Hannibals Elefanten

Carolus hatte schon vor etwa zwei Wochen darauf aufmerksam gemacht.

Der Beitrag von ntv ist etwas präziser, als der des Spiegel, wartet mit Informationen auf, die der Spiegel-Artikel uns nicht gibt. Was mich aber wundert, ist das Herumreiten darauf, dass das der erste physische Beweis für Elefanten im Heer Hanniba'als sei.

In Spanien graben Archäologen einen Knochen aus, der ein erster physischer Beweis für die Existenz dieser Tiere in Europa zu dieser Zeit sein könnte.​
[...]​
Bisher gab es lediglich schriftliche und ikonografische Belege für den Einsatz von Elefanten in dieser Region zu dieser Zeit.​
[...]​
Gleichzeitig liefert der Knochen den ersten physischen Beweis für die Existenz der Kriegselefanten. "Der Knochen könnte sich als wegweisend erweisen", wird Sánchez, der die Studie leitete, zitiert. Bislang habe es "keine direkten archäologischen Belege für die Nutzung dieser Tiere gegeben". Doch durch den beschriebenen Elefantenknochen könnte das nun anders sein.​

Es mag ja korrekt sein, dass dies der erste physische Beleg ist, aber hat jemals jemand bezweifelt, dass Hanniba'al Kriegselefanten hatte? Dieses Herumreiten wirkt fast so....
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Etwas anderes:
Ich weiß, ich bin jetzt gerade ein besonders spitzfindiger Klugscheißer, aber folgende Aussage stört mich:

Der Knochen wurde bereits 2020 an der Ausgrabungsstätte eines alten befestigten Dorfes in der Nähe der südspanischen Stadt Córdoba ausgegraben.​

Der Satz ist gleichzeitig richtig und falsch. Also der Satz würde stimmen, wenn man Córdoba durch "die römische Kolonie Corduba" ersetzen würde. In der Nähe der römischen Kolonie Corduba hat man den Knochen gefunden. Aber auf dem Gelände des Provinzkrankenhauses von Córdoba, das in der Stadt Córdoba liegt. Zudem hat das Oppidum, das an dieser Stelle, der Colina de Quemados lag, vermutlich bereits Corduba geheißen, war eigentlich das originale Córdoba. Siehe dazu auch meine Skizze, die ich zur Veranschaulichung von Carolus' Beitrag erstellt habe. (Erst schlauschietende Spitzfindigkeit, dann auch noch Eigenlob, ja, ja....)

Diese Information ist beispielsweise neu:

Am Fundort könnte es zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen sein, bei denen auch der Elefant starb, schreibt das Team. Dafür sprechen auch 12 Steinkugeln, die ebenfalls ausgegraben wurden. Die Forscher und Forscherinnen gehen davon aus, dass es sich dabei um Munition für karthagische Katapulte handelt.​
 
Im Artikel findet sich außerdem wieder einmal diese (in Artikeln über Hannibal fast obligatorische) Mär:
„Mit diesem überaus beschwerlichen Weg wollte der karthagische Feldherr die Römer überraschen und überwältigen.“
(Oft heißt es auch einfach, die Römer seien überrascht worden.)

Wir können zwar nicht in Hannibals Kopf hineinsehen, aber er müsste ein ziemlicher Idiot gewesen sein (was er sicherlich nicht war), wenn er geglaubt hätte, die Römer würden seinen Anmarsch nicht bemerken.
Bemerkt haben sie ihn jedenfalls und versuchten Hannibal bereits unterwegs abzufangen.
 
Alles in allem ein etwas seltsamer Artikel, vor allem der letzte Absatz.
 
Ich fand die Überquerung der Rhone, mit der ganzen Armee und den Elefanten, fast so beeindruckend wie die Überquerung der Alpen.
 
Ist es eigentlich denkbar, das Hannibal sein Heer geteilt hat und mehrere Alpenübergänge benutzt hat, oder schließen die Quellen und Funde das aus?
 
Hier ist er wissenschaftliche Artikel, leider nur der Teaser 8Bezahlschranke).


López-García, C., & Martínez-Navarro, B. (2026). The elephant in the oppidum. Preliminary analysis of a carpal bone from a Punic context at the archaeological site of Colina de los Quemados (Córdoba, Spain). Journal of Archaeological Science: Reports, 65, Artikel 104523. https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2026.104523
 
López-García, C., & Martínez-Navarro, B. (2026). The elephant in the oppidum. Preliminary analysis of a carpal bone from a Punic context at the archaeological site of Colina de los Quemados (Córdoba, Spain). Journal of Archaeological Science: Reports, 65, Artikel 104523. https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2026.104523
Da hat sich vermutlich ein Kopierfehler eingeschlichen.
 
