Indogermanen und König

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Mithridates, 7. Juni 2013.

  1. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Es gibt da ein Thema was mich seit längerem stutzig macht und zwar der Herrschertitel des Königs bzw. seine Etymologie.
    Wie kann es sein, dass innerhalb einer - wenn auch großen - Sprachfamilie, für den selben Herrschertitel, so viele Namen gibt?
    Im germanischen kuninga-z, im lateinischen Rex, in den indo-arischen Sprachen Raja, im persischen Shah, im griechischen Basileus usw. wie kann es eigentlich sein, dass in einer Sprachfamilie so ein großer Unterschied - außer vielleicht Rex und Raja - besteht?
    Mal angenommen von den iranischen und vielen germanischen Stämmen gibt es Quellen davon, dass sie nomadisch organsiert waren bzw. nicht von einer Person beherrscht wurden, ein Rat bildete die Macht.
    Kann es sein, dass die meisten indogermanischen Königs-Begriffe aus anderen nicht mehr bekannten Sprachen stammen könnten? Was da hilfreich wäre, ist der Titel der Hethiter überliefert?
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2013
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie du schon richtig erkannt hast, handelt es sich beim indischen raja und dem lateinischen rex um Kognaten. Weitere Kognaten sind das keltische -rix und das germanische reiks, welches heute noch in der Namensilbe -rich erhalten ist (Dietrich, Friedrich, Erich(?), Heinrich...). Die slawischen und baltischen Herrschertitel haben sich aus den Eigennamen Karl (Karl der Große) bzw. Cognomen (Caesar) entwickelt, sind also semantische Verschiebungen jüngeren Ursprungs. Bei der Wortgruppe König, King, Konungr hat eine Bedeutungsverschiebung stattgefunden, das Wort hat ursprünglich etwas mit der Sippe zu tun.

    Edit: Und der basileos ist wohl ein Lehn- kein Erbwort.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2013
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Problem ist nun die Konstitution der politischen Gebilde, in welchen die Indoeuropäer lebten. Es könnte z.B. Zufall sein, dass im Westindoeuropäischen mit den Beispielen rex, rix und reiks dasselbe Erbwort aufgegriffen wurde, wie im indischen mit raja um das Königsamt zu beschreiben. Es könnte aber auch sein, dass die Gruppen, aus denen sich später die slawische und die baltische Familie entwickelten über mehrere Generationen das Amt eines Anführers aufgegeben und daher - wegen fehlender schriftlicher Überlieferung - den Königsbegriff "vergessen" haben und bei Wiedereinführung einen entsprechenden Titel aus anderen Sprachen hernehmen mussten. Das Problem ist eben, dass wir hier nur mit dem überlieferten Sprachmaterial umgehen können, dass aber eben aus einer verhältnismäßig späten Zeit kommt. Nur dort, wo Kognaten - im Sinne gemeinsamer Erbwörter und nicht Lehnwörter aus der eigentlich verwandten Sprache - existieren kann die vergleichend-historische Sprachwissenschaft in tiefere Schichten vordringen. Wo das Wortmaterial fehlt, funktioniert das nicht.

    Nehmen wir als Bsp. das römische rex und Tarquinius Superbus. Die Römer waren ein literalisiertes Volk. Ihre Mythen gaben die Geschichte vom tyrannischen Tarquinius und den Verbrechen seiner Verwandten wieder. Der Königstitel war für Augustus tabu, gleichzeitig aber schwebte immer das Schreckgespenst der Monarchie über der römischen Republik und der restituierten römischen Republik, die im Prinzip ja nichts anderes als eine Monarchie war - nur weil der Monarch sich nicht rex sondern princeps nannte, sprechen wir auch heute noch vom Prinzipat. Nebenbei hatten die Römer natürlich noch den Blick über das komplizierte Gefüge von etruskischen und griechischen (Stadt)-Staaten um sie herum, der in ihre Historiographie einfloss und so hatten sie auch weitere Könige, nachdem die Monarchie abgeschafft war, in ihrer unmittelbaren oder politischen Umgebung. Insofern war das Wort weiter in Gebrauch und starb nicht aus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2013
  4. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Welcher slawische Herrschertitel geht auf Karl den Großen zurück?
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    z.B. poln. "krol" (König) geht auf Carolus/Karl zurück
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Pol. król, tschech. král, weißruss. karol, bulg. kral, außerdem baltisch karalis/karalius.
     
