Kichenraub und Vandalismus

Pardela_cenicienta

Aktives Mitglied
Eine beklagenswerte Liste über die zunehmende Zerstörung und Beraubung christlicher Kirchen in Frankreich:


Hier kommen mehrere Dinge zusammen:
  • Diebstahl im Rahmen von Rauschgiftmissbrauch i.S. von Beschaffungskriminalität.
  • Antiklerikale Tendenzen in einem Land, in dem die Trennung von Staat und Kirche schon seit über 200 Jahren besteht.
  • Beraubung durch Serientäter, bei niedrigem Verfolgungsdruck.
  • Metalldiebstahl.
  • Brandstiftung.
  • Legitimierung durch religiösen Fanatismus.
 
Zuletzt bearbeitet:
Für Deutschland gilt dies ähnlich, wenn auch weniger extrem:


 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke, man muss hier die Motivlage unterscheiden.

Bei Beraubung von Opferstöcken oder Kupferdachrinnen geht es offensichtlich um schnelles Geld bzw. Geldmacherei.
Der Drogenabhängige wird vielleicht eher mit dem Schraubenzieher den Opferstock berauben, die organisierte Kriminalität kommt vielleicht mit dem Tieflader an und raubt sämtliche Kupferrohre (oder das Gold aus der Sakristei). Das kann der Drogenabhängige nicht in der Geschwindigkeit versilbern, wie er es braucht.
Hier ist eine antireligiöse oder antikirchliche Motivik nicht unbedingt gegeben. Nicht auszuschließen, aber eben auch nicht zwingend anzunehmen.

Dazu fällt mir eine Anekdote ein, muss so 1997/98 gewesen sein: Der Bischof von Essen war in Polen. Natürlich erfüllt sich das alte Klischee (damals virulenter als heute) und sein Auto wird geklaut. Vier, sechs, acht Wochen später steht das Auto vollgetankt am Essener Münster. Die Diebe hatte im Kofferraum Mitra und Bischofsstab gefunden und fürchteten wohl um ihr Seelenheil, wenn sie das Auto eines Bischofs klauten.

Auch bei Vandalismus sind mehrere Varianten zu beachten.
  • frustrierte Personen, die einfach etwas zerstören wollen und eine Sandsteinfigur oder buntes Glasfenster eignet sich dazu gut. Ohne ideologisches Motiv
  • Extremismus
    • religiöser Fanatismus
      • christlicher religiöser Fanatismus (vgl. Ikonoklasmus im byzantinischen Reich, Bildersturm in der Reformation (v.a. Presbyterianer, radikale Mennoniten), Frz. Revolution)
      • antichristlicher religiöser Fanatismus (Islamismus, Satanismus)
      • extremistischer Atheismus (ja, auch eine Form der Religion)
      • politischer Extremismus, nicht zwingend atheistisch.
______________________

Ein Freund von mir ist Archäologieprofessor in Spanien (Mittelalterarchäologie), wir haben zusammen Árabe I und Cultura Material y Arquelogía de la Edad Media bei seinem Vorgänger belegt. (Also Arabisch I und Materialkultur und Archäologie des Mittelalters.)
Er dokumentiert regelmäßig mutwillige Zerstörung archäologischer Denkmale. Dabei geht es nicht um illegale Raubgrabungen, sondern um Graffiti auf mittelalterlichen Gebäuden, oder nächtliche Saufgelage (Botellones) auf Stadtmauertürmen etc. mit den entsprechenden Sekundärverschmutzungen (Scherben, Wildurinieren, Erbrochenes). Dinge dieser Art. Gewissermaßen auch eine Art Quijote.
 
So ein wenig kann ich mich ja in Beschaffungskriminelle hineindenken.

Wenn man schnell Geld braucht für Dope sucht man sich keine Kirche.
Die einfachste, praktischste, billigste und am wenigsten riskante Methode ist es einfach von einem anderen Drogenabhängigen zu nehmen.
Bei einer kleinen Menge werden die meisten Leute es nicht einmal in der Öffentlichkeit auf einen Kampf oder eine Szene ankommen lassen.
Man kann es auf die nette Tour, in Form eines Mundraubs tun, man lässt sich eine Plombe zeigen, schnappt sie sich, entschuldigt sich, dass man morgen zahlt.
Es gibt tausend Möglichkeiten, um wenigstens so viel Dope zu bekommen, dass man handlungsfähig ist. Man kann sich einen Dealer schnappen, der alleine arbeitet. Etwas riskanter ist ein Angriff auf einen Dealer in seiner Wohnung.

Niemand wird das anzeigen, niemand kann deswegen zur Polizei gehen. Ich würde sogar mal die Prognose wagen, dass das meiste an unmittelbarer Beschaffungskriminalität gar nicht in der Statistik erscheint oder erst dann erscheint, wenn es vollkommen eskaliert und aus dem Ruder läuft.

Das meiste was an Beschaffungskriminalität in der Statistik landet, das sind vor allem Ladendiebstähle von Tabak und Spirituosen. Einige Drogenabhängige finanzieren ihre Sucht durch gezielten Diebstahl von Luxusartikeln, Werkzeugen usw. Einige sind tatsächlich sehr geschickte Diebe. Sie gehen aber selten suchtkrank klauen, wenn sie es tun, geht es fast immer in die Hose.

Was eine typische Beschaffungskriminalität ist, das ist das einstecken von sinnlosem Kleinkram, Tabakwaren und Spirituosen unter dem Einfluss von Alkohol und Benzodiazepinen. Die Downers und der Schnaps spülen alle Hemmungen weg. Übermäßiger Benzodiazepingenuss scheint bei einigen Leuten tatsächlich dazu zu führen, dass sie denken, sie sind unsichtbar, obwohl sie so unauffällig sind wie ein Elefant im Porzellanladen.
Oft ist es völlig nutzloser Plunder, manchen ist es nicht einmal bewusst, dass sie etwas eingesteckt haben, und für Hausdetektive sind sie Zielscheiben, leichte Beute.

Es gibt natürlich eine Menge Taten, die nie begangen worden wären, hätte der Täter nicht ein massives Suchtproblem. Ein Einbruch in eine Kirche erfordert ein gewisses Know How, es ist mit Sicherungsmaßnahmen zu rechnen, und wenn es schief geht, droht ein Brett.

Viele tun es natürlich dann trotzdem, aber so etwas begeht man nicht, wenn man akut suchtkrank ist.

Wenn man dringend Geld für Dope braucht, ist es einfacher, gleich das Dope zu stehlen ohne erst mühsam das Geld dafür zu verdienen. Im schlimmsten Fall riskiert man ein Veilchen, aber nur sehr selten eine Anzeige.
 
Zurück
Oben