Operation Entebbe - Warum keine deutsche Beteiligung?

@thanepower in diesem Aufsatz, wird zum Beispiel erwähnt, dass man bezüglich des deutschen Botschaftspersonals besorgt war. Aber ganz habe ich mir das auch noch nicht durchgelesen! Werde ich aber nächstes Wochenende mal machen.:cool:

Um einen militärischen Beitrag als Solches ging es mir gar nicht! Mich stört an der Sache, die Gesamtsituation. Mag sein, dass mein Eindruck ein falscher ist bzw. war? Aber nachdem was ich mir so angesehen und angelesen habe, scheint es mir so, dass man in der Bundesrepublik versucht war, dass Thema totzuschweigen. Oder besser gesagt, man versuchte die Sache einfach auszusitzen. Und das ist für einen Rechtsstaat peinlich und einfach nur feige.:(

Schon im Falle der Olympiade in München hat man sich ja auf die billigste Tour aus der Affäre gezogen! Danach kam dann noch die Sache mit Peter Lorenz! Spätestens ab da, wusste wohl jeder Terrorist und Bandit weltweit, dass man der BRD nur stark genug auf die Füße treten muss und schon wird gesprungen.

Auch auf meinen Einwand mit der Nato komme ich nochmal zu sprechen. Für den Fall, dass nicht ersichtlich ist, was ich meinte, hier noch einmal die Langfassung. Klar ist, die BRD, war kein vollständig souveräner Staat. Aber auch wenn, das so gewesen ist und die Alliierten immer noch Kontrollrechte hatten! Warum, hat man auf Nato-Ebene, nicht einfach eine Expertengruppe gebildet, welche sich mit Justiz und Polizeifragen beschäftigt hat? Auf diesem Weg, hätte man sicherlich Wege finden können, die Strafgesetze und Strafprozessordnungen einander anzupassen. Genauso wie die Polizeigesetze. Wieso hat man sich nicht einfach mal Blöde gestellt nach dem Motto:

"Liebe Besatzer bzw. Beschützer"! Wir die Bundesrepublik stehen vor einem neuen Problem! Wir brauchen euren Rat und eure Hilfe. Es ist nicht so, dass wir nicht wüssten, wie man mit Aufständischen fertig wird. Aber die Methoden aus vergangenen Zeiten, wecken für gewöhnlich, den Argwohn unserer Nachbarn. Also bitte, bevor wir wieder etwas falsch machen. Zeigt uns doch wie man mit Bombenlegern und Bankräubern sowie Landesverrätern fertig wird. Selbstverständlich hundertprozentig Demokratie-verträglich.

So hätte die Bundesregierung, jeden Eindruck vermeiden können, sie wolle wieder den Weg des Staatsnotstandes wie 1919 oder der Sondergesetze wie 1933 gehen. Außerdem, hätten sich dann die Alliierten äußern müssen! Immerhin sind viele Regelungen, die den deutschen Rechtsstaat damals wie heute behindern bzw. die Exekutive schwächen, auf deren "Wunsch" so im Grundgesetz und in den Bundes- und Ländergesetzen so verabschiedet worden.


Alternativ hätte natürlich auch die Möglichkeit bestanden, dass deutsche BKA, in eine Art FBI zu verwandeln! Was die Länder natürlich sicherlich nicht befürwortet hätten.

Die Nato ist ein Militärbündnis, und es wurde die Bundesrepublik nicht angegriffen. Es bestand keine Veranlassung, die Nato anzurufen, und es war im Grunde auch nie der Ausgang fraglich, es handelte sich um eine simple Polizeiaufgabe. Sich an die Nato zu wenden, hätte eine Bankrotterklärung bedeutet, ein Eingeständnis, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht mit einer Stadtguerilla fertig werden kann und unfähig ist, ihrer staatlichen Souveränität gerecht werden zu können.
 
So gesehen stimmt das natürlich. Aber! Die Nato, war ja nicht nur für die äußere Sicherheit verantwortlich.
Artikel 4 hätte durchaus die Möglichkeit geboten, sich auch mit diesen Fragen zu befassen. Somit hätte die Bundesregierung auch die Chance gehabt, die Meinungen der anderen Alliierten einzuholen.:rolleyes: Auch wenn, dass heute keiner hören möchte, bei allen Fragen der Sicherheit, egal ob im Inneren oder im Äußeren, war die Bundesrepublik einer engmaschigen Kontroller unterworfen.

