Entstehung des islamischen Terrorismus

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von PostmodernAtheist, 8. November 2021.

  1. PostmodernAtheist

    PostmodernAtheist Aktives Mitglied

    Wie kam es eigentlich zum islamischen Terror? Ich denke es gibt zwei Extrempositionen, die eine wirft es dem Kolonialismus vor, die andere innerislamischen Tendenzen die zum "Märtyrerkomplex" führen, wie die Assassinen um wohl das bekannteste "Beispiel" zu benennen. Was ist eure Meinung eine differenziertere Darstellung?
     
  2. Mr_Lampe

    Mr_Lampe Mitglied

    Im Nahen Osten, der Ursprungsregion des Islams gibt es mehrere Probleme, so gibt es mehrere Konflikte (Jemen, Afghanistan, Syrien, Palästina) und große Wirtschaftliche Probleme (Iran, Irak) und Wenn (Junge)Menschen große Probleme haben und nicht erfolgreich im Leben sind, fühlen sie sich Häufig Radikalen Ideologien zugezogen (siehe Hitler, wo es halt eben nicht die großen Unternehmer waren sondern die Arbeiter und Mittelständler) und das praktische an Radikalen Ideologien besonders an Religiös radikalen ist: du kannst immer mitmachen du brauchst keine Qualifikation, kein Geld oder sonst irgendwas um Extremist zu werden. Deswegen und weil im Nahen Osten besonders in letzter Zeit der Radikale Islam an Bedeutung gewonnen hat (Saudi- Arabien, Iran) und an diesen Faktoren hat auch der Westen seine Mitschuld indem er in dem vergangenen Jahrhundert relativ stabile Staaten destabilisiert hat (Syrien, Irak, Libanon) (daher kommt der Hass auf die USA) und eben der Israel Konflikt der bedeutend ist, besonders weil für die religiösen Fantasten betreibt Israel als Scherge der USA einen Genozid und die besetzt die heilige Stätte.

    Insgesamt würde ich sagen der Kolonialismus hat nicht so viel Schuld wie das Militärische Eingreifen in diese Staaten, wobei Schuldfragen bei historischen Themen immer eher schwierig sind.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Äh... inwiefern hat „der Westen“ den Libanon destabilisiert? Syrien will ich mittelbar gelten lassen, insofern als dass, als der syrische Bürgerkrieg einmal ausgebrochen war, salafitische Gruppen aus dem Iraq nach Syrien einsickerten und dort gewissermaßen die demokratische Opposition, die sich zwischen Assad, Iranern und Russland einerseits, und sunnitischen Islamisten andererseits zerrieben, ersetzten.

    Dass Perspektivlosigkeit zu Radikalismus oder gar Extremismus führt, kann man als Arbeitshypothese gelten lassen, aber sicher nicht in der Eindeutigkeit. Einen Automatismus gibt es nicht. Umfeld und Resilienz spielen auch eine Rolle.

    Wahhabitischer und salafitischer Islamismus sind mit dem Faschismus wesensverwandt. Nur, dass der Rassismus durch übersteigerte Religiosität ersetzt wird. Wesentliche Gemeinsamkeit sind Intoleranz, Gleichmacherei und vor allem die radikale die Ablehnung der Moderne bei gleichzeitiger Nutzung derselben (moderne Kommunikationsmittel, Waffen...). Stattdessen wird einem vermeintlich idealen Urzustand der Nation oder Umma hinterhergetrauert, den es nie gegeben hat.
     
  4. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Könnte es nicht ganz einfach sein dass eine gewalttätige Religion jungen Männern einen Sinn stiftet, deren Männlichkeitswahn in einer westlich geprägten Welt aufgrund eigener kultureller und Leistungsdefizite keinen Erfolg hat?

    Also ein unsicheres Selbstbild und kulturelles Unterlegenheitsgefühl, das jedes individuelle Scheitern als Kränkung und fremdes Verschulden erlebt?
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. März 2022
  5. Mr_Lampe

    Mr_Lampe Mitglied

    Ja, da muss ich mich entschuldigen, ich habe natürlich Russland vergessen in meiner Aufzähllung da hast du recht und bei dem Punkt mit dem Libanon, meinte ich die Resolution der UN (wo natürlich nicht nur der Westen schuld hat) die in den frühen 2000er die Syrischen trupppen zum Abzug aus dem Libanon gezwungen hat.

