Namibia Unabhängigkeitskrieg (1966 - 89)

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von JensH, 19. Juli 2019.

  1. JensH

    JensH Neues Mitglied

    Ich habe bei Wikipedia zu dem Thema Namibischer Unabhängigkeitskrieg einen Artikel gelesen, in dem sehr wenig über den Verlauf des Krieges geschrieben wurde. Ich habe selbst zu diesem Thema bei Wikipedia Informationen ergänzt. Mein Beitrag wurde gelöscht. Meine Literaturquellen wie z. B. der Volks-Ploetz, der große Ploetz und die Webseite von Klaus Dierks über die Geschichte Namibias wurde bei Wikipedia als Literatur nicht anerkannt.
    Andererseits bittet Wikipedia um Ergänzung von Beiträgen.

    LG JensH
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich verstehe noch nicht ganz, was du von uns möchtest, habe mir aber mal ein bisschen angeschaut, was du geschrieben hast. Ich unterstelle mal, dass du hier eine Erklärung für die Löschung deiner Bearbeitung suchst, die du bei Wikipedia nicht befriedigend erhalten hast?

    Du steigst zunächst einmal wertend ein. Wikipedia wertet aber i.d.R. nicht, sondern beschreibt (zumindest idealerweise). Dann lieferst du gefühlt eine fast minutiöse Nacherzählung des Krieges. Aber Wikipedia ist ein Konversationslexikon. Der Leser soll nicht mit Details ermüdet werden, sondern einen Überblick bekommen, am Beispiel einer Auseiandersetzung: Wo lagen die Konfliktlinien? Wer waren die Akteure? Auslöser, wichtige Ereignisse, Ergebnisse/Ausgang des Konflikts, Bewertung (aber nicht die eigene Bewertung sondern die z.B. der UN, renommierter Historiker oder Publizisten o.ä.). Wikipedia steigt also nicht in die Diskussion ein, sondern bildet sie ab. Die Bewertung muss dabei klar von der Darstellung getrennt und als Bewertung erkennbar sein.

    Nach dem was ich - bei einer zugegebenermaßen nur oberflächen Ansicht des Artikelveränderungsverlaufs - sehe, sind das die beiden Hauptprobleme, die Wertung in deinem Einstieg und der teils minutiöse Handlungsverlauf.
    Die militärische Seite des Konfliktverlaufs ist nur interessant, wenn sie auch zu ideologischen Umdenken führt oder wenn sich dadurch Territorien verschieben.

    Wenn man sich z.B. am Ende eines Konflikts im Waffenstillstand und oder Frieden auf eine Grenze nach dem Status quo ante einigt, dann ist der militärische Konfliktverlauf wahrscheinlich eher unwichtig. Wenn es aber einem Land gelingt, dem anderen Territorium abzuzwacken - wie etwa Chile bis heute aus peruanischer Sicht Arica besetzt hält -, dann kann der militärische Verlauf durchaus von Interesse sein.
    Oder wenn es wenigen Guerilleros, die mit einer Segelyacht aus Mexiko in Kuba anlanden schließlich eine Bewegung von Zehntausenden wird, der es gelingt, Berufssoldaten in den Flucht zu schlagen, dann ist das bemerkenswert. Oder wenn der militärische Konflikt britische Protektoratstruppen in Palästina so zermürbt, dass die das Protektorat aufgeben.

    Wenn Vergleichbares nicht der Fall ist, ist der militärische Teil des Konfliktes nicht so wichtig, dass man ihn minutiös ausführen müsste. Konfliktbeteiligte Soldaten/Kämpfer (oder deren Angehörige) mögen das aus verständlichen Gründen anders sehen, aber für die große Mehrheit ist das nicht von Belang.
     
    thanepower gefällt das.
  3. JensH

    JensH Neues Mitglied

    Ich wollte eine informative Beschreibung des Konflikts darstellen. Die Literaturquellen Volks-Ploetz und großer Ploetz sind bekannte Nachschlagewerke. Doch Wikipedia bewertet diese Quellen als nicht geeignet. Bei Wikipedia habe ich bei den Themen Simbabwe Rhodesienkonflikt oder Algerien, der Algerienkrieg gegen die französische Kolonialherrschaft wurden diese Konflikte ausführlich beschrieben.

    Ich wünsche ein schönes Wochenende.

