Die große Göttin

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Dendren, 5. Januar 2009.

  1. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Zustimmung.

    Gemäss Xavier Delamarre bedeutet das Wort Nausa (oder auch Nousa, das ist ein unbedeutender Unterschied, siehe auch lou/lau) Schiff.
    Nausa stammt aus einer indogermanischen Wurzel und hat auch folgende "Ableger":
    now (englisch jetzt)
    (to) know (englisch wissen)
    navire (französisch Schiff)
    Navigation
    Nautik
    etc.

    Die Inschrift Nariae Nousantiae bedeutet somit: (den) (uns) navigierenden Herrinnen geweiht. Das ist aber nicht wortwörtlich als Schiffsnavigation zu verstehen, damit ist im übertragenen Sinne navigierend gemeint.

    Damit gemeint sind die keltischen Muttergöttinnen, die nach keltischer Glaubart das Schicksal der Menschen bestimmten (man vergleiche hierzu die römischen Parzen (Schicksalsgöttinnen)).
    Eigentlich bedeutet die Inschrift dasselbe wie die Suleviae-Inschriften, die man gefunden hat (Suleviae = qui nous conduisent bien)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das möchte ich jetzt mal einfach ausschließen, dass now, 'jetzt', von nausa käme.* Dass das englische to know, 'wissen', dort herkommt, glaube ich zwar auch nicht, hier könnte ich mir aber immerhin eine semantische Verschiebung vorstellen, die dazu geführt haben könnte. Laut dem Online Etymology Dictionary hatte das angelsächsische cnawan allerdings eine sexuelle Konnotation (gegenüber witan, was mit unserem 'wissen' verwandt ist).

    *Vgl. got. nu, dt. nun.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2009
  3. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Habe ich so auch nicht behauptet, ich habe bloss auf eine *gemeinsame indogermanische Wurzel* hingewiesen. nu und nau könnten durchaus eine gemeinsame indogermanische Wurzel haben (nau könnte durchaus von nu kommen (Diphtongisierung), nu(n) = jetzt = was im jetzt ich, weiss (ich/man/etc.), im Gegensatz zur subjektiv interpretierten Vergangenheit und der unbekannten Zukunft.

    Vergleiche auch das deutsche Wort neu (englisch new): etwas das neu ist, hat man grad eben kennen gelernt (weiss man). Hier ist ebenfalls die gleiche indogermanische Wurzel versteckt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2009
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die gemeinsame indoeuropäische Wurzel ergäbe aber nur dann Sinn, wenn es sich um ein Etymon und nicht um zwei divergierende Etyma handele. Und so sehe ich das, dass es sich um divergierende Etyma handelt, bis die Argumente für das Gegenteil ausreichend überzeugend sind.
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat: "Tritt wirklich explizit EINE EINZELNE Göttin einmal in allen drei Gestalten auf (in einem historischen Kult)?"

    Hmmm, mal die heutigen Indogermanen zwischen Indus und Ganges fragen! Der vielseitigen göttlichen Dame werden dort heute noch regelmässig Blumen geopfert. Die Einheit der drei Göttinen (Parvati, die Liebende; Lakshmi, die Spendene und Sarasvati die Lehrende) zusammen bilden die Devi ( nur die Göttin) die das Prinzip des Shakti (Gesamtheit des Weiblichen) darstellt. Devi wird als mütterlich und beschützend dargestellt, aber die ihre dunkle Seite ist als schwarz und vernichtend gezeigt, in diesem Zustand trägt sie den Namen Kali.
     
  6. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    @Megatrend

    okay, auch Zwicker kennt das Wort nouson = Boot, Schiff,
    daß die Nariae Nousantiae die Herrinnen der Schiffe/Boote sind ist also naheliegend, warum es aber so klar ist, wie du es darstellst, ,daß das navigieren nur übertragen gemeint ist erschliesst sich mir nicht, es ist jedoch eine nette (weitere!) Theorie.

    @Askan

    Du wirfst da einige Dinge durcheinander, Sarasvati, Parvati und Lakshmi sind die drei Shaktis der Hindu-Götterrias (Shiva, Brahma, Vishnu),

    die Shakti (Singular!) gilt in der Tat als ein Aspekt der Devi, diese Devi ist aber die weibliche Erscheinung von Brahman, dem höchsten unpersönlichen Göttlichen...