Natürlich, wäre es auf der einen Seite peinlich gewesen, hätte man vonseiten Deutschlands diesen Weg beschritten. Allerdings hätte man diesem Schritt auch jeden Verdacht ausgeräumt, man wolle etwas tun, was den gemeinsamen Interessen schadet. Außerdem, ist ja keineswegs so, dass die Nato nicht auch betroffen gewesen wäre.:(

Im Jahre 1972 wurden ja auch amerikanische Militärstützpunkte durch Attentate angegriffen. Und die USA sind und waren die Führungsmacht in der Nato. Allerdings sah man den Terrorismus damals noch nicht als wirkliche Gefährdung. Das hat sich dann erst mit der Besetzung der eigenen Botschaft in Teheran geändert.

Nun ja! Da kann man nichts machen. Getan ist getan und vertan ist vertan. Fest steht jedenfalls für mich, dass die deutsche Regierung damals völlig falsch reagiert hat und es Israel zu verdanken hat, dass der deutsche Staat sich aus der Affäre ziehen konnte, ohne Farbe zu bekennen. Das man ein Jahr später richtig reagiert hat, ist zwar löblich aber leider bis heute ein Einzelfall.
 
Fest steht für mich auf alle Fälle eines: Diese Aktion hat das deutsch-israelische Verhältnis mit Sicherheit nicht verbessert

Fest steht für mich auch, dass die deutsche Regierung völlig falsch reagiert hat und es Israel zu verdanken hat, dass der deutsche Staat sich aus der Affäre ziehen konnte.


Nach Lage der Dinge hat Bundeskanzler Schmidt besonnen und korrekt gehandelt. Auch konnte man ihm kaum parteipolitisches Taktieren vorwerfen. Im Gegenteil hat sich Schmidt um eine überparteiliche Zusammenarbeit gegen den Terrorismus engagiert und einen Mitarbeiterstab gegründet, dem auch der damalige Oppositionsführer Kohl angehörte.

Völlig unsinnig ist auch die Einschätzung, die BR habe so agiert, dass jeder Terrorist davon überzeugt sein musste, das der Staat Erpressungen nachgibt. Das Gegenteil war der Fall, Schmidt hatte knallhart gezeigt, dass die BRD sich nicht erpressen lässt, und man hatte aus den Erfahrungen von München doch einiges gelernt.
Ohne das Vorbild Entebbe hätte man vermutlich 1977 nicht riskiert, die Landshut in Mogadischu zu befreien.

Korrekt würde ich allerdings deine Einschätzung bewerten, dass Israels Vorgehen der BRD erlaubte, ihr Gesicht zu wahren.

Zu den Forderungen der Geiselnehmer gehörte auch die Forderung der Freilassung von RAF-Gefangenen. Helmut Schmidt hatte sich, noch vor der Entführung, sehr stark über Lorenz und seine Panik vor der RAF lustig gemacht. Schmidt war ein Gegner von Nachgebigkeit, und er bestimmte, dass wenn er selbst oder seine Frau entführt würden, man keinesfalls nachgeben sollte.

Nun hatten die Geiselnehmer aber einen ganzen Flieger jüdischer Geiseln. Zum ersten Mal nach 1945 waren Juden selektiert worden-

Auch wenn Helmut Schmidt eine knallharte Linie gegen Terrorismus fuhr und ein Nachgeben gegenüber Terroristen strikt ablehnte, die BRD hätte es sich bei ihrer Vergangenheit kaum leisten können, das Leben jüdischer Geiseln zu opfern wie man es später mit Arbeitgeberpräsident Schleyer tat.

Israel hat durch das Gelingen der Operation Entebbe die Bundesrepublik davor bewahrt, eine ganz eklige Kröte schlucken zu müssen. Hätte das nicht geklappt, blieb der BRD nur die Alternative, entweder RAF-Terroristen freizulassen oder aber jüdische Geiseln opfern zu müssen, hinzunehmen, dass diese selektiert und ermordet wurden.

Relativ wenig bekannt war, dass auch eine Holocaust-Überlebende, Dora Bloch geborene Feinberg gehörte zu den vier Geiseln, die von den Entführern getötet wurde. Es waren Geiseln nur wegen jüdisch klingender Namen selektiert worden. Ein anderer Holocaustüberlebender machte einen den Entführer, Böse, auf seine Tätowierungen aus dem KZ aufmerksam, worauf dieser ihn verschonte. Dora Bloch war auf dem Weg zur Hochzeit ihres Sohnes in New York, als sie entführt wurde. Weil ihr einj Bissen im Hals steckte, war sie in ein Krankenhaus verlegt worden. Anscheinend wurde Bloch kurz nach der Geiselbefreiung von ugandischen Geheimdienstleuten erschossen.

Insgesamt hat Operation Entebbe indirekt das deutsch-israelische Verhältnis sogar verbessert! Die Aktion des Mossad stieß auf Erleichterung und Bewunderung. In der BRD kam es zu spontanen pro-israelischen Demonstrationen.

