Die Kamera als Waffe - Bsp. Vietnamkrieg

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von Mare221, 12. Juni 2013.

  1. Mare221

    Mare221 Neues Mitglied

    Hallo, habe als Präsentationsprüfungsthema Die Kamera als Waffe - Bsp. Vietnamkrieg und wollte mal fragen ob ihr evtl anregungen und nützliche links habt :) mfg
     
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Wessen Waffe könnte in der fraglichen Zeit eine Kamera gewesen sein?


    P.S. in welchen Rahmen findet die 'Präsentationsprüfung' statt?
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2013
  3. Maelonn

    Maelonn Gesperrt


    Auf Anhieb fallen mir zwei Namen ein: Robert Capa (1954 in Indochina durch einen Fehltritt auf eine Mine gestorben) und Nick Ut (Autor des berühmt-berüchtigten Fotos von dem kleinen verbrannten Mädchen, das vom Ort eines Napalmbombenangriffs wegläuft). Capa war bekannt als ein Fotograf, der sich nicht als neutraler Beobachter sondern als Teilnehmer empfunden hat. Auf Nick Ut trifft das eher nicht zu. Sein Foto hatte größere Wirkung auf die öffentliche Meinung über den Vietnamkrieg, aber das war von ihm nicht beabsichtigt. Er wollte seine Kamera nicht als Waffe gegen den Krieg einsetzen. Das ist ihm einfach passiert. Einer, dem man "unterstellen" könnte, dass er die Kamera in dieser Weise nutzte und noch nutzt, ist James Nachtwey. Aber der hat wieder mit Vietnam nichts zu tun. Passt alles nicht so richtig zur Ausgangsfrage. Eine Antwort auf Deine Frage nach dem Rahmen der Präsentationsprüfung könnte vielleicht wirklich helfen.

    MfG
     
  4. Decurion

    Decurion Neues Mitglied

    Ich weiß nicht, ob es dir wirklich weiterhelfen wird, aber ich habe mal eine sehr interessante Vorlesung besucht, in der es um den Vietnamkrieg ging. Dabei wurden unter anderem Bilder von Soldatencamps, Kriegsfahrzeugen und kriegerischen Aktivitäten auf offener Straße gezeigt. Am berühmtesten würde ich dieses Bild: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/26592708/2/data.jpg nennen, das wohl am deutlichsten die Schrecken des Stellvertreterkrieges aufzeigt. Nun müsste man noch definieren, inwieweit eine Photographie als Waffe gilt (was sie zweifelslos kann).
     
  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    Die Gegenseite, also die "Falken", hatten auch Kameras. ...Luftaufklärung und Zeuch.

    Jetzt wärs interessant herauszufinden ob der Lehrer was Bestimmtes hören will..:haue:
     
  6. Rodriguez

    Rodriguez Aktives Mitglied

    Der amerikanische ABC-Reporter Bill Stewart wurde während der Revolution in Nicaragua 1979 von Diktator Somozas Soldaten erschossen. Das Somoza-Regime versuchte den Sandinisten den Mord unterzuschieben. Aber der Fotoreporter Jack Clark hatte den Mord gefilmt und konnte so beweisen, dass nicht wie behauptet Sandinisten sondern Nationalgardisten die Mörder waren.

    Tipp: Gib mal bei Youtube Journalist Bill Stewart's Murder By Somoza Guardia - June 20, 1979 ein, da gibt es das Video ...

    PS.: Der Mord und vor allem das Schaffen eines Fotojournalisten wurde auch in dem Hollywoodfilm Under Fire (mit Nick Nolte & Gene Hackman) als reales Vorbild thematisiert ;)





    Saludos!
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2013
  7. steffen04

    steffen04 Gesperrt

  8. corto

    corto Aktives Mitglied

    Vietnam ist der 2te Wendepunkt im 20. Jahrhundert bezüglich der wie auch immer gearteten Kriegsberichterstattung.

