Der Weg der Franken

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Reverend, 15. Januar 2013.

  1. Reverend

    Reverend Neues Mitglied

    Servus,
    ich hab eine Frage zum Weg. So wie ich des jetzt mitbekommen habe, sind die Franken bei Köln über den Rhein und weiter nach Westen. Später dann den Rhein hoch und anschließend den Main entlang.

    Aber warum? Warum den Rhein hoch und dann noch den Main?
    Wenn man bei den Mainquellen wieder nach Norden wäre, wäre man ja fast einen Kreis gelaufen. Oder wo liegt mein Denkfehler?
     
  2. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    naja, "die Franken" sind ja nicht gewandert, sondern fränkische Stämme/Gefolgschaften haben sich ausgebreitet und ein anderer Teil z.T. Zugehörigkeiten gewechselt bzw Siedlungsgebiete aufgegeben
     
  3. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    der Text ist nicht umwerfend, aber die Karten sind nicht schlecht.
    Die karten muss man anklicken.

    Frühfrühling: Karolinger, Ottonen, Heiliges Römisches-, Deutsches Reich, Franken-, Sachsenkaiser, Dorische Wanderung, Trojanischer Krieg
     
    1 Person gefällt das.
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Den Niedergang des Weströmischen Reichs nutzten die Franken zum Vorstoß auf römisches Gebiet. Allerdings überschritten sie den Rhein nicht nur auf der Höhe von Köln, das etwa um 455 erobert wurde, sondern sie gingen auf der ganzen Länge des Rheins zwischen Köln und Andernach zu unterschiedlichen Zeiten auf die linksrheinische Seite über. Sie erweiterten dann allmählich ihr Gebiet, das bei Beginn von Chlodwigs Herrschaft etwa bis zu einer Linie reichte, die vom heutigen Lothringen entlang der Maas bis zur flandrischen Nordseeküste reichte.

    Es gab also keinen "einzigen Kriegszug", sondern ein allmähliches Vordringen auf breiter Front. Erst nach dem Sieg der Franken unter Chlodwig in der Schlacht bei Soisson 486 erfolgte die Südausbreitung der Franken über Gallien.
     
  5. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

  6. Strupanice

    Strupanice Neues Mitglied

    l
    ei

    Den Mittellauf des Mains besiedelten fränkische Siedler erst nach dem Zusammenbruch des Thüringer Königreiches. Dies geschah teilweise durch geplante Staatssiedlungen im 7. und 8. Jh. Gleichzeitig besiedelten den Oberlauf des Mains slawische Siedler, ebenfalls durch fränkische Staatssiedlungen. Es gab auch mehrere Kontaktzonen, in denen fränkische und slawische Siedler gleichzeitig siedelten. Gerade aus dieser Kontaktzone ist auch der spätere "fränkische" Dialekt maßgeblich geprägt worden. Ähnliches ist im östlichen und nördlichen Harzvorland zu beobachten.

    Nur dadurch hat sich der Name "Franken" später für diese Region verfestigt. Das waren durchaus nicht unbedingt die eigentlichen "Franken", sondern Siedler aus irgend einem Teil des inzwischen zum Großreich gewachsenen "Frankenreiches".
     
  7. Norimberga

    Norimberga Mitglied

    Du darfst diesen Weg nicht als Plan eines groß angelegten Heerzuges sehen. Schon alleine die Zeiträume lassen dies nicht zu.

    Die Franken, wie auch die Alamannen siedelten an der Grenze zum Römischen Reich, dadurch fand ein gewisser kultureller Austausch statt. Man bekam einen Einblick in das „bessere“ Leben der Römer. Das Römische Reich, das innenpolitisch auf den absteigenden Ast und hungrig nach Soldaten war, rekrutierte dabei sehr gerne in den rechtsrheinischen germanischen Gebieten.

    Als Belohnung und zur Absicherung wurde ihnen Land auf der linksrheinischen (römischen)Seite gegeben. Eine 100% Sicherheit vor weiteren Überfällen war dies aber nicht. Dabei sind auch oft germanische (fränkische) Stämme gegeneinander gestanden.


    Durch diese Jahrzehnten langen Überfälle auf das linksrheinisches Gebiet und weiter bis in die Maas Gegend, verließen viele Römer und reiche Bürger ihre Städte, auch bei der Landbevölkerung dürfte eine gewisse Abwanderungswelle eingesetzt haben. Im Grunde ist das auch heute noch zu beobachten (siehe ehemaliges Yugoslawien oder andere Konfliktherde). Man lebt halt sehr ungern dort, wo man seines Lebens nicht sicher sein kann. Auch dürften viele „Einheimische“ im Kampf gefallen oder durch die Nachwehen dieser Raubzüge ( Hunger, geplünderte Vorräte, zerstörte Häuser etc.) umgekommen sein.
    Von einen gemeinsamen fränkischen Stämmesgefühl kann hier noch nicht gesprochen werden. Siehe dazu das 2. Posting von Wilfried


