Deutschschweizer wollen nicht hören, dass sie alemannisch sprechen

Gute Frage.
Wie schon gesagt, es geht mir nicht um Politik, sondern um Sprachbewusstsein.
Mir ist schon klar, der Begriff Alemannisch kaum verbreitet ist. Selbst am Oberrhein wird gesagt, man spreche Badisch.

In der Schweiz nun scheint mir der Begriff Alemannisch am stärksten abgelehnt zu werden. Vielleicht fürchtet man sich echt davor, von Deutschland eingemeindet zu werden, was ja kein Mensch will.
 
Wie schon gesagt, es geht mir nicht um Politik, sondern um Sprachbewusstsein.
Und genau das Sprachbewusstsein ist es, das einen Schweizer dazu bringt, den Begriff "alemannisch" nicht zu verwenden.


Vielleicht fürchtet man sich echt davor, von Deutschland eingemeindet zu werden, was ja kein Mensch will.

Ich mag mich täuschen, und @ursi und @Naresuan mögen mich da korrigieren, aber die vielen kleinen und größeren Bunker und Panzersperren an der Nordgrenze, und die guten Gründe sie zu bauen, haben das Sprachbewusstsein sehr geschärft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin als Kind zu 100 Prozent mit Alemannisch aufgewachsen.
Leider ist Alemannisch langsam auf dem Rückgang bei uns.

Hab mich gefreut, als ich die Sprache meiner Kindheit in der Schweiz hörte und verstand.

Find es schade, dass der Begriff Alemannisch dort so verpönt ist.
 
Ist er wirklich verpönt oder nur einfach nicht verbreitet? Es wurde ja schon mehrfach darauf verwiesen, dass die sprachwissenschaftliche Einteilung, die im 19. Jh. ihren Anfang nahm, gern auf mehr oder minder passende "Stämme" der Völkerwanderungszeit und des Frühmittelalters zurückgriff, um bestimmte Dialektfamilien zu bezeichnen. Man hat die oberdeutschen Mundarten dann eben bairisch, fränkisch und alemannisch genannt, ohne dass es dabei wirklich eine konkrete Verbindung zu politischen Gebilden des 4.-10. Jh. gegeben haben muss.

Eigen- und Fremdbezeichnungen für bestimmte Dialekte waren aber natürlich schon früher verbreitet, und sei es nur so etwas wie "unsere Sproch". Hätte man sich bei der Einteilung für "Helvetisch", "Norisch" und "Mainländisch" entschieden, würde das trotzdem dieselben Mundarten bezeichnen - und in Südbaden hätte man vielleicht trotzdem nicht den Eindruck, Helvetisch zu sprechen.
 
Find es schade, dass der Begriff Alemannisch dort so verpönt ist.
So weit ich weiß, gibt es niemanden, der den Schweizern den Begriff "Alemannisch" verkaufen will, also gibt es nichts "abzulehnen". Wie kommst du auf verpönt?
Als ich zum ersten Mal über den Rhein ging, stellte ich erfreut fest, dass dort viele meine Mundart sprechen. Dass es sprachwissenschaftlich eher umgekehrt ist und man das Alemannisch nennt, wusste ich damals noch nicht, habe aber nichts dagegen. Daran ändern auch keine Bunker oder Panzersperren etwas.

Wenn mich im Ausland jemand fragt, welche Sprache ich spreche, dann ist das Deutsch und im Inland ist es der Name meines Dialekts. Für die Benutzung von Sammelbezeichnungen wie Schweizerdeutsch oder Alemannisch gibt es eigentlich keinen Grund, außer als Synonyme für "Mundart".

Kürzlich fragte in einem Restaurant eine Person mit unüberhörbarer Lautstärke und fremdländischem Akzent jemanden am Telefon "Kannst du kein Züridüütsch?". Offenbar steht auch bei Nicht-Muttersprachlern der Name des lokalen Dialekts über dem "Schwiizerdüütsch".

Ich war mal an einer Hochzeit in der Bodensee-Region eingeladen und wollte dort ein Gedicht in Mundart vortragen. Als ich merkte, dass an dem Ort für "gewesen" bereits nicht mehr "gsii" sondern so etwas wie "gwen" benutzt wurde und ich das Gedicht anpassen wollte, reimte natürlich keine Kuh mehr, wie Emil sagen würde. Irgendwie ging es dann doch.
 
So weit ich weiß, gibt es niemanden, der den Schweizern den Begriff "Alemannisch" verkaufen will, also gibt es nichts "abzulehnen". Wie kommst du auf verpönt?
Als ich zum ersten Mal über den Rhein ging, stellte ich erfreut fest, dass dort viele meine Mundart sprechen. Dass es sprachwissenschaftlich eher umgekehrt ist und man das Alemannisch nennt, wusste ich damals noch nicht, habe aber nichts dagegen. Daran ändern auch keine Bunker oder Panzersperren etwas.

Wenn mich im Ausland jemand fragt, welche Sprache ich spreche, dann ist das Deutsch und im Inland ist es der Name meines Dialekts. Für die Benutzung von Sammelbezeichnungen wie Schweizerdeutsch oder Alemannisch gibt es eigentlich keinen Grund, außer als Synonyme für "Mundart".

Kürzlich fragte in einem Restaurant eine Person mit unüberhörbarer Lautstärke und fremdländischem Akzent jemanden am Telefon "Kannst du kein Züridüütsch?". Offenbar steht auch bei Nicht-Muttersprachlern der Name des lokalen Dialekts über dem "Schwiizerdüütsch".

