Neue archäologische Entdeckungen

Große mittelalterliche Kogge vom frühen 15. Jahrhundert bei Dänemark entdeckt.
 
ein weiterer Bericht dazu:
 
Das Holzwerkzeug ist beeindruckend.

Es erinnert mich in der Handhabung an das Haubergswerkzeug, das bei uns "Schiwwel" genannt wurde (scharfe runde Klinge an dünnem Stiel, mit Handgriff aus Holz), hier aber mit kurzem Handstück.

Damit lässt sich Birken- oder Eichenrinde von jungen Bäumen schälen, entweder zur Lohegewinnung (die Rinde ist reich an Gerbsäure) oder früher für leichte und haltbare Gefäße, vor allem aber für endlose "geringelte" Streifen (ähnlich denen beim Apfelschälen mit dem Knipchen), die elastisches Flecht- und Bindematerial u.a. zum Befestigen von Steinwerkzeugen geben. Als Kinder haben wir damit ohne Nägel Zäune geflochten.
 
Der STERN berichtet darüber, dass in Cordoba die im Jahr 1001 in einem andalusischen Bürgerkrieg zerstörte Palaststadt Madinat al-Zāhira durch LIDAR-Technik gefunden werden konnte. Die Stadt war aus schriftlichen Quellen bekannt, deren genaue Lokalisierung bisher aber erfolglos. Nun hat der Archäologe Antonio Monterroso Checa Spuren entdeckt, die deren genaue Lage verraten.

Tausend Jahre verschollen: Lasertechnik enthüllt historische Palaststadt
 
Der STERN berichtet darüber, dass in Cordoba die im Jahr 1001 in einem andalusischen Bürgerkrieg zerstörte Palaststadt Madinat al-Zāhira durch LIDAR-Technik gefunden werden konnte. Die Stadt war aus schriftlichen Quellen bekannt, deren genaue Lokalisierung bisher aber erfolglos. Nun hat der Archäologe Antonio Monterroso Checa Spuren entdeckt, die deren genaue Lage verraten.

Tausend Jahre verschollen: Lasertechnik enthüllt historische Palaststadt
Leider ist in dem Stern-Artikel eine unklare Formulierung oder ein Fehler. Madina az-Zahra' bestand etwa 80 Jahre (inklusive Bauzeit), Madina az-Zahira aber nur 30 Jahre (inklusive Bauzeit).
Ich bin auf weitergehende archäologische Forschungen gespannt. Wenn man Almanzors Erweiterung der Moschee von Córdoba ansieht, ist das zwar die größte, aber auch die handwerklich dilettantischste (der Wechsel von Kalkstein und Ziegel ist auf die Bögen nur aufgemalt, die Säulen sind nicht richtig rund (mit Handwerkerinschriften), als Erdbebenschutz (wozu in den älteren Teilen der Moschee der Wechsel von Kalkstein und Ziegel diente) sind Bleischeiben zwischen Säule und Kapitel gelegt. Ich stelle mir auch Madina az-Zahira als ähnlich dilettantisch vor. Mein Verdacht bislang war ja immer, dass es sich kaum um mehr als eine Zeltstadt gehandelt haben kann, da man nicht gefunden hatte, obwohl die Ortsangaben vergleichsweise präzise waren: Etwa gleich weit von Códoba entfernt, wie Medina az-Zahra', bloß in entgegengesetzter Richtung.
 
Antonio Monterroso Checa betont, dass es nur ein Vorschlag sei (so heißt auch sein Text: Vorschlag der Örtlichkein von Madinat az-Zahira em extremen Osten von Córdoba - PROPUESTA DE UBICACIÓN DE MADINAT AL-ZĀHIRA EN EL EX-
TREMO ESTE DE CÓRDOBA
). Er schreibt:

