Getränke im alten Ägypten

Dieses Thema im Forum "Das Alte Ägypten" wurde erstellt von wissenschaftler, 18. Dezember 2007.

  1. wissenschaftler

    wissenschaftler Neues Mitglied

    Was tranken Pharao und Co. ?
     
  2. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Die alten Ägypter tranken hauptsächlich Bier. Hierzu bin ich mal dreist und kopiere meinen eigenen Beitrag aus dem Thread Bier aus der Bronzezeit:

    Das Lexikon der Ägyptologie nennt weitere Getränke:

    nDm (Nedschem) - wohl Johannisfrucht-Bier
    pxA (Pecha) - aus einer Getreideart
    sxp.t/Spn.t (Sechepet, Schepenet) - aus Mohn
    Dsr.t (Dscheseret) - aus einer gegen Asthma benutzten Pflanze
    Ein Getränk, das mit dem "wAs-Zeichen auf Standarte" geschrieben wird.
    xnms (Chenemes) - aus Gerste
    sSr (Sescher) - Molke
    smi (Semi) - Dickmilch
    sdH (Sedech) - wohl Granatapfelwein
    srmt (Seremet) - ein Dattelgetränk

    Außerdem Milch, Dattelwein, sowie Wein aus Weintrauben. Wein galt dabei als vornehmstes Getränk.

    Interessanterweise erscheint Wasser als Getränk eher selten, am ehesten in der Wüste. Wasser tritt jedoch häufig in religiösem Kontext bei Libationsriten auf. Auch die Arbeitersiedlung Deir el-Medineh wurde mit Wasser beliefert, allerdings ist unklar, ob das Wasser nicht lediglich zum Kochen benutzt wurde.

    Noch kurz ein paar Infos zum Wein:

    Wein ist in Ägypten schon aus prädynastischer Zeit bekannt; da Weinstöcke jedoch nicht zur heimischen Pflanzenwelt Ägyptens zählen ist anzunehmen, dass sie schon in prädynastischer Zeit aus dem syro-palästinensischen Raum importiert wurden. Wein wurde aus klimatischen Gründen v.a. im Delta und den Oasen angebaut.

    LG
    Die_Schweigende
     
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  3. Mina

    Mina Gast

    Wenn die Ägypter wirklich soviel Wein und Bier getrunken haben, waren sie ja ständig betrunken. Ich hab da noch ne andere Frage und zwar: Wie haben die Ägypter denn überhaupt so viel Wasser gewinnen können? Das Nilwasser werden sie ja wohl kaum getrunken haben, oder etwa doch?
    LG, Mina
     
  4. tejason

    tejason Aktives Mitglied


    Fraglich ob es in Ägypten mit seiner damals bereits sehr hohen Bevölkerungsdichte so sehr viele Ausweichmöglichkeiten gegeben hat? Das Thema erinnert mich an China, wo die Bevölkerung vor allem grünen Tee trinkt. In einem Fernsehbeitrag darüber wurde einmal betont, wie auf diese Weise das ansonsten gesundheitlich sehr bedenkliche Wasser am Gelben Fluß abgekocht und damit bekömmlicher gemacht wird. Indem die Ägypter daraus Getränke zubereiteten, mag es vielleicht einen ähnlichen Effekt gegeben haben?
     
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ist so; im Mittelalter wurde in den europäischen Städten auch vor allem Bier getrunken, weil das Wasser einfach nciht zu genießen war; der Brauprozess tötet wohl schädliche Bakterien, ähnlich dem Abkochen.

    Übrigens wurde in Mesopotamien (ähnlich wie in Ägypten, glaub ich) das "Bier", das mit unserem Bier wohl nur gemein hat, dass es aus Getreide gebraut wird, durch einen Strohalm konsumiert. Ob das an den Schwebteilchen lag (ein Strohhalm wirkt hier wie ein Filter), oder ob dadurch die berauschende Wirkung gesteigert werden sollte, weiß ich nicht.
     
  6. Mina

    Mina Gast

    D.h. Sie haben das Wasser aus dem Nil verwendet, um andere Getränke zuzubereiten, es aber nicht direkt getrunken?
     