Wegen der Palästinenser-Politik gab es in linken Kreisen große Vorbehalte und Kritik gegen Israel, und Israel war das Lieblingskind der Springer-Presse, die wiederum- nicht ganz zu Unrecht- Hassobjekt der politischen Linken war. Es gab durchaus in der BRD so etwas wie einen linken Antisemitismus. Israel wurde daher durchaus kritisch gesehen.

Die Erfahrung, dass wie in der NS-Zeit Juden selektiert und umgebracht wurden, sorgte aber allgemein auch in der linken Szene für Entsetzen. Einige Zeitgenossen und Beteiligte änderten daraufhin ihre Einstellung zu Israel.

Der spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer, der damals der Sponti-Szene angehörte, sagte später, dass die Eindrücke der Entebbe Aktion dazu geführt hätten, dass er sich von seiner Militanz verabschiedete. Auch ehemalige Terroristen wie Hans Joachim Klein und Peter Book distanzierten sich unter dem Eindruck von Entebbe 1973 vom Terrorismus. Klein warnte 1977 vor Anschlägen der Revolutionären Zellen gegen Heinz Galinski den späteren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden.

Die Operation Entebbe führte in Israel dazu, dass die Bedeutung des Holocaust für Israel stärker betont wurde. Die Aktion führte vielerorts zu spontanen pro-israelischen Demonstrationen. Die Ausstrahlung der US-Serie Holocaust 1978 wurde auch in Deutschland positiv aufgenommen.

Insgesamt würde ich eher dazu tendieren, dass die Operation Entebbe die deutsch-israelischen Beziehungen eher verbessert, als verschlechtert hat.
 
Die ugandischen Geheimdienstleute vor Ort, haben nicht nur nichts unternommen, um den Menschen zu helfen. Nein! Man hat auch noch (Nachschub und Verstärkung für die Entführer organisiert.)

Nicht nur das! Der Hammer war dass der ugandische Geheimdienst die Holocaust-Überlebende Dora Bloch erschoss.

Bloch hatte die Hölle von Auschwitz überlebt und war auf dem Weg zur Hochzeit ihres Sohnes in New York. Sie lebte in Tel Aviv. Um nach NY zu kommen, musste sie erst nach Paris fliegen , und so geriet Bloch in die Fänge der Entführer.

Beim Flug war ihr, vielleicht auch durch den Schreck ein Bissen im Hals steckengeblieben, Ärzte hatten empfohlen sie sofort in ein Krankenhaus zu bringen, und die Geiselnehmer hatten zugestimmt, dass sie ins Hospital nach Kampala kam. Ihrem Sohn erlaubte man nicht, sie zu begleiten. Dort wurde sie operiert, der Fremdkörper entfernt und sie blieb zur Beobachtung. Am Abend nach dem Sturm der Israelis wurde Dora Bloch aus dem Krankenhaus in Kampala von ugandischen Offizieren gegen ihren Widerstand entführt und kurz danach auf Befehl von Idi Amin von zwei Offizieren erschossen.
 
An dieser Schweinerei waren ja auch zwei (deutsche) sogenannte Revolutionäre beteiligt
Im Grunde genommen war Entebbe eine Episode, eine Flugzeugentführung wie so manche, ein Terroranschlag von vielen. Dennoch gab es eine Szene, die heute aktueller denn je erscheint. Die beiden "sogenannten Revolutionäre" hießen
Wilfried Böhse und Brigitte Kullmann, und sie waren nicht nur Revolutionäre, sondern auch "Idealisten". Die beiden "Idealisten" Böhse und Kullmann waren die ersten Deutschen, die nach 1945 eine Selektion von Juden durchführten. Als Böhse und Kullmann noch damit beschäftigt waren, die Juden von den anderen Passagieren zu trennen, trat ihnen ein Jude, ein Holocaust-Überlebender entgegen. Er rollte den Ärmel hoch, zeigte den Terroristen die eintätowierte Häftlingsnummer, und er sagte Böhse ins Gesicht:



"Sie sind ein Nazi!"

Die beiden "Idealisten", waren tödlich beleidigt. Statt zu sagen: "Jawohl, wir sind deutsche Judenhasser, wir separieren und töten Juden, wir machen genau das, was Eichmann und Heydrich getan haben. Wir machen genau da weiter, und sind stolz drauf", sagte Böhse zu dem Holocaustüberlebenden:

"Ich bin kein Nazi, ich bin ein Idealist!"