Ich war mal an einer Hochzeit in der Bodensee-Region eingeladen und wollte dort ein Gedicht in Mundart vortragen. Als ich merkte, dass an dem Ort für "gewesen" bereits nicht mehr "gsii" sondern so etwas wie "gwen" benutzt wurde und ich das Gedicht anpassen wollte, reimte natürlich keine Kuh mehr, wie Emil sagen würde. Irgendwie ging es dann doch.
Gwen sagt man auch in Straßburg.
Bei uns gwää, wie in Schwaben, obwohl wir Mittel-Badener sind.
 
Ja, Alemannisch als Begriff ist ein Late.Comer. Bairisch ist da besser dran.
Ich sehe es so: die Alemannisch.Sprecher sind Teil einer großen Sprachfamilie, die aber meist von ihrer Verwandschaft nix wissen. Schad drum.

Btw …. Ich finde den Begriff Alemannisch netter und menschlicher als das farblose Wort Westoberdeutsch.
mein persönlicher Eindruck: du lebst in einem Wolkenkuckucksheim und würdest Dir gerne eine Welt nach eigenen Vorstellungen basteln. Nun ja. Die Schweizer empfinden es halt so, dass sie Schwiizerdüütsch sprechen.
 
Ich bin als Kind zu 100 Prozent mit Alemannisch aufgewachsen.
Leider ist Alemannisch langsam auf dem Rückgang bei uns.

Hab mich gefreut, als ich die Sprache meiner Kindheit in der Schweiz hörte und verstand.

Find es schade, dass der Begriff Alemannisch dort so verpönt ist.

Aus eigener Erfahrung - ich bin in Basel aufgewachsen und habe die längste Zeit meines Lebens auch dort gelebt - kann ich Dir versichern, dass der Begriff Alemannisch in der Schweiz nicht verpönt ist, sondern eben in der alltäglichen Beschreibung des "schwyzerdütschen" Dialekts (den es eigentlich gar nicht gibt) lediglich nicht in Gebrauch ist.
In der Region Basel hingegen wurde und wird gelegentlich tatsächlich behauptet, dass man "alemannisch" spricht, wobei der Begriff allerdings meist lediglich in lokalchauvinistischem Zusammenhang (etwa an der Fasnacht) verwendet wird. Häufig will man sich damit von der Restschweiz abgrenzen (man spricht jenseits des Juras kein niederalemannisch) und seine Zugehörigkeit zum "Dreieckland", d.h. zu Südbaden und dem Oberelsass demonstrieren. In ähnlichem (chauvinsitischen) Zusammenhang habe ich den Begriff tatsächlich auch schon in Südbaden und dem Elsass gehört. Und es ist offenbar tatsächlich so - ich denke in diesem Zusammenhang an Äusserungen meines Grossvaters - dass der Urheber dieses "lokalpatrioitschen" Begriffs wie Sepiola sagt, Johann Peter Hebel ist, auch wenn meine elsässischen Kollegen manchmal den Begriff "alemannisch" für "elsässisch" zwar verwenden, aber Hebel nicht kennen.
Mit dem oben angesprochenen, ebenso lokalchauvinistischen "Dreieckland" ist im Übrigen kein niederalemannisch-sprachiges Dreieck zwischen Deutschland, Schweiz und Frankreich sondern die "keltische" Region zwischen dem Belchen (Schwarzwald), dem Grand Ballon (Grosser Belchen, Vogesen) und dem Bölchen (Jura) gemeint. Belchen soll - so meinen zum Mindesten Heimatforscher - ein keltischer Begriff sein (Beim Beleuns ! :)-

Ansonsten ist es auch in andersprachigen Regionen im Alltag nicht üblich, für den örtlichen Dialekt den offziellen oder wissenschaftlichen Begriff zu verwenden. Im Fall der Schweiz beispielsweise habe ich jedenfalls noch keinen Tessiner erlebt, der mir erklärte, dass er einen lombardischen Dialekt spreche.

Warum sich Johann Peter Hebel zum Mindesten in Basel selbst - etwa an der Fasnacht - manchmal bis heute einer gewissen Popularität erfreut, könnte der folgende Gedichtausschnitt erklären:
Mer geehn nit under will mer sufe, Wir gehen nicht unter weil wir saufen,
Mer sufe will mer undergeehn Wir saufen weil wir untergehn.
 
ich denke, in jeder Region (egal wo), gibt es sehr viele unterschiedliche Dialekte. Manchmal ist es schon so, dass man die Leute 2 Orte weiter schon schwer versteht. Zumindest in meiner Schulzeit in einer Bayerischen Kreisstadt wurde auf "Schriftdeutsch" geachtet. Darum spreche ich mit Akzent, aber nicht wirklich Dialekt.
 
An meinem Wohnort ist es so, 10 km weiter macht sich der schwäbische Einfluss in den Dialekt bemerkbar. Ich selbst kann neben Schriftdeutsch und Bairisch noch den Dialekt meiner Heimatstadt Worms. Als wir nach Bayern zogen, in einen Ort wo bairisch gesprochen wurde, war ich noch junge genug den Dialekt anzunehmen. Lustigerweise funktioniert das mit meinem " Geburtsdialekt" unbewusst und nur, wenn mein Gesprächspartner ebenfalls diesen Dialekt spricht. Das hat schon manchmal bei Zuhörern für Überraschung und Heiterkeit gesorgt. ;)
 
Zurück
Oben