Französische Revolution. Napleon eine Folge der Revolution ? Abitur !!!

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Frzrevo, 26. Februar 2019.

  1. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Hey. Ich habe nun viele Aspekte meiner Präsentation bearbeitet, allerdings habe ich Probleme bei dem Gliederungspunkt, ob es eine Alternative zu Napoleon gab (?) habt ihr vielleicht eine Antwort drauf ?
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Dazu die Rückfrage: Wann?
    "Seinen" Putsch hätte vielleicht auch ein anderer durchführen können, Bernadotte war da z.B. im Gespräch.
    Der war dann auch wieder am Ende von Napoleons Regierungszeit im Gespräch, neben einigen anderen.
    Während Napoleons Regierungszeit war es auch gerade Napoleon, der andere "Alternativen" zu sich fürchtete.
     
  3. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Muss mich korrigieren.Das was du erwähnt hast, hatte ich bereits auf dem Schirm. Aber ich wollte wissen, ob es darüber hinaus noch andere Alternativen zu Napoleon gab. Wann ? Sowohl beim Aufstieg von Napoleon als auch in seiner Regierungszeit
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da menschliche Geschicke aufgrund von Entscheidungen, dem Aufeinandertreffen von Menschen in bestimmten Stimmungen, mit Hintergründen und Erlebnissen passieren, ist die gewesene Geschichte natürlich immer durch Zufälle mitbestimmt. Sprich: Napoleon hatte sicherlich Verve, ohne die er nicht so weit gekommen wäre, aber auch Glück (etwa, dass Augustin Robbespierre ihn als Protegé unter seine publizitsischen Fittiche nahm). Er war halt immer wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort, mal durch Zufall und sicherliche auch das eine oder andere Mal in seiner militärischen und politischen Karriere durch eigenes Zutun. Natürlich hätte es Alternativen* zu gegeben. Und dann wäre die Geschichte auch völlig anders verlaufen. Wie wissen wir freilich nicht. Die Frage ist, ob die möglichen Alternativen zu Napoleon an den verschiedenen "Schicksalspunkten" uns überhaupt bewusst sind oder ob die fraglichen Personen nicht im Dunkel der Geschichte verschwunden sind, eben weil ihr Aufstieg nicht gewesene Geschichte ist.

    *Alternative hier und ff. als Person verstanden
     
  5. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Okay, danke. Hab noch eine Frage. Ich habe den Gliederungspunkt : „Welche Rolle spielgen die Koslitionskriege für Napoleons Aufstieg?“
    Da reicht es doch, wenn ich mich auf den ersten Koslitinskrieg konzentriere oder ? Weil die anderen waren ja erst nach dem Napoleon die macht schon übernommen hat
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was sind denn Koslitionskriege?

    Schau dir die Koalitionskriege besser noch mal an, ob deine Aussage bzgl. Napoleons Macht und v.a. auch ihrer Festigung richtig ist.
     
  7. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Hmm. Durch den ersten Koalitonskrieg, also während des Italienfeldzugs hatte Napoleon doch ein hohes Ansehen in der Bevölkerung, weil er Österreich besiegte. Dieses ansehen, seine Strategien, sein Auftreten haben ihn doch dazu verholfen an die Spitze zu kommen. Er war dadurch ein angesehener General und auch wenn er anfangs nicht in frage für den Putsch des Direktoriums kam, wurde er eben trzoztdem für den Putsch eingesetzt. Und hätte er durch den Italienfeldzug gar kein hohes Ansehen erlangt, dann käme Napoleon für den Putsch doch überhaupt nicht in frage. Also spielen die Koalitionskriege doch eine Rolle oder nicht
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich denke, dass Deine Herangehensweise schon ganz richtig ist. Jemand hat mal gesagt, dass Napoléon gelang, was für einen Machthaber wichtig ist, nämlich sich ins rechte Licht zu rücken, Publicity-Arbeit würde man das heute vielleicht nennen. Dazu gehörte es die Errungenschaften der Konkurrenz klein zu reden oder zu sabotieren. Ein gutes Beispiel dafür ist Masséna, dessen Rolle Bonaparte bei dem Feldzug 1800 negierte. Erst seine geschickte Defensive erlaubte es die Österreicher dermaßen zu binden, dass Bonaparte dann in Melas Rücken erscheinen konnte, der daraufhin die Schlacht bei Marengo suchte, um die Verbindung zu Wien wieder herzustellen. Masséna fand immerhin später wieder Verwendung und spielte dann auf der iberischen Halbinsel eine große Rolle.

