Auf der ersten oder zweiten Seite des Artikels wird behauptet, die Menschen hätten sich bis in die Barockzeit nicht gewaschen und da man im Mittelalter noch über keine Parfums verfügt habe, Duftwässer mit Kräutern hergestellt. Das ist Unsinn. Man hat im Barock dank des jüngst erfundenen Mikroskops a) Bakterien und b) Poren in der Haut entdeckt. Da man befürchtete, dass Bakterien durch die Poren eindringen könnten, haben sich einzelne Personen, die Zugang zu diesem "Wissen" hatte nicht mehr mit Wasser gewaschen, und parfümiert. Das gilt aber weder für die Mehrheit, noch für alle Zeiten. Insgesamt wird man davon ausgehen müssen, dass die Menschen sich nicht täglich wuschen oder gar 2x täglich duschen, wie viele heute, die sich dann wundern, dass ihre Haut ganz empfindlich wird.
Es gab noch keine Parfums auf Alkohol-Basis, aber wohlriechende Salben und Öle gab es schon in der Antike.
Eine solche Trinkwasser-Versorgung wie im Imperium Romanum das hat man tatsächlich erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder hinbekommen.
Aber nicht gebadet? Heiße Thermalquellen, die hat doch schon Karl der Große zu schätzen gewusst, und Kuraufenthalte das hat sich doch wohl im 18. Jahrhundert eingebürgert, Goethe und andere Zeitgenossen sind in Kurorte gereist, Goethe hat sich mit 80 noch mal in Marienbad verliebt.
Vielleicht konnten sie nicht ganz mit den Caracallathermen messen, aber wenn man sich Bilder von Alten Meistern ansieht, würde ich doch die Prognose wagen, dass Badehäuser ein völlig übliches und alltägliches Bild in einer mittelalterlichen Stadt waren. Praktisch jede größere mittelalterliche Stadt hatte mindestens ein Badehaus.
Recht häufige Familiennamen wie Bader, Baader, Bartscherer sind ein Indiz dafür, dass der Beruf des Baders, der sozusagen Barbier, Badestubenbetreiber und Zahnarzt in Personalunion war, im Mittelalter und der frühen Neuzeit ein recht verbreiteter Beruf war.
Badehäuser können so selten nicht gewesen sein. Jede größere mittelalterliche Stadt hatte mindestens eins, in Urkunden tauchen Formulierungen auf, dass Leute, die ein Badehaus zerstörten, haftbar gemacht werden.
Wie gesagt, sie konnten nicht unbedingt mit den römischen Thermen mithalten, aber das sanitäre Niveau einer mittelalterlichen Stadt wird man durchaus als hoch bezeichnen müssen.
Eines der Abenteuer, die Herman Bote über den Schalksnarren Eulenspiegel erzählt, handelt davon, wie Eulenspiegel einen Bader ärgert, der seine Badestube gerne als "Haus der Reinheit" bezeichnet.