Kelten im Ländle

Hängt von der Jahreszeit ab. Wenn im Schwarzwald der Schnee schmilzt oder ordentlich Wetter ist, geht da selbst nach Renaturierung immer noch gut was durch.
 
Daran hatte ich schon gedacht, klimatologisch ist mir da nix erinnerlich...was nicht viel bedeuten muss.

Doch hätte sich eine Donau mit doppelten oder mehrfachem Mittelwasserwert 'damals' eben auch deutlicher in die eiszeitlich von Süden her massiven Schotter- und Sedimentablagerungen in der Talaue eingraben müssen, sozusagen nochmals eine deutlich mit einer Art Hochgestade umgebene kleinere Talaue in der historischen Talaue.

Das ist m.E. doch nicht sichtbar (z.B. Geoviewer BW)

Was man im Geoviewer sieht, sind die früheren, flachen, im Norden der Talaue liegenden Flussmäander, also das nacheiszeitliche Bild der Donau, abgedrängt vom eiszeitlichen Schottereintrag von Süden her, via Ostrach usw.
 
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Gerade der Knick der Donau nach Norden hinter der Linie Blochingen-Mengen rührt immer noch vom massiven eiszeitlichen Schottereintrag der damals weit größeren Ostrach her.

Die Ostrach dürfte sich schon weit vor der 'Keltenzeit' zur heutigen Größe und Sedimentkraft wieder zurück entwickelt haben.
Eine durchschnittlich doppelte oder mehrfach so große Wasserführung der Donau um z.B. 600 BC im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten hätte diesen Bogen wohl geschliffen bzw. durchbrochen.
 
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Ach...der nahe gelegene Bussen...dort führte 2019-2021 das LDA BW eine Grabung durch, siehe Artikel auf Archäologie online vom 20.8.2021.

Das etwas erstaunliche Fazit dort u.a.:

Anhand der datierbaren Funde wie der Keramik zeichnet sich für die Metallzeiten ein interessantes Wechselspiel zwischen dem Bussen und der 13 Kilometer entfernten Heuneburg ab. Die bisherigen Erkenntnisse sprechen dafür, dass die Heuneburg in der mittleren Bronzezeit und der frühen Urnenfelderzeit, etwa 1600 bis 1100 v. Chr., als überregionales Zentrum fungierte. Von der entwickelten Urnenfelderzeit bis um 620 v. Chr. verlagerte sich der Machtsitz dann offenbar auf den Bussen, um danach bis etwa 450 v. Chr. wieder auf die Heuneburg zu wechseln.
Zum gleichen Thema etwas klarer auf der Website des LDA BW formuliert:

Während die Heuneburg in der mittleren Bronze- und der frühen Urnenfelderzeit (1600–1100 v. Chr.) und insbesondere in der Späthallstattzeit zwischen 620 und 450 v. Chr. als überregionales Zentrum fungierte, scheint der Bussen von der entwickelten Urnenfelderzeit bis um 620 v. Chr. bedeutend gewesen zu sein.
 
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Christof Schuppert, Archäologie im Archiv - GIS-gestützte historisch-geographische Untersuchungen im Umfeld ausgewählter frühkeltischer Fürstensitze in Südwestdeutschland, in Fassmann/Glade, Geographie für eine Welt im Wandel. 57. deutscher Geographentag 2009 in Wien (2012), S. 359-379, , notiert S. 371 u.a.:

Von der Flussmorphologie und Wasserführung her betrachtet kann die Donau auf Höhe der Heuneburg zumindest für flache Lastkähne mit einer geschätzten Länge von etwa 10 Metern, einer Breite von 1,5 bis 2 Metern und einem Tiefgang von etwa 40 Zentimetern als schiffbar gelten.

Und vom Donauknick nach Norden ab Hundersingen vorbei an der Heuneburg bis gut Binzwangen teilt(e) ein talmittiger Schotterrücken die Donauniederung und verengt(e) damit die Donaurinne mit ihren Mäandern stark und auf die linke Talseite hin, hin zur Heuneburg.

Auf dem Schotterrücken liegt z.B. die Hügelgräber-Gruppe um den Bettelbühl mit dem Fürstinnengrab. (Q: Siegfried Kurz, Untersuchungen zur Entstehung der Heuneburg in der späten Hallstattzeit (2007). Reihe Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg, Band 105. S. 129 f.)
 