    Meine Zeitleiste sieht etwa so aus:

    1. WK - Kameras werden kaum und schon garnicht für die Öffentlichkeit an die Front gebracht. Es war allgemein nicht erwünscht den Krieg zu filmen.

    2. Wk - die Kamera wurde gezielt zur motivation der eigenen Bevölkerung genutzt. Sei es durch das zeigen der gegnerischen Gräuel, oder durch überhöhung der eigenen Erfolge. Man denke an die Szenen der Wochenschau, oder an den Kameramann John Ford und seine "Field Photo Unit" der beim D-Day mit landete.

    Vietnam - hier dreht sich zum zweiten mal die Perspektive der Militärs gegenüber der Berichterstattung. Kameras sind günstig und überall zu haben, jeder kann im Grunde filmen - und damit geht die Kontrolle über die Bilder flöten und sie werden vom Werkzeug der militärs zu einem potentiellen Risiko für die eigene Sache.

    der heutige Bilder-overkill aus z.b. syrien - jedes handy kann sowas heute - und die damit einhergehenden Phänomene sollen hier kein thema sein - aber evtl ist das was für ein "yet to come" so als fazit.

    gruß
    corto
     
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  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bereits im Vorfeld des WW2 setzte die mediale ideologische Auseinandersetzung ein, wie dieses Beispiel es zeigt.

    Erster Anti-Nazi-Film wiederentdeckt: "Hitler's Reign of Terror" - SPIEGEL ONLINE

    Ähnlich wurde das Thema "USA Medien Vietnamkrieg" bereits hier diskutiert:

    http://www.geschichtsforum.de/f76/rolle-der-amerikanischen-presse-s-dvietnam-42209/
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2013
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Abzugshahn und Auslöser am kombinierten Kamerasturmgewehr? Der Soldat als Bildberichterstatter?
     
  11. Mare221

    Mare221 Neues Mitglied

    Was genau mein Lehrer da hören will weiß ich leider auch nicht. Ich selbst glaube dass es bei dem Thema um Propagandabilder geht. Welche Auswirkungen hatte die Berichterstattung des Vietnamkriegs auf dessen Ausgang? Wie wurde damals Bericht erstattet und wurde die Kamera als Propagandamittel eingesetzt? :)
     
  12. corto

    corto Aktives Mitglied

    @El Q:
    die Realität hat deinen Scherz vor ein paar Jahren bereits überholt.
    man suche bei Interesse mal auf duRöhre nach "Iraki Sniper Cam"

    Kamera auf Scharfschützenoptik
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass die Kamera - oder ihre Produkte - als Propagandamittel eingesetzt wurden, kannst du aus der Art der Fragestellung schon positiv schlussfolgern. Es ist vielmehr eine These, die du belegen musst.
    Aber so wie man heute Bilder mit Photoshop bearbeitet, hat es auch früher schon Bildmanipulationen gegeben, bevor Computer jedem diese technischen Möglichkeiten gaben. Berühmt ist z.B. ein Bild von einer Rede Lenins, welches in stalinistischer Zeit so überarbeitet wurde, dass man den neben Lenin sitzenden Leo Trotzki nicht mehr sehen konnte, der im Stalinismus eine unerwünschte Strömung des Marxismus, nämlich den Trotzkismus repräsentierte (Trotzki wurde auch folgerichtig im mexikanischen Exil mit einem Eispickel erschlagen).
    Die einfachsten Bildmanipulationen sind aber die Auswahl der Bilder (Fotorgaphen machen ja normalerweise mehrere Bilder, nicht nur eines) Ausschnitte, die man verwendet. Da gab es mal ein wunderschönes Beispiel aus dem letzten Iraq-Krieg, wo man einmal das (eigentlich neutrale) Gesamtbild sah, einmal eine amerikafreundliche Version und einmal eine amerikafeindliche Version, es hing halt davon ab, welchen Teil des Bildes man verwendete, bzw. welchen Teil des Kontextes man ausblendete. Auch mit der Bildunterschrift kann man manipulieren. Das kann sein, dass man einfach eine fehlerhafte Information darunter schreibt, es kann aber auch sein, dass man ein positives oder negatives Adjektiv verwendet.
    Ich manipuliere z.B. auch meine Bilder: Wenn es mir nicht gelingt, die Wasserfälle von Iguazú und den sie umgebenden Urwald so zu fotographieren, dass nicht zu erkennen ist, dass dort alles andere als Wildnis ist, dann schneide ich eben später andere Menschen oder sichtbare Eingriffe der Menschen in die Natur (z.B. touristische Infrastruktur) raus.