  7. Caecilia

    Caecilia Gast

    Zu dem Thema habe ich bei T.G.H. James "Das Leben der alten Ägypter" unter seiner Quelle, welche sich auf H. Ricke "Der Grundriß des Amarna-Wohnhauses, 45; City of Akhenaten, I, 48; City of Akhenaten, II, 61" bezieht, folgendes gefunden - das Wichtigste schreibe ich mal ab:
    "Die Wasserversorgung von Achetaton wurde durch Brunnen gewährleistet, die letztlich vom Nilwasser gespeist wurden, das den Untergrund infiltrierte.
    Viele der größeren Anwesen besaßen ihre eigenen Brunnen. Die meisten Häuser versorgten sich jedoch mit dem Wasser aus den öffentlichen Brunnen, die sorgfältig gegraben und mit eigens dafür errichteten Brunnenhäusern versehen waren. Eine Treppe führte dem kreisförmigen Rand des ausgehobenen Schachtes entlang hinunter zu einer Plattform, die sich über dem Wasserspiegel und gewöhnlich etwa acht Meter unter dem Boden befand...
    ...In der Arbeitersiedlung von Theben, Der el-Medine, war die Wasserversorgung weit schwieriger. Hoch in einer felsigen Senke und fern von Nil und Ackerbau gelegen, fehlte diesem Dorf die Möglichkeit, Brunnen zu graben. Sämtliches Wasser mußte auf Eselsrücken oder von Hand aus dem Tal herauf geschleppt werden. Rings um die Hauptsiedlung gab es Wasserstellen, an denen große Keramikbehälter das kostbare Naß bargen. Von hier aus pflegte das Wasser an die einzelnen Haushalte im Dorf oder an Zwischenstellen innerhalb der Siedlung ausgeteilt worden zu sein."

    Das LÄ schwieg sich zu dem Thema Wasser (zum Trinken und Kochen) bei mir erstaunlicherweise wirklich aus, ich werde mich aber weiter schlau machen und bei einem positiven Ergebnis hier noch einmal berichten.
    Mehr habe ich auf die Schnelle nicht gefunden.

    (Rein intuitiv bin ich aber der Meinung daß sie sehr wohl Wasser getrunken haben und es nicht nur zum Kochen benutzt haben.
    Der Nil war kein Fluß den alle zum Pieseln und Kacken - tschuldigung :rotwerd: - mißbraucht haben, daher wird er schon nicht so dreckig und bakterienverseucht gewesen sein. Bilharziose ist zwar ein anderes Thema, soweit mir aber bekannt ist dringt der Erreger durch die Haut ein).

    links zur Bilharziose: Schistosomiasis - Wikipedia
    und: Bilharziose - Onmeda: Medizin und Gesundheit
    und: Bilharziose - Ursachen
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Dezember 2007
  8. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Brunnenbau war damals schon bekannt und wurde auch praktiziert. Der Nil war keineswegs die einzige Wasserquelle.
    Zudem ist das Wasser in der vorindustriellen Zeit bei weitem nicht so chemisch verseucht wie heute.
    Einzige Gefahr im Wasser bestand durch natürliche Prozesse, wie Verwesung, Exkremente, u.ä.
    Weiters waren die Menschen damals nicht so wählerisch. Heute ekeln wir uns, wenn kein glasklares Wasser im Glas ist.
    Lässt man zum Beispiel Mineralwasser drei Tage im Sommer in der geöffneten (aber zugeschraubten) Flasche und nicht im Kühlschrank ist dieses Wasser mit ähnlich vielen "Keimen" besetzt, wie das Wasser aus dem Rhein oder Nil. Trotzdem sterben wir nicht davon.
     
  9. Mina

    Mina Gast

    Danke für die ausführlichen Antworten :)
     
  10. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Die genannten Brunnen bestanden letztlich fast alle aus Sickerschächten, in denen das Nilwasser durch das umgebende Erdreich abgefiltert war. Dergleichen wird auch in Caesars "Alexandrinischem Krieg" erwähnt, als die belagernden Feinde dieses durch Meerwasser verseuchten. Die entstehende Panik bei Caesars Truppen als dies entdeckt wurde spricht einiges über die Qualität des Nilwassers, durch das gewiss auch Fäkalien abtransportiert wurde. Weiterhin verschmutzte das Wasser bestimmt auch periodisch durch das bekannte, sehr regelnäßige Hochwasser. Irgendwie muss man die Wasserversorgung trotzdem aufrecht erhalten haben. Im Falle Caesars hat man neue Brunnen gegraben, wodurch man nicht länger auf die 'Hausbrunnen' angewiesen war.
     
