Des Kelten Palast, Galata Seray,gibt es noch Spuren der Kelten in der Türkei?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von askan, 29. März 2004.

  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Mike Hammer meint damit, dass die Galater beim Eintreffen der Turkstämme in Kleinasien im 11. Jh. n. Chr. längst in der altansässigen kleinasiatischen Bevölkerung aufgegangen waren. Damit hat er natürlich völlig recht. Galatisch wurde noch bis Ende des 4. Jh. gesprochen und ist dann spulos verschwunden. Damit erlitten die Galater ein Schicksal, das unzählige andere Völker ebenfalls getroffen hat.

    Man muss sich eher wundern, dass die Galater Reste ihrer Identität derart lange bewahren konnten, d.h. von ihrem Eintreffen in Kleinasien 278 v. Chr. bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte.
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Dieter:
    Den Teil, den du mir eben erklärt hast, habe ich selber verstanden.

    Nochmals, und diesmal fett hervorgehoben, was mich stutzig machte.

    Denkt er, dass du heutigen Türken ausschließlich aus Zentralasien stammen? Kann ich bei ihm kaum glauben... Wegen der dunklen Haarfarbe? Oder was bringt ihn zum Erstaunen?

    Deshalb die Nachfrage.

    Schon der zweite Post heute, den du von mir nicht richtig gelesen hast... Dieter, du wirst nachlässig... ;)

    ciao.
     
  3. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Ich denke nicht, dass sie zu dem Zeitpunkt ausgewandert sind. Ich wiederhole mich, zu dem Zeitpunkt als die Turkmenen Anatolien eroberten gab es keine Galater mehr, die waren seit 600-700 Jahren Griechen oder Rhomäer. Und das ist eine sehr lange Zeit. Ich wundere mich auch, dass sie ihre Sprache so lange halten konnten. Christianisiert wurden sie ja eh recht schnell. Völker mit keltischen Hintergrund schienen eh besonders dafür "anfällig" gewesen zu sein, siehe z.B. Irland (dies ist keine religiöse Wertung!).
    Wenn also ein heutiger türkischer Staatsbürger blonde Haare hat, dann braucht er nicht bis zu den Galatern zu gehen, um dafür eine Erklärung zu haben. Es reicht wenn er sagt, er hätte byzantinische, griechische, armenische oder eventl. auch wahrscheinlich einfach eine blonde Sklavin aus dem slavischen Balkan als Vorfahrin/en. Das dies allerdings kein aufrechter Türke machen wird, ist mir auch klar, das hängt aber wohl eher mit der neueren Geschichte zusammen. Selbstverständlich gilt dies auch für jedes andere Volk, dass die neuere Geschichte ignoriert und sich -politicaly correct- lieber in die Jahrtausende zurück blickt.
    Allerdings stimmt es schon, dass es viel spannender ist sich vorstellen einen wilden galatischen Kelten als Vorfahren zu haben. Nachprüfen kann es eh keiner :winke:
    Hoffe, ich konnte klar machen war ich meinte. Das war kein Seitenhieb auf niemanden.
    Ansonsten finde ich die Vorstellung, dass keltische Stämme sich durch einen Teil der hellenistischen Welt bis nach Kleinasien durchkämpften und sich dort festsetzten schon sehr, sehr spannend. Da antike Militärgeschichte mein Hobby ist, trifft man allenthalben auf Galater als begehrte Söldner für diverse hellenistische Armeen. Die Griechen mussten damals viel Blutzoll zahlen, bis die Galater von Antigonos in der sog. "Elefantenschlacht" besiegt wurden. Und besonders zahlreich dürften diese paar keltischen Stämme damals nicht gewesen sein.
     
  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    hi mike,

    das war mir eigentlich auch klar, dass du nicht annimmst, dass du heutigen Türken so "reinrassig" sind, wie manche Nationalisten es gerne hätten.