  7. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Danke, gut zu wissen.

    @Quijote : Aber, trotz Tarquinius existierte in der Republik doch der Interrex, wieso blieb diese Rex-Silbe verschont?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da kann ich nur spekulieren. Vielleicht weil in dem inter- der Hinweis steckte, dass es sich nur um ein zeitlich begrenztes und nur mit beschränkten Befugnissen ausgestattetes Amt handelte.
     
  9. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Aber zur Theorie an sich kann man nicht viel sagen? Ist es unwahrscheinlich, dass es auch mit der Herrschaftsstruktur vieler indogermanischer Völker zusammenhängt, der Begriff eines Königs nicht nötig war?

    Edit: Interessant ist nämlich, dass zwischen Raja und Shah, obwohl beide Kulturen einen fließenden Übergang haben, keine Verwandtschaft erkennbar ist.
     
  10. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    obwohl der rex im Lateinischen bzw. von den Römern nicht mehr geschätzt wurde, blieben dennoch verwandte Begriffe des Wortfelds ebenfalls bestehen, wie regnum (sinngemäß Herrschaft) oder regnare (herrschen, "regieren")
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe das versucht oben im Beitrag anzudeuten: Wir wissen einfach viel zu wenig über die Verfasstheit dieser Gruppen, als dass wir valide Ausführungen darüber machen können. Das Sprachmaterial ist als Quelle zu dünn, archäologische Belege sind zu vielschichtig zu interpretieren, ganz abgesehen von dem Umstand, dass die unbedarft Zuordnung einer prä- oder protohistorischen archäologischen Kultur zu einer sprachlich bestimmten Gruppe für die möglichen Schlussfolgerungen eine nicht ganz ungefährliche Prämisse ist.
     
  12. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Alles klar, nebenbei scheinen die Hethiter den sumerischen Begriff Lugal als König verwendet zu haben.

    Edit: Quijote: Bzgl. Basileus, ist denn auch bekannt woher dieses Lehnwort stammt? Wikipedia sagt lediglich aus dem östlichen Mittelmeer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2013
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wiki sagt, dass "Lugal" die sumerische Bezeichnung für "König" ist und etwa mit "großer Mann oder "großer Mensch" übersetzt werden kann.

    Der hethitische Begriff für König ist nach Wiki Labama oder Tabama. Es wäre im übrigen erstaunlich, wenn die Hethiter für ihre Könige die sumerische Bezeichnung "Lugal" übernommen hätten, da es zum einen keine Beziehung zum Land Sumer gab und zum anderen bei der Gründung des Hethiterreichs überhaupt keine sumerischen Stadtstaaten mehr existierten - die Babylonier hatten zu diesem Zeitpunkt die Sumerer längst in der Herrschaft abgelöst.
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Bei "basileus" ist zu bedenken, dass das Wort erst später die gebräuchliche Bezeichnung für "König" wurde. Das ursprüngliche griechische Wort für König war vermutlich "wanax" bzw. nach Wegfall des Digammas (W) "anax". Noch Homer verwendete das Wort "basileus" einerseits teils als Adjektiv, andererseits teils generell als Bezeichnung für einen höheren Adligen. Einen echten Herrscher nannte er eher "anax".
     
  15. Mithridates

    Mithridates Aktives Mitglied

    Ich hatte das hieraus abgeleitet
    und
    Dubsar wird als Schreiber angegeben, also müsste Lugal, königlicher Schreiber bedeuten, ich schlag das später mal nach. :D
     

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