    Kali ist eine Göttin die aus der Stirm der Durga geboren wurde, Durga ist die Gestalt die Parvati annimmt wenn sie in Zorn gerät,

    der Vergleich ist deswegen unzulässig weil die hinduistische Philosophie monistisch ist...
    die Götter der Hindus gehen ineinander über, sind Ausprägungen eines einzigen allgöttlichen Wesens, das im Prinzip mit dem Sein korrespondiert...

    selbst WENN wir aber (unpassenderweise) dieses komplizierte göttliche Konzept des Hinduismus mit meiner Frage konfrontieren:

    die dreigestalt nach der ganz explizit gefragt war war C.G. Jungs Jungfrau-Mutter-Greisin Konzept.

    Alle von dir genannten Göttinnen werden aber IMHO "alterslos" dargestellt bzw. als "Mutter", keine ist dass ich es wüsste Greisin oder Jungfrau.
     
  7. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich wollte es nur verkürzen, bin auch von den Wesensaspekten der weiblichen Trimurti ausgegegangen, denn was die drei im Westen symbolisieren repräsentieren auch die drei am Ganges, nur eben alterslos.
     
  8. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    welche drei im Westen? meinst du jetzt die Moiren, Parzen, Nornen, Hekate oder die Matronen?

    Mit Hekates Rolle im Neuplatonismus könnte man sie vielleicht vergleichen, mit den Moiren/Parzen IMHO nicht, über die Matronen weiss man denke ich nicht genug um das beurteilen zu können, darum geht es ja in dieser Diskussion.
     
  9. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    ähm, aber das Chambers Dictionary of Etymology (1284 Seiten) sieht es ebenso wie ich:

    now: adv. Probably before 1200 nou, in Layamon's chronicle of Britain; later now (about 1250); developed from old english (before 750) n[FONT=Times New Roman, serif]ū[/FONT]; cognate with Old Frisian and Old Saxon now, Middle Dutch nū (modern dutch n[FONT=Times New Roman, serif]ū[/FONT]), (den Rest erspare ich jetzt in Bezug auf weiteren, noch verhandenen Sprachvergleichen).

    Du musst es Dir vorstellen, dass es eine *gemeinsame indogermanische Wurzel* gibt namens nū. Diese hat sich dann in div. Sprachen leicht unterschiedlich entwickelt:

    keltisch nau (wie eben nausa = Schiff)
    deutsch neu (was neu ist, hat man eben kennen gelernt)
    englisch now (was ich jetzt sehe, das kenne ich bzw. habe ich eben kennen gelernt)
    lateinisch navigare (ein Schiff (oder was auch immer) führen. Dazu erfordert es Kenntnis (wo sind die Untiefen, wo sind die gefährlichen Strömungen, wo überhaupt müssen wir durch, etc.)
    griechisch nautik (auch wieder Navigation).

    Auch die Wörter Nase (deutsch) oder nose (englisch) haben denselbe Hintergrunde: die Nase als Riech- und Orientierungsorgan zur Wissensvermittlung.

    Die ursprüngliche Silbe n[FONT=Times New Roman, serif]ū[/FONT] bedeutet Wissen/unser/unser Wissen, ihre Bedeutung wurde im Laufe der Zeit leicht abgewandelt (je nach Sprache und Kulturumgebung). So bedeutet Navigation, Nautik, now (englisch) und neu (deutsch) zwar im Detail etwas anderes, aber die gemeinsame Wurzel ist vorhanden.

    In der deutschen Sprache bedeutet im Nu ja auch im jetzt (wie eben englisch now).
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2009
  10. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Ich denke du bist da einem falschen Freund aufgesessen...

    das altfriesische/angelsächsische nū muss mitnichten das gleiche nū sein wie die gemeinsame indoeuropäische Wurzel *nū.das etymological lexicon of Proto-Celtic leitet das keltische Wort jedenfalls von einer Wurzel *neh2u- ab. Bedeutung "Boot, Bottich, große Vase"


     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2009
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich sehe immer noch keine gemeinsame Wurzel und zumindest der von Dir zitierte Teil aus dem Chambers stützt Deine Behauptung auch nicht.
    Neu gehört nicht mit now in eine Wortgruppe sondern mit novus und new.

    Novus, new, neu
    Nunc, now, nun
    navigare, navigate, navigieren. Die Portugiesische Nao kommt hierher. Allerdings liegt hier eine Verwechslung von -v- und -u- vor.
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:"welche drei im Westen? meinst du jetzt die Moiren, Parzen, Nornen, Hekate oder die Matronen?"

    "werden, sein und erneuern" Auf welche drei wird das wohl zutreffen? Hmm?
     
  13. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    ja welche denn?

    Urd, Skuld und Verdandi heissen "Schicksal", "Schuld" und "Werdend"...

    versuch doch nicht irgendwelche Umdeutungen als logisches Endergebnis zu verkaufen...
     
