Medizingeschichte: Impfungen

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Carolus, 20. Januar 2021.

  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In der derzeitigen Corona-Pandemie werden und wurden Impfstoffe entwickelt, getestet und eingesetzt. Trotz veröffentlichter Daten zu Wirkungen und Nebenwirkungen, die eine sehr gute Verträglichkeit und eine sehr hohe Schutzwirkung belegen, gibt es in Teilen der Bevölkerung eine Impfskepsis bzw. Ablehnung.

    Dabei ist diese Ablehungshaltung kein neues Phänomen, sondern gibt es bereits seit Beginn der Geschichte der Impfungen.
     
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  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    @Moderatorenteam

    Könnte man die nachfolgenden Beiträge in diesen Thread kopieren oder verschieben?

     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Soziale Bewegungen, die gegen etwas sind, haben es in der Regel leichter, sich zu mobilisieren und auch zu organisieren.

    Die Ablehnung von Impfungen entspringt sehr unterschiedlichen Motivationen.

    1. Die grundsätzlichen Skeptiker kommen aus dem Bereich der Homöopathie und wenden sich gegen die "Schulmedizin". Dazu können viele Gruppierungen gerechnet werden und es hängt wohl von konkreten lokalen Bedingungen ab, wie stark sich das in Widerstand auswirkt.

    2. Die zweite Gruppe der Skeptiker kommt aus dem Umfeld der Regimeskeptiker und ist verbunden mit einem "Unten vs. Oben"- Weltbild. Ausgeprägt beispielsweise in Frankreich oder auch den USA.

    3. Die dritte Gruppe sind die Verschwörungs-Hysteriker, die wie 2. durchaus politikskeptisch sind, aber zusätzlich ein "komplexes" Hirngespinnst gewoben haben und ein "Paralleluniversum" am Wirken sehen (sorry kann da sprachlich nicht distanziert bleiben)

    4. Die vierte Gruppe rekrutiert sich aus politischen Aktivisten, die Gruppe 1 bis 3 opportunistisch für ihre komplett anderen Zwecke bzw. Ziele instrumentalisieren wollen und diesen sozialen Protest in einen systemüberwindenden Protest verändern bzw. umdeuten möchten.

    Insofern muss man bei einer pauschalen Betrachtung sehr vorsichtig sein, über welche Gruppe man gerade redet. Weil die Gruppe der "Impfgegner" die gibt es nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2021
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Afrika (okay, nicht sehr differenziert, also z.B. in den Ebola-Gebieten in Zentral-Westafrika) oder Pakistan verbinden sich Verschwörungsmythen mit der Angst vor Wiederkolonisation. Da geht man dann nicht zum Impfen, weil man glaubt, dass die Amerikaner oder Europäer die Bevölkerung krank machen wollten. Scheint mir von der Grundidee her eng verwandt mit dem Bevölkerungsaustauschsnarrativ zu sein.
     
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  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Mich verwundern solche Menschen natürlich sehr.

    Es gibt sicher vieles an den Pharmaunternehmen zu kritisieren und ob jede Behandlung wirklich notwendig ist, sei mal dahingestellt. Immerhin sind die Richtwerte, wann jemand krank ist, immer weiter zurückgegangen.

    Aber trotz dieser Kritik ist die Medizingeschichte doch ein großer Erfolg. Heute muss man nicht davon ausgehen, dass die Hälfte der eigenen Kinder vor dem 5. Lebensjahr stirbt. Selbst in den ärmsten Ländern der Welt lebt man im Schnitt länger, als in Mitteleuropa vor 200 Jahren.

    Wie Menschen vor diesen Fakten die Augen verschließen können, ist mir wirklich nicht klar.7

    Das wir keine Angst vor Poken oder Ähnliches haben, ist dank den Impfungen passiert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2021
  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Hier sollte man auch noch die religiös motivierte Impfskepsis oder sogar -verweigerung aufführen. Z. B. gab es in den Niederlanden unter strenggläubigen Calvinisten ein Auftreten von diversen Krankheiten, weil sich diese Gruppe nicht hat impfen lassen wollen. s. z. B.: - Gottesfurcht hinterm Deich

    Dann gibt es noch eine politisch motivierte Ablehnung von Impfungen bzw. bestimmter Impfstoffe. In der ersten Folge der dritten Staffel der Fernsehserie Charité, die zur Zeit des Mauerbaus in Berlin (Ost) spielt, geht es um die Impfung gegen Kinderlähmung. In der Folge wird erwähnt, dass ein in der UdSSR entwickelter und produzierter Impfstoff bereits erfolgreich in der DDR eingesetzt wurde, während in der Bundesrepublik und Berlin (West) dies nicht der Fall sei. Grund sei, dass man im kalten Krieg im Westen keinen Impfstoff aus dem Osten verimpfen wollte. Wie weit das deen historischen Realitäten entspracht, habe ich noch nicht recherchiert.
     
  7. Felixx

    Felixx Neues Mitglied

    Wenn wir es ein wenig abstrahieren, geht es um Skeptizismus bezüglich „von oben verordneter“ Maßnahmen für die Masse der Bevölkerung. Solches war die längste Zeit in der Geschichte der Menschheit vielfach angebracht: Was wurde den Menschen nicht alles eingeredet: Angriffskriege wurden als überlebenswichtig für das ganze Volk verkauft. Ungerechte Steuerlasten und haarsträubende Gesetzte, all die religiösen Zwänge. Dass psychisch und/oder materiell unterprivilegierte Menschen auch heute in komplexen Drucksituationen noch so empfinden, finde ich sozialpsychologisch gut nachvollziehbar.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Hier noch zu dem Thema ein Artikel aus der Welt:

    Vor Sputnik V: Als die DDR dem Westen sowjetischen Impfstoff anbot - WELT
     
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Impfen, Gates und Ramón y Cajal, nebst „Querdenkern“.

    Absurdes hat ja derzeit Konjunktur in der Maske des Realen.
    Ob Chemtrails, Bevölkerungsaustausch, ob rituelle Kinderopferung durch finstere Mächte, oder auch Gedankenkontrolle durch diese, mithilfe auch durch „Wellen“, oder Mikro-Chips durch Impfung implantiert.

    Ramón y Cajal, Medizinnobelpreisträger 1906, für seine Arbeit zu Zellaufbau und Nervensystem, ist auch ein Dichter und schreibt wohl auch gerne fantasievolle Sience-Fiction.
    Er macht er sich den Spaß die fiktive Beschreibung einer „Anständigkeitsimpfung“ 1905 zu veröffentlichen.
    A mind-controlling vaccine? A Spanish neuroscientist already thought of that in the 1800s

    Ob er das gemacht hätte in einem geistigen Klima, in dem zunehmend die Konturen zwischen Fakt und Fiktion verschwimmen, in einer anschwellenden Flut ungefilterter „Informationen“?
    Vor dem Hintergrund, dass sich falsche Informationen nun wieder einmal rascher verbreiten als reale?

    Es fällt nicht schwer die Zensur der Fantasie durch den Wahnsinn zu argwöhnen.
     
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

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  11. Felixx

    Felixx Neues Mitglied

    ....eine treffende kurze Zusammenfassung zugrunde liegender Psychopathologie.
    Sie glauben es wirklich, ansonsten würden sie die naheliegenden Risiken - nicht zuletzt für die eigene Reputation - nicht eingehen. Am meisten fasziniert es mich bei den Ärzten, zumeist intelligenten, mit wissenschaftlicher Methodik und medizinischen Naturgesetzlichkeiten vertrauten Personen.
     
  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    schwedenmann und silesia gefällt das.

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