Im Artikel findet sich außerdem wieder einmal diese (in Artikeln über Hannibal fast obligatorische) Mär:
„Mit diesem überaus beschwerlichen Weg wollte der karthagische Feldherr die Römer überraschen und überwältigen.“
(Oft heißt es auch einfach, die Römer seien überrascht worden.)

Wir können zwar nicht in Hannibals Kopf hineinsehen, aber er müsste ein ziemlicher Idiot gewesen sein (was er sicherlich nicht war), wenn er geglaubt hätte, die Römer würden seinen Anmarsch nicht bemerken.
Bemerkt haben sie ihn jedenfalls und versuchten Hannibal bereits unterwegs abzufangen.
Das verstehe ich nicht. Wieso hätte Hannibal ein Idiot sein müssen um das zu glauben. Woher wußten die Römer das Hannibal kommt?
 
Weil sie natürlich die Vorgänge in ihrer weiteren Umgebung mitverfolgten (z.B. in Saguntum). Als Hannibal durch Südgallien marschierte, befand man sich obendrein bereits im Kriegszustand. In Südgallien befand sich außerdem Roms Verbündeter Massalia.

Dass Hannibal den Landweg nahm, hatte wohl einen ganz banalen Grund: Den Karthagern fehlten wohl schlichtweg die Kapazitäten, um sein Heer auf dem Seeweg von Spanien nach Italien zu bringen (und dabei noch der römischen Seemacht zu entgehen). Aus der ehemaligen Seemacht war primär eine Landmacht geworden.
 
Dazu ein interessanter Artikel vom Standard.
Und aus diesem das Fazit:
Bewiesen sei damit freilich nichts, die energetische Rechnung liefere jedoch eine starke logistische Grundlage, so die Forscher: Von allen denkbaren Wegen über die Alpen war die Traversette derjenige, der ein Heer samt Elefanten am wenigsten Kraft gekostet hätte. Ob Hannibal diesen Weg tatsächlich nahm, können nur archäologische Funde belegen – aber nun hat man weitere gute Argumente dafür, wo man genauer hinsehen sollte.
...man fragt sich, wie Hannibals Routenplaner auf diese "bioenergetisch" beste Strecke hätten kommen sollen/können...
 
„Mit diesem überaus beschwerlichen Weg wollte der karthagische Feldherr die Römer überraschen und überwältigen.“
(Oft heißt es auch einfach, die Römer seien überrascht worden.)

Wir können zwar nicht in Hannibals Kopf hineinsehen, aber er müsste ein ziemlicher Idiot gewesen sein (was er sicherlich nicht war), wenn er geglaubt hätte, die Römer würden seinen Anmarsch nicht bemerken.
Weil sie natürlich die Vorgänge in ihrer weiteren Umgebung mitverfolgten (z.B. in Saguntum). Als Hannibal durch Südgallien marschierte, befand man sich obendrein bereits im Kriegszustand. In Südgallien befand sich außerdem Roms Verbündeter Massalia.

Dass Hannibal den Landweg nahm, hatte wohl einen ganz banalen Grund: Den Karthagern fehlten wohl schlichtweg die Kapazitäten, um sein Heer auf dem Seeweg von Spanien nach Italien zu bringen (und dabei noch der römischen Seemacht zu entgehen). Aus der ehemaligen Seemacht war primär eine Landmacht geworden.
Ich hab das mit der "Überraschung" der Römer immer so verstanden, dass diese vor Hannibals Aufbruch nicht erwartet hatten, mit den Karthagern in Italien konfrontiert zu werden, grade weil sie die Seewege beherrschten; nicht, dass Hannibals Armee wie eine Kommandoeinheit vorgingen ohne dass die Römer sie überhaupt bemerkt hätten. Gut, am Trasimenischen See hat Hannibal kurzfristig sogar das hinbekommen...

Der Fortgang der Ereignisse macht klar, dass es darauf aber gar nicht ankam. Ein paar Jahre, nachdem Hannibal in Italien angekommen war, sollte sich die Überraschung ja hinreichend gelegt haben, alleine, mit Hannibal fertig wurden die Römer auch dann noch nicht...
 
