Polis

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Gast, 8. November 2010.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich suche schnell eine Erklärung die kurz ist aber auch richtig ist! ;)
    Wie ist Polis entstanden?


    Im voraus Danke ☻
    Martyna
     
  2. Gast

    Gast Gast

    Meinst du, wie der Begriff für einen griechischen Stadtstaat entstanden ist?

    Dann wäre meine Erklärung:
    Polis ist das griechische Wort für Stadt, Gemeinschaft, Gemeinde
     
  3. urvo

    urvo Aktives Mitglied

    Als Polis (altgr. πόλις „Stadt“, „Staat“) wird gewöhnlich der antike griechische Stadtstaat als städtischer Siedlungskern Stadt (ἂστυ asty) mit einem dazugehörigen Umland (χώρα chora), dessen Bewohner rechtlich nicht von den Einwohnern des urbanen Zentrums unterschieden waren, bezeichnet. Die typische Polis war eine Bürgergemeinde bzw. ein Personenverband und definierte sich nicht primär über ihr Territorium, sondern über ihre Mitglieder. .....
    http://wapedia.mobi/de/Polis

    Worte wie: Politik, Polizei,.... gehen auf diesen Wortursprung zurück.
     
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  4. Water

    Water Neues Mitglied

    Wie ist die Polis entstanden...

    Ich glaube das weiß man auch nicht so genau. Gibt ja diese Dark Ages, von denen wir nicht viel wissen. Und dann war sie einfach irgendwie da.
    Damals hatten die Griechen "Häuser" (oikoi, Einzahl oikos), also Landbesitz mit einem Haus, "Garten", Sklaven, Frau und Kinder usw. und haben da Landwirtschaft betrieben (inkl. Viehzucht). Also es gab einen Hausvorstand (der Vater) mit seinem "Anhang". Sowas wie Familienclans gab es da nicht. Wenn die Söhne von zuhause ausgezogen sind, bekamen sie ein Stück Land, heirateten und hatten dann ihr eigenes Haus mit allem drum und dran und mussten was draus machen, denn ob man einen reichen Vater oder Großvater hatte, war dann egal. Man konnte also sozial aufsteigen und auch absteigen.
    Eine Polis ist dann praktisch eine Gemeinschaft aus mehreren Häusern in einem Gebiet, also es gibt "viele Häuser" und irgendwann auch eine Art Oberhaupt für diese Gemeinschaft bzw. die Griechen sind nicht mehr nur "Bauern", die sich selbst versorgen, sondern "machen Politik" und geben sich mit ihren Nachbarn ab und so entsteht die Polis. Es werden dann Versammlungen abgehalten (sie essen und trinken zusammen oder treffen sich auf dem Marktplatz u.ä.), Dinge gemeinsam entschieden, es gibt Gesetze für das Zusammenleben usw.
    Diese "Entwicklungszeit" spielt sich etwa zwischen 8. und 6. Jh. v. Chr. ab.
    In der Klassischen Zeit (5.Jh.) hat sich dann die Polis etabliert.

    Das Wort Polis ist verwandt mit Begriffen, die sowas bedeuten wie "viele", also eine Vielherrschaft.
     
  5. Odysseus

    Odysseus Neues Mitglied

    Das bezweifle ich. "Viel" heißt polys. Die Mehrzahl davon ist polloi. Einen Bezug zu polis konnte ich im Wörterbuch nicht finden. Aus welcher Quelle stammt denn diese These?
     
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  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Waters Deutung halte ich auch für verfehlt, da der Ausdruck polis ursprünglich, z. B. bei Homer, für die befestigte Stadtburg verwendet wurde.
     
  7. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Eine Siedlungsgemeinschaft, die sich intern definiert, hierarchisch gegliedert ist und sich damit nach außen abgrenzt, gab es natürlich auch in vor der "dunklen Zeit", so daß Grundstrukturen der Polis schon viel eher angelegt waren und nicht erst nach dem 8/7 Jh. v. Chr. entstanden.
    Das wichtigste an der griechischen Polis ist das Bürgerrecht, welches nur sehr restriktiv gehandhabt wird. Damit sind eine ganze Reihe von Rechten verbunden, die aufgrund knapper Ressourcen wie zum Beispiel Ackerland stets in der Gemeinschaft gehalten werden sollen.

    Nur mal so: ich finde den Satz "damals hatten die Griechen Häuser" vor dem heutigen Hintergrund sehr gelungen.
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Erst mal als Begriffsbestimmung:

    Polis ? Wikipedia

    Der Ursprung der polis als politischer Verband* liegt mE in der Gemeinschaft der besitzenden Freien, also der (männlichen) Hausvorstände. Diese bildeten anfangs in allen poleis die Bürgerschaft; interessant ist das historische Zusammenfall der entstehenden polis-Ordnung mit der Entwicklung der klassisch-griechischen Phalanx, die von eben diesen Besitzbürgern gebildet wurde: Sie waren wohlhabend genug, um sich die kostspieleige Ausrüstung eines Hopliten leisten zu können, und doch war diese Bevölkerungsschicht breit genug, um ein "Massenaufgebot" zusammenzubekommen, im Gegensatz zu einem ritterlich-adligen Heer, in dem Nicht-Adlige nur Helfer oder Hilfstruppe sind.