    VG JensH
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was deine Literatur angeht: Der "Volks-Ploetz" ist natürlich nur eine gekürzte Ausgabe des Ploetz, und nicht zitierfähig. Der Große Ploetz allerdings sollte zitierfähig sein. Wichtig ist, dass du Artikel und Verfasser des Artikels benennst. Und natürlich die Auflage.
    Was nun die Website von Klaus Dierks angeht, so war dieser ja Konfliktbeteiligter. Nun gibt es ein - in beide Richtungen funktionierendes - Bonmot über das Verhältnis zwischen Historikern und Zeitzeugen:

    Der Historiker ist der größte Feind des Zeitzeugen.

    Der Zeitzeuge ist der größte Feind des Historikers.

    Der Zeitzeuge war - aus einer Sicht - dabei, lässt sich daher vom Historiker ungerne erklären, was er denn erlebt hat. Was viele Zeitzeugen übersehen, ist, dass sie eine sehr subjektive Sicht auf die Dinge haben (man kann halt nicht aus dem eigenen Kopf heraus, wenn man etwas selbst erlebt, die Sinnesorgane sind da, wo sie sind und man hat selten Gelegenheit, sich mit den Augen einer anderen Person zu sehen).

    Der allenthalben existierende Konflikt zwischen Zeitzeuge und Historiker drückt sich dann auch in der vermeintlichen Unmittelbarkeit aus, derer der Zeitzeuge sich wähnt. Er hat das Geschehen unmittelbar erlebt, wohingegen der Historiker es nur mittelbar (also durch diverse Quellen vermittelt) untersuchen könne. Hier allerdings kommt ein Problem ins Spiel, welches mittlerweile zwar gut untersucht ist, welches Zeitzeugen aber nicht so auf dem Schirm haben. Neben einem bestimmten (und meist auch bewussten) Interesse an einer Deutungshoheit auf das eigene Erleben - z.B. wenn man Beteiligter einer Konfliktpartei war, wie hier im konkreten Falle von Klaus Dierks - gibt es das Problem, dass zwar das Erleben des Zeitzeugen unmittelbar ist, aber nicht seine Erinnerung. Ich habe das selbst an mir gesehen. Ich war im Herbst 1989, ungefähr einen Monat vor dem Fall der Mauer, mit meinen Eltern in Berlin und wir wollten nach Ostberlin. Ich war jahrelang der festen Überzeugung, das wir am 40. Jahrestag der DDR versucht haben, am Bahnhof Friedrichsstraße in die DDR zu kommen (mein Vater und ich wären reingekommen, aber die haben abgezählt: 1-2-3-rein, 1-2-3-raus, mein Vater und ich waren 2 und 3, meine Mutter 1), bis ich irgendwann mal festgestellt habe, dass wir gar nicht im 7. Oktober in Berlin gewesen sein können, sondern frühestens einen Tag später und somit auch erst drei oder vier Tage nach dem 40. Jahrestag versucht haben, nach Ostberlin zu kommen. Das ist zwar für den Verlauf der Geschichte furchtbar irrelevant, aber ein Bsp. das zeigen kann, wie die Erinnerung einem einen Streich spielt. Und das ist bei Zeitzeugen in vielen Fällen nachgewiesen, dass die Erinnerung - selbst in bester und ehrlichster Absicht erzählt - eben nicht unmittelbar sondern mittelbar ist und durch äußere Einflüsse verändert wird. Zeitzeugen flechten in ihre Zeitzeugendarstellung ihr historisches Wissen, welches sie teilweise aktiv erworben haben (z.B. durch gezielte Lektüre) teilweise aber auch nur nebenbei - etwa weil im heute Journal oder in den tagesthemen an ein historisches Ereignis erinnert wird - ein und kontaminieren somit - bewusst oder unbewusst - ihre Erinnerung. In einer massen- und crossmedial geprägten Welt passiert das natürlich noch in einem viel stärken Maße als vor der Erfindung der Periodika.

    Die Website von Klaus Dierks als parteiisch Beteiligtem eignet sich also nicht für den darstellenden Teil, sondern könnte allenfalls im Bewertungsteil des Artikels als Quelle herangezogen werden, mit Kennzeichnung der Position die Dierks zuletzt bzw. zum Zeitpunkt der Niederschrift hatte (ich meine damit nicht seinen Ministerposten, sondern die Entwicklung seiner Auffassung).
     

Diese Seite empfehlen