    Dessaix Verdienste hingegen soll Bonaparte bewusst nicht unterschlagen haben, da dieser weil tot ihm eh nicht mehr gefährlich werden konnte. So steht er in Lejeunes Gemälde der Schlacht bei Marengo (1802) im Zentrum wie er an der Spitze der 9e demi-Brigade d'infanterie légère tödlich getroffen vom Pferd stürzt. Schlacht bei Marengo – Wikipedia Dass Bonaparte recht prominent auch noch in die Szene sprengt ist wohl dem Hintergrund verschuldet, dass man ihn als offiziellen Sieger der Schlacht auch ins Bild rücken wollte, auch wenn er wohl nie so gehandelt hat.

    Moreau hingegen, der auch als ein tüchtiger Befehlshaber gilt, hat Bonaparte demontiert, obwohl seine Ablehnung selber beim Putsch 1799 eine Rolle zu spielen letztlich Bonaparte zum aussichtsreichsten Kandidaten machte. Zwar ist Moreaus Statistik an Siegen nicht so beeindruckend wie Bonapartes und er musste auch einige Schlappen hinnehmen. Aber er war doch ein guter Kommandeur und wichtiger noch bei seinen Truppen durchaus beliebt. Dass die Schlacht bei Meßkirch beispielsweise nicht ganz so vernichtend für Kray ausfiel, lag auch am Ausbleiben von Saint Cyrs Korps. Als Moreau sich über St. Cyr beschwerte, hielt Bonaparte seine schützende Hand über ihn und schlug jede Anklage nieder, auch wenn die anderen Kommandeure unter Moreau es ganz ähnlich wie dieser sahen. Aber Bonaparte war es sicher nicht ganz unrecht, wenn Moreaus Siege nicht ganz so strahlend waren wie sie hätten sein können. In einer Art Schlammschlacht vermochte es dann Bonaparte Moreau aus Frankreich zu verdrängen; sicherlich auch dadurch motiviert dass Moreaus Gemahlin einen einflussreichen Salon führte, der die politischen Ansichten ihres Mannes widerspiegelte, der ein Kritiker des Ersten Konsuls blieb.

    Darüberhinaus kann man das politische Umfeld 1799 betrachten. Musste es auf eine Militärdiktatur hinaus laufen oder war auch eine demokratisch herbeigeführte Richtungsänderung möglich? Im Grunde hatte das Direktorium kaum Anhänger, was einfach an der korrupten Gestalt von Barras hing. Zeitgenössische Karikaturen stellen die Körperschaften des Regierungssystems als große Belastung für die einfachen Franzosen dar - bspw. den Rat der 500. Die Wahlen 1799 führten denn auch nachdem mehrfach royalistische Kräfte in den Jahren zuvor Erfolge verbuchen konnten, zu einer Art Linksruck. Eine Ironie der Geschichte ist, dass dies durchaus just den Bruder Napoleon Bonapartes betraf, der schon früher als Jakobiner eine wichtige Rolle gespielt hatte: Lucien Bonaparte(1775-1840).
    Lucien ist eigentlich einer der interessantesten Brüder der Familie. Er unterstützte Napoléon Bonaparte 1799, zerwarf sich aber in der Folge mit ihm, da er politisch doch im Grunde andere Vorstellungen hatte. Das ist eine seltsame Konstellation, dass somit der wohl politisch versierteste der Bonaparte-Brüder dann in der Folge die geringste Rolle spielen sollte. Vielleicht wäre er gar ein besserer Herrscher für Frankreich gewesen und hätte zumindest das Zeug zu einem Direktor gehabt(?).

    Auch wenn ich mich früher intensiver mit dieser Periode um 1800 beschäftigt habe, könnte ich jetzt aber auch keine konkrete Person nennen, die an die Spitze einer neuen "linken" Regierung gekommen wäre.
     
