Die Pest und ihre religiösen Folgen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von marylou, 13. August 2012.

  1. marylou

    marylou Neues Mitglied

    Hallo!
    Ich beschäftige mich gerade bei einer Seminararbeit mit der Pest, insbesondere dem Schwarzen Tod 1348 und den religiösen Folgen. Ich muss dieses Thema allerdings unter anderem auf England beziehen und dabei Quellen verwenden.
    Nun habe ich mir das Buch "The Black Death" von Horrox bestellt, es ist aber noch nicht da.
    Hat jemand Ideen, worüber ich alles schreiben könnte? Bisher habe ich: Flagellanten, der neue Umgang mit dem Tod. Und die Judenmorde, allerdings habe ich nichts Richtiges gefunden, was ich auf England beziehen kann :weinen:.

    Vielleicht ist hier ja jemand Spezialist auf dem Gebiet ?

    LG marylou :)
     
  2. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Wenn Du mal schaust, hier gibt es bereits einen Pfad zur Pest, da findest Du bestimmt einige Ideen.
     
  3. marylou

    marylou Neues Mitglied

    Vielen Dank für die schnelle Antwort!
    Ich habe mich gestern bereits durch das Forum durchgeklickt, aber leider habe ich nichts im Bezug auf England finden können!
     
  4. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Hätte auch Mühe, mit dem Finger auf die direkten Folgen der Pandemie von 1348++ auf die Religion in England zu zeigen, nicht zuletzt, da die Krankheitswelle nur langsam verebbt war und kurz danach wieder ausbrach. Dennoch (oder vielleicht deshalb) ein paar wage Ideen:

    Untersuchen würde ich, ob eine Steigerung der Gottesfürchtigkeit stattfand (zunächst mal voller Vorbehalte zur Pest von 1348 in England als Wegbereiter der Reformation...), die sich z.B. in Klostergründungen widerspiegeln kann. Bsp.:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Charterhouse_Square

    evtl. auch College-Gründungen (Cambridge):
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1034230/
    http://www.cambridgeshirehistory.com/cambridgeshire/timeline/timeline11.html

    Bin mir nicht ganz sicher, ob man hier nicht auch Ansätze entnehmen könnte:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Praemunire

    Da ich eher kunstlastig orientiert bin, hier noch paar Betrachtungen zur Kunst :D (evtl. mit Ideen für Illustrationen):
    http://etd.lsu.edu/docs/available/etd-04112007-094810/unrestricted/DesOrmeaux_thesis.pdf

    Gruß
    z
     
  5. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Judenmorde kann es in England im Zusammenhang mit der Pest von 1348ff. nicht gegeben haben, da König Edward I. bereits 1290 alle Juden aus England ausweisen ließ.

    Edict of Expulsion - Wikipedia, the free encyclopedia

    Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts konnten sich wieder Juden in England ansiedeln.
     
    1 Person gefällt das.
  6. marylou

    marylou Neues Mitglied

    @zoka: Die Idee mit der Gottesfürchtigkeit ist gut, da werde ich mich gleich auf jeden Fall mal genauer durchfuchsen!!Für einen Abstecher in Richtung Kunst habe ich leider keinen Platz mehr in meiner Hausarbeit, ist aber sicherlich ein sehr spannender Aspekt!

    @michaell: ich muss mich in meiner Hausarbeit zwar auf England beziehen, doch den "Kern" schreibe ich über das gesamte Europa, daher wollte ich die Judenmorde auf jeden Fall miteinbeziehen! Generell finde ich das Thema auf Europa bezogen nicht schwierig, da gibt es eher zuviele als zuwenig Informationen, aber speziell etwas Religiöses zu finden, was direkt auf England bezogen ist, macht mir enorme Schwierigkeiten.
    Das Buch von Horrox habe ich mir bestellt, allerdings ist das Kapitel über die Flagellanten in England gerade mal eine halbe Seite lang :(

    Alles nicht so einfach :(
     
  7. Ilhuicamina

    Ilhuicamina Neues Mitglied

    Wahrscheinlich hast Du das schon gesehen?

