Himmelsscheibe von Nebra - überschätzt oder Beleg für eine astronomisch entwickelte Bronzezeit?

El Quijote

Moderator
Teammitglied
Die sogenannte Himmelsscheibe von Nebra zeigt deutlich, dass ihre Konstrukteure ein bemerkenswertes astronomisches Wissen besaßen, dass man der frühen Bronzezeit kaum zugetraut hätte.

Welches konkrete astronomische Wissen zeigt denn die Himmelsscheibe deutlich?

Danke, @Sepiola, dass du die Frage stellst, denn mir ist sie bei @Scorpios Aussage auch ähnlich gekommen. Die Himmelsscheibe von Nebra ist natürlich ein tolles Ding, bislang einzigartig. Man hat an ihr vieles untersuchen können, u.a. auch bronzezeitliche Handelswege etc. Aber wie toll ist ihr astronomisches Wissen wirklich? Ist sie diesebzgl. überschätzt oder der Beleg dafür, dass die Bronzezeit lange unterschätzt wurde?

Ich meine, wir mussten ja schon vieles hier im Forum über die Scheibe lesen, wie etwa die Aussage, dass die Sonnenbarke minoischen Schiffen nachempfunden sei. Sicher dürfte sein, dass die meisten stein- und bronzezeitlichen Menschen den Sternenhimmel besser kannten, als ihre modernen Nachfahren (astronomisch Interessierte natürlich ausgenommen). Sie hatten einfach kein Kino, Fernsehen, Internet und nach Sonnenuntergang Zeit in den Himmel zu schauen, orientierten sich ggf. auch nach den Sternen. Also insofern traue ich dem durchschnittlichen Menschen in der Stein- oder Bronzezeit wesentlich mehr Wissen über den Sternenhimmel zu, als dem durchschnittlichen Menschen des 19. bis 21. Jhdts.
Was ist auf der Sonnenscheibe zu sehen? Zwei Horizontbögen (der eine nur durch die unterschiedliche Patinierung, der Mond in zwei Zuständen, als Vollmond und Sichel) und eben der als "Sonnenbarke" angesprochene Bogen, wobei es zahlreiche bronzezeitliche Darstellungen von Booten und Sonnenscheiben gibt, oft mit Wasservögeln assoziiert, was dafür spricht, dass die Sonnenbarke wohl richtig so angesprochen ist und aus historischen Darstellungen kennen wir ja die Vorstellung einer Sonne die (nicht mit dem Boot, aber) mit dem Wagen über den Himmel gezogen wird.
Die Plejaden sind einfach ein auffälliger Sternenhaufen. Ja, "un' dat isset", wie man im Pott sagen würde, oder?
 
Sicher dürfte sein, dass die meisten stein- und bronzezeitlichen Menschen den Sternenhimmel besser kannten, als ihre modernen Nachfahren (astronomisch Interessierte natürlich ausgenommen).
Zumindest hatten sie nächtens einen besseren Blick, Stichwort Lichtverschmutzung! Ich war auf Sark, wo es keine Straßenlaternen etc gibt, erstaunt über den Sternenhimmel.
Ob der bessere Blick zwangsläufig zu mehr Kenntnis führt? Je besser der Blick/Anblick, umso mehr Sterne sieht man - je mehr Lichtpunkte, umso schwieriger könnte es werden, ihnen Anordnungen zuzuschreiben (?)
 
Wir wissen ja, dass die alten Kulturen bereits Sternbilder kannten, sowohl die andinen Kulturen kannten Sternbilder, als auch die meospotamischen - unsere sind der Ursprung des "europäischen" heute weltweit verbreiteten Tierkreises. Wie viel älter diese Sternbilder sind und welche Geschichten die Menschen mit ihnen verbanden, welche Sternbilder es gab, die nicht auf uns gekommen sind, das wissen wir ja alle nicht einmal. Und wir Menschen sind nun mal Meister in der Musterkennung. Jeder von uns findet sofort den großen Wagen am Sternenhimmel. Oder den Gürtel des Orion. Jeder von uns kennt das, dass wir am Wolkenhimmel Figuren erkennen. Natürlich wussten die Menschen nichts von Planeten und roten Riesen und weißen Zwergen.....
 
Zurück
Oben