Opium, bzw. sein Hauptalkaloid ist nicht nur das älteste, sondern bis heute auch das effektivste Schmerzmittel. Durch die heutigen Retard-Präparate kann auch die Gefahr der Abhängigkeit minimiert werden.
Opium(tinktur) wird heute zumindest in Europa und Nordamerika nur noch selten verschrieben. Da der Morphingehalt je nach Region und Herkunft stark schwanken kann, standardisierte man für Opiumtinktur den Morphingehalt 1 ml enthält 10 mg Morphin.
Es gab dann aber auch stärkere Laudanum forte Präparate, die mehr Morphin enthielten.
Laudanum bestand im Wesentlichen aus Opiumpulver und Alkohol, eventuell noch Zimt. Paracelsus michte in sein Laudanum und Arkanum noch Bernstein, Moschus und verschiedene Gewürze wie Safran.
In den Niederlanden wurde Paregoric entwickelt, eine Mischung aus Opium, Alkohol und Kampfer, die viel weniger Morphin enthielt.
Opium wurde auch in Essig gelöst, und die sogenannten Black Drops wurden für Hustenbonbons verwendet.
Um die Jahrhundertwende patentierte eine Firma Pantopon, ein Medikament das alle Opiumalkaloide Morphin, Codein, Thebain, Noscapin und Papaverin enthielt.
Allerdings haben Kombinationspräparate nicht unbedingt einen Vorteil. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts gab man immer mehr Medikamenten den Vorzug, die nur einen Wirkstoff enthalten. Eine Morphinpille lässt sich viel leichter dosieren und auch einnehmen. Laudanum ist furchtbar bitter. Um eine mittlere bis starke Dosis (20-30 mg) einzunehmen, müsste ein normaler Mensch 2-3 ml Laudanum nehmen.
Ein Junkie müsste schon zu Laudanum forte greifen, und er könnte die ganze Flasche saufen. Bei starken Schmerzen, müsste man alle 6 Stunden nachlegen, während mit einer Morphinpille mit Retard-Wirkung eine gleichbleibende Wirkung über fast 24 Stunden erreicht werden kann.
Süchtige würde man mit Diaphin viel glücklicher machen als mit Laudanum.
Es gibt auch noch einen anderen Grund. Oral genommene Opiate verursachen längere und qualvollere Entzüge. Länger selbst als bei intravenösem Konsum. Ein Opium-Entzug ist qualvoller als ein Morphin- oder Heroin-Entzug. Vielleicht liegt es daran, dass Opium auch Codein enthält, ein schwaches Opiat, aber ein heftiges Suchtmittel.
Viele Afghanen und Iraner, die auf diesem Gebiet zweifellos mehr Erfahrung haben, behaupten steif und fest, dass man bei einem (kalten) Opium-Entzug drauf gehen kann, dass in Gefängnissen schon Leute am kalten O-Entzug krepiert sind, was ich ohne Weiteres ihnen glaube. Sie sagen, dass ein Opiumesser gut eine Woche länger für die Entgiftung braucht, fast doppelt solange wie ein Mensch, der sich täglich mehrere Injektionen gibt oder täglich mehre Lines H zieht.
Anscheinend hat sich das bis zu den Mullahs herumgesprochen. Wegen H wurden dort Leute hingerichtet, aber im Iran wurde Opium schon in den 1980ern und 90ern Jahren als eine Art Substitutionsmittel für Heroin ausgegeben, ähnlich wie Methadon, das damals als Wundermittel galt. Als Entzugsmedikament ist es phantastisch, als Substitutionsmittel hat der uralte Klassiker O-Tinktur weitaus weniger Nebenwirkungen.
In der Schmerzmedizin, in der Suchtmedizin ist Opium inzwischen im Westen durch effektivere Mittel ersetzt. Reines Morphin und Morphinderivate können Schmerzen effektiver ausschalten, mit Retard-Präparaten kann man eine gleichmäßige Wirkung über fast 24 Stunden erreichen und auch das Abhängigkeitspotenzial kann damit erheblich minimiert werden.
Trotzdem hat die Opium-Tinktur immer noch ihre Berechtigung. In Kanada und den USA wird sie heute vor allem bei Durchfall bei Chemotherapie verwendet.
Da ist die Kombination tatsächlich von Vorteil, oder besser gesagt wenn alles nichts mehr hilft, hilft in diesem Fall dieser Klassiker