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  9. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Ich hab noch ne frage. Das Ziel des Direktoriums war doch eine Republik oder ? Und die Jakobiner waren doch auch für eine Republik. Wieso versuchte dann das Direktoirum die Jakobiner zu bekämpfen ? Im Endeffekt verfolgen doch beide das selbe politische Ziel, die Republik. Liegt es daran das die Jakobiner zu radikal waren ? Das sie die Royalisten bekömpfen kann ich nachvollziehen, aber das mit den Jakobiner nicht ganz
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das habe ich nicht in Abrede gestellt. Ich wollte dich darauf hinweisen, dass Napoleons Position nicht nach dem ersten Koalitionskrieg gefestigt war. Mindestens auch der zweite und der vierte spielen auch eine gewichtige Rolle.
     
  11. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Achso ja. Jetzt versteh ich es. Meines Wissens nach war doch der Ägyptenfeldzug nicht erfolgreich für Napoleon oder ? Allerdings stellte sich Napoleon als Sieger des Ägyptenfeldzugs da, um noch mehr Ruhm zu erlangen. Das ist mein Wissensstand. Habe jetzt aber paar gesehen, dass Napoleon den zweiten Koalitionskrieg also den Ägyptenfeldzug erfolgreich gewonnen hat. Was ist denn nun richtig ?
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ersteinmal sind das Direktorium und die Jakobiner theoretisch kein Gegensatz.

    Das Direktorium ist nur eine Art auf 5 Personen konzentrierte Regierungsgewalt. Rein theoretisch konnten auch Jakobiner Direktoren werden.
    Carnot und der dauerhafteste Direktor Barras waren ja beide ursprünglich Jakobinier, letzterer sogar ein entschiedener Verfechter des Terreur, was ihm auch später nach seiner Zeit im Direktorium zum Verhängnis wurde.

    Praktisch aber hatte sich v.a. Barras, aber auch diejenigen, die ihm genehm waren, der Bourgeoisie angenähert, vertraten also einfach ab 1795 nicht mehr die Ansichten bzw. Ziele wie 1793-94. Ich glaube in einer Talleyrand-Biografie wurde das mal so erklärt, dass Barras im Grunde in erster Linie an der Macht bleiben wollte, deren er dann 1799 überdrüssig wurde, weshalb er als eigentlich maßgeblicher Direktor das Geld nahm und sich trollte.
    Wichtig für das Verständnis ist die Verfassung von 1795, welche in stärkerem Maße als ehedem durch die Jakobiner so vorgesehen, die Bewahrung des Eigentums in den Vordergrund rückte. Verfassung der Französischen Republik (1795) Das ganze System war im Grund schon auf eine gewisse Stabilität ausgerichtet, die man wohl als Lehre aus den turbulenten Zeiten insbesondere 1791-94 verstehen kann.
     
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  13. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Achso. Und wieso wurde Napoleon eigentlich nach dem Staatsstreich zum 1. Konsul gewählt ? Seine Aufgabe war es doch eigentlich Paris zu sichern, also militärisch. Wollten die anderen Putschisten Napoleon als Konsul, weil er eine starke Führungsperson ist und die Lage in Frankfreich vllt regeln konnte ? Oder war es eine Bedingung von Napoleon, dass wenn er sich am Putsch beteiligt, auch zum 1.Konsul gewählt wird ?
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Als gewählt würde ich es nicht bezeichnen. Die Putschisten suchten jemanden, der militärisch den Coup mit unterstützte. Dass Bonaparte dann so ehrgeizig war und seine Mitstreiter als 2. und 3. Konsul mit Befugnissen ausstattete, die sie lediglich zu seinen Marionetten oder Statisten machten, wussten diese nicht. Es ist ja auch bezeichnend, dass Sieyès, einer der klügsten Köpfe dieser Zeit, zwar anfangs als Konsul fungierte, aber dann als Bonaparte den Verfassungsentwurf nach seinen Vorstellungen verändert hatte im Consulat praktisch keine Rolle mehr spielte. Mir scheint es so, dass sowohl Sieyès als auch Ducos, die wohl maßgeblich am Putsch beteiligt waren, sozusagen als zivile Führer, einfach nicht die Durchsetzungskraft und Fantasie hatten sich gegenüber Bonaparte durchzusetzen. Sieyès war vielleicht ein großer Theoretiker, galt aber weder als Machtmensch noch als großartiger Redner. Er war ein Schriftsteller. Das Frankreich nach seinen Vorstellungen wäre sicherlich ausgewogener gewesen, vielleicht auch dauerhafter als Napoleons Empire.
     