    Nachdem die Römer nur noch auf dem "Papier" die Macht inne hatten, wanderten viele Franken in den Westen (wir befinden uns immer noch auf Höhe des Niederrhein) ab, auch aufgrund der nach Westen drängenden Sachsen.
    Weiter im Westen, also im heutigen Westbelgien und Nordfrankreich, stellten die Franken (aber auch Minderheiten der Alamannen u Sachsen) nur ca. 20% der Bevölkerung.
    Die Gründe waren recht einfach, die Franken lebten im relativen Einklang mit der alten Bevölkerung, da diese Gebiete aber weniger verwüstet und entvölkert waren wie die Gebiete am Rhein, war wohl auch weniger Platz zum Siedeln vorhanden.
    Ein weiterer Grund dürfte gewesen sein, dass die Städte wie Paris, Reims oder Tournai intakt und die Lebensqualität dadurch auch höher gewesen sein dürfte.
    Ich verbinde das immer mit folgenden Beispiel, wenn du die Möglichkeit hättest, in einer relativen zerstörten Infrastruktur zu leben (wie am Niederrhein, Köln oder Gelduba) oder in einer Stadt, in der genügend Nahrungsmittel vorhanden sind, Thermen funktionieren und die Bevölkerung relativ friedlich ist und dich anerkennt, wo würdest du dann residieren wollen? :)
    Wir sind aber immernoch in der Zeit der fränkischen Kleinkönige,d.h. von einem Stamm ist noch nicht wirklich die Rede.


    Nachdem man die Alamannen bei Zülpich und in zwei weiteren Schlachte zum Teil vernichtend geschlagen hatte (u.a. Räumung des Runden Berg, vernichtend nur militärisch), stand der Weg nach Süden mehr oder weniger frei. Das alamanische Gebiet dehnte sich damals ungefähr bis nach Koblenz aus, wenn auch recht dünn besiedelt.

    Dadruch dürfte ein Zulauf von fränkischen Siedlern den Rhein aufwärts stattgefunden haben. Im Osten (Ruhr, Münster) drängten die Sachsen nach Westen, der Siedlungsraum in Nordgallien ist „belegt“, also bleibt da wohl nur ein Weg offen, der Weg, den Rhein entlang, wo man zumindest auf eine, wenn auch zum Teil zerstörte römische Infrastruktur zurückgreifen konnte. An wichtigen Plätzen wurden bewusst fränkische Adlige angesiedelt ( z.B. Planig Fürstengrab). Allerdings gab es auch noch eine gewisse Restbevölkerung, die trotz der ganzen Kriegswirren, ausgeharrt hat, diese wurde dann wohl „intergriert“.

    Irgendwann war am Rhein natürlich auch Schluss, Alamannen kamen verstärkt zurück (siehe Gräberfeld Pleidelsheim) und man begann das Maingebiet zu bevölkern. Dieses Gebiet war schwach besiedelt und schon die Römer hatten Probleme damit, es namentlich bezeichnen zu können. Man geht davon aus, dass die Vandalen und Burgunder durchgezogen sind (siehe Urphar, Wettenburg bei Wertheim) und es noch eine kleine Minderheit an Kelten, Alamannen und Thüringer (Zeusleben, Reitergrab) gab.
    Die Landnahme dürfte bis zum Steigerwald erfolgt sein, vereinzelt vielleicht noch darüber hinaus. Zahlreiche fränkische Gräberfeld bezeugen diese Epoche (Kleinlangheim oder Klepsau (heim), oft findet man dazu den Namen „fränkische Landnahme“.


    Zeitlich gesehen befinden wir uns schon am Ende der Merowingerzeit. Zur Karolingerzeit wurde diese Gegend fester ins Fränkische Reich intregiert. Da die Gegend, vorallem östlich des Steigerwaldes, immer noch relativ schwach besiedelt war, wurde u.a. aus militärischen-politischen Gründen, vereinzelt Sachsen und Friesen angesiedelt. Sachsenhausen, Sachsendorf, Sachsen und Friesen sind einige Dorfnamen, die aus diesen Maßnamen entstanden sind. Auch ein Zuzug der Slawen von Osten her setze ein (Oberfranken).

    Im 8. und 9. Jahrundert, auch aufgrund des Bevökerungswachstums im fränkischen Kernland, wanderten wohl noch fränkische Siedler in das relativ dünn besiedelte (Oberfranken) ein.
    Im 9. Jahrhundert war das (die) Fränkische(n) Reich(e) durch innerpolitische Streitigkeiten stark geschwächt, viele Krieger waren gefallen und das Reich war anfällig gegenüber Mächten von außen, so dass die Wikinger relativ einfach plündern konnten, der Schwerpukt war natürlich im Norden und an den Flüssen, so dass hier nochmals eine Zuwanderung nach Oberfranken/Südthüringen stattgefunden hat, allerdings nicht in dem Ausmaße wie bei der ersten Welle.

    Damit schließt sich dann wohl der Kreis. Ich hoffe ich konnte Dir einigermaßen und ohne Links das Warum erklären. Ich habe vieles nur angeschnitten und augrund deiner „Anfängerfrage“ einfach gehalten. 5 Jahrunderte sind schwierig auf zwei Seiten wiederzugeben.

    Falls du dich mal weiter einlesen möchtest, kann ich Dir folgende Bücher empfehlen, bzw. ich habe die Masse der Infos aus diesen entnommen.

    - Die Franken - Wegbereiter Europas
    - Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen
    - Unterfränkische Geschichte
    - Colonia - Stadt der Franken
    - Die ersten Franken in Franken. Das Reihengräberfeld von Westheim.
    - Franken im Mittelalter
    + einige Vorlesungen an der Uni Bamberg :)

    Des Weiteren gibt es in (Ost)Franken viele Geschichtsvereine, die in ihren Jahrbüchern geschichtliche Themen aufgreifen und auswerten.

    Oder für Einsteiger:
    -Geschichte Frankens. Vom Ausgang der Antike bis zum Ende des Alten Reichs
    - Youtube "Die Franken" (Nur für den ersten Überblick)
     

Diese Seite empfehlen