    Neben dem oben erwähnten Bild von Nick Tuk (nacktes Mädchen nach Napalm-Angriff auf Dorf) gibt es noch ein weiteres bekanntes Bild aus dem Vietnamkrieg: Viet-Minh-Polizeichef von Saigon erschießt jungen Mann auf offener Straße. Was der Betrachter nicht weiß: Der junge Mann ist ein Vietcong und die Vietcong haben gerade zuvor einen Anschlag auf den Polizeichef unternommen, bei dem dessen Familie umkam. Macht die Tat nicht besser und ist Lynchjustiz. Und die Vietminh waren auch ein diktatorisches System, nichtsdestowenigertrotz ist das eine Information, die man den Betrachtern vorenthalten kann oder auch nicht. Ihr Urteil über den Polizeichef wird in beiden Fällen vielfach anders ausfallen.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und genau deswegen must Du Dich mit der damaligen Medienlandschaft beschäftigen. Du solltest Dir folgende Fragen stellen:

    1. Warum hatten Journalisten ein Interesse, ein realistisches Bild des Krieges zu zeigen?

    2. Warum hatten bestimmte liberale Medien soviel Zivilcourage und haben kritisch über den Krieg der USA in Vietnam berichtet?

    3. Warum gab es in der Bevölkerung offensichtlich Gruppen, die für diese Form von kritischem und liberalem Journalismus offen waren und sich eine eigenständige Meinung bilden wollten, anstatt die Regierungssicht kritiklos zu übernehmen?

    4. Und dann bekommst Du eine Vorstellung warum eine eigenständige und kritische Medienberichterstattung als 4. Gewalt bezeichnet wird und ein wichtiges Korrektiv für die Politik von Regierungen bildet.

    (vgl. Link aus #9)
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2013
  15. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    5. wäre zu fragen, wieso die Regierung bzw das Militär eine relativ freie Berichterstattung zuließen, bzw welche Bedingungen dafür eine Rolle spielten. Dass das in spätere Kriegen der USA nicht mehr so selbstverständlich war könnte ua mit dem schlechten Bild zusammenhängen, dass die USA im Vietnamkrieg boten.
     
  16. Baum1234

    Baum1234 Gast

    Im Film "Flags of our Fathers" ist am Anfang ja ne Art Monolog eines Mannes, in dem er über die Wirkung von Bildern spricht, er redet dabei von dem bekannten Bild aus dem Vietnamkrieg, wo die Kinder vor dem Napalmangriff wegrennen, und von dem Bild der Flaggenaufstellung auf Iwo Jima. Ich weiß nicht ob das brauchbar ist, hab den Film vor längerem gesehen und erinnere mich nicht mehr wirklich gut dadran^^


    Ich weiß nicht ob das zur Fragestellung passt, aber es gibt ja dieses mehr oder weniger bekannte Bild, auf dem ein Einheimischer (keine Ahnung wo genau das ist) von zwei weißen Soldaten umgeben ist, der eine gibt ihm etwas zu trinken, der andere hält ihn mit einer Waffe in Schach. Zwei größere Zeitungen haben das Bild jeweils so geschnitten, das in der einen Zeitung es so aussieht, als ob der Einheimische vom rettenden Soldaten etwas zu trinken kriegt, in der anderen, als ob der Einheimische vom bösen Soldaten bedroht wird.
     