    So und was das angeht finde ich das dies ein bedeutsamer Faktor ist und dass diese Punkte auch eine Rolle spielen stelle ich nicht in Frage ;)
    Das sehe ich genauso.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was die Libanesen zu einem Großteil wollten. Ich habe vor ziemlich genau 20 Jahren mal einen libanesischen Archäologen kennengelernt, der ein Arbeitsverbot hatte, weil er sich gegen die syrische Besatzung des Libanon aussprach.
    Destabilisierung? Nein.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Würde ich so eindeutig nicht sagen. Der Abzug war wohl ein zweischneidiges Schwert.
    Es ist schon richtig, dass die syrischen Truppen Besatzer waren und wohl ein Großteil der Libanesen sie aus dem Land haben wollte. Sie brachten aber (zumindest zeitweise) durchaus etwas Ruhe ins Land, wenn auch eher Grabesruhe, und sorgten dafür, dass die nie gelösten zahlreichen inneren Konflikte des Libanon vorübergehend nur auf Sparflamme vor sich hinköchelten. Seit ihrem Abzug wurde das Land zumindest nicht stabiler.
    Andererseits, wären die syrischen Truppen bei Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs noch im Libanon gestanden, wäre er vermutlich noch intensiver vom syrischen Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden als das ohnehin der Fall war. Zur Zeit des Abzugs ließ sich der Bürgerkrieg aber noch nicht vorhersehen.

    Allerdings sind es keineswegs nur junge Männer, die sich radikalisieren, sondern auch Frauen.
     
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  8. Mr_Lampe

    Mr_Lampe Mitglied

    @Ravenik sehe ich ähnlich, besonders das erstarken der Hisbollah, im Libanon, trägt doch entscheidend zu destabillisierung in der Region bei .(Syrien, Israel)
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Hizbu'llâh war doch nie weg. Als wir im Libanon waren, noch unter der syrischen Besatzung, waren wir in Ba'albek, in Tyros, in Sidon: Das war Hizbu'llâh-Land und das sah man auch recht deutlich. An jedem Laternenpfahl hing eine Hizbu'llâh-Fahne oder das Portrait eines Märtyrers.
    Die Hizbu'llâh ist nicht durch den syrischen Abzug erstarkt.
    Man kann zwar eine zeitliche Koinzidenz zwischen dem Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon im April '05 und dem Ausbruch des offenen Krieges zwischen Israel und der Hizbu'llâh im Juli '06 konstatieren, würde damit aber ignorieren, dass es immer - auch unter syrischer Besatzung - Schusswechsel zwischen den Anhängern der Hizbu'llâh und israelischen Soldaten gab, versuchte oder erfolgreiche Entführungen und sogar Raketenbeschüsse.
     
  10. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Terrorismus im Nahen Osten war anfangs kein islamistisches Phänomen - nicht mal ein islamisches.

    Die frühen Gruppierungen auf palästinensischer Seite waren nicht islamastisch ausgerichtet, sondern sozialstisch und panarabisch-nationistisch. Ein der frühsten palästinensischen Organisationen, die Terror--Anschläge verübte war die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP). Ihre ersten Anführer Wadi Hadad und George Habasch entstammten sogar christlichen Familien. Auf das Konto der PFLP geht unter anderem die Entführung der Landshut nach Mogadischu (1977).

    Islamistischer Terrorismus ist eine vergleichsweise neues Phänomen und entwicklte sich erst in den 1980ern.
    Auschlaggebend für den Niedergang marxisischer Ideolgien und Gruppierungen im Nahen Osten war nicht zuetzt der Untergang der Sowjet-Union. Islamistische Gruppierungen griffen später vor allem auf die terroristische "Pionierarbeit" der sozialistischen Gruppen zurück. Selbstmordattentate und Flugentführungen wurden nicht von "den Islamisten" erfunden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. März 2022
    hatl und Ugh Valencia gefällt das.
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe bei dem arabischen „Sozialismus“, sowohl, was die palästinensische Fatah, als auch, was die iraqisch-syrische Ba‘ath anbelangt, den Eindruck, dass das mehr Anbiederung an die SU war, als theoretisch fundiert und ernst gemeint: Israel war mit den USA verbändelt, der Freund meines Feindes ist mein Feind, also orientierte man sich an der SU. Die Dekolonisierung von Frankreich und GB mag natürlich für die „linke“ Orientierung eine zusätzliche Rolle gespielt haben.
     
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  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Letztlich geht es immer um "wir gegen die". Es ist aber eindeutig so, dass die Baath-Partei als eine gemeinsame von Front von christlichen und muslimischen Arabern gegründet wurde.

    Der libysche Diktator Gaddafi hatte in 1970ern und 1980ern weltweit Terror-Orgnisation unterstützt und zwar nach dem Gießkannenprinzip - unter anderem die IRA in Irland und die ETA im spanischen Baskenland.
    Gadaffis Ideologie war eine eigenwillige Mischung aus Marxismus und Islam, je nach Großwetterlage unterlegt mit panarabischen, panafrikanischen oder panislamischen Ansätzen. Wichtiger war wahrscheinlich der Kult um seine Person und der konsequente Antiamerikanismus und Antisemitismus.
    Gaddafis Verhältnis zu wirklich islamistischen Gruppen war hingegen kompliziert.

    Vieles, was aus westlicher Sicht auf den ersten Blick wie Islamus und islamischer Terrorismus aussieht, ist gar keiner.
     

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