El resultado es una propuesta sustentada en datos físicos positivos que plantea que, lo ofre-​
cido por los Modelos Digitales del Terreno derivados de esos datos LiDAR, puede ser la ciudad​
de Almanzor, que estaría así situada entre los meandros del río y los farallones serranos del pie​
de monte del entorno de Alcolea. Es una propuesta extrema: porque sitúa la ciudad a doce​
kilómetros al este de la Aljama y los alcázares de Madinat Qurtuba, en vecindad de la desem-​
bocadura del río Guadalmellato en el Guadalquivir (Fig. 1). Y lo es, porque, o todo o nada:​
quién conoce bien las tipologías arquitectónicas históricas sabe que no son fáciles otras expli-​
caciones arqueológicas para el yacimiento que más adelante se expone.​
Espero que esta propuesta sea un día realidad. Me hubiera gustado haber podido hacer una​
prospección geofísica a pie para no haber tenido que escribir “propuesta” en el título de este​
trabajo. O para haber descartado su publicación. No está en mi mano. Los terrenos tienen due-​
ños y, sin ellos, no es posible. Por ahora no lo es.​
Das Ergebnis ist ein auf positiven physikalischen Daten gestützter Vorschlag, der davon ausgeht, dass das, was die aus diesen LiDAR-Daten abgeleiteten Digitalen Geländemodelle zeigen, die Stadt Almanzors sein könnte. Diese wäre demnach zwischen den Mäandern des Flusses und den felsigen Steilhängen des Gebirgsfußes in der Umgebung von Alcolea gelegen. Es handelt sich um einen extremen Vorschlag, da er die Stadt zwölf Kilometer östlich der Aljama und der Alcázares von Madinat Qurtuba verortet, in unmittelbarer Nähe der Mündung des Flusses Guadalmellato in den Guadalquivir . Und er ist extrem, weil es ein Alles-oder-nichts-Ansatz ist: Wer die historischen architektonischen Typologien gut kennt, weiß, dass es kaum andere archäologische Erklärungen für die weiter unten vorgestellte Fundstätte gibt.​
Ich hoffe, dass dieser Vorschlag eines Tages Realität wird. Ich hätte mir gewünscht, eine geophysikalische Prospektion vor Ort durchführen zu können, um nicht gezwungen gewesen zu sein, das Wort „Vorschlag“ im Titel dieser Arbeit zu verwenden – oder um ihre Veröffentlichung ganz zu verwerfen. Das liegt jedoch nicht in meiner Hand. Die Grundstücke haben Eigentümer, und ohne deren Zustimmung ist dies nicht möglich. Derzeit ist es das nicht.​
 
Bericht über die hohe Schriftlichkeit in der von den Römern zwischen 76 und 72 v.Chr. zerstörten iberischen Stadt am Cabezo de Alcalá, in Azaila, am Ebro in der Nähe von Teruel:


Es sind über 1.000 Inschriften, zu 98% in iberischer Sprache, meist als Besitzername auf Keramik, aber immer gut sichtbar, sich an den Betrachter wendend.
Parallel existieren auch lateinische Inschriften, da man viele römische Importgüter hatte.

Interessant auch die Beschriftung einiger Gefäße mit Belenos, was sowohl Bilsenkraut als rauschverstärkende Zutat im Wein sein kann, als auch m.E. ein Hinweis auf den keltischen Gott Belenus / Belenos.


"Die plötzliche und gewaltsame Zerstörung von Azaila versiegelte dieses Archiv an Ort und Stelle. Im Gegensatz zu Städten, die sich unter römischer Herrschaft allmählich entwickelten, bietet Cabezo de Alcalá einen Einblick in die iberische Gesellschaft kurz vor ihrem Verschwinden. Es gibt keine großartigen Inschriften, die Herrscher oder Götter preisen. Stattdessen gibt es Teller, Krüge und Gewichte – jedes davon mit Spuren menschlicher Absichten.

Zusammen bilden diese fast tausend Inschriften eine beispiellose Aufzeichnung darüber, wie das Schreiben in einer antiken Stadt funktionierte, nicht als abstrakte Fertigkeit, sondern als tägliche Gewohnheit. Azaila mag seinen Namen verloren haben, aber durch diese Zeichen sprechen seine Bewohner noch immer – leise, praktisch und unverkennbar menschlich."

López Fernández, A. (2025). Azaila: Writing in an Iberian city. Palaeohispanica, 25, 227–254.
Azaila: escribiendo en una ciudad ibérica | Palaeohispanica. Revista sobre lenguas y culturas de la Hispania Antigua

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Die Stadt wurde während der römischen Kriege gegen Sertorius zerstört:
Mir gefiel auch diese Beschreibung:

Besonders bedeutend ist mir aber, dass er sich eine Zeitlang nach Mauretanien zurückziehen musste und auch eine Flucht auf die Kanarischen Inseln erwog. Oder diese als entfernt, entlegen, aber bekannt voraussetzte ("Zur Not ziehe ich auch nach Bayern").

Für die Entdeckung und Erschließung der kanarischen Inseln ist eine Schlüsselrolle möglich.
 
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Die Stadt wurde während der römischen Kriege gegen Sertorius zerstört:
Mir gefiel auch diese Beschreibung:

Besonders bedeutend ist mir aber, dass er sich eine Zeitlang nach Mauretanien zurückziehen musste und auch eine Flucht auf die Kanarischen Inseln erwog. Oder diese als entfernt, entlegen, aber bekannt voraussetzte ("Zur Not ziehe ich auch nach Bayern").

Für die Entdeckung und Erschließung der kanarischen Inseln ist eine Schlüsselrolle möglich.

Vorsicht! Die Kanaren kommen bei Plinius erstmals vor. Plutarchs Doppelbiographien werden noch mal etwa ein halbe Jahrhundert später geschrieben.
Also ca. 170 nach Sertorius' Tod dichtet Plutarch Sertorius an, er habe sich auf die Kanaren zurückziehen wollen.
Plinius' Bericht von der Kanarenexpedition Iubas II. dürfte sich auf die mittelaugusteische Zeit beziehen, also ca. 60 bis 70 Jahre nach Sertorius' Tod. Es ist wahrscheinlich, dass es sich bei der Unterstellung, Sertorius habe erwogen, sich auf die Kanaren zurückzuziehen, um einen Anachronismus handelt.
 
