Gab es ein Römerlager in Hemmern (Rüthen)?

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Plebejer, 16. Oktober 2020.

  1. Plebejer

    Plebejer Neues Mitglied

    Ach El Quijote,

    was für ein Klein-Klein. Wie schade, dass die Diskussion so schnell abrutscht zu solchen polemischen Unterstellung.

    Natürlich ohne dass
    Ich habe keinen Zweifel, dass ein Forum im anonymen Internet zu arger Polemik verleitet, aber das geht doch recht weit.
    Die im Moderatorbeitrag gezeigte Kurve der Wilhelmstraße ist NICHT Ausgangspunkt der vorgeworfenen Autosuggestion.
    [​IMG]

    Vielmehr sind es in Hemmern

    1. die Kantenverläufe des Areals zwischen den Straßen, zusammen mit den

    2. ansonsten willkürlich liegenden Wegabbiegungen an der NO Grenze, die zusammen ein trapezoides Rechteck umschreiben,

    3. die orthogonale und mittige Lage des „Alten Hellwegs“ und des diesen mittig kreuzenden „Brückenwegs“,

    4. der auf die Verbindung zum Haarweg hinweisende Straßenname „Alter Hellweg“,

    5. die orthogonale Bebauung innerhalb des Areals,

    6. der mit Kneblinghausen II deckungsgleich identische Verlauf in der Trapezkanten in Flächengröße, Winkel und Länge und

    7. nicht zuletzt der Bezug der Hauptachse, die von N-NW kommend den Hemmergrund links liegen lässt und direkt auf die noch mit Fuhrwerken befahrbare W-Ecke des Kalkabbruchs beim Kalkmagerrasen Meiste weist. Ab dort führt noch heute die Straße tlw. auf der Wasserscheide gerade bis zum Quellgrund des Hahnebachs, von dem der Verlauf der Wasserscheide trocken nach S-S-SW abbiegt. Genau diese Richtung führt in Kneblinghausen II vom NW-Tor zum SO-Tor.

    8. Nördlich der Abbiegung des Alten Hellwegs nach N-NO liegt die Ortsgrenze, die nach LIDAR den innerörtlichen Boden gegen das ca. 20 cm tiefere Feld abgrenzt. Die Grenze zeichnet sich mit einem etwa 15 bis 20 cm hohen und etwa 4 m breiten Rücken gegenüber einer außen davor 30 bis 35 cm tieferen und wieder etwa 4 m breiten Rinne ab. (Der Höhe und Tiefe beträgt 50% verglichen mit Kneblinghausen, aber Hemmern war nach der Hypothese über ca. 2000 Jahre bewohnt…) Dieser Rücken-Rinnen-Verlauf setzt sich über ca. 175 m vom der NO-Ecke bis hinter die kleinen Grundstücke NW des Alten Hellwegs fort.

    Und um Hemmern:

    1. Der „Alte Hellweg“ biegt nach der O-NO-Grenze als „Haarweg“ nach NO zum Anschluss an den Hellweg bei Wewer ab, wo der Weg wieder „Alter Hellweg“ heißt (Dieser Weg führt in knapp 30 km bis Anreppen, in 33 km nach Paderborn).

    2. Ab der Abbiegung nach der O-NO-Grenze setzt sich in der LIDAR-Darstellung eine Trasse auf dem linkem Hang entlang des Gosse-Tals bis nach Weine fort (Von Weine führt der Weg weiter über die Wasserscheide des Sintfelds mit geraden Feldwege nach Bleiwäsche, von wo nach Horst Braukmann, Soest, der Bördenweg bis nach Haarbrück vor der Weser führte und über Corvey ein Weg nach Waldgirmes bis Mainz abbog).

    3. Der orographisch rechts der Gosse verlaufende „Hornweg“ führt knapp an S-SO Kante des Areals entlang über den orographisch rechten Hang nach Weine (allerdings mit einigem Zick-Zack etwas umständlicher als 2.).

    4. Die heute von Hemmern nach SO führende Lindenstraße hat vor dem Kalkabbruch am Kalkmagerrasen meiste einen Knick nach S-SO. Die Verlängerung dieses folgenden Straßenabschnitts weißt genau auf den Brückenweg hin, der in weiter Richtung nach N-NW führte.

