Korea: Chronik einer geteilten Nation

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von heinz, 19. Februar 2005.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    1948 Drei jahre nach dem Ende des WeltkriegsII installiert die Sowjetunion die Demokratische Volksrepublik Korea unter Führung von Kim Il Sung.
    1950 Während des beginnenden Bürgerkrieges marschieren kommunistische Truppen in den Süden ein; China, die USA und die UNO schicken Hilfstruppen.
    1953 Der Waffenstillstand von Panmunjom beendet den Krieg, der fast zwei Millionen Opfer kostete. Korea wird am 38. Breitengrad geteilt.
    1972 Geheimgespräche zwischen den verfeindeten Parteien.
    1979 Kim Jong Il, als Nachfolger seines Vaters auserkoren, übernimmt Aufgaben in Partei- und Staatsführung.
    1991 Nord- und Südkorea werden in die UNO aufgenommen. Ein Jahr später erlaubt Pjöngjang Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde, verweigert aber den Zugang zu nuklearen Produktionsstätten.
    1994 Kim Il Sung stirbt. Sein Sohn übernimmt die Führung und erlaubt Kontrollen des Nuklearprogramms im Gegenzug für Milliarden-Doller-Erdöllieferungen und zwei zivile Atomreaktoren.
    1996 Schwere Hungersnöte nach Dürren und verheerende Überschwemmungen.
    1998 Kim Il Sung wird posthum zum "ewigen Präsidenten" erhoben, Kim Jong Il De-facto-Staatsoberhaupt. Norkorea feuert eine Rakete über Japan hinweg in den Pazifik.
    2000 Entspannung nach dem Gipfeltreffen in Pjöngjang zwischen Kim Jong Il und Südkoreas Präsident Kim Dae Jung: Der Norden stellt seine agressive Propaganda ein, der Süden amnestiert 3500 Gefangene, 100 Nordkoreaner besuchen ihre Familienangehörigen im Süden. :) (Aus dem Spiegel)
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der 38. Breitengrad fungierte nicht ab 1953 als Demarkationslinie, sondern von 1945 bis bis zum Ausbruch des Koreakriegs 1950.

    Ursprünglich sollte der 38. Breitengrad die Zuständigkeit von US- und Sowjetarmee bei der Entwaffnung der japanischen Truppen festlegen. Tatsächlich versuchten die beiden Besatzungsmächte schon bald, ein jeweils ihnen genehmes Regime zu etablieren.

    So wurde 1948 nicht nur die Demokratische Volksrepublik Nordkorea gegründet (9. September), sondern auch die Republik Korea (15. August) unter Syngman Rhee. Beide Regimes erhoben einen Alleinvertretungsanspruch - das wechselseitige Säbelrasseln eskalierte dann innerhalb von weniger als zwei Jahren zum Krieg.

    Die USA konnten damals die UNO für ihre Politik instrumentalisieren - das war deswegen möglich, weil die Sowjets damals die UNO boykottierten und ihr Vetorecht nicht ausübten.
     
  3. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Wieso das? Die Sowjetunion kämpfte doch gar nicht auf Seiten der Nordkoreaner. Jedenfalls nicht offiziell. Sogenannte "Waffenbrüder" waren die Chinesen.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Das habe ich auch nicht behauptet. Die ersten Wahlen in Südkorea wurden unter UN-Aufsicht durchgeführt und damit der Alleinvertretungsanspruch der südkoreanischen Regierung durch die UNO legitimiert. Die UNO stempelte 1950 den Norden als Aggressor ab und entsandte Truppen auf der Seite des Südens.

    Dies alles kam der Politik der USA zupaß und ganz gewiß nicht der Politik der UdSSR.
     
  5. collo

    collo Aktives Mitglied

    in den anfangsjahren der un begingen die sowjets den fehler, sich nicht an entscheidungen zu beteiligen. deshalb war es eine offizielle un-aktion, dass die usa und 16 andere staaten truppen zur unterstützung südkoreas entsandten. erst nachdem die chinesische grenze an einigen stellen erreicht war, traten "freiwilligen-verbände" der rotchinesen in aktion.

    die sowjetunion war zwar nicht direkt an den kämpfen beteiligt, es ist jedoch davon auszugehen, dass der nordkoreanische angriff und auch die chinesische waffenhilfe von moskau "genehmigt" worden ist (noch sitzt stalin im kreml und es gibt noch kein zerwürfnis mit peking). offiziell waren die sowjets neutral.

    der korea-krieg hat auch unmittelbare auswirkungen auf deutschland gehabt, letztendlich "verdanken" wir ihm die bundeswehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2005
  6. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Hurvinek, Korea war schon damals geteilt. Der nördliche Teil stand unter sowjetisch-kommunistischer Verwaltung. Es befanden sich aber keine Sowjettruppen im Land. Der südliche Teil stand unter amerikanischer Verwaltung.
    Die Spaltung dauert leider bis zum heutigen Tage an. Ich wünsche Korea, dass es eines Tages auf friedlichem Wege seine Wiedervereinigung erlangt. :rolleyes:
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Aber doch nicht zur Zeit des Koreakriegs - auf den bezieht sich ja Hurvinek.

