Die Frage ist, wer der Adressat ist. Ilias und Odyssee sind mittlerweile universaler Stoff. Wenn die Erzählung aus der Zulu-Mytholoie universaler Stoff wäre (dass sie es nicht ist, merken wir schon daran, dass wir zu ignorant sind, um welche zu kennen), wäre das imho genauso legitim, wie hier.
Ich persönlich hätte Lupita Nyong'o nicht für die Rolle ausgewählt, aber eben auch nicht Diane Kruger. Das rassistische an der Debatte - und sie ist rassistisch(!) - ist nicht die Kritik an der Besetzung Helenas mit Lupita Nyong'o, sondern, dass sie sich alleine auf diese Rolle fixiert und eben nicht auf den weiteren Cast (Charlize Theron, blond, Matt Damon, aschblond etc.), einzig und allein auf die Kenianerin bezogen. Bei allen anderen gibt es keinen Störfaktor und das ist doc seltsam.
Meinetwegen dreh Shaka Zulu mit einer Handvoll Schluchtenscheißern und Piefkes. Es könnte mir nicht egaler sein, wenn der Film nur gut ist.
Anstatt dass wir Drehbuch, schauspielerische Leistung, Regie, Kameraführung etc. bewerten, bewerten wir hier die Hautfarbe einer Schauspielerin. Die Frage ist doch, ob der Film am Ende überzeugen kann - und dazu muss man ihn gesehen haben. Alles andere sind Vorverurteilungen!
Wenn im Ring der Nibelungen Siegfried im Anzug mit Krawatte auf der Bühne steht, ist das nicht im Einklang mit dem, wie Wagner sich das vorgestellt hat, aber regt sich darüber jemand auf? Ist nicht die Hauptsache, dass er die Töne trifft?
Das Medium Oper oder Hörspiel ist aber auch schwer mit dem medium Film zu vergleichen, das sind ja doch unterschiedliche Sehgewohnheiten
Der Punkt ist doch, nehme ich einem Schauspieler eine bestimmte Rolle ab, oder eben nicht.
Ein Franzose verkörperte eine Romangestalt einen Apachenhäuptling, den ein deutscher Autor geschaffen hatte, ein Amerikaner verkörperte den teutonischen Superhelden Old Shatterhand, ein Brite den Old Surehand, aber selbst wenn die mit den Figuren aus Karl Mays Romanen nicht viel gemein hatten, so waren Pierre Price, Lex Barker und Stewart Granger doch immerhin eine Marke, man nahm ihnen die Rolle doch immerhin ab.
Ein Jude aus Osteuropa gebürtig, Amerikaner spielte Spartacus, spielte Odysseus, und Kirk Douglass in Ulysses 1954 war überzeugend, es war auch eine Verfilmung, die sich recht eng an die Vorlage hielt. Ein Mexikaner, Anthony Quinn spielte seinen Widersacher Antinous, und auch dem nahm man es ab.
Brad Pitt nahm man doch immerhin das Duell mit Boagrios, mit Hektor ab, und man mag den Film kritisieren, aber ich fand dass die Szene mit Priomos (Peter o Toole zumindest noch einen Hauch vom Geist Homers rübergebracht hat.
Es hat aber auch die Phantasie ihre Grenzen, es gibt Vorlagen und Klassiker, es gibt Sehgewohnheiten, es gibt Erwartungen, und es gibt vielleicht auch angenehme Erinnerungen, die Zuschauer mit Klassikern des Films oder auch mit Disney-Klassikern verbinden, an denen sich Remakes eben auch messen lassen wollen, da haben Zuschauer gewisse Assoziationen und Erwartungen, Sie haben bestimmte Vorstellungen von James Bond, von Helena oder auch von Arielle. Die Zuschauer mögen das Original, sie mochten Tinker Belle oder Arielle, auch Mulan, und diese woken auf divers getrimmten Remakes hassen sie, weil es ihre Erwartungen enttäuscht. Weil man ihnen etwas vorsetzt, was sie nicht sehen wollen.
Es enttäuscht ihre Erwartungen, es widerspricht ihren Sehgewohnheiten man kauft den Darstellern einfach eine Rolle nicht ab.
Wenn die Zuschauer es einfach nicht abkaufen, wenn sie es nicht sehen wollen, dann war es vielleicht auch einfach nur eine Fehlbesetzung.
Die Zuschauer haben es Rachel Zegler einfach nicht abgekauft, dass sie die Schönste im Lande sein soll und sie kaufen es auch Lupita Nyongo nicht ab, dass sie Helena, Königin von Sparta, Enkelin von Zeus sein soll, dass sie die schönste Frau der Welt sein soll, die Frau, für die die griechischen Fürsten mit 1000 Schiffen nach Troja segelten, die Frau, für die man alles sausen lässt, für die man 10 Jahre Krieg führt.
Es widerspricht einfach so sehr den Sehgewohnheiten, der Erwartung dem historischen Kontext, es widerspricht dem, was man an Klassikern schätzte.