Kultplätze/Heiligtümer in der Gallia Cisalpina?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von brigont, 27. Dezember 2019.

  1. brigont

    brigont Neues Mitglied

    Hallo.
    Was die Schlachtenbeschreibungen der norditalienischen Keltenkriege, die bei Polybios zu lesen sind betrifft, bin ich ohnehin skeptisch. Auch Delbrück schreibt darüber und stellt Polybios diesbezüglich ein schlechtes Zeugnis aus. Was haltet ihr von Delbrück und seiner Quellenkritik, speziell auch was die Heereszahlen betrifft?
    Ich habe nichts wirklich nennenswerte zu cisalpinen Tempeln/Kultorten gefunden.
    Kenne den Helm und finde ihn wunderschön.
    LG.
     
  2. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Wenn man das so genau wüsste... Mangels überzeugender Quellen für weite Teile & Zeiten des "keltischen" Kulturraums kann man mE noch nicht mal genau sagen, was "Druide" genau bedeutet, ob die auch so genannt worden sein müssen und von wem, und ob, wann und wo es dieses Phänomen gab (wenns denn eins ist...). Da ist immer eine Menge Spekulation im Spiel, hab ich den Eindruck.

    Erinnert mich an einen Satz von Bertrand Russell: "Seit man begonnen hat, die einfachsten Behauptungen zu beweisen, erwiesen sich viele von ihnen als falsch."

    MWn ist doch garnicht klar, ob das der Name einer tatsächlichen Person war, oder ein Titel oä.

    Das könnte sich damit erklären, dass in keltischen Gesellschaften (bspw & mWn in Gallien & Britannien bzw weiten Teilen davon vor den römischen Invasionen) geprägtes Geld im alltäglichen leben (noch) keine große Rolle spielte. Es wurde nur in speziellen Situationen genutzt, und noch nicht (wie in Rom) als allgemeines wirtschaftlichers Tauschmittel.

    Ob & inwieweit das auch für cis-alpinischen kelten galt, und ob zumindest in größeren oppida Münugeld nicht schon eine größere Rolle spielte, kann ich nicht sagen.

    Auch war in Gallien (trans- & cisalpin) und anderen keltischen Regionen die Metallverarbeitung auf einem hohen Stand. Kettenhemden (die evtl keltischen Ursprungs sind) kann man noch unter "Krieg" verbuchen, aber Schmuckstücke?*

    Auch in anderen keltischen Regionen scheint es eine Vielzahl von Göttern gegeben zu haben, die oft nur lokale Bedeutung hatten. Vielleicht war Polybios die Situation nur zu wirr & unübersichtlich... ;)

    Antiken Schlachtenbeschreibungen sollte man immer kritisch begegnen. Diese kritische, von Sachüberlegungen geleitete Herangehensweise macht Delbrück mE immer noch interessant, auch & gerade sein Herunterrechnen der zT gigantischen Zahlen in antiken Quellen. Aber natürlich gibt es viele Erkenntnisse nach seiner Zeit, so dass man auch ihn sehr kritisch lesen muss. Was er zu den Kelten geschrieben hat hab ich nicht wirklich parat...

    * Im keltischen Helm-Design verbindet sich dann "Krieg" & "Schmuckstück". Da waren die ganz weit vorne, im Westen wie im Osten: :)

    Helm von Ciumești – Wikipedia

    Waterloo-Helm – Wikipedia
     
    Hannes, brigont und Carolus gefällt das.
  3. brigont

    brigont Neues Mitglied

    So weit ich mich erinnere bezweifelt Delbrück bei den nordital. Keltenkriegen das angebliche Verhalten der Gaesaten. Das sie als gestandene Söldner und Speerwerfer (wenn man ihre Bezeichnung so übersetzen will) von der römischen Kampfesweise dermaßen überrascht, und eigentl. schon von den Velites erledigt wurden.
    Zu einer Schlacht zwischen Römern und Insubrern (ich weiß nicht mehr ob es die 1./223vC oder die 2./222vC war) hält Delbrück die röm. Taktik, erst die Speere vorzustrecken, damit die Insubrer ihre Schwerter daran schartig schlagen (oder sie sich verbiegen) für Unsinn, da schon zu seiner Zeit, metalurgische Versuche den keltischen Stahl als hochwertiger einstuften. Beim gallischen Krieg, glaube ich, sagt er, dass die gall. Stämme eigentl. immer in Unterzahl waren. Soweit aus dem Kopf, müsste aber eig. auch nachschlagen. Ich habe heute viel in diesem forum gelesen und glaube das darüber in einem anderen thread schon diskutiert wurde.
    LG.
     

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