    5. Die späteren Ortsumführungen (vor 1836 und bis jetzt) verdecken den ehemaligen Anschluss des Alten Hellwegs an den Haarweg im W-SW. Genau 500 m vor Hemmern biegt der Haarweg ab der Kreuzung mit der linealgeraden Magdalenenstr. leicht nach O ab, um seit min. 1836 an die Grundstraße, bzw. die Straßenverlängerung zur Gossequelle zu führen. Der davor liegende Teil des Haarwegs weist genau auf den innerörtlichen „Alten Hellweg“. (Beginnend in Hemmern auf 343 m NHN erreicht der Haarweg nach W in 43 km, gerade über die trockene Wasserscheide verlaufend, Wickede a.d. Ruhr (164 m NHN). Von hier ist über Bergkamen (in 24 km) Xanten zu erreichen (in weiteren 92 km). Ab Wickede kann in 32 km Syburg (Drususfeldzug 14 v. Chr.) und in weiteren 78 km entlang der Wupper Köln am Rhein.

    6. Die späteren Ortsumführungen (vor 1836 und bis jetzt) versetzen den Verlauf der N-NW weisenden Hauptachse in Richtung Kellinghausen und Lippstadt etwas nach W. (Der Verlauf der Hauptachse in diese Richtung ist schon vor 1836 mit den Ortsumführungen unterbrochen. Dieser außerörtliche Verlauf ist in den LIDAR-Abbildungen der Ackerflächen nicht zu erkennen.

    All diese 13 Zusammenhänge (der 14. nicht mitgezählt) waren in den Anlagen genannt oder detailliert dargestellt. Nach den nachvollziehbaren Hinweisen auf Römische Provenienz kommen Sie nach Gaußscher Zufallsberechnung auf eine Wahrscheinlichkeit von 0 weil Sie diese alle nicht in ihrem Zusammenhang wahrgenommen haben, wie man lesen muss und an Ihren versuchten Zeichnungen erkennen kann. Sie haben nicht einmal die Lage des Trapezoids richtig erfasst, das Gelände viel zu weit im N und deutlich zu klein gezeichnet.
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    Alle Wegverläufe der Straßen aus der Uraufnahme von 1836 sind in die „Abb. 3. Die Germanischen Wege um den hinderlichen Ort“ in der PDF „2020-10-22 Plebejer Hemmern im Lauf der Zeit…“ genau übertragen (Die Uraufnahme zeigt im Geoportal NRW gegenüber den LIDAR-Koordinaten einen NW-Versatz von ca. 25 m auf, erkennbar u.a. an der Position der Kapelle (1). Die Wegverläufe lassen sich im ganzen (!) aber schlüssig in entgegengesetzter Richtung zu erkennbaren Bodenstrukturen versetzen.) Aber wer es eben nicht erkennen will, dem helfen alle Abbildungen nicht.
    upload_2020-10-26_15-20-31.jpeg
    Es gibt einen schönen Spruch, der dieses Phänomen beschreibt:
    „Das Auge ist blind für dass, was der Geist nicht sieht!“

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    Die Ihnen auffallende Parallelität der Straßenzüge richten sich am Verlauf des Baches aus. Nur: Der Bach erzeugte die Talsenke, der Haarweg folgt den topographischen Gegegebenheiten bis zur Abzweigung in Hemmern, von dem der Bördenweg nach Haarbrück führte. Also führte der (Haar- oder) Alte Hellweg mit der Trasse nach Weine zum Bördenweg oder nach Corvey etc. Dass diese Parallelitäten zwar ursächlich dem Bachverlauf und somit unmittelbar den Fernwegverläufen und mittelbar der orthogonalen (Römischen) Ortsanlage geschuldet sind, schließen Sie aus, oder etwa nicht?

    Das ist alles sehr auffallend und traurig
     
  2. Plebejer

    Plebejer Neues Mitglied

    Der Endpunkt beim Beispiel Glurns:

    Ihr Zitat aus Wikepedia zu Glurns ist natürlich (absichtlich?) gekürzt.

    Dort steht:
    „Glurns war schon in der Römerzeit ein Verkehrsknotenpunkt. Die Via Claudia Augusta verlief hier, ebenso ein Handelsweg in die nahe Schweiz. Die erste Ansiedlung, das Dorf Glurns, lag im westlichen Teil der heutigen Stadt zwischen Etschbrücke und Malser Tor…“

    Nach meinem Verständnis entstand Glurns somit nach der Stadthistorie als eine Römische Gründung an dem Verkehrsknotenpunkt der sich hier kreuzenden Römischen Straßen.