    * Ich beziehe mich nicht auf den Begriff ; dieser bedeutete erst eher "Burg" oder "Höhenfestung" (später noch als akropolis) und erweiterte sich wohl erst später auf die Siedlungen, die sich um diese Festungen entwickelten. Mir geht es um die Entwicklung der politischen Ordnung innerhalb dieser Stadtgemeinden.

    In eher rückständigen Gegenden Hellas entwickelten sich keine oder kaum solche Siedlungen, und die gesellschaftliche Ordnung basierte weiterhin auf familiären bzw Stammesbindungen. Beispiele wären Thessalien oder Makedonien (wobei letzteres schon nicht mehr wirklich als Hellas galt, mWn). Dort behielt die aristokratische Oberschicht, deren Macht in den poleis erfolgreich gebrochen oder zumindest beschränkt wurde, auch im Großen und Ganzen die Macht, was sich auch militärisch zeigt: Thessalien war berühmt für seine (Adels-) Reiterei, während sich eine funktionierende Phalanx dort nicht entwickelte, da dafür die soziale Basis fehlte. Eine solche Phalanx zu schaffen war neben gesagt die entscheidende Vorbedingung, damit die Monarchie (!) Makedonien die Vorherrschaft in Griechenland erringen konnte; eine Reiterei hatten die Makedonen ohnehin.

    Familiäre Binungen im weitesten Sinne gab es natürlich auch im Verband der poleis, aber diese hatten kaum noch politische bzw administrative Bedeutung; das war abgelöst worden durch den Verband der Bürger, die sich in größeren poleis wohl immer noch in Verbände gliederten, die aber nicht mehr von der Abstammung abhing; in Athen wären das die Phylen gewesen, in anderen großen poleis gab es mE ähnliches.

    Diese Besonderheiten der polis-Ordnung im Gegensatz zu einer aristokratisch regierten Stammesgesellchaft, aus der die polis hervorging, macht es mE wahrscheinlich, dass sich diese Ordnung in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen der adligen Oberschicht und der Masse der anderen Freien entwickelte. Dabei übernahm die besitzende Mittelschicht als hauptsächliche Träger der Militärgewalt die Führung und konnte sich bedeutende Mitspracherechte sichern.

    Die freie Unterschicht, die die Masse der Bevölkerung stellte, profitierte eher nicht von dieser frühen Entwicklung. Erst als die polis als Bürgerverband schon existierte verschafften weitere Reformen auch dieser Unterschicht mehr und mehr Schutz- und später teilweise auch Mitspracherechte innerhalb der polis; für Athen wäre ein wichtiger Schritt dabei die solonischen Reformen, in der die Schuldsklaverei abgeschafft wurde (Schutz), und die Entstehung der antiken attischen Demokratie, die die wohl weitestgehende Ausweitung der Mitspracherechte der freien Unterschicht in Hellas darstellt. Auch hier wieder ein Verweis aufs militärische: Athen als Stadt, die die Seeherrschaft anstrebte, war sehr viel mehr auf die Armen (als Ruderer) angewiesen als Landmächte.


    Dies ist natürlich nur eine allgemeine Darstellung. Bei allein 700 griechischen poleis wird’s sicher auch andere Entwicklungen geben. (Aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel... :p)


    Interessant aber ist, dass sich diese Entwicklung auch in nicht-griechischen abspielte. In Rom bspw etablierte sich ebenfalls eine Gemeinde aus freien Bürgern mit abgestuften Rechten, die Aristokratie an der Spitze, nachdem die Monarchie abgeschafft worden war. Es sind innere Auseinandersetzungen bezeugt, in der die Mittel- bzw Unterklasse gewisse Mitspracherechte erzwang.

    So weit erst mal von mir... :winke:
     
  9. Plinius d.J.

    Plinius d.J. Neues Mitglied

    Wichtig ist auch noch, dass sich bei Polisversammlungen, wie sie des öfteren vorkamen, sich alle Bürger versammelten und über wichtige Angelegenheiten der Stadt diskutierten. (Sehr schön am Scherbengericht zu erkennen) Auch Sparta hatte nach den Lykurg zugeschriebenen Gesetzen eine Art Volksversammlung, die neben der Gerusia (von altgr. Geron :der Greis) und den zwei Königen eine Volksversammlung die im Politischen Geschehen Mitirkte. In Athen wurde dann die allen Polites(Bürgern) zugängliche ekklesia ( wovon lustigerweise auch das lat. Wort für Kirche kommt) neben der Bule das Mächtigste Staatsinstrument.
     

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