  11. Selene

    Selene Aktives Mitglied

  12. Astrofratz

    Astrofratz Neues Mitglied

    Der da trinkt ist aber kein Ägypter. Die Haartracht, der Trinkhalm und die Lanze zeigen eigentlich, dass er keiner ist. Mir fällt verdammt nochmal nicht ein obs nun ein Punier, Babylonier oder sowas war. Dieses Bild war damals als ich im Museum gearbeitet hatte in der Ausstellung "Pharao siegt immer".

    Zu dem Trinken. Ich bin ja in Tadschikistan aufgewachsen und muss dazu sagen. Wir haben das Wasser auch aus dem Fluss getrunken. Heute würde ich mich ekeln das Wasser zu trinken, aber damals war es ganz egal, dass es gelb war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. April 2008
  13. Selene

    Selene Aktives Mitglied

    Ich habe eine Bildbeschriftung gefunden die ich jetzt mal wiedergebe ohne zu wissen, ob das stimmt:
    'A Syrian soldier serving the pharaoh Akhenaten is sitting drinking beer through a syphon' :schau:
     
  14. Astrofratz

    Astrofratz Neues Mitglied

    Jaaaa klar ein Syrier. Kommt davon wenn man so lange nicht mehr im Geschäft ist.

    ....wie hiesen die Steine doch gleich die überall rumstehen...
     
  15. Selene

    Selene Aktives Mitglied

    Das wäre jetzt von Ausgangsfrage abweichend, aber meinst du die Talatat?
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man hat jetzt in Ägypten im Übrigen eine unterirdische "Brauerei" aus der Zeit Narmers freigelegt, die wohl zu einem Kultzentrum gehörte.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  18. Selene

    Selene Aktives Mitglied

    Hier nochmal die Abbildung, denn der alte Link ist ungültig:
    Ein Syrer beim Weintrinken und die "Herrin des Hauses", eine Ägypterin (?).
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2021
    Ravenik gefällt das.
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der Gebrauch von Palmwein dürfte auch den Ägyptern bekannt gewesen sein. Zur Herstellung von Palmwein oder Toddy eignen sich die Zucker-, Dattel-, Kokos- und Ölpalme. Die Herstellung ist denkbar einfach: es werden die Blütenstände abgeschlagen oder abgeklopft und die Palme so "angezapft".

    Der Palmsaft vergärt recht schnell und ohne dass dazu Hefe nötig wäre. Palmsaft, bzw. Palmwein wird auch gerne von verschiedenen Tierarten genutzt, Schimpansen, Lippenbären und Elefanten berauschen sich regelrecht. Der Geschmack von Toddy erinnert an frischen Traubenmost. Eine Palme kann in bestimmten Abstand mehrere Liter Toddy liefern. Das einzige Problem war die kurze Haltbarkeit, weshalb es bis vor wenigen Jahrzehnten Palmwein nur in der Nähe von Gebieten gab, in denen Palmen kultiviert werden. Durch Pasteurisierung kann das Getränk länger haltbar gemacht werden, und viele "Dritte Welt-Läden oder Reformhäuser verkaufen in Flaschen abgefüllten Toddy.

    Hauptsächlich aus Toddy, mancherorts auch aus Reismaische oder einer Kombination aus Reismaische und Palmwein wurde und wird Arrak gebrannt. Im 18. und frühen Jahrhundert war Arrak eine sehr beliebte und geschätzte Spirituose, die in der Beliebtheit noch vor Whiskey, Brandy und Rum lag.

    Die Dattelpalme ist seit Jahrtausenden in Ägypten heimisch, schwierig und nicht ganz ungefährlich war eigentlich nur das erklettern der Palme.
    Ich habe von Ägyptologie wirklich keinen Dunst, allenfalls Rudimentärkenntnisse, aber wenn ich mich nicht täusche gibt es einen Hieroglyphentext, in dem Toddy erwähnt wird, als Getränk, um Kranke zu stärken.
     

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