    Die sowjetische bzw. amerikanische Verwaltung endete definitiv 1948. Die Sowjets hatten die Besatzungsjahre 1945-1948 von Anfang an dazu genutzt, die Verwaltung unter der Führung linientreuer koreanischer Kader zu "koreanisieren" - die Amerikaner gingen da anfänglich wesentlich planloser und ungeschickter vor.
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hunderttausende von Koreanern dienten in der japanischen Armee im 2. WK. Ist zu vermuten, dass nicht wenige von denen dann bei den Kommunisten landeten
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Da gab es auch noch die vier Bataillone, die sich aus Exilkoreanern rekrutierten und 1945 als Teil der 25. Sowjetarmee ins Land kamen. Eines davon wurde von Kim Il Sung kommandiert.

    Vor allem wäre auch an die koreanischen Guerrillas zu denken, die unter Mao Zedong mitgekämpft hatten. Davon sollen 1949, nach Maos Sieg, noch 100.000 Mann nach Nordkorea gekommen sein.



    Von 1945 bis 1950 hatte Kim Il Sung genug Zeit, um ein schlagkräftiges Heer aufzubauen. Die Ausrüstung stammte großteils aus der UdSSR. Hingegen waren die südkoreanischen Truppen 1950 vergleichsweise miserabel ausgerüstet. Und wie bereits gesagt, die amerikanischen Besatzungstruppen waren ja schon seit 1948 abgezogen.

    Mit der Landung der UN-Truppen unter McArthur bei Inch'ón wendete sich das Blatt sehr schnell, und die nordkoreanischen Truppen mußten sich weit in den Norden zurückziehen - bis die chinesische Unterstützung kam.
     
  10. collo

    collo Aktives Mitglied

    auf der suche nach weitergehenden informationen fand ich den hinweis, dass der damalige us-aussenminister acheson im januar 1950 eine art verteidigungslinie der usa in asien aufzeigte, die japan, okinawa und die philipinen umfasste, nicht aber taiwan und korea. das dürfte in pjöngjang und moskau sehr viel aufmerksamkeit erregt haben.
     
  11. collo

    collo Aktives Mitglied

    interessant ist ja auch der zeitliche zusammenhang zwischen berlinder blockade und koreakrieg: stalin testet nacheinander die standfestigkeit der amerikaner, erst in europa, dann in asien.
     
  12. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Collo, Stalin versuchte sein Imperium soweit auszudehnen, wie es irgendwie ging. Wobei er anscheinend in Europa, bis zur Elbe und Werra, mehr Erfolg hatte als in Asien. :(
     
  13. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    So weit konnte Stalin da auch nicht, denn Werra und Elbe gibts da nicht und die Sowjetunion stand bereits mit den Kommandeursinseln in der Beringstraße direkt vor der Haustür der USA. Und nach Süden war nichts außer die Steppe/Wüste der Mongolei und China war dann doch zu mächtig. Außerdem waren die mittelasiatischen Sowjetrepubliken schon damals mit Ausnahme der dortigen Großstädte terra incognita oder unbeherrschbares Land für Stalin, welches nur durch ein status quo erhalten wurde.
     
  14. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Bevor hier ein falsches Bild entsteht: zu Zeiten des Koreakrieges war China nicht in der Lage, sich auch mit der SU anzulegen. Hätte Stalin zu diesem Zeitpunkt expandieren wollen, wäre dies vielleicht (!) gar nicht mal so unwillkommen gewesen, da dies den UN Truppen eine Art zweite Front aufgemacht hätte.
    Aber Stalin ließ dies verstreichen, obwohl ein schwelender Konflikt SU - China aufgrund des Gebietsinteresses letzt genannter Nation sich schon ankündigte.
    http://www.kssursee.ch/schuelerweb/kalter-krieg/entspannung/china.htm

    Wenn ich mich recht erinnere, gipfelte das ganze in Grenzstreitigkeiten am Usuri 1969...
    das ganze hat zwar nur bedingt mit dem Koreakrieg zu tun, aber damit das ganze nicht einen falschen Eindruck erweckt.
    China war gerade erst dabei wieder auf die Beine zu kommen, hätte sich folglich nicht mit der UN in Korea und Stalin im Norden und Westen gleichzeitig anlegen können.
     
  15. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Mit starkem China meine ich die Größe des Landes und den Bevölkerungsreichtum. Mongolei war bereits 1924 kommunisiisch. China war erstarkt seit der Gründung der Volksrepublik 1949, seit China vollständig kommunistisch besetzt wurde, mit Hilfe der Sowjetunion auch in Nordchina. Demzufolge gab es auch keinen Grund für die Sowjets dort herumzumarschieren. Ob die Chinesen 1950 etwas von der Rolle der UNO wußten, mag dahingestellt sein, aber damals war die UNO bei weitem nicht das, was sie heute ist.
     

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