  17. Maelonn

    Maelonn Gesperrt

    Manipulation ist natürlich immer ein Thema gewesen. Das muss aber gar nicht im Vordergrund stehen. Nehmen wir als Beispiele den schon erwähnten Robert Capa und George Rodgers. Die waren im WW2 Angehörige des Militärs und empfanden sich selbst auch als Soldaten im Kampf gegen den Faschismus, nur dass sie nicht mit Gewehren sondern mit Kameras bewaffnet waren. Mir ist auch nicht bekannt, dass sie in größerem Umfang Vorgaben von Vorgesetzen (im Sinne von Propaganda) erhalten hatten. Capa hat in ähnlicher Weise bereits während des spanischen Bürgerkriegs als "Freelancer" gearbeitet und sich dabei als "Angehörigen" der republikanischen Streitkräfte betrachtet. Nur eines seiner Bilder ist in den Verdacht geraten, "manipuliert" gewesen zu sein. Meiner Ansicht nach zu Unrecht. Übrigens waren Capa und Rodgers Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, die ein ganz eigenes professionelles Ethos hinsichtlich kritischer Berichterstattung entwickelt hat.

    Für diese Leute war die Kamera wirklich eine Waffe.

    Während des Vietnamkriegs ist diese Art der Berichterstattung eher nicht zu erkennen. Es gab nicht dieses klare Freund-Feind-Schema, in das sich Fotografen einordnen konnten. Es gab auch sehr viel mehr Berichterstatter, die "nur" Bilder produzieren wollten, die man "verkaufen" kann. Dagegen ist im Grundsatz auch nichts einzuwenden, denn auch Fotografen leben nicht von Luft allein. Diese Arbeitsweise macht es nur schwierig, diejenigen Fotografen zu identifizieren, die nicht bloß Beobachter sondern irgendwei "Teilnehmer" sein wollten.

    So war es praktisch "Zufall", dass Nick Ut das von Dir erwähnte Foto von dem nackten kleinen Mädchen aufgenommen hat und dass dieses Foto zur "Ikone" der Friedensbewegung wurde.

    Die Bilderflut, die während des Vietnamkriegs erzeugt wurde, war letztlich übrigens auch der Grund, warum das Militär von der Methode abgerückt ist, Journalisten praktisch freien Zugang zu Kriegsgebieten zu ermöglichen: Es waren so viele Fotos im Umlauf, dass ihre Verbreitung in keiner Weise mehr kontrolliert werden konnte. Heute versucht das Militär mit dem Konzept der "embedded Journalists" einen Mittelweg zwischen freier Berichterstattung und mehr oder minder großer Kontrolle über diese Berichterstattung zu finden.

    Das stimmt nicht ganz. Der Gefangene war lediglich in der Nähe des Tatorts aufgegriffen worden und stand im Verdacht, ein Vietcong zu sein. Der Polizeichef hat sich in seiner Wut bloß nicht die Mühe gemacht, irgendwelche Beweise oder Indizien sammeln zu wollen.

    Das Bild ist aber auch so ein Zufallsprodukt. Der tödliche Schuss erfolgte sehr überraschend, ohne Vorbereitung. Übrigens sagte der Fotograf - Eddie Adams - später über den Vorfall, der Polizeichef habe den Vietcong mit der Pistole getötet und er selbst - Adams - habe den Polizeichef mit seiner Kamera getötet. Fotos seien tatsächlich die mächtigsten Waffen der Welt. Adams bedauerte das, weil auch er es für erwiesen hielt, dass der Getötete zu den Mördern der Familie des Polizeichefs gehörte.