Ja, die Römer gingen sicherlich davon aus, den Krieg in Spanien und Afrika zu führen. (Auch) deshalb wird Hannibal ihn nach Italien getragen haben, um die Römer dort zu binden. (Zumal sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hatte, dass, wenn Feinde im karthagischen Kernland standen, es mit der Loyalität ihrer dortigen Untertanen oft nicht weit her war.)
 
Und aus diesem das Fazit:

...man fragt sich, wie Hannibals Routenplaner auf diese "bioenergetisch" beste Strecke hätten kommen sollen/können...

Ich bin kein Hannibal-Experte, aber in dem Artikel steht, dass die Elefanten mehrheitlich die Alpenüberquerung überlebten.
Ich dachte immer, dass Hannibal in Italien gar nicht mehr viele Elefanten zur Verfügung hatte, dass er einen "Syrus" genannten Elefanten, vielleicht ein indischer Elefant eher als Maskottchen benutzte, und bei seinen großen Schlachten, am Ticinus, am Trasimenischen See und bei Cannae Kriegselefanten gar keine Rolle spielten.

Wo dann tatsächlich Elefanten eine Rolle spielten, war 202 bei Zama als die Römer u. a. auch 80 Kriegselefanten mitbrachten.

Elefanten können Kälte ertragen, und sie passieren schwieriges Gelände, das man ihnen kaum zutrauen würde, aber sie sind schlechte Futterverwerter. Sie brauchen Unmengen an Grünfutter, und sie brauchen enorme Zeit, um zu fressen, brauchen Ruhepausen.

Bei Verwundungen infizieren sie sich schnell. Von Hannibals Armee ist ein großer Teil auf der Strecke geblieben, das waren enorme Verluste, fast die Hälfte seiner Armee soll Hannibal beim Alpenübergang verloren haben, Verluste durchaus vergleichbar mit denen der Grande Armee.

Die Alpenüberquerung war jedenfalls eine große Strapaze. Bei diesen hohen Verlustzahlen fällt es zumindest mir schwer, zu glauben, dass ausgerechnet die Elefanten mehrheitlich durchkamen, während ein Großteil der Armee auf der Strecke blieb.

Ich halte die These einer bioenergetischen Routenplanung für Unsinn. Man wird die Route gewählt haben, wo man am einfachsten durchkam, wo der Weg frei war, wo am wenigsten Widerstand von Bergstämmen zu erwarten war, wo man Lebensmittel, einheimische Führer, Hiwis trifft.

Welche Route das nun war, das lässt sich nicht mit einer bioenergetischen Schätzung rekonstruieren, dafür sind einfach in dieser Rechnung viel zu viele Unbekannte enthalten. Man weiß eben nicht, wie die Lage und die Verfügbarkeit von Futter vor Ort vor mehr als 2000 Jahren aussah, man weiß nicht, wie die Reaktionen der Einheimischen waren, wie es mit Widerstand aussah, wie es mit der Verfügbarkeit von Futter aussah, wo man Unterstützung erwarten konnte. Man passt auch nicht die Reiseroute den Elefanten an, die Elefanten müssen sich der Reiseroute anpassen, auf der man die meisten Männer und Pferde durchbringt, wenn sie durchkommen gut, wenn sie krepieren, haben sie Pech gehabt. Den Krieg und die Schlachten gewinnt man mit Männern und mit Kavallerie, ein paar Kriegselefanten, um die Römer zu erschrecken, ist ganz nett, aber Elefanten kann man längst nicht so allroundmäßig einsetzen wie Pferde. Mit einem Pferd kann man über mehrere Tage lang täglich 50 km und mehr zurücklegen und sie sind dann immer noch fit, um in die Schlacht zu reiten, mit Elefanten ist das nicht möglich, sie brauchen lange Ruhepausen und Pausen zum fressen und verdauen. Es braucht 20 Jahre, bis ein Elefant ausgewachsen ist, Elefanten sind wirkungsvoll, sie haben aber eine Menge Nachteile in der Kosten/Nutzen-Abwägung, sie drehen schnell durch und sind dann unberechenbar.

Aus diesen Gründen halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass man die Marschroute den Befindlichkeiten der Elefanten anpasste, man wird die Strecke gewählt haben, wo man am leichtesten durchkam, die aber lässt sich nicht nach über 2000 Jahren rekonstruieren, und welches die bioenergetisch günstigste gewesen ist, wenn man gar nicht weiß, wie es vor Ort aussah.
 
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