Karl Eduard Nobiling 1878: Besaß er zwei Doppelflinten?

H

Harakternuk

Gast
Guten Tag zusammen,

ich untersuche seit einiger Zeit das Attentat Karl Eduard Nobilings auf Kaiser Wilhelm I. am 2. Juni 1878 in Berlin. Dabei bin ich auf die Frage gestoßen, ob Nobiling möglicherweise zwei verschiedene Doppelflinten besaß.

In den Polizei- und Justizunterlagen wird bei der Durchsuchung seiner Wohnung „eine neue Zündnadel-Doppelflinte“ erwähnt. Außerdem wurden Rechnungen der Firma Dreyse in Sömmerda über den Ankauf eines Doppelgewehrs und zweier Revolver gefunden. Als Datum erscheint der 26. April 1878.

Zeitgenössische Zeitungsberichte weisen jedoch darauf hin, dass Nobiling schon wesentlich früher eine Schrot-Doppelflinte besaß. Die Magdeburgische Zeitung vom 3. Juni 1878 berichtete über einen Zeugen, der Nobiling bereits im vorherigen Sommer beim Reinigen einer Schrot-Doppelflinte gesehen hatte. Nobiling soll mit dieser Waffe auch Schießübungen durchgeführt haben. Darüber hinaus soll Nobiling selbst erklärt haben, dass er seine Waffen schon lange besitze.

Besonders interessant ist eine Angabe des Historikers Andrew R. Carlson. Auf Seite 146 schreibt er ausdrücklich:

“There were two shotguns, two revolvers ...”

Carlson spricht somit von zwei Flinten und zwei Revolvern. Leider ist nicht klar, auf welche Quelle er sich dabei stützte.

Daher meine Fragen:

1. Besaß Nobiling tatsächlich zwei verschiedene Doppelflinten?
2. War die bei der Durchsuchung erwähnte „neue Zündnadel-Doppelflinte“ dieselbe Waffe, mit der er bereits seit dem Sommer 1877 geübt haben soll?
3. Könnte das bei Dreyse gekaufte Doppelgewehr eine zweite, erst später erworbene Waffe gewesen sein?
4. Auf welcher Quelle könnte Carlsons Aussage über zwei Flinten beruhen?
5. Gibt es ein vollständiges Beschlagnahme- oder Asservatenverzeichnis mit einer genauen Beschreibung der Tatwaffe?
6. Ist der spätere Verbleib der Flinte beziehungsweise der beiden Flinten bekannt?

Sehr merkwürdig ist, dass die beim Attentat verwendete Doppelflinte in den bisher bekannten Unterlagen offenbar weder mit Hersteller, Kaliber und Fabriknummer noch mit einer genauen technischen Beschreibung dokumentiert wird. Über die Revolver finden sich genauere Angaben, während ausgerechnet die eigentliche Tatwaffe kaum beschrieben wird.

Ich würde mich sehr über Hinweise auf weitere Akten, Zeitungsberichte, Literatur oder Museumsbestände freuen. Besonders wichtig wäre jede Quelle, in der ausdrücklich zwei Flinten erwähnt oder die Tatwaffe technisch beschrieben wird.

Vielen Dank!

Anton Yemets
 
4. Auf welcher Quelle könnte Carlsons Aussage über zwei Flinten beruhen?
Die Quelle, auf die sich Carlson beruft und auch angibt, dürften die Akten des Polizeipräsidiums in Berlin sein:
There were two shotguns, two revolvers, and a supply of ammunition for all the weapons. A certificate indicated that part of the arsenal had been purchased on April 26 from a Mr . Dreijse in Tommerda.20
bei den Quellenangaben:
18. Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Pro Br. Rep. 30 Berlin C , Tit. 94, Lit. A. , No . 242 , Nobiling
Attentat, Vol. I (8613) , Folder 148...
...
20. Ibid., Folders 85 - 87
Heute im Landesarchiv Berlin, Signatur: A Pr.Br.Rep. 030 : 8613
Attentat des Dr. phil. Karl Nobiling auf Kaiser Wilhelm I. am 2. Juni 1878 und seine politischen Folgen, 1878

Es ist fraglich, ob darin etwas von zwei Flinten steht, denn Carlson war beim Zitieren daraus nicht besonders sorgfältig. So machte er aus der Firma Dreyse in Sömmerda "Mr . Dreijse in Tommerda". Vielleicht notierte er sich beim Lesen der Akten eine "two-shot gun" (doppelläufige Flinte), woraus später im Buch "two shotguns" wurden.
 
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