    Black Death in England - Wikipedia, the free encyclopedia

    Da gibt's auch einen kurzen Abschnitt mit Quellenangaben zu Deiner Fragestellung

    Religious and cultural consequences

    The omnipresence of death also inspired greater piety in the upper classes, which can be seen in the fact that three Cambridge colleges were founded during or shortly after the Black Death.[83] England did not experience the same trend of roving bands of flagellants, common on the continent.[84] Neither were there any pogroms against the Jews, since the Jews had been expelled by Edward I in 1290.[84] In the long run, however, the increase in public participation may have served to challenge the absolute authority of the church hierarchy, and thus possibly helped pave the way for the Protestant Reformation.[citation needed]
    The high rate of mortality among the clergy naturally led to a shortage of priests in many parts of the country.[70] The clergy were seen to have an elevated status among ordinary people and this was partly due to their closeness with God, being his envoys on earth. However, as the church itself had given the cause of the black death to be the impropriety of the behaviour of men, the higher death rate among the clergy led the people to lose faith in the Church as an institution - it had proved as ineffectual against the horror of Y. Pestis as every other medieval institution. But they didn't lose their Christian faith, if anything it was renewed; they began to long for a more personal relationship with God - around the time after the black death many Chantries (private chapels) began to spread in use from not just the nobility, but to among the well to do.[85] This change in the power of the papacy in England is demonstrated by the statutes of Praemunire.
    The Black Death also had a great impact on arts and culture. It was inevitable that a catastrophe of such proportions would have an impact on some of the greater building projects, as the amount of available labour fell sharply. The building of the cathedrals of Ely and Exeter was temporarily halted in the years immediately following the first outbreak of the plague.[86] The shortage of labour also helped advance the transition from the Decorated style of building to the less elaborate Perpendicular style.[87] The Black Death may also have promoted the use of vernacular English, as the number of teachers proficient in French dwindled. This, in turn, would have contributed to the late-fourteenth century flowering of English literature, represented by writers such as Geoffrey Chaucer and John Gower.[88]
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es kann ja nicht der Sinn einer Hausarbeit sein, dass du wiedergibst, was andere vor dir schon zur Thematik verfasst haben. Such dir doch eine Quelle, die du analysieren kannst. Vielleicht verurteilt ja ein britischer Zeitgenosse die Pogrome auf dem europäischen Festland?
    Oder du legst dich nicht so sehr auf die Pogrome fest und schaust dir an, welche speziellen religiösen Folgen für England die Pest hatte? In de sm von Ilhuicama geposteten Abschnitt aus der englischen Wikipedia steht ja schon etwas, wenn dies auch weniger die Theologie betraf.
    Nur mal laut gedacht: Dass John Wyclif ausgerechnet in den Jahrzehnten nach der Pest seine Theologie entwickelte, ist das abhängig von dieser oder nur ein Zufall? (Das ist wirklich nur laut gedacht!)
     
  9. marylou

    marylou Neues Mitglied

    Naja, also das ist ja genau der Punkt - Ich beschreibe anhand von Sekundärliteratur die religiösen Folgen in Europa, dann anhand Quellen, wie es in England war. Mein einziges Problem ist, dass ich einfach keine vernünftigen Quellen finde! Das mit Wyclif beispielsweise wäre schon wieder viel zu weit ausgeholt, da würde ich ja locker nochmal acht seiten dazu schreiben. Also ich suche Quellen zum Thema Klerus, Umgang der Bevölkerung mit dem Tod, Flagellanten, Heiligenverehrung, Totentänze usw.

    Ich habe schon die ganze Bibliothek durchgeforstet, aber ich finde einfach keine vernünftigen Quellen dazu :weinen:
     
  10. zoka

    zoka Neues Mitglied

    Also wenn ich es richtig verstanden habe, willst Du keine acht Seiten mehr schreiben, sondern das bereits geschriebene besser abstützen. Da sage ich nur: Kunst! :D

    Spaß beiseite, aber wie wäre es z.B. mit dem englischen Theater im 14. Jahrhundert? Da ließe sich vielleicht ein Totentänzchen finden, oder paar deftig moralisierende ‘Plays’. Und auch das gesteigerte Unterhaltungsbedürfnis kann als “Umgang mit dem Tod” verstanden werden. Suchen würde ich z.B. auch nach apokalyptischen Visionen, ob nach den Epidemien nicht öfter damit gedroht wurde. Eine andere Idee wäre noch, einen Blick auf die Krankenpflege zu werfen: wer betrieb Spitaleinrichtungen, wer hat sie und v.a. wann gestiftet, (nur als Anregung, denn keine Ahnung, ob sich hier in England Zusammenhänge finden lassen). Sicherlich aber wären soziopsychologische Antworten gut, die sehr selten schriftlich serviert werden.

    Wünsche Dir jedenfalls eine gute Arbeit!
     
  11. marylou

    marylou Neues Mitglied

    Genau, ich möchte entweder das Thema abstützen oder aber zeigen, dass einige Dinge in England anders abliefen o.ä. Ideen habe ich ja auch genug, aber ich finde und finde einfach keine Quellen, ich hätte nicht gedacht dass dies so schwierig sein kann!
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt zwar keine Institution, die es zu einer britischen MGH gebracht hätte, aber es gibt dennoch zwei britische Quellensammlungen, die einigermaßen breit gefächert sind, nämlich die Rolls Series und die Rerum britannicarum medii aevi scriptores. Ich würde zuerst in die zuletzt genannte Q-Edition schauen.
     
  13. marylou

    marylou Neues Mitglied

    Oh super, da schue ich auf jeden Fall rein!
    Vielen Dank!!!!!!:yes:
     

Diese Seite empfehlen