Man muss auch bedenken, dass die Sassaniden spätestens nach 476 nur noch dem Oströmischen Reich gegenüberstanden. Dem übrig gebliebenen Restreich standen nicht mehr die Machtmittel des einstigen Imperium Romanum zur Verfügung. (So gab es bspw. keine Truppen mehr, die man vom Rhein nach Osten hätte verlegen können).
Selbst nachdem die Sassaniden die reichsten Provinzen Ostroms (Ägypten, Syrien) im letzten Römisch-Persischen Krieg erobert hatten, gelang es ihnen auch im Bündnis mit den Awaren (Konstantinopel wurde von zwei Seiten bedroht) nicht, Ostrom zu besiegen.
Stattdessen gelang es Heraclius mit seinen bescheidenen Mitteln, die Sassaniden zurückzudrängen und den Krieg sogar tief in das Territorium der Sassaniden zu tragen. Wenngleich die römische Allianz mit den Kök-Türken hier sicher eine Rolle spielte.
Ich bin mir nicht sicher, ob mich meine Erinnerung hier täuscht - legt mich also nicht fest, ich werde es nachlesen - aber der Ablauf war meines Erachtens folgendermaßen:
Chosrau II. gelangt mit der Hilfe des oströmischen Kaisers Maurikios auf den Thron. Als Gegenleistung muss er einen für das Sassanidenreich sehr ungünstigen Vertrag schließen. Als Maurikios von Phokas gestürzt wird, ist das für Chosrau II. ein willkommener Vorwand, um sich zu "revanchieren." Und sofern ich mich nicht täusche, soll Chosrau II. anfangs sogar Unterstützung von römischen Truppen, die Phokas feindlich gegenüberstanden, erhalten haben. Dies und die chaotischen Zustände durch den Kaisersturz sind verantwortlich für die großen Erfolge der Sassaniden. Phokas war dann zwar zeitweise erfolgreich in der Verteidigung, wurde dann aber seinerseits von Heraclius gestürzt, was anfangs wieder den Vormarsch der Sassaniden begünstigte. Ein Beweis für die Überlegenheit der Sassaniden gegenüber Ostrom findet sich meines Erachtens hierdurch aber nicht.
Dass Rom seinerseits die eroberten Gebiete im Sassanidenreich (zum größten Teil) nie langfristig halten konnte hängt wohl auch mit den Konstellationen in Mesopotamien zusammen, bei denen sich das römische Herrschaftssystem wohl eher als Nachteil erwies.
Gleichwohl waren die Sassaniden zweifelsohne der mächtigste Gegner Roms/Ostroms, als dieses noch ein wirkliches Imperium war. Das Ende der Arsakiden-Dynastie (Parther) und die Übernahme der Sassaniden stellt dennoch eine Zäsur für das Römische Reich da. Die Sassaniden nutzten nicht nur die Ressourcen ihres Reiches effizienter, sondern agierten auch viel aggressiver als ihre Vorgänger. Es wird oft unterschätzt, dass das Hauptaugenmerk der römischen Verteidigung spätestens seit diesem Zeitpunkt nicht am Rhein und an der Donau lag, sondern an der Grenze zum Sassanidenreich.