    Nein, die anatolische Landbrücke ist eines der Gebiete der Erde, wo die verschiedensten Völker durchzogen, und alle ihre (genetische) Spuren hinterlassen haben. Ob nun durch Vergewaltigung z.B. der Kreuzfahrer, durch Assimilation und Mischehen, oder durch uralte Vorfahren in ununterbrochener Folge. Naturblonde (und Rotblonde!) Türken sind in der Tat in der Türkei häufiger, als in Deutschland anzutreffen. Vielleicht würden wir sie in Deutschland auch gar nicht erkennen, weil wir dann nicht denken, dass es Türken seien?

    Wie dem auch sei, danke der Klärung. :)

    Ciao und LG, lynxxx
     
  5. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Prima, bin für jede Nachfrage dankbar. Bei den vielen Völkern des Osmanischen Reiches kann ich mir das gut vorstellen. Wo warst du überall in der Türkei ? Hattest du während deiner Reisen besondere Schwerpunkte ?
     
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hi.
    Ich war überall in der Türkei, von Edirne im Westen, bis zum Ararat im Osten, von Trabzon im Norden, bis Kap Anamur im Süden... ;)

    Ich war nicht in Südostanatolien, also Diyarbakir, Harran, usw. Nur das Kommagenegrab beim Nemrut Dagi, nebst umgebende Ruinen, Van-See und Tatvan, was ein wenig im Südosten liegt, hab ich gesehen.

    Als einzige größere röm. Ruinen mit tollen Erhaltungszuständen fehlen mir noch Olba Diocaisareia, Zeugma, Allianoi neben Pergamon, was mir so spontan einfällt. Historisch interessant, aber nicht sooo viel zu sehen sind noch Gordion, Catal Hüyük, Hattuša, usw. welche mir noch fehlen.

    Schwerpunkte waren
    die Weltkultur- und Naturerbe der Menschheit der UNESCO,
    antike Ruinen,
    geologische Besonderheiten (Vulkane, Thermal-Quellen, Höhlen...)
    natürliche Besonderheiten und Schönheiten (Wasserfälle, Salzseen, Vogelraststätten, Sümpfe, Nationalparks, endemische Flora und Fauna...),
    islamische Sehenswürdigkeiten, besonders Sinans Werke
    byzantinische, armenische, jüdische, Kreuzfahrer, hethitische, usw. Sehenswürdigkeiten
    Shopping, Partys, Sonne Strand und Meer, Gebirgstrekking, Mountainbiking, Jeepsafaris, Wassersport, Bootstouren... usw... ;)

    (^Reihenfolge willkürlich)

    Im Prinzip alles, was ein und zwei Sterne im Baedecker hat... ;)

    Fast immer als Rucksacktourist.
    Weshalb natürlich auch Land und Leute dabei waren. Von großstädtischen schwulen Türken, Transvestiten, tollen Frauen, die mich schon bald heiraten wollten und türkischem Schickimicki neben Ölscheichs im Fischrestaurant am Bosporus, bis zu bettelarmen herzlichen Nomaden, die ich beim Trekking traf.

    Wenn man drei Jahre hintereinander jeweils drei Monate etwa Zeit hat, kommt schon ne Menge bei rum... ;)


    Aber ich glaube, das wird hier arg Offtopic... ;) Sorry. :)

    Ciao, lynxxx
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2007
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Leider erfährt man nur sehr wenig über Ausgrabungen oder archäologische Funde, die an den alten Sitzen der Galater gemacht wurden. Dr. Altay Coskun von der Universität Trier hat am 20.09.2006 über dieses Thema auf dem Historikertag in Konstanz referiert und einige interessante Details herausgestellt.

    Danach ist z.B. der Ethnogeneseprozess der Galater durchaus nicht so eindeutig, wie man das oft liest. Immerhin hatten sich die Galater bis ins 1. Jh. v. Chr. in drei Stämmen formiert, die in Anatolien beheimatet waren: Die Tolistobogier, die das westliche Gebiet um Gordion und Blukion besiedelten, die Tektosagen, die das mittlere Land um Ankyra - dem heutigen Ankara - besetzten und die Trokmer, die mehr östlich um Tavion saßen..

