Die Grenzen Europas im Wandel der Zeit im Bezug auf die Türkei

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von jgkhjk13&6-gh, 20. Juni 2013.

  1. Hallöchen,

    für eine Hausarbeit zum Thema "Gehört die Türkei zu Europa/EU" suche ich Informationen über die geografischen Grenzverschiebungen im Laufe der Geschichte.

    Ich habe gehört das Griechenland früher zu Asien gehörte und die Türkei irgendwann mal komplett zu Europa. Stimmt das?

    Hättet Ihr dazu gute Quellen die dies Belegen oder dem widersprechen?

    Hab bisher leider nur diese Grafik gefunden:
    Datei:Europa geografisch karte de 1.png ? Wikipedia

    Vielen Dank für jegliche Hilfe
     
  2. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Tach! :cool:

    1. Griechenland gehörte nie zu Asien.

    2. Die heutige Türkei bzw. Asia Minor war gräzisiert, aber wie der Name bereits schon aussagt, "Kleinasien" kannst du auch daraus schließen, dass das nicht im Sinne der Antike zu Europa gehört, es gab vor der kompletten Annektierung Kleinasiens griechische Kolonien an den Küsten, aber am Ende wird alles griechisch.

    3. Ob die Türkei zu Europa gehört, hängt am Ende von dir ab, wie du die Türkei bewertest, als eurasischen Staat oder gänzlich aufgrund der asiatischen Kultur und Heimat zu Asien zählst, dann könnte man allerdings auch den Mauren in Spanien absprechen Europäer zu sein, obwohl sie geographisch das eindeutig sind.
    Das Osmanische Reich hat sich über drei Kontinente ausgedehnt und stets auch um Europa bemüht (expansionistisch =)) und es wurde auch im Pariser Kongress von 1856 als europäische Macht bezeichnet.

    Die Republik Türkei von heute, versteht sich immer noch als eine Brücke zwischen Asien und Europa, die Institution der Republik steht in Verbindung zum französischen Laizismus und die Umstrukturierung der Provinz Anatolien zur heutigen Türkei ist stark geprägt von den europäischen Nationalbewegungen aus dem 19. Jahrhundert.
    Auch heute ist die Türkei ein Verbündeter Europas und der USA, sie sind Mitglied der NATO und ein enger Partner im Kalten Krieg gewesen.

    Ohne näher auf die Proteste eingehen zu wollen - sieht man den "Clash" zwischen traditionellen religiös-nationalistischen Kräften, die sich zur Umma bekennen und republikanisch-nationalistischen Kräften, die weiterhin eine laizistische Türkei möchten und die auf dem Papier kein islamisches Land haben wollen, dass kannst du dich dann einarbeiten, hier darf man nicht mehr zu sagen. ;)
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Geht es um die geographische oder die politisch-kulturelle Einordnung? Nicht, dass das vollständig zu trennen wäre, zugegeben.

    Zur Geographie: Ursprünglich war Europa nur ein Teil von Griechenland. ;)

    Europa ? Wikipedia

    Geographisch zu Asien wurde Griechenland mWn nie gerechnet, ebensowenig wie Anatolien je als geographischer Teil Europas verstanden wurde.

    Politisch-kulturell kann man das mE etwas anders interpretieren. Im 14. und 15. Jh. lag der Schwerpunkt des Osmanischen Reiches im westlichen Anatolien und auf dem Balkan, umfasste also sowohl europäisches wie kleinasiatisches Gebiet. Bis ins 16./17. Jh. war das Osmanische Reich eine europäische Macht, die großen Einfluss auf die Entwicklung der anderen europäischen Länder nahm; man denke nur an die Belagerungen von Wien. Die Expansion in Asien und Afrika fand zwar parallel dazu statt, spielte in dieser Zeit aber evtl eine untergeordnete Rolle im Verständnis der europäischen Mächte. Dennoch zählte Zentralanatolien nie zu Europa vom Nahen Osten oder Nordafrika ganz zu schweigen.

    Spätestens ab dem 18. Jh. wurde das Osmanische Reich von Europäern politisch und besondern kulturell Asien zugerechnet, auch wenn es noch Gebiete in Europa beherrschte, so den Balkan inkl Griechenland. Geographisch verschiebt auch das Griechenland nicht nach Asien, aber in den Augen vieler Europäer standen die lange Zeit von den Türken beherrschten Gegenden Asien bzw dem islamischen Kulturkreis näher als dem europäischen "Abendland". Das änderte sich natürlich im frühen 19. Jh., als Griechenland unabhängig wurde und dabei von vielen Menschen und Mächten Europas unterstützt wurden; mWn nicht nur aus machtpolitischen Gründen, sondern auch wegen dem "großen europäischen Erbe", das Griechenland und seine Geschichte verkörperten.

    Und dennoch schrieb Karl May einen "Orientzyklus" inkl der Romane "In den Schluchten des Balkan" und "Durch das Land der Skipetaren" (=Albanien). So man Oxident = Abendland = Europa und Orient = Morgenland = Asien liest, gehörte die Gegend also für Karl May (oder seinen Verleger) noch im späten 19. Jh. eher zweiterem an.
    :winke:
     

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