliche und geographische Einordnung. [...]​
(Q: Christoph Morrissey, Alamannen zwischen Bodensee und Main (2013), S. 23)
Damit wird auch deutlich, dass wohl weniger oder nicht die vermeintliche ursprüngliche sprachliche Gemeinsamkeit des 'Alemannischen' prägend oder formend gewesen war.

Morrissey, Alamannen S. 23 f., weiter:
[...] Für ihn [Otto Borst] waren Berufung und räumliche Entwicklung des Herzogtums Schwaben vom 10. bis 13. Jahrhundert eine unmittelbare Folge des alamannischen Herzogtums. Und tatsächlich spricht vieles dafür, dass sich die späteren Badener wie auch Württemberger und weite Gebiete der Nordschweiz als Schwaben sahen und bezeichneten, bevor im 19. Jahrhundert das Verbindende brach und die Alamannen Südbadens den Schwaben Württembergs gegenüberstanden. Dabei beruft sich Borst nicht zuletzt auch auf den fränkischen Bischof Gregor von Tours (539-594), der schrieb: Suebi, id est Alamanni (Schwaben, das meint Alamannen).
 
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