  15. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Staatsstreich richtig verstanden habe. Die Lage in Frankreich war sehr problematisch und man befürchtete einen Putsch der Royalisten. Aus dem Grund wollte Sieyès, der Mitglied im Direktorium war zuerst putschen. Dafür brauchte er einen starken General, der keine eigenen Politischen Ziele verfolgt. Deshalb kam Napoleon für Sieyès anfangs nicht in frage. Die Generäle die Sieyès für den Putsch eigentlich haben wollte, waren gefallen und der andere General lehnte ab. General Moreu empfiehl Sieyès dann Napoleon. Auch wenn Napoleon nicht der Favorit von Sieyès war, einigten sich beide. Daraufhin kehrte Napoleon heimlich von der Ägyptischen Expedition zurück und traf am 16.Oktober 1799 in Paris ein. Drei der 5 Direktoren traten von ihrem Amt zurück und die anderen 2 wurden angeklagt unter dem Verdacht Jakobiner zu sein. Dadurch gab es keine Regierung in Frankfreich und Paris war von Napoleons Soldaten besetzt. Die Putschisten erzählten dann, dass die Republik in Frankreich gefährdet sei und ein Angriff von den Gegner der Revolution geplant ist. Aus diesem Grund möchten die Puschisten eine Verfassungsänderung vornehmen, die es möglich macht eine starke Führungsperson (Napoleon) in die Regierung zu bekommen. Allerdings war das Parlament und der Rat der 500 dagegen, da sie befürchteten das es zu einer Diktatur kommt. Napoleons Bruder Lucien, der Mitglied im Rat der 500 war, setzte sich für Napoleon ein. Lucien versuchte das Vertrauen der anderen Abgeordeten zu gewinnen & behauptete, dass wenn Napoleon die Revolution verriet, dann würde Lucien mit seinen eigenen Händen Napoleon einen Dolch in die Brust rammen. Dann kam es dazu das die Soldaten von Joachim Murat, der ein Verbündeter von Napoleon war bzw unter seinem Dienst stand, den Staat mit Gewalt räumten. Am nächsten morgen stimmten die Abgeordeten unter dem Druck des Militärs, der Verfassungsänderung zu. Somit setzte sich Napoleon, neben Sieyès und Roger zum 1 Konsul durch. Da weder Sieyès noch Roger Männer waren, die Starke Führungsqualitäten aufwiesen und Napoleon die benötigten Truppen hatte, die die Puschisten benötigten, gelang es Napoleon einfach eine neue Verfassung auszuarbeiten. Napoleon setzte sich durch und die neue Verfassung des Konsulats im Jahr 1799 machte Napoleon zum ersten Konsul und somit zum Alleinherrscher. Dadurch erkläre Napoleon die Revolution auch für beendet. Habe ich es richtig verstanden ?
     
  16. Frzrevo

    Frzrevo Neues Mitglied

    Was waren Napoleons Ziele und was waren die Ziele der französischen Revolution ? Haben sich die Ziele der Revolution und die Ziele Napoleons nicht ständig geändert ? Denn man muss das ganze doch phasenweise betrachten oder nicht ? Napoleon hatte ja als normaler General z.B ganz andere Ziele, als zu seiner Zeit als er Konsul war. Und so war es doch auch mit der Revolution. Es gab die konstitutionelle Monarchie, dann die Republik, dann das Direktorium. Also die Ziele haben sich doch ständig geändert, oder liege ich da falsch ? Und war Napoleon eigentlich ein Revolutionär, also war er wirklich vom Herzen dabei & hat die Revolution vertreten oder hat er dadurch einfach nur seine Chance gesehen groß raus zukommen ? Wie könnte man die Ziele der Revolution und die Ziele Napoleons vergleichen ?
     
  17. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ist General ein normaler Offizier? Nein, da ist man schon in herausgehobener Stellung. Da kommandiert man schon einen ganzen Haufen Leute. Und was hat ihn die Revolution gelehrt? Flexibel zu reagieren. Und aller spätestens war er als Konsul auch darauf bedacht an der Macht zu bleiben. Beziehungsweiße nach dem Desaster in Ägypten überhaupt das Desaster zu überleben.

    Zum anderen was Du aufgezählt hast sind keine Ziele, sondern Regierungsformen. Und wenn die Regierung wechselt, wechselt automatisch auch das was man für wichtig erachtet.
     