    MfG
     
  18. hardy73

    hardy73 Neues Mitglied

    Bilder, Schriften, Flugblätter etc. gehöhren in den Bereich der psychologischen Kriegsführung und wurden und werden durchaus häufig benutzt. Wenn du nachweisen möchtest das die Kamera als Waffe gedient hat must du Beispiele und deren Wirkung aufzeigen in denen der jeweilige Gegner blosgestellt, diffamiert oder zu einem eigennützigen handeln verleitet wird. Das heist Bilder die vom Vietkong gemacht wurden in denen die USA blosgestellt wird oder umgedreht. (ich kenne mich nicht wirklich aus, aber mir sind solche Bilder vom Vietkong nicht bekannt)
    Die oben genannten Beispiele zeigen Fotos von Amerikanern die die eigene Kriegsführung blosstellen und die eigene Bevölkerung gegen den Krieg aufbringen.... Demnach wurde die Kamera als Waffe der Amerikaner gegen die Amerikaner für die amerikanische Bevölkerung eingesetzt. Das erscheint mir unsinnig!
    Wenn du den Einsatz der Kamere als Waffe nachweisen möchtest musst du Bilder und deren Wirkung nachweisen die geziehlt gegen den jeweiligen militärischen Gegner eingesetzt wurden. Dieses wird es sicherlich gegeben haben sind mir aber ehrlich gesagt nicht bekannt, die oben genannten Bilder sind mir auch ins Gedächtnis gebrannt, sind aber Fotos von Amerikanern, welche die eigenen Greul dokumentieren. (was man dann wohl eher als Selbstmord bezeichnen müsste)
    Die Presse (hier die Fotos) ist ein politisches Mittel der Meinungsbildung in einer freien Demokratie, sie dient der Kontrolle der Legislative und sind keine Waffe!
    Der oben genannte Vergleich mit Syrien, ist ein gutes Beispiel für eine gezielte Nutzung der Macht der Bilder zu eigenen Zwecken. Hier werden von beiden Seiten Bilder bewust (auch von beiden Seiten bewusst manipuliert) gegen den Gegner eingesetzt. Hier würde ich die These: " Die Kamera dient als Waffe" sofort unterstützen.
    Das die Berichterstattung ohne Zweifel den Vietnamkrieg entscheidend mit beeinflusst hat ist klar. Als Waffe würde ich sie hier jedoch eher als einen ungewollten "Schießunfall" bezeichnen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2013
  19. Maelonn

    Maelonn Gesperrt

  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Genau das meinte ich:

    Nguy?n V?n Lém ? Wikipedia
    Nguy?n Ng?c Loan ? Wikipedia

    Es ging mir vor allem darum, zu zeigen, dass die Unterschrift eines Bildes einen wesentlichen Teil der Bildaussage transportiert, also je nachdem, wie man die Information aufbereitet oder was man dem Betrachter mitteilt und was man ihm vorenthält, manipuliert.

    Was nichts daran ändert, dass es Lynchjustiz war.

    Nein, so einfach kann man das nicht sagen. Es handelt sich um Fotos von Journalisten, die zunächst einmal ihrem Beruf nachgehen, nämlich die Welt zu zeigen, wie sie ist. Ein Journalist, der nur eine Seite zeigt, oder Teile ausblendet, ist kein Journalist mehr, sondern schon ein Propagandist. Nun ist es natürlich so, dass das von einem sehr hohen ethischen Ross herunter formuliert ist, als Menschen haben wir alle mehr oder weniger bewusst eine Ideologie im Kopf, die natürlich auch - wiederum mehr oder weniger bewusst - unser Handeln leitet. Ein guter Journalist oder Fotoreporter wird also immer reflektieren müssen, warum er/sie ein Foto macht oder nicht macht bzw. auswählt bzw. einen Sachverhalt erwähnt oder unerwähnt lässt.
    Die Journalisten haben also zunächst einmal ihren Beruf ausgeübt und über die Ereignisse berichtet. Ein zweites ist die Rezeption der Bilder und Berichte in Amerika. Der Vietnamkrieg dürfte das Selbstbild vieler US-Bürger entweder erschüttert haben oder dazu geführt haben, dass sie Scheuklappen auflegte, nach dem Motto, dass nicht sein könne, was nicht sein dürfe. Grundsätzlich aber - die vierte Gewalt wurde schon angesprochen - ist die Aufgabe einer freien Presse nicht, der eigenen Regierung nach dem Mund zu reden. Auch nicht im Krieg.
     

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