Charles Dickens hat bei Ebenezer Scrooge auch nicht an eine Ente mit Zylinder (Scrooge McDuck) gedacht. So what!? Der Film ist doch sowieso nur Hollywood/Disney Junkfood.

Kann mich noch an ein Interview mit James Cameron erinnern. Er klagte das halbe Interview lang über die Ideenlosigkeit von Hollywood. Prequel, Sequel, Serie, Spinoff usw. …. keine neue Ideen mehr und dann selber Avatar 2 und 3 anzukündigen.

Die einzig sehenswerte Odyssee Verfilmung ist sowieso nur O Brother, Where Art Thou? der Coen-Brüder.
 
Die Frage ist, wer der Adressat ist. Ilias und Odyssee sind mittlerweile universaler Stoff.
Sind sie das wirklich? Ob man (ich meine den Durchschnittsbürger mit einer brauchbaren Allgemeinbildung, nicht einen Spezialisten für europäische Literatur) sie auch in Schwarzafrika (oder in Süd-, Südost- und Ostasien) kennt? (Ich weiß es nicht.) Oder nicht doch eher nur in Regionen, deren Kultur „europäisch“ bzw. europäischer Herkunft ist?

Abgesehen davon verstehe ich nicht, welchen Unterschied das machen soll. Wer den Stoff kennt, weiß auch, wo er zu verorten ist – und wo nicht.
 
Samuel L. Jackson spielt den Killer Jules mit einer atemberaubenden Brillanz bis ins letzte Detail. Sollte jemals ein Schlaubi auf die Idee kommen, pulp fiction neu zu verfilmen und die Rolle des Jules mit einem z.B. Helmut Qualtinger*) besetzen: ich würde auch hier von einer Fehlbesetzung sprechen. ABER jetzt der Clou, weshalb ich auf pulp fiction zu sprechen komme: gern übersehen werden die Notizen, die sich Mr. Wolfe (Harvey Keitel - absolut brillant!!) beim telefonieren macht - er notiert sich die Hautfarben der Protagonisten! Das nimmt ironisch vorab Diskussionen wie diese hier aufs Korn :D:D:D

Kann Pulp Fiction überhaupt ohne Dauerpiepsen, wegen dem N-Wort, noch in der FSK 16 Version gesendet werden?
 
Abgesehen davon verstehe ich nicht, welchen Unterschied das machen soll. Wer den Stoff kennt, weiß auch, wo er zu verorten ist – und wo nicht.
Umso unverständlicher ist es, dass sich die Diskussion an der Petitesse Besetzung der Helena (einer Nebenrolle in der Odyssee, die vielleicht 5 % der Spielzeit des Films überhaupt zu sehen ist) entzündet.
 
Es gab glaub ich damals schon auch Leute, die meinten einige Darsteller wie Kruger, Pitt oder Hedlund sähen "zu nordisch" aus.
 
Helena ist im Epos die unbestritten schönste Frau der Welt. Natürlich wird man keine Besetzung finden können, die dieser Anforderung gerecht wird.

Und was das angeblich Antigriechische Hollywoods betrifft: Für mich ist das unsinnigste Konzept der woken Weltanschauung die Verteufelung der kulturellen Aneignung. Jetzt scheint es so, als würde es, hufeisenförmig, auf konservativer Seite übernommen.
(Sorry für die etwas polemische Zuspitzung)
 
Und dass da ein Wikingerschiff vorkommt, ist "woke"?
Das ist eher wie "Naja, die depperten Zuschauer werden da eh keinen Unterschied sehen hahaha!" Und tatsächlich hat gestern einer auf yt bei einer Filmbesprechung gemeint, die wären da auf einer "Galeere" unterwegs gewesen. Apropos yt, guckt euch dort lieber mal Unterwegs mit Odysseus, Zeichentrick (1979) an. :cool:
 
Und wenn ich z.B. sowas in einem Theaterstück (oder in einem bewusst nicht auf Realismus getrimmten Film wie Fellinis Satyricon) sehen würde, fänd ich's okay, aber so .... :rolleyes:

HNYGD_maoAA1rSW.jpg
 
Nur weil Helenas Vater ein Schwan war, heißt das noch lange nicht, dass sie weiß aus dem Ei der Leda geschlüpft ist, immerhin gibt es (in Australien) auch schwarze Schwäne.:p
Immerhin ist es den Filmemachern gelungen mit ihren Casting-Entscheidungen maximale Aufmerksamkeit zu generieren.

Was mir beim Trailer gleich aufgefallen ist, dass diese neue Hollywood-Griechen Hosen tragen. Als Kostümfilm versagt diese Odyssee auf ganzer Linie. Ähnlich wie die Rüstungen in Plastik-Optik erinnert mich das optisch leicht an die leidige Trash-Serien der 90er um Hercules und Xena.
 
erinnert mich das optisch leicht an die leidige Trash-Serien der 90er um Hercules und Xena.
Die habe ich gerne gesehen.