Den Kelten im Ländle, genauer, den Kelten im näheren und weiteren Gebiet um die Heuneburg geht ein schon seit 2014 laufendes, auf zwölf Jahre eingerichtetes Langzeitprojekt der DFG auf den Grund, Titel:

Besiedlungs- und Kulturlandschaftsentwicklung im Umfeld der Heuneburg während der Hallstatt- und Frühlatènezeit


Das LDA BW, das den Antrag eingebracht hat, stellt auf seiner Website das Projekt vor und schreibt zur Projektaufgabe u.a.:

Zum einen steht die Erforschung der Entwicklung der regionalen ländlichen Siedlungsstrukturen (Hofstellen, Weiler, Dörfer) während der frühkeltischen Zeit im Fokus. Dazu werden systematische Geländebegehungen, großflächige geophysikalische Prospektionen und gezielte Ausgrabungen ländlicher Siedlungen in einem Umkreis von ca. 20 km durchgeführt. Zum anderen wird das Verhältnis einer ganzen Reihe von umliegenden Höhenbefestigungen zur Heuneburg und zum unmittelbaren Umfeld erforscht. Schließlich besteht auch hinsichtlich der über 100 Hektar großen Außensiedlung im Vorfeld der Heuneburg noch dringender Forschungsbedarf, denn nur durch die systematische Untersuchung von besonders gut erhaltenen Arealen können verlässliche Rückschlüsse über ihre innere Struktur und über die zeitliche Abfolge der Baubefunde gewonnen werden.

Bei den keltischen Höhensiedlungen im DFG-Projekt, die (erneut) untersucht werden, handelt es sich um diese:

  • Höhensiedlungen
    • Alte Burg (bei Langenenslingen)
    • Althayingen (Gr. Lautertal bei Indelhausen)
    • Bussen
    • Große Heuneburg
Die Projekt-Site selber ist schon lesenswert, u.a. auch, da die Sidebar links zu den Sites führt, in welchen auf aktuellem Stand die Höhen- und Offenen Siedlungen sowie zwei Gräberfelder vorgestellt werden.
 
Die nicht nur im Fachbereich bekannten Keltenwanderungen hauptsächlich im 4. /3. Jh. v. Chr. mit ihren Ausgangspunkt u.a. im Gebiet des heutigen BW, Keltenabwanderungen kann es ebenso genannt werden, dürften ihren Grund in einem 'Systemkollaps' der hier etablierten Keltengesellschaften gehabt haben.
In den Jahrhunderten davor hatte ein stetiger Bevölkerungszuwachs statt gefunden, verbunden mit einer technologischen, kulturellen und sozialen Entwicklung.
Auslöser für eine anscheinend krisenartige Zuspitzung dürfte anscheinend ein in kurzer Zeit merklicher Rückgang der Durchschnittstemperaturen um 400 v. Chr. gewesen sein, so dass erhebliche Bereiche der landwirtschaftlich genutzten Gebiete, vor allem jene in siedlungsungünstigeren höheren Lagen und auf weniger fruchtbaren Flächen aufgegeben wurden. Der Minderertrag, der deutliche Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge bei zugleich immer noch sehr dichter Bevölkerung dürfte zu Spannungen, Konflikten, Systemkrisen und schließlich zu massiven Abwanderungsbewegungen geführt haben.

Damit einher hat sich ein relativ flächiger Rückgang oder Einbruch der vorhandenen Strukturen und des 'Wohlstandes' abgespielt.

Q: Dirk Krausse u.a., Die Kelten in Baden-Württemberg, 2025, S. 142f.
 
Auslöser für eine anscheinend krisenartige Zuspitzung dürfte anscheinend ein in kurzer Zeit merklicher Rückgang der Durchschnittstemperaturen um 400 v. Chr. gewesen sein
nur 13 Jahre später und weiter im Süden Roms "schwarzer Tag" (dies ater) - haben die Keltenstürme des frühen 4. Jhs. vor Chr. irgendwas zu tun mit diesem Auslöser?
 
nur 13 Jahre später und weiter im Süden Roms "schwarzer Tag" (dies ater) - haben die Keltenstürme des frühen 4. Jhs. vor Chr. irgendwas zu tun mit diesem Auslöser?

Die Krise zog eine belegbare, recht auffallende, rasche Veränderung hin zu einem martialischen, kriegerischen Auftreten und entsprechenden Ausstattung nach sich. Die Keltenstämme verdingten sich in den Zuwanderungsgebieten u.a. als bald gefürchtete Söldnerheere, sofern sie nicht selber kriegerische Ziele und Aktionen, Neubesiedelungen verfolgten. Das reichte bis nach Ägypten.

Mit dem wohl deutlichen Rückgang der agrarischen Lebensgrundlagen innert kurzer Zeit sind offenbar entsprechende Auseinandersetzungen und Verteilungskämpfe sowie eine dynamische Radikalisierung innerhalb der tradierten Gesellschaftsformen und -normen aufgetreten.
 
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