    Wer Glurns kennt, sieht im inneren gleich die orthogonale Anlage der Bauten und die exakt mittig liegende Kreuzung einer via principalis mit der via praetoria, den trapezoiden Grundriss der gotischen Wehranlage mit geraden Kanten und den mit Viertelkreisen abgerundeten Ecken, in denen die runden gotischen Wehrtürme stehen. Dass zu der heute sichtbaren gotischen Bebauung eine Römische Gründung auch nach der belegten Historie abgestritten wird, ist schlicht bizarr. Das Vinschgau war Aufmarschgebiet des Drusus, der aus dem Schweizer Engadin kommend das 71,4 km lange Etschtal bis zum Eisacktal und zum Brenner nach Innsbruck durchquerte.

    Abgesehen davon, dass Glurns wirklich sämtliche Kriterien für ein augustheisches Lager erfüllt und südlich des Reschenpass an der Kreuzung dieses Fernverbindungswegs nach N mit dem W-O Verlauf des Etsch liegt, einen besseren Platz für ein Lager hätten Römer niemals finden können. Sie konnten an einem Tag um die 20 km zurücklegen. Das Vinschgau verlangte mindestens 4 Tagesetappen, die die Leginäre wohl alle durchgemacht haben, denn es ist ja kein Rastlager im Vinschgau dokumentiert. Wer Italien etwas kennt, weiß, dass Römische Provenienz dort etwas normales ist. Etwas normales, was nicht den Abriss eines ansonsten seltenen, vollständig erhaltenen gotischen Stadtensembles gerechtfertigt hätte. Mein Gott, wie abhängig muss man sich von dem Schwarz-Weiß-Denken machen, um diese Argumentation anzunehmen und einen römischen Ursprung auszuschließen? Auch hier gilt „Das Auge ist blind für dass, was der Geist nicht sieht!“

    Es ist leider so, dass Sie Ihren Widerspruch mit einer merklichen Überheblichkeit vortragen und damit eine unsachliche und widerspenstige Stimmung deutlich wird. Das kann man nicht verkennen, wenn man sich diese Unterstellungen ansieht:

    Wer sich in diesem Kreis äußert, interessiert sich für die Geschichte und stellt Fragen und gibt Beiträge mit seinen Ideen. Mit dem Aufwand einen der Sache gerechtwerdenden Beitrag zu erstellen, kann jeder Teilnehmer eine wohlwollende Stimmung, Wertschätzung und entsprechende Moderation erwarten. Eine Diskussion mit diesen harten Bandagen, dieser Kleinlichkeiten hochspielenden Taktik, mit der sich jeder Ansatz, der noch nicht zur Dissertation gekommen ist, mit Hohn zerpflücken lässt, passt nicht zu so einem auch interessierten Laien zugänglichem Forum. Vielleicht war es einmal zur Kommunikation zu interessanten Themen der Geschichte gegründet worden. Schade drum.

    Von mir aus können wir die Diskussion beenden. Es würde mich wundern, von Ihnen noch etwas zu hören.

    Hasta la Vista


    PS
    Mir wäre es recht, wenn Sie meine Beiträge restlos (!) löschen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    ???
    Ich versteh nur Bahnhof?
    Wer unterstellt dir denn was?
    Darf man dir nicht widersprechen, ohne, dass du gleich Polemik vermutest?

    Es ist Tatsache, dass für Hemmern der Bach und die Höhenlinien das dass Ortsbbild bestimmenden Element sind.
    Die Straßen verlaufen entlang der Höhenlinien parallel zum Bach.

    Das sieht man zwar auch auf den LiDAR-Scans, aber wenn du dir mal eine Höhenkarte zur Hand nimmst, siehst du das noch besser.

    Ich habe in die Karte noch zwei Römerlager eingebaut. Eines, welches deine Römer gebaut hätten, eines, welches meine Römer gebaut hätten. Höhenlinienangaben habe ich schwarz umkringelt.

    hypothetisches Hemmern.jpg

    Bei deinem Lager hätte das Praetorium an der potentiell matschigsten Stelle des Lagers gestanden, jedenfalls an seiner tiefsten.
    Der Bach wäre kein Annäherungshinderni gewesen, stattdessen hätte er die Bewegung im Lager behindert. Westlich des Lagers und östlich des Lagers hätte es Punkte gegeben, die höher als das Lager gewesen wären.

