Dodona, Schrift auf Votivtafel

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von attex13, 11. April 2020.

  1. attex13

    attex13 Mitglied

    Kann jemand den Text übersetzen oder umreißen, was da steht. Mich interessiert auch die Herkunft der Zeichnung. Mit Dank! Votivtafel_aus_Dodona.jpg
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    THEOS: TYCHA

    ZEU DŌDŌNĒS MEDE
    ŌN TODE SOI DŌRON PE
    MPŌ PAR EMOU: AGATHŌN
    ECHEPHYLOU KAI GENEA
    PROXENOI MOLOSSŌN
    KAI SYMMACHŌN EN T
    RIAKONTA GENEAIS
    EK TRŌIAS KASSAN
    DRAS / GENEA
    ZAKY/NTHIOI
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2020
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "THEOS, TYCHA" (Gott, Schicksalsgöttin) scheint eine Standardformel auf den Votivtafeln gewesen zu sein.

    Eine französische Übersetzung der Inschrift ist hier zu finden:
    http://www.rhm.uni-koeln.de/033/M-Christ.pdf
    Wilhelm von Christ, Eine metrische Inschrift von Dodona, in: Rheinisches Museum für Philologie 33 1878
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nein, das wollen wir ihm nicht glauben.
    Siehe auch:
    Peter Marshall Fraser, Agathon and Kassandra, in: The Journal of Hellenic Studies 123 (2003)
    Agathon and Kassandra (IG IX.12 4.1750) on JSTOR

    Ein "Herrscher" war Agathon sicher auch nicht.
     
    El Quijote gefällt das.
  5. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Nehme mal an, dass mit »Herkunft der Zeichnung« der Grund gemeint ist. Ähnliche Darstellungen waren auf Hermen üblich. Vgl. »Herma«, en. Wiki, dort sogar das Foto einer Herme mit einer sehr ähnlichen, symbolhaften Darstellung.
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "It is a perfectly preserved bronze plaque, 20 cm high, with palmette-finials and a central akroterion, with a small central hole for suspension below the akroterion; two larger holes at the bottom left and right corners kept the plaque flat against a support, probably a wall"
     
  7. attex13

    attex13 Mitglied

    Der W. Christ schreibt für Fachleute, nicht für Laien. Soweit ich das verstehe, wird für die letzten drei (oder zwei?) Zeilen keine Übersetzung angeboten?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie kommst du darauf?

    Θεός : Τύχα
    Ζεῦ Δωδώνης μεδέ-
    ων, τόδε σοι δὣρον πέμ-
    πω παρ ἐμοῦ: Ἀγάθων
    Ἐχεφύλου καὶ γενεὰ
    πρόξενοι Μολοσσῶν
    καὶ συμμάχων ἐν τ-
    ριάκοντα γενεαῖς
    ἐκ Τρωία ς Κασσάν-
    δρας γενεα
    Ζακύνθιοι

    Dir, Zeus von Dodona gebe ich dieses Geschenk: Agathon, Sohn des Echephilos aus der Abstammungsgemeinschaft (> Familie) der Botschafter für Molossos und ihrer Verbündeten seit dreißig Generationen.
    aus Troja [der ς=της?] Kassandra, von Zakynthos stammend.

    Das ist alles bei Egger übersetzt, wenn auch Christ Zweifel an der Korrektheit dieser sperrigen Inschrift äußert, vor allem am γενεα, welches Egger als γενεαι übersetzt. Frazer übersetzt das so, dass der Zakynthier Agathon, der als Botschaft für die Molosser und ihre Verbündeten tätig war, sich auf ein von der Kassandra aus Troia stammendes Geschlecht beruft.
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ς gehört zu Τρωία: Τρωίας - Genitiv von Troja.
    Vor dem Phallos hatte es halt keinen Platz mehr. Auch sonst finden sich recht fantasievolle Wortteilungen.
    ἐκ = "aus" erfordert den Genitiv.

    Die Übersetzung kann aber nicht so recht stimmen, da das als "Botschafter" übersetzte πρόξενοι (das übrigens eher öffentliche Gastfreunde bezeichnet) Nominativ Plural ist, ebenso die Ζακύνθιοι. Die Μολοσσῶν sind Genitiv Plural.
    Ich glaube eher, dass es sich um eine durch das zweimalige καὶ=und verbundene Aufzählung handelt: Agathon, der Sohn des Echephylos, und die Gastfreunde vom Stamm der Molosser, und die in dreißig Generationen vom Geschlecht der Kassandra aus Troja stammenden Zakynthier.
    Die συμμάχων=Verbündeten, ebenfalls ein Genitiv Plural, bringe ich allerdings nicht sinnvoll unter. Sie würden natürlich zu den Molossern passen (der verbündeten Molosser), nur steht da das "und" dazwischen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Februar 2022
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ich kann zwar kein Griechisch und kann daher nicht wirklich fundiert widersprechen, aber den "Gastfreund" kenn ich tatsächlich als eine Art Botschafter: Ein Bürger der polis X vertrat die Interessen der polis Y in X. Ist also anders aufgebaut als unser heutiges Botschaftssystem (ein Bürger aus Y vertritt die Interessen von Y in X), aber hat eine ähnliche diplomatische Funktion.
     
    Ravenik gefällt das.
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja, an eben das hatte ich gedacht. Ähnlich dem heutigen Honorarkonsul.
    Der als "Gastfreund" aktive Bürger der polis X, der die Interessen der polis Y in X vertrat, fungierte auch als Erstanlaufstelle, wenn Bürger aus Y nach X kamen.

    Der Ausdruck "Botschafter" als eine Art dauerhafter Gesandter erweckt eine falsche Vorstellung. (Wobei ich aber auch nicht ausschließen kann, dass auf der Votivtafel eben das gemeint war.)
     

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