  18. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Was war die französische Revolution und welche gemeinsame Linie hatte sie? Die aufgebrachten Bürger, die im Revolutionsjahr unter den steigenden Brotpreisen und Steuern zu leiden hatten, die Großbürger im Rahmen der Generalstände, die Jakobiner, die Girondisten...........

    Ist das für dich eine homogene Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel?

    Die Revolution ist kein homogens handelndes Subjekt, nichtmal ein singuläres, punktuelles Ereignis, das musst du dir dabei klar machen.
    Die Revolution ist vor allem ein Zeitabschnitt, in dem die vormalige Macht des Ancièn Régime kollabiert war und verschiedene Kräfte versuchten die die politische Macht bei sich zu monopolisieren und eine neue Ordnung im eigenen Sinne zu errichten. Entsprechend der außenpolitischen Situation, der innenpolitischen und wirtschaftlichen Lage veränderten sich die politischen Bündnisse innerhalb frankreichs und dementsprechend wechselten die politischen Konjunkturen.

    Wie gesagt, vergiss die Vorstellung, dass es sich bei der Revolution um ein handelndes Subjekt handeln würde. Sie ist viel mehr ein Zustand. Und zwar präzise ein Zustand der Instabilität, der entsprechnd schnelle Wechsel des Geschehens erlaubt. Insofern kann eine Revolution für sich genommen keine Ziele haben, sondern die Revolution als politischer Zustand, bzw. Ausnahmezustand ist die Plattform auf der die verschiedenen politisch aktiven Strömungen ihren Machtanspruch und ihre untereinander konkurrierenden Ziele auszubauen in der Lage sind.

    Entsprechend siehst du es schon ganz richtig, dass man das phasenweise betrachten muss, wobei eine Phase maßgeblich durch die wechselnden innenpolitischen Konjunkturen bestimmt sind.


    Napoleon hatte aber auch als Konsul völlig andere Möglichkeiten, als er als General ohne politische Kompetenzen hatte, dass musst du dazu sehen. Möglicherweise hatte ein Napoleon Bonaparte bereits als General sehr hochgesteckte Ziele, aber er hatte nicht die Mittel und Möglichkeiten sie zu erreichen. Vieles von dem, was er als konsul oder später Kaiser der Franzosen umsetzte, hätte ihn, hätte er es in einer anderen Stellung zu einem früheren Zeitpunkt umzusetzen versucht, möglicherweise unter die Guillotine gebracht oder mindestens für alle einflussreichen Ämter disqualifiziert.

    Insofern ist Talleyrands Ausspruch, dass Hochverrat eine Frage des Zeitpunktes sei, durchaus zutreffend.

    Ziele bedürfen einer gewissen Ausgangsbasis, ist die nicht vorhanden, muss man seine Ziele herunterschrauben, das gilt auch für Revolutionäre, Direktoren, Konsuln und Monarchen. Festigt sich die eigene Machtstellung, kann man sie ausbauen.

    Du liegst insofern falsch, als dass du die Revolution als bewust handelndes Subjekt auffasst und deswegen die zwischenzeitlichen Zustände mit allgemeinen, ideellen Zielen gleichsetzt. Tatsächlich sind sie vielmehr nichts anderes als ein zwischenzeitlicher Konsens, bis zur Neuorientierung der Politik beeinflust durch Veränderung der politischen Koalitionen unter den verschiedenen Bewegungen und der steigenden und sinkenden Beliebtheit dieser Bewegungen in der Bevölkerung und bei der Armee.

    Napoleon hatte durchaus revolutionäre Vorstellungen, wenn auch zunächstmal nicht unbedingt im jakobinischen oder auch nur im französischen, sondern viel mehr im korsischen Sinne. Im weiteren Verlauf passte er sich den jeweiligen Realitäten so gut als möglich an.
    Im zu unterstellen er sei ausschließlich Opportunist gewesen, geht an der Sache vorbei, zumal er in der frühphase der Revolution nicht einmal davon Träumen konnte dahin zu gelangen, wohin er dann gelangte. In der Frühphase der Revolution waren derlei Bestrebungen auch alles andere als Förderlich, denn die Köpfe der exponierten Entscheidungsträger in Politik und Militärwesen, pflegten in dieser Zeit, wenn etwas schief ging sehr schnell zu rollen.


