Biturigos
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Ich würde vorschlagen, leider habe ich heute keine Zeit, die Limesforschung und ihre Ergebnisse zu Rate zu ziehen.Und das bedeutet: Die Region war, oder wurde, wirtschaftlich weniger interessant!
- Es lohnte nicht.
- Zu viel Fläche.
- Zu wenig nutzbare Wasserwege für eine intensivierte Erschließung.
- Es gab zuwenig Menschen dort, v.a. zu wenig Fachleute in der Montanindustrie: Die waren abgewandert.
- Zu große Investitionskosten!
- Zu wenig erkennbarer Nettoertrag!
Ausgangsfrage war, warum z.B. Lahn-Dill als Montan-Region nicht wiedererobert wurden. Ich greife als Beispiel Wetzlar Dalheim heraus.
Außer Erz gab es fruchtbare Lössböden westlich von Wetzlar, die für eine Besiedlung attrativ waren.
1. Es lohnte sich nicht: der latènezeitliche Bergbau und Erzverhüttung hatte sicher leicht erreichbare Erzvorkommen verbraucht, der Holzverbauch war jedenfalls ein zunehmendes Problem - jedoch wurde z.B. in Wetzlar Dalheim im Frühmittelalter wieder Eisen produziert. Erschöpft waren die Erzvorkommen noch nicht - möglicherweise musste tiefer gegraben werden. Zu Wetzlar-Dalheim:
https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/ufga/Dateien/Verhuettung_Artikel_Schaefer_klein.pdf.
2. Zu viel Fläche: Der Wetterau-Limes (Kastell Butzbach) war jedoch auch nur einen Tagesmarsch von Wetzlar Dalheim entfernt.
Das Kastell Butzbach lag am Grenzübergang der Weinstraße, die hier den Limes passierte, das Lagerdorf nutzte die Fernstraße als Hauptstraße.
Die Verschiebung der Grenze an die Lahn wäre aus meiner Sicht möglich gewesen - daher denke ich, dass eher strategische und politische Gründe bei der Grenziehung eine Rolle gespielt haben, weniger ökonomische.
3. Zu wenig nutzbare Wasserwege: es mag eine Rolle bei der Grenziehung gespielt haben, dass die Lahn (vom Rhein aus) bis Bad Ems ausgezeichnet befahrbar ist. Der Limes umfasst bei Bad Ems zusätzlich Silbervorkommen. Eine politische Rolle könnte gespielt haben, dass der Limes altes Gebiet der Mattiaker umfasste, und der Limes zur Nordgrenze der Civitas Mattiacorum wurde. bei der Gründung von Waldgirmes schien die schwierige Befahrbarkeit der Lahn im schluchtartigen Abschnitt zwischen Diez und Bad Ems keine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Logistisch war die Rheinnähe sicher vorteilhaft. Der Wetteraulimes soll über die Zuflüsse der Nidda versorgt worden sein. Allerdings: dies war sicher nur eingeschränkt und saisonal möglich. Ganzjährig ist die Nidda nur bis Hedderheim sicher befahrbar. Nida, der Zentralort der Civitas Taunensium, lag genau dort. Nach keltischen Münzfunden war dort sehr wahrscheinlich eine keltische Vorgängersiedlung, der "Hafen" des Heidetränkoppidums, das am dort in die Nidda mündenden Urselbach, der aus dem Hochtaunus abfließt, liegt. Hier ist die Nähe des Mains für die Logistik ein Vorteil, das für den nördlichen Limesbogen des Wetteraulimes. Das Kastell Butzbach liegt 42 km vom Main entfernt.
4. Zu wenig Menschen: ja, richtig, das traf jedoch auch auf die Wetterau nach 20 n.Chr. zu. Nach meiner Erinnerung gab es eine Abwanderung, ob sukzessive oder mit dem Abzug des römischen Militärs, kann ich nicht sagen. An den Pollendiagrammen müsste sich dieser Rückgang abzeichnen.
Die Vegetationsentwicklung in der Wetterau und im Lahntal in den Jahrhunderten um Christi Geburt. Ein Vergleich der palynologischen Ergebnisse, Januar 2000, in: A. Haffner/S. von Schnurbein (Hrsg.), Kelten, Germanen, Römer im Mittelgebirgsraum zwischen Luxemburg und Thüringen (Bonn 2000) 201–219.
Die neue Civitas Taunensium wurde überwiegend druch Einwanderer aus Gallien besiedelt. Nur vereinzelt finden sich namen aus dem griechischsprachigen Raum, und nur einen, der für einen Zuwandererfamilie aus Numidien spricht.