  14. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Wenn Du meinst, das hier wortwörtlich Schiff gemeint ist, dann müsste es heissen die Schiffenden. Die Endung -antia ist zu verstehen wie ein Partizip Präsens (Vergleiche hierzu Visontia, Göttin gefunden in einer Inschrift in Besançon. Der Name von Besançon kommt übrigens von Visontia). Der Name Visontia bedeutet übrigens die Wissende (Kontinentalkeltisch uis bzw. vis = wissen, vgl. Xavier Delamarre). Auch hier finden wir ein Partizip Präsens (-ontia, vergleiche mit -antia).

    Jetzt müsstest Du mir noch den Sinn von die Schiffenden erklären!

    Danke für die Blumen!:D:D:D:D:D
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2009
  15. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    Du stellst das dar als ob du ein ziemlicher Crack im altkeltischen wärest und als ob es gar keine anderen Deutungsmöglichkeiten gäbe, IMHO ist das altkeltische aber nur zum geringen Teil erschlossen und über seine Grammatik weiss in Einzelheiten man so gut wie nix-

    du leitest Visontia von *uis ab, jetzt guck ich mal bei Zwicker bzw. Teutates nach und finde:
    *visu- -angemessen, schicklich, würdig
    vîsos% -gift
    *viso -saft, schleim, gift
    veso-, *vissus -Wissen
    vissos -wissend

    der Name Besancon kommt von Vesontio, männliche endung! die suchmaschine von lárbre celtique gibt die von dir genannte Inschrift auusserdem als "genius mars visontius" an-

    die endung -antia finde ich in Worten wie
    avantia, aventia - Fluss, Quelle
    elantia - Hirschkuh
    *carantia - Vertrag

    warum ich also einen Namen der auf -antia endet als Partizip Präsens lesen MUSS erschliesst sich mir nicht, es scheint eine ganz normale feminine endung zu sein.

    Warum "die schiffenden" -wenn deine Behauptung richtig sein sollte- aber keinen Sinn ergeben soll frage ich mich auch...
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2009
  16. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    ok, visontio ist männlich, einverstanden.

    Aber avantia, aventia bedeutet nicht Fluss, Quelle. Du beziehst Dich indirekt auf Alfred Holder, Alt-Celtischer Sprachschatz von 1896. Diese Erkenntnisse sind teilweise überholt.

    Die Endungen
    - entia
    - antia
    - ontia
    (ev. noch andere, auch mit männlicher Endung ..tio)
    sind alle als eine Art Partizip Präsens zu verstehen.

    Nehmen wir Dein Beispiel *carantia:

    setzt sich zusammen aus car + antia.
    Das Wort car hat in den verschiedenen indoeuropäischen Sprachen auch verschiedene Bedeutungen:
    - lieb (z.B. französisch caresser = liebkosen)
    - kümmern (z.B. englisch to care)
    - wert(e)(r), teur(e)(r), z.B. italienisch, caro, bzw. cara

    Hier im folgenden Falle hat die Variante kümmern die beste Trefferquote: die *carantia ist die Kümmernde, sie kümmert sich im Falle, dass etwas negatives zustösst (vergleiche mit dem Wort Garantie in unserer Sprache oder garantia im italienischen).

    Ich bleibe dabei: Suffixe wie eben -antia oder -ontio sind eine Art Partizip Präsens (wie eben im Deutschen Wissende oder Fehlende, auch männlich mit noch zusätzlich -r). Vordran ist ein Wort, hintendran die Endung im Sinne des Partizip Präsens.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was mir lieb ist, ist mir auch teuer.

    Die Garantie ist verwandt mit unserem gewähren, im althochdeutschen als wërênt belegt (das [w] wird in romanischen Sprachen ganz regelmäßig zu [g]).
    Dann gibt es noch Carinthia, das ist der lateinische Name Kärntens, der wohl aus dem Keltischen stammt und etwas mit felsig zu tun haben soll.
     
  18. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:"versuch doch nicht irgendwelche Umdeutungen als logisches Endergebnis zu verkaufen."

    Nun wegen dieser Umdeutungen (die keine sind, sondern Metaaspekte) ist ein bestimmter hier schon genannter Schweizer Prof. weltbekannt geworden.
     
  19. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    also doch jetzt lieber wieder Psychoanalyse anstelle von Geschichts- und Religionswissenschaft?

    Immer dieses hin und herspringen...

    die weiblichen Trimurti haben ausserdem noch andere und wesentlich deutlichere und wichtigere "Wesensaspekte"

    egal: was hilft uns all dies bei der grossen Göttin und den Kelten?
     

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