Allerdings waren sie nie ernst gemeint, schon gar nicht als Verfilmung von was auch immer, sondern von Vornherein als Trash angelegt. Umso mehr genoss ich es, allerhand Versatzstücke aus der Mythologie (in späteren Folgen auch Geschichte) in ihnen zu entdecken.
 
Die habe ich gerne gesehen.

Allerdings waren sie nie ernst gemeint, schon gar nicht als Verfilmung von was auch immer, sondern von Vornherein als Trash angelegt. Umso mehr genoss ich es, allerhand Versatzstücke aus der Mythologie (in späteren Folgen auch Geschichte) in ihnen zu entdecken.

Das war Unterhaltung, das war Trash, und der Charme der Serien bestand gerade darin, dass man sich nicht selbst so furchtbar ernst nahm.

In der historischen Ausstattung waren diese Serien aus den 1990ern auch nicht schlechter als Nolans Opus magnus
 
Helena ist fiktiv. Aber sicher von "Homer" nicht als blonde Mitteleuropäerin, wie Diane Kruger, erdacht worden.
So abwegig ist das übrigens gar nicht. Zumindest von Achilleus heißt es in der Ilias (23,141) ausdrücklich, dass er ξανϑὴν χαίτην hatte. Das Wort ξανθός ist leider nicht eindeutig, manchmal wird es als "blond", manchmal als "braun" übersetzt. Demzufolge hatte Achilleus also blondes oder braunes Haar.

Auch ein späterer, sogar historischer, Held, nämlich Alexander der Große, soll "xanthos" gewesen sein (Aelianus, Varia Historia 12,14).
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Frage ist, wer der Adressat ist. Ilias und Odyssee sind mittlerweile universaler Stoff. Wenn die Erzählung aus der Zulu-Mytholoie universaler Stoff wäre (dass sie es nicht ist, merken wir schon daran, dass wir zu ignorant sind, um welche zu kennen), wäre das imho genauso legitim, wie hier.

Ich persönlich hätte Lupita Nyong'o nicht für die Rolle ausgewählt, aber eben auch nicht Diane Kruger. Das rassistische an der Debatte - und sie ist rassistisch(!) - ist nicht die Kritik an der Besetzung Helenas mit Lupita Nyong'o, sondern, dass sie sich alleine auf diese Rolle fixiert und eben nicht auf den weiteren Cast (Charlize Theron, blond, Matt Damon, aschblond etc.), einzig und allein auf die Kenianerin bezogen. Bei allen anderen gibt es keinen Störfaktor und das ist doc seltsam.

Meinetwegen dreh Shaka Zulu mit einer Handvoll Schluchtenscheißern und Piefkes. Es könnte mir nicht egaler sein, wenn der Film nur gut ist.
Anstatt dass wir Drehbuch, schauspielerische Leistung, Regie, Kameraführung etc. bewerten, bewerten wir hier die Hautfarbe einer Schauspielerin. Die Frage ist doch, ob der Film am Ende überzeugen kann - und dazu muss man ihn gesehen haben. Alles andere sind Vorverurteilungen!

Wenn im Ring der Nibelungen Siegfried im Anzug mit Krawatte auf der Bühne steht, ist das nicht im Einklang mit dem, wie Wagner sich das vorgestellt hat, aber regt sich darüber jemand auf? Ist nicht die Hauptsache, dass er die Töne trifft?

Das Medium Oper oder Hörspiel ist aber auch schwer mit dem medium Film zu vergleichen, das sind ja doch unterschiedliche Sehgewohnheiten



Der Punkt ist doch, nehme ich einem Schauspieler eine bestimmte Rolle ab, oder eben nicht.

Ein Franzose verkörperte eine Romangestalt einen Apachenhäuptling, den ein deutscher Autor geschaffen hatte, ein Amerikaner verkörperte den teutonischen Superhelden Old Shatterhand, ein Brite den Old Surehand, aber selbst wenn die mit den Figuren aus Karl Mays Romanen nicht viel gemein hatten, so waren Pierre Price, Lex Barker und Stewart Granger doch immerhin eine Marke, man nahm ihnen die Rolle doch immerhin ab.

Ein Jude aus Osteuropa gebürtig, Amerikaner spielte Spartacus, spielte Odysseus, und Kirk Douglass in Ulysses 1954 war überzeugend, es war auch eine Verfilmung, die sich recht eng an die Vorlage hielt. Ein Mexikaner, Anthony Quinn spielte seinen Widersacher Antinous, und auch dem nahm man es ab.

Brad Pitt nahm man doch immerhin das Duell mit Boagrios, mit Hektor ab, und man mag den Film kritisieren, aber ich fand dass die Szene mit Priomos (Peter o Toole zumindest noch einen Hauch vom Geist Homers rübergebracht hat.



Es hat aber auch die Phantasie ihre Grenzen, es gibt Vorlagen und Klassiker, es gibt Sehgewohnheiten, es gibt Erwartungen, und es gibt vielleicht auch angenehme Erinnerungen, die Zuschauer mit Klassikern des Films oder auch mit Disney-Klassikern verbinden, an denen sich Remakes eben auch messen lassen wollen, da haben Zuschauer gewisse Assoziationen und Erwartungen, Sie haben bestimmte Vorstellungen von James Bond, von Helena oder auch von Arielle. Die Zuschauer mögen das Original, sie mochten Tinker Belle oder Arielle, auch Mulan, und diese woken auf divers getrimmten Remakes hassen sie, weil es ihre Erwartungen enttäuscht. Weil man ihnen etwas vorsetzt, was sie nicht sehen wollen.

