Und aus diesem das Fazit:
...man fragt sich, wie Hannibals Routenplaner auf diese "bioenergetisch" beste Strecke hätten kommen sollen/können...
Ich bin kein Hannibal-Experte, aber in dem Artikel steht, dass die Elefanten mehrheitlich die Alpenüberquerung überlebten.
Ich dachte immer, dass Hannibal in Italien gar nicht mehr viele Elefanten zur Verfügung hatte, dass er einen "Syrus" genannten Elefanten, vielleicht ein indischer Elefant eher als Maskottchen benutzte, und bei seinen großen Schlachten, am Ticinus, am Trasimenischen See und bei Cannae Kriegselefanten gar keine Rolle spielten.
Wo dann tatsächlich Elefanten eine Rolle spielten, war 202 bei Zama als die Römer u. a. auch 80 Kriegselefanten mitbrachten.
Elefanten können Kälte ertragen, und sie passieren schwieriges Gelände, das man ihnen kaum zutrauen würde, aber sie sind schlechte Futterverwerter. Sie brauchen Unmengen an Grünfutter, und sie brauchen enorme Zeit, um zu fressen, brauchen Ruhepausen.
Bei Verwundungen infizieren sie sich schnell. Von Hannibals Armee ist ein großer Teil auf der Strecke geblieben, das waren enorme Verluste, fast die Hälfte seiner Armee soll Hannibal beim Alpenübergang verloren haben, Verluste durchaus vergleichbar mit denen der Grande Armee.
Die Alpenüberquerung war jedenfalls eine große Strapaze. Bei diesen hohen Verlustzahlen fällt es zumindest mir schwer, zu glauben, dass ausgerechnet die Elefanten mehrheitlich durchkamen, während ein Großteil der Armee auf der Strecke blieb.
Ich halte die These einer bioenergetischen Routenplanung für Unsinn. Man wird die Route gewählt haben, wo man am einfachsten durchkam, wo der Weg frei war, wo am wenigsten Widerstand von Bergstämmen zu erwarten war, wo man Lebensmittel, einheimische Führer, Hiwis trifft.
Welche Route das nun war, das lässt sich nicht mit einer bioenergetischen Schätzung rekonstruieren, dafür sind einfach in dieser Rechnung viel zu viele Unbekannte enthalten. Man weiß eben nicht, wie die Lage und die Verfügbarkeit von Futter vor Ort vor mehr als 2000 Jahren aussah, man weiß nicht, wie die Reaktionen der Einheimischen waren, wie es mit Widerstand aussah, wie es mit der Verfügbarkeit von Futter aussah, wo man Unterstützung erwarten konnte. Man passt auch nicht die Reiseroute den Elefanten an, die Elefanten müssen sich der Reiseroute anpassen, auf der man die meisten Männer und Pferde durchbringt, wenn sie durchkommen gut, wenn sie krepieren, haben sie Pech gehabt. Den Krieg und die Schlachten gewinnt man mit Männern und mit Kavallerie, ein paar Kriegselefanten, um die Römer zu erschrecken, ist ganz nett, aber Elefanten kann man längst nicht so allroundmäßig einsetzen wie Pferde. Mit einem Pferd kann man über mehrere Tage lang täglich 50 km und mehr zurücklegen und sie sind dann immer noch fit, um in die Schlacht zu reiten, mit Elefanten ist das nicht möglich, sie brauchen lange Ruhepausen und Pausen zum fressen und verdauen. Es braucht 20 Jahre, bis ein Elefant ausgewachsen ist, Elefanten sind wirkungsvoll, sie haben aber eine Menge Nachteile in der Kosten/Nutzen-Abwägung, sie drehen schnell durch und sind dann unberechenbar.
Aus diesen Gründen halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass man die Marschroute den Befindlichkeiten der Elefanten anpasste, man wird die Strecke gewählt haben, wo man am leichtesten durchkam, die aber lässt sich nicht nach über 2000 Jahren rekonstruieren, und welches die bioenergetisch günstigste gewesen ist, wenn man gar nicht weiß, wie es vor Ort aussah.