    Gar nicht, da die Revolution kein Akteur ist, sondern ein Zustand und Zustände, da sie weder denken, noch handeln können auch nicht in der Lage sind sich Ziele zuzulegen oder ideelle Inhalte anzustreben.
    Man könnte allenfalls die Zielsetzungen führender Politiker der Revolutionszeit, angefangen bei Lafayette, Mirabeau, Marat, Robespierre, Danton, St. just, Des Moulines, Siyès, Barras oder den Zielen der Jakobiner oder Girondisten oder Royalisten (wobei man da aufpassen muss, weil das keine einheitlichen, verbindlichen Programme sind) miteinander vergleichen.
    Odern diffuser mit denen der großbürger in den Generalständen oder denen des drangsalierten Volkes im Revolutionsjahr.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Durch die Schwäche des Directoire war allerdings m.E. Napoléon schon ein ausgesprochen politisch agierender General.
    Der Begriff General ist hier auch etwas zu kurz gefasst. Er war "Géneral en Chef", das heißt kommandierender, oberster General einer Armee - 1796-97 der armée d'Italie. Anders als seine Vorgänger machte Bonaparte Italien zum Hauptkriegsschauplatz, indem er nicht nur die piemontesischen und österreichischen Armeen sowie die Truppen kleinerer Staaten schlug, sondern obendrein auf Wien zu marschierte.
    Ohne Ermächtigung durch das Direktorium verhandelte Bonaparte mit den Österreichern. Der Vorfrieden von Leoben ist vielleicht eine bedeutsamere Stufe auf der Karriereleiter des Korsen.
    Hier ein Gemälde dazu: Vorfrieden von Leoben – Wikipedia
    Dieses Bild des mit anderen Militärs verhandelnden Generals ging um die Welt. Ich hab sogar mal eine naive Abbildung auf einer zeitgen. deutschen Schützenscheibe davon gesehen.
    Es ist doch bezeichnend, dass das Direktorium scheinbar unfähig war, Bonaparte aus dieser Rolle des Politik betreibenden Generals zu verdrängen.
    Nach 1795 hatte sich einfach m.E. die Lage der Generalität verändert. Schon im Terreur und kurz davor befürchteten die franz. Politiker, dass die militärische Führung einen Putsch durchführen könnte. Lafayette z.B. wollte ja mit der Armee auf Paris marschieren, um die Regierung zu stürzen. Erst das Scheitern des Vorhabens führte dann zu seinem Überlaufen und mit Dumouriez ist es nicht besonders anders gewesen. Von daher hatten die fast paranoid wirkenden Befürchtungen eines Robespierres durchaus eine Grundlage. Männer wie St. Just, die zu den Armeen geschickt wurden, nicht nur um ihre Versorgung zu verbessern, sondern auch um die Generäle zu überwachen, waren durchaus gefürchtet.
    Nach 1794 finden wir diesen Druck auf die franz. Generalität nicht mehr. Bonapartes kurzzeitige Probleme mit den Vorgesetzten, hatten ja nur damit zu tun, dass man ihn für einen verbohrten Robespierristen hielt und das war angesichts der Nähe seines Bruders Lucien zum Régime kein Wunder.
    Wenn man die Zeitungen ab 1795 anschaut, fällt auf, dass es keinen mehr überraschte wenn ein erfolgreicher General wie Bonaparte wie selbstverständlich Politik mitgestaltete. Schon 97/98 betätigte sich Bonaparte im Umfeld des Rastatter Kongresses auffällig selbstbewusst.
    Ich denke, von daher kam sein Aufstieg zum 1er consul garnicht so überraschend.
     
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  20. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied


    Nein, so überraschend ist der Aufstieg zum 1. Consul sicherlich nicht gewesen.

    Und mit der Schwäche des Direktoriums und damit, dass Napoléon durchaus in die französische Außenpolitik hineinfuhrwerkte, hast du sicherlich recht.