    Pessinus war damals noch ein wichtiger Kultort der Muttergöttin Kybele, die von den Phrygern verehrt wurde, aber sicherlich uralte kleinasiatische Wurzeln hat. Es war bis ins späte 1. Jh. ein Priesterstaat, geriet dann unter den Einfluss der Tolistobogier und wurde schließlich zur Zeit des Augustus als Neugründung deren Stammessitz.

    Über hunderte von Jahren taten sich die Galater durch Überfälle und Piraterie hervor, doch gelang es ihnen, inmitten starker Nachbarn eigene politische und ökonomische Ziele zu verfolgen und trotz einiger verheerender Niederlagen eine weitgehende Autonomie zu bewahren.Eingeschränkt wurde diese erst durch ihre Niederlage gegen den Herrscher von Pergamon, Attalos I., etwa um 230 n. Chr. Damals entstand die berühmte Figurengruppe mit dem sterbenden Gallier, oder besser "Galater".

    Wie die "Galatai" lebten, bleibt umstritten. Während die einen eher von Nomadentum , Räuberei und Überfällen ausgehen, halten andere das für fiktive "Barbarentopoi", und nehmen durchaus eine ackerbauende und viehzüchtende Bevölkerung an. Andere wiederum sind der Meinung, die etwa 20 000 Galater hätten lediglich als dünne Herrenschicht über der eingeboerenen Bevölkerung gesessen und sich dem Kriegshandwerk und aristokratischen Zerstreuungen gewidmet.

    Dass die keltische Identität nur ganz allmählich abnahm, zeigt eine Analyse der Namen, also der onomastische Befund. Die Personennamen, die für das galatische Kernland bis zur Zeitenwende bezeugt sind, betreffen vorwiegend Stammesführer und sind in der Regel keltisch. Auch nach der Zeitenwende bleiben keltische Namen auf die galatische Oberschicht beschränkt, doch nimmt das nichtkeltische Element ständig zu.

    Später tauchen in den Quellen fast nur noch phrygische Namen der alteingesessenen Unterschicht auf, ferner zunehmend römische und griechische Namen. Dennoch finden sich immer noch zahlreiche Familien und ganze Dörfer, in denen entweder nur phrygische oder aber nur keltische Namen begegenen.

    Erst im 4. Jh. verschwinden dann Elemente, die eine galatische Identität anzeigen, sodass man annehmen muss, dass die Galater in der alteingesessenen Bevölkerung aufgegangen sind.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hallo Galati,

    dein Beitrag von vor dreizehn Jahren ist nicht beantwortet worden. Es gibt so etwas wie Homonyme ("Teekesselchen"), also zwei Worte derselben Sprache, die wortgeschichtlich nichts miteinander zu tun haben, aber gleich klingen (und gleich geschrieben werden). So muss das Galati in Reggio Calabria und Galati Mamertina auf Sizilien (westlich! von Messina) nichts mit den Galatern zu tun haben. In einigen Wikipedia-Artikeln wird Galati mit arab. Qala'at ('Festung') erklärt. Nicht gänzlich unplausibel, aber so ganz kann ich das noch nicht glauben, da normalerweise aus dem arabischen Qala'at auf Sizilien Calta- geworden ist (Caltagirone, Caltanisetta, Caltabellota etc.). Es würde mich sehr wundern, wenn in derselben Region das arabische qāf einerseits zu [k] andererseits zu [g] geworden wäre. Auch wäre mir nicht ganz klar, woher das -i gekommen sein soll. Aber womöglich gibt es natürlich plausible Argumente für diese Herleitung, nur ist die in den Wikipedia-Artikel nicht gegeben.

    Ebenso in Reggio Calabria befindet sich Galatro, das wird auf das Griechische zurückgeführt (auch hier wäre ich eher zurückhaltend vorsichtig). Sicher griechisch ist Gallipoli (Καλλίπολις, schöne Stadt). In der Nähe davon, voneinander nur jewiels zehn km entfernt, Galatina und Galatone, und die Namen könnten mit der Familie Galati zusammenhängen, die womöglich so hieß, weil sie Milchbauern waren (γάλα - 'Milch'). Aber auch das sehr verhalten vorsichtig formuliert.
     

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