    Schauen wir uns dagegen das Lager meiner Römer an: Es nutzt die topograhischen Gegebenheiten voll aus: Die Bachaue fungiert als Annäherungshindernis, die Langseiten verlaufen parallel zu den Höhenlinien, es besetzt den höchsten Punkt um Hemmern UND das Praetorium läge nicht an der tiefsten Stelle des Lagers, sondern etwa an der höchsten. (Die abgeknickte Ecke nur, weil ich das Lager nicht aus dem Bildausschnitt herausführen wollte.)

    Um das klar zu sagen: Ich sehe noch nichts, was für ein Römerlager dort spräche. Aber wenn die Römer in dem Bereich ein Standlager errichtet hätten, dann an einem Ort, wo der "Praetor" und sein Stab nicht die ersten gewesen wären, die nasse Füße bekommen hätten.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe doch gar nicht aus Wikipedia zitiert. Dementsprechend kann ich auch kein Wikipedia-Zitat kürzen.
    Was habe ich wirklich geschrieben?

    Egal, wie du es drehst und wendest, von einem drusianischen Ursprungs Glurns, wie du ihn behauptet hast, stand bisher in Wikipedia noch nichts drin. Auch auf südtiroler Historienseiten habe ich nix diesbezügl. finden können.

    Habe ich einen römischen Urspung ausgeschlossen, wie du behauptest? Nein. Ich habe geschrieben, dass es bis zur Besiedlung durch deutschsprachige Siedler 1200 Jahre Zeit gab, um einen rätoromanischen Namen zu bilden. Die ganze Zeitspanne vom Alpenfeldzug bis zur Ansiedlung deutschsprachiger Siedler war damit abgedeckt. Insofern ist also auch der Vorwurf haltlos, dass ich eine römische Siedlung ausgeschlossen hätte. Wer ist hier also "polemisch"?

    Ich habe in dem Schürr-Zitat sogar das "späteren Ursprungs" noch um den Verweis "[als die keltische Ortsnamenschicht]" ergänzt, gerade um einen falschen Eindruck (etwa 'später als die Römer') zu vermeiden. Wer ist hier also "polemisch"?

    Ein Verkehrsknotenpunkt ist kein Römerlager (nicht einmal zwingend eine Siedlung) und wenn ich mir die Tabula Peutingeriana ansehe, dann suche ich Colurnum vergebens... Von einem Verkehrsknotenpunkt würde ich mir das dann schon erwarten.

    Du dagegen manipulierst tatsächlich das Wikipediazitat. Nimmst den Absatz raus und die Datierung der Ersterwähnung.

    Tatsächlich macht der Wikipedia-Artikel hier einen Absatz:

    Glurns war schon in der Römerzeit ein Verkehrsknotenpunkt. Die Via Claudia Augusta verlief hier, ebenso ein Handelsweg in die nahe Schweiz.

    Die erste Ansiedlung, das Dorf Glurns, lag im westlichen Teil der heutigen Stadt zwischen Etschbrücke und Malser Tor. Die erste urkundliche Erwähnung „in vico Glurnis“ datiert von 1163.​

    Dadurch, dass Absatz und Datum der Ersterwähnung unterschlagen werden, entsteht ein ganz anderer Eindruck. Nicht, dass ich mich jetzt auf diesen Absatz würde einschießen wollen, aber wenn man jemand anders (zumal fälschlich!) Manipulation vorwirft, dann sollte man sich selber 150 %ig akkurat verhalten!!!
     
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig. Und in eben diesem Tal versenkst du dein Praetorium.
     
