Marx und der real existierende Sozialismus

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von tobiajo, 7. Juni 2010.

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  1. tobiajo

    tobiajo Neues Mitglied

    Hallo,
    im Zuge eines wichtigen Referats beschäftige ich mich gerade mit dem Zusammenhang zw. den Schriften von Marx/Engels (insbesondere dem Manifest der Kommunistischen Partei) und dem real existierenden Sozialismus in Russland.
    Geschichtlich geht es vor allem um die Zeit von der Oktoberrev. bis 1921 (Niederschlagung des Aufstands der Kronstädter Matrosen und Verbot jeglicher Opposition). Wobei ja in dieser Zeit schon deutlich wird, dass Russland eher einem totalitären Staat als einer kommunistischen Gesellschaft nach Marx entgegensteuerte, dass sich die Idee von Marx in das Gegenteil verkehte.

    Konkret könnte man meine Fragen folgendermaßen formulieren:

    Inwiefern war diese Entwicklung schon in den Schriften von Marx/ Engels angelegt?
    Wurde Marx' Idee des Kommunismus durch die Geschichte widerlegt?

    einige Ansätze habe ich:
    1. (Offensichtlich) Das Element der Unterdrückung. Damit verbunden die Frage ob Unterdrückung/ Gewalt zu Freiheit führen kann
    2. Die Erschaffung eines "neuen Menschen" und die Idee den Menschen und die Gesellschaft formen zu können, was in der Realität nicht zum erreichen einer kommunistischen Gesellschaft geführt hat
    3. Unklarheit darüber, wie die Diktatur des Proletariats aussehen soll

    Interessant für mich wäre auch, wie man die bolschewistischen Berufsrevolutionäre im Nachhinein beurteilen kann. Ob das "Experiment Kommunismus" aufgrund eines Verrats an den Idealen oder einfach wegen Unvermögen und persönlichen Schwächen gescheitert ist.


    Ich wäre sehr Dankbar für alle Anregungen (auch Korrektur meiner Aussagen) und Informationen, die mir helfen, mich mit den oben genannten Fragen auseinander zu setzen.
     
  2. elbajo69

    elbajo69 Neues Mitglied

    Marx hatte nach dem Zusammenbruch der Pariser Kommune 1870/71 formuliert, dass das "Proletarriat, einmal an der Macht, diese unter keinen Umständen mehr hergeben" dürfe (habe meine MEW leider nicht mehr, Quelle bitte selber heraussuchen. Dies halte ich für einen ziemlichen Blankoscheck in Sachen drastischer Maßnahmen gegen die "Konterrevolution", bei Lenin heißt es folgerichtig dann auch "kollektiver Terror".

    Den ganzen Knackpunkt in der Entwicklung des Kommunismus benennt Marx in seinen "Thesen über Feuerbach" selber, wenn er sagt, dass auch der Erzieher erzogen werden müsse - jede "neue Gesellschaft" muss mit dem "alten Menschen" errichtet werden. Und ob der diese neue Gesellschaft aufgrund von Unwissenheit oder Charakterschwäche zugrunde gehen lässt, ist eher sekundär.

    Ich würde mich mittlerweile als ziemlichen Antikommunisten (aus anderen, pragmatischen Gründen) bezeichnen, gleichzeitig aber keineswegs behaupten wollen, dass Marx durch die Geschichte widerlegt worden wäre. Im Gegenteil, die konkreten Gründe für das Scheitern des Kommunismus hat er in Teilen sogar schon benannt.
     

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