    Im Hinblick auf Loeben kommt aber auch einfach das Momentum hinzu, dass Frankreich sich militärisch im bisherigen Verlauf der Revolutionskriege reichtlich verausgabt hatte, am Rhein und in Süddeutschland keine definitive Enscheidung erreicht werden konnte, die Finanzierung der militärischen Aktivitäten zunehmend problematisch wurde und Frankreich daher schlicht und einfach Frieden brauchte.
    Natürlich hätte man seitens des Direktoriums versuchen können Napoléon zurück zu pfeiffen und dem Primat der Politik Geltung zu verschaffen.
    Das hätte allerdings auch nach hinten losgehen können, schließlich wollten die Soldaten irgendwann auch mal wieder nach Hause und hätten wohl wenig Verständins dafür gehabt, einen möglichen, sehr vorteilhaften Frieden auszuschlagen und den Krieg möglicherweise durch zähe Verhandlungen weiter in die Länge zu ziehen.

    Von französischer Seite her musste man ein Interesse daran haben das Schockmoment der Österreichischen Niederlagen in Italien zeitnah auszunutzen, bevor sich das Kriegsglück möglicherweise noch einmal wendet oder man z.B. in Berlin auf die Idee kommt dass ein allzuweites Ausgreifen Frankreichs nach Osten hin, nicht eim preußischen Sinne sein konnte, weil das eine ständige, latente Bedrohung bedeuten würde. So lange man noch mit der Konsolidierung der polnischen Teilungen beschäfftigt war, brauchte Frankreich nicht zu beführchten, dass Österreich im Norden Verbündete und Entlastung gegen Frankreich finden würde, aber die Uhr tickte dann eher gegen Frankreich.

    Hätte ein Versuch Napoléon zurück zu pfeiffen, zu einer Führungskrise oder gar Meutereien der siegreichen Italienarmee geführt, wäre der Nutznießer Österreich gewesen, dass dadurch möglicherweise Zeit gewonnen hätte seine Truppen noch einmal zu sammeln, während Napoléons Armee, allein schon wegen der länger werdenden Nachschublinien und der Notwendigkeit Garnisonen zurück zu lassen zunehmend an Schlagkraft einbüßen musste.

    Unter diesen Umständen war es aus der Perspektive des Direktoriums wahrscheinlich sinnvoller ihn am Ende gewähren zu lassen und keine Eskalation der Lage herbei zu führen. Ich würde dass nicht ausschließlich auf die politische Schwäche des Directoire zurückführen.


    Letztlich sehe ich aber auch einen qualitativen Unterschied darin in die Außenpolitik in einer Weise einzugreifen, die die zivile Regierung zwar vor den Kopf stoßen musste, sich wohl aber nicht mit ihren grundsätzlichen Zielen oder den Bedürfnissen des Staates biss und darin sich allgemeine gestaltende Vollmachten aneignen zu wollen, die die zivile Regierung nicht nur durch das Schaffen von Tatsachen desavouieren, sondern mitunter auch gänzlich gegen deren Interessen sind.
    Das einzelne Militärs hin und wieder aus dem Ruder laufen, und eigenmächtige Entscheidungen treffen oder meinen bei den Bedingungen des Friedens ein Wort mitreden zu müsssen, ist ja so ungewöhnlich nicht.
    Man denke etwa an die Konvention von Tauroggen oder daran, auf welche Weise Brest-Litowsk ausgehandelt wurde. Das ist am Ende aber doch verschieden davon, den Versuch zu unternehmen zivile politische Aufgabenbereiche dauerhaft an sich zu ziehen, sondern dass sind punktuelle Eingriffe, wenngleich von großer Tragweite gewesen.

    Den Vorfrieden von Loeben abzuschließen konnte das Direktorium unter den gegebenen Umständen und Sachzwängen gerade eben noch zähneknirschend durchgehen lassen. Hätte er sich dagegen in seiner Funktion als Militär angemaßt die kompletten auswärtigen Beziehungen Frankreichs in die Hand nehmen zu wollen, hätte das Direktorium gar keine andere Wahl gehabt als ihm die Befehlsgewalt über seine Truppen zu entziehen und ihn auszuschalten, denn sonst hätte es sich selbst abgeschafft.
    Das hatte ich gemeint, wenn ich schrieb, dass Napoléon als Consul vollkommen andere Gestaltungsmöglichkeiten hatte, denn als General. Das er ein durchweg politischer Militär war, hatte er ja im Grunde schon zu Beginn seiner Laufbahn durch den Versuch sich mit Paoli in Verbindung zu setzen und sich dezidiert den Jakobinern anzuschließen klar gemacht.
     

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