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  6. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Vielleicht gab es eine große Naturkatastrophe und der Bach verlagerte später seinen Lauf mitten durch das ehemalige Lager.
    (-:)
     
  7. Plebejer

    Plebejer Neues Mitglied

    Sie sollten sich hüten, Ihre Häme so zu verbreiten. Ihre Einwände sind nur Halbwahrheiten, die leicht zu entkräften sind, aber Sie machen damit üble Stimmung. Hier:
    Sehr schön spitzfindig. Nur das eine erste urkundliche Erwähnung bei den meisten Römischen Heerlagern nicht zur Zeit der Okkupation dokumentiert wurde...
    und zur Lage des Praetoriums:
    Sie wissen so gut wie ich, dass das praetorium an der Kreuzung der via praetoria und der via principalis zu suchen ist, und die ist in Hemmern am Alten Hellweg. Dort kann man sehen, dass die Senke für den Quellbereich einige Meter tiefer liegt.

    Man hat keine Lust mehr irgendwas zu schreiben. Vor Ihrem Umgangston kann man nur warnen. Ich jedenfalls habe keine Lust der Selbstbeweihräucherung im Elfenbeinturm auch noch Vorschub zu leisten und verlange, dass meine Beiträge gelöscht werden.

    Eine Diskussion muss und darf man so nicht führen. Wie geschrieben: Eine wohlwollende Stimmung ist beizuhalten. Im Grunde gelten für Sie die selben Regeln wie für Talkmaster. Sie sollten Ihre Gesprächspartner nicht vorführen.
     
  8. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Noch einmal: Die Römerstrassen im gesamten Vinschau laufen auf dem Nordufer, dem orographisch linken Ufer der Etsch. An der Töll (Telonium), dem Ende des Vinschgaus, war eine Brücke über die Etsch, auf dem südlichen Ufer gibt's im Wald eine mutmasslich römische Wagenspur.
    Partschins, Naturns, Staben,(Ausnahme unter den bedeutenderen Orten: Latsch), Schlanders, Tarscher Bühel, Mals: alle auf dem Nordufer.
    Und wenn Du mal auf der Seite der Nörderberge (= südlich der Etsch) nasse Füsse hast, verstehst Du warum Wege, Ortschaften und Wohlstand auf der Sonnenseite (= nördlich der Etsch) waren.
    Für das nahe Münstertal mit St. Johann und mit Müstair gilt ähnliches.
    Auch die rätischen Heiligtümer, Ortschaften, die Überreste der Fritzens-Sanzeno-Kultur, die Burgställe und die wunderbar erhaltenen Viehpferche: auf dem Nordufer.
    Du kannst Spielkarten auf der Landkarte auslegen und in planmäßig angelegten mittelalterlichen Orten wie Glurns daraus ein römisches Kastell machen: die Drususfeldzüge waren anders. Schau Dir an wie die Römer den schweizerischen Walensee und sein Hinterland mit ihren eher burgusartigen Wachttürmen unter Kontrolle brachten.
     
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  9. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Lieber Plebejer, die hier mitwirkenden Foristen beschäftigen sich schon sehr lange mit Römerlagern. Und es gibt nun mal einige Grundregeln für deren Anlage. Diese sind verteidigungstechnischer Art, aber natürlich auch rein praktischer Natur. Ein Prätorium bekam in der Regel einen bevorzugten Standort. Solltest du ein Beispiel finden, dass davon abgewichen wurde, so stell das bitte vor. Bis dahin musst du allerdings damit leben, dass allzu abwegige Meinungen auch manchmal belächelt werden.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich verbreite keine Häme. Ich frage dich, warum du glaubst, dass die Römer ein Lager über einer Senke errichteten mit einem Bach mitten durchs Lager und dem Praetorium am Tiefpunkt des Lagers, anstatt 400 m weiter, perfekt am Kamm ausgerichtet, mit dem Bach als Annäherungshindernis und den höchsten Punkt besetzend. Wenn du eine so einfache Frage für Häme hältst, ist das allein dein Problem. Tatsächlich weise ich dich bloß auf die Schwachpunkte deiner These hin. Wenn dein Mathelehrer dir zu verstehen gibt, dass 1+1 nicht 3 sondern 2 ist, dann ist das ja auch keine Häme.
    Wenn die Frage nicht legitim ist, dann hast du hier und jetzt Gelegenheit, zu erklären, warum.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hier muss ich zurückrudern, Glurns kann auf der TP schon deshalb nicht verzeichnet sein, weil die Via Claudia Augusta auf der Karte nicht auftaucht.
     
  12. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Eine römische Station wurde im Waldgebiet der Malser Haide geortet.

