Das war im Jahr 406. Dass der Rhein zugefroren war, sagen die Quellen nicht.
de.wikipedia.org
dann hatte ich das mit dem zugefrorenen Rhein vermutlich in irgendeiner Geschichte der Völkerwanderung mal gelesen. Gewundert hatte mich das, weil militärische Unternehmungen im Winter eher unüblich waren in Antike und Mittelalter.
Das hat Edward Gibbon dazu schwadroniert.
Ich habe das damals in Spanien an der Uni auch gelernt, dass die Barbaren über den zugefrorerenen Rhein gezogen seien. Allerdings hat derselbe Prof. auch kolportiert, dass laut Strabon ein Eichhörnchen von den Pyrenäen bis nach Gibraltar käme, ohne einmal über den Boden laufen zu müssen, so viele Bäume gebe es in Spanien - eine solche Stelle gibt es bei Strabon NICHT!* Dieses Gerücht ist irgendwann mal in der FNZ aufgebracht worden und wurde seitdem kopiert. Nur wenn ein Prof so etwas als Fakt erzählt, der in den Quellen stünde, dann glaubst du das erst mal auch, weil du gehst ja davon aus, dass der Prof. die Quellen gelesen hat.
Immerhin ist es
einigermaßen plausibel, dass der Rhein im Winter 406 zugefroren war. Den Main habe ich schon zugefroren gesehen und man muss auch bedenken, dass der Rhein nicht wie heute in einem einzigen definierten Bett floss (also der Mittelrhein natürlich schon, im Rheinischen Schiefergebirge hat er natürlich nur dieses eine Bett), sondern zerfaserter war, es gab mehrere Arme, die insgesamt flacher waren, als der Rhein in seinem einen Bett, das etwa im Oberrheintal seit dem 17. Jhdt. von Menschenhand in seiner heutigen Form geschaffen wurde. Es ist also schon
vorstellbar, dass in einem sehr kalten Winter bei einem stärker durch Auen geprägten Landschaftsbild, als wir das heute kennen, der Rhein zu Fuß, Pferd oder zu Wagen überquerbar war. (1945 flohen viele Ostpreußen ja auch über das zugefrorene Frische Haff (ca. 4 m tief) - natürlich sind die Winter im Osten wegen des kontinentaleren Klimas oft kälter, als im Westen, wo atantisches Klima stärker prägt, aber um -20° habe ich auch schon in NRW erlebt.
Also auch wenn die Überquerung des zugefrorenen Rheins ein von Gibbons im 18. Jhdt. aufgebrachtes Faktoid ist, vollkommen abwegig ist sie nicht.
*Tatsächlich äußert sich Strabon bzgl. der PI kaum zu mehr, als zum Küstenverlauf.