Es enttäuscht ihre Erwartungen, es widerspricht ihren Sehgewohnheiten man kauft den Darstellern einfach eine Rolle nicht ab.

Wenn die Zuschauer es einfach nicht abkaufen, wenn sie es nicht sehen wollen, dann war es vielleicht auch einfach nur eine Fehlbesetzung.

Die Zuschauer haben es Rachel Zegler einfach nicht abgekauft, dass sie die Schönste im Lande sein soll und sie kaufen es auch Lupita Nyongo nicht ab, dass sie Helena, Königin von Sparta, Enkelin von Zeus sein soll, dass sie die schönste Frau der Welt sein soll, die Frau, für die die griechischen Fürsten mit 1000 Schiffen nach Troja segelten, die Frau, für die man alles sausen lässt, für die man 10 Jahre Krieg führt.

Es widerspricht einfach so sehr den Sehgewohnheiten, der Erwartung dem historischen Kontext, es widerspricht dem, was man an Klassikern schätzte.
 
Es gibt einen Film, der fast so alt ist wie ich:
Orfeu negro, von Marcel Camus. Und er gewann 1959 immerhin die Goldene Palme von Cannes:

Orfeu Negro – Wikipedia

Aber, es ist eine Transposition, eine Verlegung des Stoffes in die Welt des Karnevals von Rio. Also keineswegs eine Aneignung oder kulturelle Piraterie.

Und zu keinem Zeitpunkt wurde der Film, in Griechenland oder im Land der farbigen brasilianischen Protagonisten, die überwiegend Laienschauspieler waren, als Provokation oder kultureller Kolonialismus verstanden.

Und immerhin damals geadelt durch das Lob des französischen Filmjournalisten und Kritikers Georges Sadoul, dessen Filmlexikon mein Leitfaden durch die Welt des Films wurde.


¹ Dictionnaire des films. Seuil, 1965, Neuauflage 1990
(Ich hatte nur einen Reprint der Originalausgabe, mit einem Annex aus den 1970er Jahren).
 
Zuletzt bearbeitet:
Es hat aber auch die Phantasie ihre Grenzen, es gibt Vorlagen und Klassiker, es gibt Sehgewohnheiten, es gibt Erwartungen, und es gibt vielleicht auch angenehme Erinnerungen, die Zuschauer mit Klassikern des Films oder auch mit Disney-Klassikern verbinden, an denen sich Remakes eben auch messen lassen wollen, da haben Zuschauer gewisse Assoziationen und Erwartungen, Sie haben bestimmte Vorstellungen von James Bond, von Helena oder auch von Arielle. Die Zuschauer mögen das Original, sie mochten Tinker Belle oder Arielle, auch Mulan, und diese woken auf divers getrimmten Remakes hassen sie, weil es ihre Erwartungen enttäuscht. Weil man ihnen etwas vorsetzt, was sie nicht sehen wollen.

Es enttäuscht ihre Erwartungen, es widerspricht ihren Sehgewohnheiten man kauft den Darstellern einfach eine Rolle nicht ab.

Wenn die Zuschauer es einfach nicht abkaufen, wenn sie es nicht sehen wollen, dann war es vielleicht auch einfach nur eine Fehlbesetzung.

Die Zuschauer haben es Rachel Zegler einfach nicht abgekauft, dass sie die Schönste im Lande sein soll und sie kaufen es auch Lupita Nyongo nicht ab, dass sie Helena, Königin von Sparta, Enkelin von Zeus sein soll, dass sie die schönste Frau der Welt sein soll, die Frau, für die die griechischen Fürsten mit 1000 Schiffen nach Troja segelten, die Frau, für die man alles sausen lässt, für die man 10 Jahre Krieg führt.

Es widerspricht einfach so sehr den Sehgewohnheiten, der Erwartung dem historischen Kontext, es widerspricht dem, was man an Klassikern schätzte.
Ich weiß nicht, was immer diese Kampfbegriffe sollen, "woke" und so. Kann man diese Diskussion nicht ohne herabwürdigende politische Kampfbegriffe führen?

Ist es nicht gerade eine Aufgabe der Kunst (wenn man überhaupt von Aufgaben der Kunst sprechen kann) unsere Sehgewohnheiten zu hinterfragen?

Weil du Arielle ansprichst, laut ChatGPT und Gemini, die ich beide gefragt habe, hat der neuere Film etwa das doppelte von dem eingespielt, was der ältere Film eingespielt hat, was bei den verdoppelten Kinopreisen zwischen 1989 und 2023 auf etwa dieselbe Anzahl an Zuschauern schließen lässt. VHS/DVD-Verkäufe und Streamings nicht eingerechnet.
 
Zurück
Oben