    Quelle: Christoph Tschaikner - Fern-Wander-Route Via Claudia Augusta, 2020
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2020
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  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Noch bessere Informationen gibt es hier:
    G. Grabherr, B. Kainrath (Hrsg.), conquiescamus! Longum iter fecimus. Römische Raststationen und Straßeninfrastruktur im Ostalpenraum, IKARUS 6, Innsbrucker klassisch-archäologische Universitätsschriften (Innsbruck 2010)
     
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  14. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Schaut Euch das Relief an und nicht nur die Karte. Glurns ist unten im Tal, in einem sumpfigen und früher überschwemmungsgefährdeten Gebiet der Einmündung des das gesamte schweizerische Münstertal bis zum Ofenpass entwässernden Rambachs. Und dann schaut Euch die riesige Malser Haide an, von der man in der Tiefe das kleine, fernab vom Weg liegende, unbedeutende und wunderschöne Glurns mehr ahnt als sieht.
    Die Römer hatten durchaus eine Vorstellung von effizientem Strassenbau und Topographie.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Laut einer Präsenation von Hannes Obermaier (Hannes Obermair – Wikipedia ) ist die Geschichte von Glurns die:
    borgo 12-13 sec.,
    ecclesiasticamente vescovo di Coira, politicamente conti di Tirolo
    1291 diritti di piazza mercato
    1304 città (stat ze glurens)
    1309 porte, 1321 muro

    Borgo könnte man nun denken, ist die Burg, aber die Definition von borgo ist: termine generico per indicare un piccolo centro abitato - also ein „allgemeiner Begriff, um ein kleines bewohntes Zentrum zu beschreiben“.

    Also:
    12./13. Jhdt. ist Glurns ein kleines bewohntes Zentrum, das kirch(enrecht)lich dem Bischof von Coira, politisch den Grafen von Tirol unterstellt war.
    1291 erhält es das Marktrecht
    1304 wird es zur Stadt erhoben und erhält in diesem Zuge auch die Stadtbefestigung, nämlich beginnend mit den Toren, 1309 und schließlich mit der Mauer 1321.

    Die heutige Mauer stammt aus der Zeit nach der maximilianischen Niederlage von Calven 1499.
     
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  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Noch einmal Glurns.

    Ich habe mir folgende Literatur besorgt: Die Sonderausgabe des Schlern (eine südtiroler Geschichtszeitschrift) zu Glurns (2004) und einen Artikel von Martin Mittermair über die Stadtmauer von Glurns, der in einer Festschrift für Hans Nothdurfter zum 75. Geburtstag erschienen ist.

    Danach wurde Glurns in der Nähe der Oberen Straße (= Via Claudia Augusta) in einer feuchten Niederung gegründet (ein Ort, wo Römer i.d.R. keine Lager oder gar Städte gründeten), zunächst als kleine bäuerliche Ansiedlung mit einzelnen Wohntürmen, als einzigem fortifikatorischem Merkmal.

    Dann kam der Bartholomäus-Markt hinzu, das Marktrecht war grundlegend für Stadtwerdung und Bau der ersten Mauer von Glurns. Von den Autoren des Schlern wird Glurns danach in die Riege der mittelalterlichen Planstädte eingeordnet.
    Die zweite Mauer (durch Maximilian nach der Calvenschlacht und der Plünderung des Marktflecken Glurns errichtet) folgt in Teilen dem Verlauf der ersten Mauer, anderswo weicht sie davon ab.
    Der westliche Annex (der, wenn ich Plebejer richtig verstanden habe, aber das müsste Plebejer entweder bestätigen oder dem widersprechen, das ursprüngliche on ihm dort verortete Römerlager darstellen soll) ist, wenn ich Mittermair richtig verstanden habe, der jüngste Annex der ummauerten Stadt.

    [edit: Fehler meinerseits gelöscht. Es ging um die Jakobskapelle mit Fresken, die um 1200 datiert werden, aber diese Kapelle liegt ebenfalls extramuros, die Fresken des überbauten Altbaus sind offenbar behutsam niedergelegt worden, was an und für sich sehr interessant ist, aber zum Thema nichts beiträgt.]

    Obwohl die Schlernausgabe 2004 zum 700jährigen Jubiläum der Stadtwerdung 1304 erschien, wird in einem der Artikel dafür argumentiert, dass Glurns bereits einige Jahre früher zur Stadt erhoben wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2020
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