Sie begingen die widerlichsten Verbrechen, entführten und töteten Menschen, und dennoch fühlten sie sich im Recht. Sie glaubten allen Ernstes, dass sie "Idealisten" waren, Freiheitskämpfer, Kämpfer für eine gute Sache. Sie waren "Idealisten", sie waren auf der "richtigen" Seite, und wer ein Idealist ist, wer für die gute Sache eintritt, der gehört zu den Guten, selbst wenn er noch so böse Dinge tut.


Maximilien de Robespierre galt als unbestechlich, tugendhaft, man könnte ihn als den Proto-Typ eines "Idealisten" ansehen, der um der vermeintlich guten Sache wegen überaus grausame Taten beging.

"Idealismus", das Bewusstsein, einer Gruppe anzugehören, die den Durchblick hat, die der "guten Sache" dient, das war schon immer ein sehr bequemes Mittel der Selbstermächtigung und Selbsterhöhung, eine Selbstermächtigung und Überhöhung, der durchaus nicht nur die Dummen und Denkfaulen, die ewigen Mitläufer und Opportunisten verfallen. Diese aber sind besonders anfällig, weil es ja auch sehr praktisch und bequem ist.


Wenn man sich selbst überhöht, den vermeintlichen Gegner entmenschlicht, dann ist es auch nicht mehr weit, dass man glaubt, man kann sich alles erlauben, man dient ja der guten Sache.

Simeon Trux von der Hammerbande, der sich jetzt Maja nennt, sagte bei seiner Verhandlung in Budapest, er sei ein "Menschenfreund". Was er niemals sagte das war: ich habe das nicht begangen, ich bin unschuldig. Auch nicht sorry, wir haben Selbstjustiz begangen, die ersten Opfer waren noch Leute, die selbst Leute zusammengeschlagen und drangsaliert haben, zuletzt da hatte es dann auch Leute erwischt, die ein Lonsdale T-Shirt trugen oder die Verkäuferin in einem Laden, der die Marke Thor Steiner verkaufte.
Ich fand das Urteil nicht übermäßig hart. Mein Nachfolger in der Bücherei hat für Wirtschaftsdelikte 6 Jahre bekommen. Ein anderer besaß ein Autohaus, er hat für Betrug 4 Jahre gekriegt. Beide waren völlig unbescholten, haben das kassiert als Ersttäter. Das wohlgemerkt von ganz normalen hessischen Gerichten. In Ungarn sind solche Taten sehr ungewöhnlich. Ich fand eher, dass er glimpflich davongekommen ist. Unmenschliche Haftbedingungen? Isolationshaft? Ich bin mir sicher, dass Simeon gar nicht weiß, was das ist-unmenschliche Haftbedingungen. Die Isolationshaft, die rührt einfach daher, dass die Ungarn nicht so grausam sind, Simeon gemeinsam mit seinen Mitgefangenen in die Freistunde und in die Freizeit zu schicken. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Simeon oder Maja Wert legt, sich seinen Mitgefangenen zu stellen.
Den wird man auf eine Station verlegen, wo sehr alte Gefangene sitzen, "Sittiche", "Pädos".

Man erzählt sich, dass Vergewaltiger, "Pädos" oder bestimmte Gefangene durch die Hölle gehen. Es kommt immer mal vor, dass so etwas über gefangene herauskommt, dass ein Mitgefangener davon weiß, dass Gerüchte aufkommen. Dann kann es wirklich übel werden für einen Gefangenen, auch gefährlich, selbst wenn es vielleicht nur ein Gerücht ist. Aber ausgeprägte Sexualstraftäter oder auch andere Gefangene, die Taten begangen haben, wo man vermuten könnte, dass sie den Zorn und den Hass ihrer Mitgefangenen erregen könnten, die werden in der Regel separiert von anderen Gefangenen. Bei Sexualstraftätern ist es zumindest so, dass sie in der Regel unter ihresgleichen bleiben.

Klar, wenn sie sich ihren Mitgefangenen stellen müssten, wenn sie getestet werden, könnte es passieren, dass sie dann einige Zeit auf dem Krankenrevier verbringen würden, und genau das wird zumindest in Ungarn wohl auch kein Direktor riskieren wollen.

In Rumänien, Russland, Moldavien, vermutlich auch in der Ukraine, würden sie diese Rücksicht vermutlich nicht nehmen.

Ich kann Simeon nur sagen: Nur Mut, wirklich schlimm sind eigentlich nur die ersten 15 Jahre, mit der Zeit gibt sich das, siehe es sportlich, früher haben die Gefangenen geschmolzenes Blei getrunken oder mussten über glühende Kohlen laufen: Du hast eine gut geheizte Zelle, Fernseher, vermutlich eine gute Bücherei, Sportangebot, viel Zeit zum Schachspielen, gute Schachpartner. Die Verhältnisse haben sich gebessert.
 
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