Karolingische Renaissance

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Alraune, 19. Dezember 2004.

  1. Alraune

    Alraune Neues Mitglied

    Die vielleicht wichtigste Zeit des Mittelalters, was den Erhalt antiker Schriften betrifft.
    In der Schule haben wir gelernt, dass diese Schul-und-Bildungsreform im Dienste einer religiös-kirchlichen Reichskultur durch die Begegnung Karls des Großen mit Missionaren und der "Berührung mit Italien" initiiert wurde. Was ist darunter zu verstehen?

    Ich finde es unheimlich faszinierend, dass jemand wie Karl der Große, der ja selbst wahrscheinlich nicht lesen konnte, soviel Wert auf Kultur legte, sich einen Kreis bedeutender Hofgelehrter schuf, eine Hofbibliothek und Hofschule aufbaute, kurz,seinen Hof zum Sammel-und Ausstrahlungspunkt des geistigen Lebens für ganz Europa degradierte.Was waren seine Beweggründe?
    Ich weiß nur, dass er meinte, ein gebildetes Volk sei besser regierbar ein ungebildetes, "unkultiviertes". Wer weiß mehr?
     
  2. Brecht

    Brecht Neues Mitglied

    Also ich teile dort die Meinung von Johannes Frieds der der Meinung ist, dass es sehr wichtig war, dass die angelsächsischen Gelehrten auf den Kontinent kamen und dort versucht haben die Bev. zu christianisieren. Aus diesem Grund wurden viele neue Klöster im östfränkischen Raum gegründet, welche später die "Geburtsstuben" der zunehmende Literarität wurden. Zum Beispiel entwickelten sich viele Bistümer im ostfränkischen Raum genau zu dieser Zeit.
    Also Karl konnte laut Einhards Vita sehr wohl lesen. Er hatte nur Probleme mit dem Schreiben. Einige Forscher vermuten, dass dies damit zusammenhängt, das Karl sehr früh den Umgang mit dem Schwert erlernte und somit sich seine Hand nicht an das "feinen" Schreiben anpassen konnte.

    Keegan und Fried sind der Meinung, dass sich Reiche nur halten, kontrollieren und leiten lassen, wenn sie eine hohe Literarität besitzen. Das erkennt man daran, dass die Verwaltung auf Schrift beruht (zu mindest in Großreichen). Karl hätte genauso die Kontrolle über die Reichsteile verloren, wie die Merowinger, wenn er nicht die Literarität gefördert hätte. Natürlich gibts noch weitere Ursachen, aber das würde jetzt zu lang werden....


    Gruß,
    Brecht
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Dezember 2004
  3. Horst

    Horst Neues Mitglied

    An Karls Hof in Aachen entstand das Sprichwort: "Zurück zu den alten Zeiten und Sitten gewandt, gebiert sich dem Erdkreis erneuert das goldene Rom." Das lateinische Mittelalter hat die altertümlichen Bräuche ungebrochen übernommen und an die Neuzeit weitergegeben (z.B. das römische Recht und Teile der altertümlichen Buchkunst), teils durch Neubesinnung wiederentdeckt, so in der karolingischen und in der ottonischen "Renaissance" (Rückbesinnung). Aber erst der Humanismus und die Renaissance des 14.-16. Jahrhunderts begründeten eine neue Aufnahme des Altertums.
    Karl war von der Vorstellung durchdrungen, daß die Franken auch das kulturelle Erbe des Römerreiches zu verwalten hätten. Um diesem Ziel näherzukommen, vereinigte er die führenden Köpfe von Wissenschaft und Bildung an seinem Hof und an geistigen Orten wie Fulda. Er kümmerte sich gründlich um die Kenntnisse der Geistlichen, denen er in zahlreichen Erlassen eine grundlegende Ausbildung zur Pflicht machte, und er hoffte durch deren Vermittlung eine Hebung der allgemeinen Volksbildung zu erreichen.
    Mit der Erneuerung des römischen Kaisertums unter Karl dem Großen kam es auch zur Begründung einer neuen abendländischen Kunst und Gesellschaft unter teilweiser Verwendung spätaltertümlicher Bräuche und Vorstellungen. Die höfische Kunst bedeutete eine Steigerung des Ansehens und der Stellung des Herrschers. Ein solches Schwergewicht ist sie geblieben bis zum hohen Mittelalter.
     

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