Ortsbezeichnungen nach weit entfernten historischen Ereignissen

Naresuan

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Aus dem langen 19. Jh. gibt es Beispiele, wo Namen für Ortsbezeichnungen gewählt wurden, zu denen die Namensgeber kaum mehr Bezug hatten, als was man in Büchern oder der Zeitung darüber lesen konnte.

z.B. Port Arthur/Transvaal als Stadtteile in Emden.

Bei mir in der Gegend wurde 1877 eine Bahnlinie eröffnet, die man im Volksmund Schipkapass-Bahn nannte.
Wie der Wiki-Artikel zum Schipkapass erhellt, war dieser Name offenbar sehr beliebt.

Kennt ihr weitere Ortsbezeichnungen aus eurer Umgebung, in denen bei der Benennung weit entfernte, exotische Namen aus zeitgenössischen historischen Ereignissen übernommen wurden?
 
Waterloo. Es gibt ein Waterloo in Brandenburg. Und einen Stadtteil in London.
Dann gibt es kleine Weiler in Norddeutschland, die etwa Amerika o.ä. heißen.

Durch's Geocaching weiß ich, dass es einen Ort GIbraltar in England gibt, denn es gibt einen Multicache, den man nur lösen kann, wenn man in Gibraltar und in Gibraltar war.

Die italienische Stadt Tivoli hat ihren Namen auch weit gestreut, über Aachener Fußballstadien bis hin zu Kopenhagener Vergnügungsparks.
 
Straßen und Plätze, die nach weit entfernten Orten benannt sind, ohne wirklich einen Bezug dazu zu haben, gibt es wie Sand am Meer. Das Afrikanische Viertel im Wedding ist ein Beispiel, wo es zum Namen des ganzen Kiezes wurde.


Im Berliner Südwesten gibt es die U-Bahn-Station "Onkel Toms Hütte", benannt nach der Onkel-Tom-Siedlung, die wiederum nach einem Lokal benannt wurde, dessen Name auf den berühmten Roman zurückgeht. Ist nicht ganz zeitgenössisch (das Lokal gibt es seit 1885), aber nahe dran.

 
Bri Morsbach im östlichen Oberbergischen gibt es einen Ortsteil "Rom". Dort musste vor Jahren einem älteren englischen Autofahrer geholfen werden, der auf der (sehr mutigen, bedenkt die Strecke!) Fahrt von Großbritannien nach Italien dort gestrandet war, brav seinem Navi gefolgt. Er hatte hoffentlich dann ein warmes Bett und gutes Abendessen vor den restlichen 1.501 km bis zur heiligen Stadt...

Unweit davon gibt es einen Ortsteil von Freudenberg mit der Bezeichnung "Kleintirol", der tatsächlich auf österreichische Holzfäller in Fürstlich-Hatzfeldt'schen Diensten zurückgeht.
Im rheinland-pfälzischen Mudersbach gibt es die gegenüberliegende steile und nordseitige Talseite "Walachei".
Das sind aber alles sprechende Namen, nicht bezogen auf tipographisch weit entfernte historische Ereignisse.

Auch der Durchzug fremdartiger russischer Truppen 1814 bei der Verfolgung Napoleons hinterließ mancherorts Ortsnamen.
 
Bri Morsbach im östlichen Oberbergischen gibt es einen Ortsteil "Rom".
Ich dachte, das Phänomen wäre erst im 19. Jh. aufgetaucht. Dann gab es das wohl schon im Mittelalter.

Danke für alle genannten Beispiele.
Besonders faszinierend sind Ortsbezeichnungen, bei denen man davon ausgehen kann, dass die Namensgeber nicht viel darüber wussten und bei denen möglicherweise nur der exotisch klingende Name bzw. eine dramatische Berichterstattung vom Geschehen dort, für die Namensgebung ausschlaggebend waren.
 
Durch's Geocaching weiß ich, dass es einen Ort GIbraltar in England gibt, denn es gibt einen Multicache, den man nur lösen kann, wenn man in Gibraltar und in Gibraltar war.
Bei dem Beispiel kam mir Valentia Island (oder Valencia Island) in Irland in den Sinn, dessen Name aber mit dem spanischen Valencia scheinbar gar nichts zu tun hat.
(Eine wichtige Telegraphenkabel-Station im 19. Jh.).
 
In meinem kleinen Dorf wurde eine noch kleinere Ansiedlung von Häusern in den fünfziger Jahren errichtet, die Zeit war geprägt durch den Koreakrieg.
Richtigerweise nennt man die Ansiedlung auch heute noch "Korea", auch wenn sie meines Wissens nicht so auf offiziellen Karten vermerkt ist. Dafür ist es zu klein und unbedeutend, und auch keine administrative Verwaltungseinheit.
 
In Prag gibt es einen Stadtteil Troja. Angeblich soll dafür ein gleichnamiges Schloss aus dem 17. Jh. verantwortlich sein. Außer einer Skulpturengruppe erinnert das barocke Schloss jedoch wenig an Troja.
 
Nur indirekt nach der Schlacht von Tannenberg wurde umbenannt Zabrze / Hindenburg in Oberschlesien. Die große und industriell bedeutende Gemeinde (Stadt war sie noch nicht) wurde 1915 in Hindenburg umbenannt, vorher war auch im Kaiserreich der Name Zabrze in polnischer Aussprache üblich.

 
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