Der STERN berichtet darüber, dass in Cordoba die im Jahr 1001 in einem andalusischen Bürgerkrieg zerstörte Palaststadt Madinat al-Zāhira durch LIDAR-Technik gefunden werden konnte. Die Stadt war aus schriftlichen Quellen bekannt, deren genaue Lokalisierung bisher aber erfolglos. Nun hat der Archäologe Antonio Monterroso Checa Spuren entdeckt, die deren genaue Lage verraten.

Tausend Jahre verschollen: Lasertechnik enthüllt historische Palaststadt

Also ich bin nicht überzeugt.
Madinat az-Zahra' liegt sechs Kilometer westlich von Córdoba. Monterroso Checa zitiert zwar diese Quellenstelle nicht, aber ich meine mich zu erinnern, dass Madinat az-Zahira den Quellen zufolge in entgegengesetzter Richtung etwa gleich weit von Córdoba am rechten Guadalquivirufer gelegen habe. Was Monterroso Checa präsentiert, liegt etwa 12 km östlich von Córdoba. Nun gut könnte man sagen, die archäologischen Quellen schlagen dann eben die historiographischen, wenn in denen die Entfernungsangaben unpräzise sind.
Die Gebilde, die Monterroso Checa uns dann aber als die Palaststadt Madinat az-Zahira präsentiert, liegen auf drei Hügelausläufer verteilt, sie folgen überhaupt nicht dem typischen Aufbau umayyadischenzeitlicher Strukturen, wie wir sie aus al-Andalus kennen. Die Strukturen, die Monterroso auf jeden Fall als vor dem Spätmittelalter entstanden identifiziert (im Spanischen spricht man von la baja Edad Media oder bajomedieval, also vom 'Niedermittelalter') - er sagt ja nicht definitiv, dass es sich um die Palaststadt Almanzors handelt, sondern schlägt das bloß vor - sind in der Tat erklärungsbedürftig. Für al-Muniyyas (das arabische Äquivalent zur römischen Villa rustica) liegen sie zu eng beieinander, aber für eine Palaststadt, die Madinat az-Zahra' als Vorbild hatte und an Pracht übertreffen wollte, fehlt einfach der hierarchische Aufbau aus einem Guss. Wie gesagt, dass Madinat az-Zahira die ältere Madinat az-Zahra' tatsächlich an Pracht übertraf, daran darf gezweifelt werden: Die Bauzeit war viel kürzer und die zeitgleiche Erweiterung der großen Moschee von Córdoba ist ja auch eher dilettantisch bzw. billig ausgeführt (ich erwähnte es bereits: Der Wechsel von Kalkstein und Ziegel ist nur noch aufgemalt, die Säulen nicht gleichmäßig rund. selbst die alte Außenwand der Moschee ist nicht entfernt worden und der Mihrab liegt nicht mehr in der Mitte, da nicht die Schiffe verlängert wurden, wie in den früheren Erweiterungen, sondern stattdessen neue Schiffe hinzugefügt wurden (von 11 auf 16).

Das ist die kalifale Palaststadt Madinat az-Zahra':

1769854270998.png


1769854474737.png


Und dies hier ist nach Monterroso Checas Vorschlag die Palastadt Madinat az-Zahira:

1769854602721.png


1769854801281.png


Wie gesagt, diese Strukturen sind erklärungsbedürftig, aber dies als Palaststadt Almanzors zu definieren, wäre mir nicht im Traum eingefallen wenn ich diese in einem LiDAR-Scan entdeckt hätte.
 
Vorsicht! Die Kanaren kommen bei Plinius erstmals vor. Plutarchs Doppelbiographien werden noch mal etwa ein halbe Jahrhundert später geschrieben.
Also ca. 170 nach Sertorius' Tod dichtet Plutarch Sertorius an, er habe sich auf die Kanaren zurückziehen wollen.
Plinius' Bericht von der Kanarenexpedition Iubas II. dürfte sich auf die mittelaugusteische Zeit beziehen, also ca. 60 bis 70 Jahre nach Sertorius' Tod. Es ist wahrscheinlich, dass es sich bei der Unterstellung, Sertorius habe erwogen, sich auf die Kanaren zurückzuziehen, um einen Anachronismus handelt.
Nicht ganz. Von derartigen Plänen, sich auf entfernte Inseln im Atlantik zurückzuziehen, berichtete bereits Sallust in seinen "Historien", allerdings ohne Nennung des Namens "Kanaren". Den Namen nennt aber auch Plutarch nicht. Bei beiden Autoren lässt sich nicht sicher sagen, welche Inseln sie meinten.
 
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