Himmelscheibe von Nebra falsch datiert und interpretiert - ein "keltisches" Produkt?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Biturigos, 4. September 2020.

  1. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Die Punkte auf dem Schwert haben immerhin mehr Ähnlichkeit mit den realen Plejaden, als der stilisierte Haufen von sieben Sternen auf der Himmelsscheibe. Schon deshalb erscheint ein ähnlicher Zeithorizont eher als unwahrscheinlich.
     
  2. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Mancher hält die Scheibe für den Mond, weil tagsüber keine Planeten und Sterne sichtbar sind.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ohne, dass das bitte so verstanden sein soll, dass ich eine latènezeitliche Datierung der Himmelsscheibe deswegen als gegeben ansehe:

    [​IMG] [​IMG]
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gestirne und Sternbilder sind zu allen Zeiten und an allen Orten beobachtet und interpretiert worden. Es ist fast etwas paradox, dass gerade jetzt, wo wir am Rande des Sprungs in den Weltraum stehen, die Gestirne ihre Bedeutung für uns Normalbürger verloren zu haben scheinen und nur noch für Astronomen eine Rolle spielen (naja klar, wir haben halt Fernsehen und Internet und Lichtverschmutzung). Aus der Tatsache, dass Gestirne dargestellt werden, ist also noch kein Zusammenhang zwischen zwei zeitlich aufeinander folgenden Kulturen festzustellen. Wenn aber die Darstellung sich doch sehr stark ähnelt, muss man über Bezüge schon nachdenken. 800 Jahre überbrückt man so leicht natürlich nicht.
     
  5. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Dann darf man aber den Zweck einer solchen Darstellung nicht außer Acht lassen. Die Himmelsscheibe hatte u.a. durch die späteren Randbögen eine praktische Nutzbarkeit bei der Zeitplanung. Welchen Zweck sollte aber eine Darstellung auf einem Schwert haben, dass ja noch in einer Scheide steckte? Ein Vergleich mit mittelalterlichen Schwertbeschriftungen verbietet sich wohl.
     
  6. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Also ich sehe hier keine Ähnlichkeit in der (jeweils mutmaßlichen) Darstellung der Plejaden. Links auf der Himmelscheibe sehen wir einen stilisierten Haufen von sieben Punkten, während rechts auf dem keltischen Schwert die Darstellung eher der Realität entspricht — wobei sich die Position der Sterne zueinander in den vergangenen Millennien natürlich noch verändert hat):

    pl_n.jpg
     
    zaphodB. gefällt das.
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich bezog mich gar nicht auf die Plejaden (könnte ja auch Ursa Minor sein, dann waren die Urheber frühe Madrilenen), sondern auf die Darstellung von Vollmond/Halbmond oder Sonne/Mond oder Sonne/Sonnenbarke, je nachdem, wie man denn die Sichel und die Scheibe interpretieren will. Wie gesagt, ich habe da überhaupt keine Verträge mit einer laténezeitlichen Datierung der Himmelsscheibe. Ich habe ja auch oben dafür plädiert, dass man Himmelsbeobachtungen immer und zu allen Zeiten gemacht hat und dass es gewisse Traditionen von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit gab, Kulturen sich auch gegenseitig beeinflussten (z.B. brachten die Punier nach Iberien ägyptische Darstellungsweisen, die dann in Iberien aufgegriffen wurden)
     
  8. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Die Zeit spielt auch in anderer Hinsicht noch eine Rolle. So soll die grobkristalline Korrosion der Beweis für die jahrtausendlange Lagerung im Boden sein. Da muss aber der fehlende Randbogen noch dran gewesen sein, denn unter ihm ist die Korrosion feinkörnig. Nach langer Nutzung an der Luft (normale Patina auf der Gesamtfläche ) wurde dieser Randbogen aufgebracht. Irgendwann kam die Scheibe dann, mit Randbogen, in den Boden und korrodierte weiter. Aber wann in den mehr als dreitausend Jahren ging der Bogen verloren, so dass die Korrosion an seinem ursprünglichen Platz kaum weiter fortschritt? Dazwischen könnten Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende gelegen haben.
     

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